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Musik ist für die meisten Menschen ein intuitives Erlebnis. Man hört etwas, das irgendeine positive Reaktion auslöst, man fühlt sich plötzlich von der Musik angesprochen und sagt im Idealfall: Geiler Scheiß! Ist das nicht der Fall, kann man mit der musikalischen Richtung oft einfach nichts anfangen - oder die Musik ist schlicht und ergreifend Schrott.
Wenn Bands und Künstler anfangen, ihre Musik erklären zu müssen, ist das selten ein gutes Zeichen. Doch genau diesen Schritt haben Linkin Park im Vorfeld der Veröffentlichung "A Thousand Suns" vollzogen. Auf sämtlichen Plattformen, vom laut.de-Interview bis hin zum Album-Booklet, erläutern die Amerikaner ihren Fans, warum die neue Platte nun so klingt wie sie eben klingt. Auf den Genuss als Ganzes käme es an, heißt es da, oder kurz: Die Songs entfalten nur in Verbindung mit dem kompletten Album ihre wahre Wirkung.
Klingt alles schwer nach Durchhalteparolen, nachdem die Single "The Catalyst" bereits zu Recht sehr zwiespältig aufgenommen wurde. Nichts gegen den mutigen Entschluss, zu neuen musikalischen Ufern aufzubrechen, aber gute Musik sollte dabei auch noch rum kommen.
Um den Ansatz der konzeptionellen Gesamtheit zu unterstreichen, verbinden die Songs immer wieder kleine Intros und Zwischenspiele (die musikalisch vollkommen vernachlässigbar sind), um die grundlegende Story des Albums zu verdeutlichen. Auch der bei unserem Interview bereits geweckte Eindruck, dass es sich bei "A Thousand Suns" um ein sehr relaxtes und ruhiges Album handelt, bestätigt sich schnell.
Die ersten beiden Songs ziehen beinahe unmerklich an einem vorbei, ehe das triphoppige "Burning In The Skies" allmählich Drive und Struktur entwickelt. Das gelingt auch einigen anderen Nummern auf der Scheibe - das Herausarbeiten der eigenen Trademarks hingegen zu keiner Zeit. Dies mag durchaus beabsichtig gewesen sein, für den Fan ist es aber ein Schlag ins Gesicht.
Zwar ist "When They Come For Me" sehr groovy geraten und auch die Dancefloor-Geschichte "Blackout" (wo Chester tatsächlich sowas wie Wut rüberbringt) kommt auf gewisse Weise charmant rüber. Über die Bezeichnung 'nett' kommen jedoch die wenigsten Songs trotz einiger guter Ansätze hinaus.
Etwa die leichte Reggae-Rhythmik in "Waiting For The End" oder "Wretches And Kings", das wie eine elektronischere Variante eines "Judgement Night"-Tracks klingt.
Letztlich kämpft "A Thousand Suns" aber durchgehend mit demselben Problem wie "The Catalyst": Man wartet vergeblich darauf, dass der Song endlich loslegt. Wenn man wie in "Robot Boy" auf Gitarren und Drums verzichtet und stattdessen nur auf Elektronik setzt, steigt der Lala-Faktor eben schnell an. Und wenn sich Chester in der an Bon Jovi gemahnenden Ballade "The Messenger" gesanglich noch demontiert, ist eh Schluss.
Zwanghafte Innovationen auf Kosten der eigenen Identität waren noch nie erfolgreich. Wenn man im Hause Linkin Park, wie im Interview behauptet, tatsächlich Witze darüber machen sollte, ohne Probleme aus Spaß ein zweites "Hybrid Theory" aufnehmen zu können, dann sag ich nur: Macht mal, Jungs! Bin gespannt, ob ihr sowas tatsächlich noch auf dem Kasten habt.
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