laut.de-Kritik

Die frühere Runaways-Gitarristin scheitert kläglich.

Review von

Den Blick gen Boden gerichtet steht Lita Ford zwischen zwei Gleisen. Mit der obligatorischen BC Rich unterm Arm stützt sie sich auf ihr Knie und erweckt den Eindruck einer verschnaufenden Flüchtenden, die kurz inne halten muss, um sich über ihr nächstes Reiseziel klar zu werden. Passend zum Albumtitel mimt die in die Jahre gekommene britische Starkstrom-Queen die Rastlose. Stilecht mit Flickenjeans, Cowboy-Boots und wallender Mähne steht sie da wie ein Pappaufsteller aus den 80ern. Nach dem experimentellen Vorgänger-Fiasko "Wicked Wonderland" geht es also wieder zurück.

Zwar entlockt Lita ihrer Warlock durchaus neuzeitliche Klänge, und auch die Drums von Matt Scurfield galoppieren druckvoll um die Ecke; doch was nützt dem Ergrauten die hippste Ausgehuniform, wenn es auf der Tanzfläche nur zum Walzer reicht? Bereits mit dem Einsteiger-Duo "Branded" und "Hate" greift die Sängerin in punkto Songaufbau und Struktur so dermaßen tief in die Mottenkiste, dass einem die Haare zu Berge stehen. Belanglos und blutleer reihen sich Strophen, Brücken und Refrains aneinander. Überraschungsmomente? Fehlanzeige. Innovative Ansätze? Gibt es nicht.

Was bleibt ist die verzweifelte Suche nach eingängigen Melodien, die den Karren wenigstens halbwegs aus dem Dreck ziehen. Doch auch hier stellt sich alsbald Ernüchterung ein. Richtig peinlich wird es aber erst, wenn sich das dünne Organ der Bardin auf Songs wie "The Mask" und "A Song To Slit Your Wrists By" mit Industrial-Klängen paart und dabei so deplatziert wirkt wie eine Bluesharp auf einem Slayer-Album.

Auch das Gespür für aufwühlende Balladen, wie einst beim Osbourne-Duett "If I Close My Eyes Forever" unter Beweis gestellt, ist der ehemaligen Runaways-Gitarristin scheinbar über die Jahre völlig abhandengekommen. Anders lassen sich halbgares Gezupfe à la "Mother" oder das nicht minder ausdruckslose "Asylum" wohl kaum erklären.

Lita Ford scheitert fast schon kläglich beim Versuch altes Gut ins neue Jahrtausend zu transportieren. Kein schmissiger Refrain und keine einzige Hook mit längerer Halbwertzeit: "Living Like A Runaway" reicht zu keiner Zeit auch nur annähernd an die großen Ford-Momente Ende der Achtziger heran. Lediglich das Eighties-Songwriting-Einmaleins aus dem Keller holen reicht nicht, um alte Geister wieder gefügig zu machen. Da muss schon mehr kommen. Wesentlich mehr.

Trackliste

  1. 1. Branded
  2. 2. Hate
  3. 3. The Mask
  4. 4. Living Like A Runaway
  5. 5. Relentless
  6. 6. Mother
  7. 7. Devil In My Head
  8. 8. Asylum
  9. 9. Luv 2 Hate U
  10. 10. A Song To Slit Your Wrists By

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