laut.de-Kritik

Wie gut überdauert Mainstream-Pop die Zeit?

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Wohl dem, der über ein solches Repertoire verfügt. Seit ihrem Karrierestart ("Affection", 1989) hat Lisa Stansfield zwar nur sieben Alben veröffentlicht, dafür kann sie eine ganze Reihe weltweiter Charterfolge vorweisen. Kein Problem also, ein abendfüllendes Liveprogramm zu kompilieren. Doch gerade bei Mainstream-Pop stellt sich auch die Frage: Wie gut hat er die Zeit überstanden?

Den Opener besorgt die Nummer "Can't Dance" aus dem aktuellen Werk "Seven", gefolgt von "Set Your Loving Free" von 1992. Beide Nummern klingen jedoch wie aus derselben Zeit: Mit ihren vorwärtstreibenden Beats, hymnischen Refrains, ummantelt von scharfen Bläsern und allerlei Gitarrenlicks, wurzeln die Songs unüberhörbar in der Phase des Übergangs vom Funk zum Phillysound Mitte der Siebziger.

Das passt bestens in die Soulpop-Retrowelle, die unlängst auch Simply Red mit ihrem ungenierten Rückgriff auf späten Seventies-Soul zelebrierten. Die Arrangements halten sich überwiegend an die Originalversionen. Eine Ausnahme bildet beispielsweise der Song "8-3-1", der live ein deutliches Uptempo-Lifting erhält. "Make Love To Ya" kommt im Gegensatz zum Original funkiger und erfreut mit einem für Stansfield-Verhältnisse fast frech anmutenden Schlagzeug-Solo.

Erschallt dann noch eine knallige Trompete gegen Ende, schreit es ganz laut von der Bühne: Las Vegas! Las Vegas! Und tatsächlich würde man sich nicht wundern, käme Tom Jones um die Ecke und gäbe sein "She's A Lady" mit Lisa im Duett.

Routiniert charmant gelingt die Beschwörung der Magie des Barry White-Klassikers "Never Gonna Give You Up" mit den sich im Verlauf steigernden Beats und kiloweise Streichern im Hintergrund. Immer wieder erstaunlich, über wieviel Volumen und kratzigen Soul die zierliche Britin verfügt, auch wenn in manchen Passagen die Zeit ihre Spuren hinterlassen hat.

Das Publikum spart jedenfalls nicht mit Applaus. "What Did I Do To You?" ist folgerichtig unüberhörbar auf Mitmachen der Fans angelegt. Ein besonderes Highlight stellte einst Lisas Adaption von "Live Together" dar. So auch hier, denn gerade dieser Song bietet der Sängerin die Möglichkeit, ihre vokalen Qualitäten voll auszuspielen.

Ganz zum Schluss fehlt natürlich der Megahit nicht: Schon bei den ersten Takten von "All Around The World" kommt erfasst Begeisterung im Publikum auf, ganze Strophenparts werden lauthals mitgesungen: Das gelungene Ende dieser großen Blue Eyed Soul-Party in Manchester.

Lisas Livemitschnitt überzeugt dank sauber differenziertem Klang - wozu vielleicht auch der besondere Geist der Abbey Road-Studios mit beiträgt, in dem das Album gemastert wurde. Die Stansfield-Songs sind zwar in die Jahre gekommen, aber eben in Würde gealtert. Die Kompositionen bedienen sich unterschiedlichster Versatzstücke des Soul, und die große Prise geschmeidiger Pop sorgt stets für puren Wohlklang. Und derlei kommt ja eigentlich nie so richtig aus der Mode.

Trackliste

CD 1

  1. 1. Can't Dance
  2. 2. Set Your Loving Free
  3. 3. The Real Thing
  4. 4. Stupid Heart
  5. 5. Never Never Gonna Give You Up
  6. 6. 8 - 3
  7. 7. Make Love To Ya
  8. 8. Change
  9. 9. The Rain
  10. 10. Time To Make You Mine
  11. 11. Picket Fence

CD 2

  1. 1. What Did I Do To You?
  2. 2. People Hold On
  3. 3. Someday (I'm Coming Back)
  4. 4. Conversation
  5. 5. It's Got To Be Real
  6. 6. Live Together
  7. 7. So Be It
  8. 8. There Goes My Heart
  9. 9. Carry On
  10. 10. Love Can
  11. 11. All Around The World

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LAUT.DE-PORTRÄT Lisa Stansfield

Die kleine Lisa verfolgt schon in jungen Jahren ihr großes Ziel: Sie möchte der Musik frönen. Ehrgeizig nimmt sie an zahlreichen Wettbewerben teil.

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