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Vorhang auf, Klappe die erste! Wir zeigen euch die besten Musikfilme aller Zeiten. Aber mal echt jetzt!
Konstanz (laut) - Musik und Film gehören zusammen wie Arsch und Pfanne, Topf und Deckel, Pommes und Ketchup, Scharf und Alles. Ein Film ohne Musik ist kaum denkbar. Oder, um es mit Loriot zu sagen: Ein Film ohne Musik ist möglich, aber sinnlos.
Logisch, dass sich das Medium Film immer wieder eingehender mit den klingenden Seiten des Lebens befasst. Die Kategorie Musikfilm ist deshalb auch breit gefasst und besonders vielfältig und bunt. Wir möchten euch die besten der besten der besten, Sir, präsentieren.
Um die unterschiedlichen Aspekte zu berücksichtigen, haben wir die Filme in drei verschiedene Kategorien eingeteilt. "Spielfilme", "Biopics & Porträts" sowie "Dokumentationen". Die Einteilung gestaltet sich nicht gänzlich unkompliziert, die Grenzen zwischen den einzelnen Schubladen verschwimmen immer wieder.
Nichtsdestotrotz, hier sind sie, drei mal zehn:
Dieser Film handelt von einem Traum. Vom Traum eines jeden musikverrückten Teenagers (um ehrlich zu sein, auch Twens und Thirtysomethings) - auf Tour gehen mit einer berühmten Band, und das zu einer Zeit, als der R'n'R noch faltenfrei war, in den 70ern: Gigs, Poolpartys, Groupies, Roadtripping, Backstagefeeling, das Erwachen in der Realität am Morgen danach. Regisseur Cameron Crowe brachte die Verarbeitung seiner Jugenderfahrungen als Rolling Stone-Journalist einen Oscar ein, Kate Hudson eine Oscarnominierung. Die Langfassung bietet ein waschechtes Konzert der fiktiven Band Stillwater. So verfimt man Musik. Darum beteiligten sich Led Zeppelin auch am Soundtrack.
Bevor er sich seiner Jugenderlebnisse annahm, tobe sich Cameron Crowe in der gerade explodierenden Seattle-Szene aus. Singles erzählt zur Hochzeit des Grunge die Geschichten einiger Mittzwanziger, deren bisheriger Untergrund-Soundtrack gerade zur Welteroberung ansetzte. Zwischen den romantischen Annäherungen von Bridget Fonda, Matt Dillon und weiteren latschen auch immer wieder einige Seattle-Eingeborene durchs Bild. Allen voran die Mitglieder von Pearl Jam, die Dillons Charakter und Grunge-Sänger Cliff als Backingband unterstützen (und selbst in den fiktiven Kritiken noch gut wegkommen). Auch Chris Cornell, Tad Doyle und Alice In Chains wirken mit, dementsprechend ist der Soundtrack ein Standardwerk in bildender Alternativmusik. Kein anderer Film atmet so sehr den Charme des Erwachsenwerdens der Seattle-Szene.
Aller Anfang ist schwer, in Hip Hop-Videos gefeierte Attribute, Karren, Bitches und Bling-Bling, liegen in wieter Ferne. Als Metallarbeiter verdient sich Jimmy Rabbit seine Brötchen, schreibt im Bus an Texten und muss sich nebenher noch um seine Familie kümmern. Sein Ziel: über die Eight Mile Road zu kommen, die in Detroit die soziale und kulturelle Klassen-Schranke darstellt. Sein Weg: Battlerap. Ein bewegender Film, in dem Eminem sein Talent als Schauspieler unter Beweis stellt. Für "Lose Yourself" kassierte er den Oscar.
Der Soundtrack machte das Reggae-Genre praktisch über Nacht weltweit bekannt, nicht zuletzt dank Songs von Jimmy Cliff, The Maytals und Bob Marley. Die Filmmusik wurde mit der Zeit so berühmt, dass sie den eigentlichen Film in den Schatten stellte. Darin spielt Cliff einen jungen Schwarzen, der in den Slums von Jamaika sitzt und von einer Popstarkarriere träumt. Trotz widrigster Umstände (Ausbeuter-Labels, Drogen, Polizei) erkämpft er sich seinen Weg an die Spitze. Jahre später zitieren The Clash den Streifen in ihrem Song "Guns Of Brixton".
Franc Roddams filmische Adaption der gleichnamigen Rockoper von The Who erzählt die Geschichte zweier rivalisierender Jugendkulturen der Mods und Rocker und ihrer gewaltsamen Konfrontation Mitte der 60er an der englischen Südküste. Auch wenn die Filmfassung von '79 der Handlung des Doppelalbums weitgehend treu bleibt, wurde ihr doch vorgeworfen, die Gewalttaten jugendlicher Subkulturen, die im musikalischen Original nur angedeutet werden, zu verherrlichen bzw. zu übertreiben. Die Mods zum Beispiel definierten sich vielmehr über ihren modischen Stil und die Musik, die sie hörten: anfangs Modern Jazz, R&B, Soul und Jamaika-Ska, später den Rocksound britischer Bands wie The Who oder The Small Faces. Ziel war es, individuell zu sein und sich vor allem äußerlich abzusetzen: ein eleganter Anzug im Italo- oder Gangsterstil samt entsprechender Krawatte, ein kurzer nach vorne frisierter French-Haarschnitt, der im Gegensatz zur auffälligen Pomade der Rocker mit unsichtbarem Haarspray fixiert wurde. Dazu trug der Mod gelegentlich einen Schieberhut oder ein Barett, eine möglichst dunkle Sonnenbrille und den obligatorischen grünen Parka, der den teuren Anzug beim Rollerfahren vor Schmutz schützen sollte. Im Film spielt Musiker Sting einen der stilangebenden Mods, auch 'Faces' genannt. Und auch Protagonist Jimmy erklärt: "I don't wanna be the same as everybody else. That's why I'm a mod, see?"
Wenn aus dem kleinstädtischen Partyzelt plötzlich Minimal Techno ertönt und sich keiner beim Hobby-DJ beschwert, dann ist das vor allem der Verdienst von Hannes Stöhr. Mit "Berlin Calling" trifft er 2008 nicht nur den Nerv der Zeit, sondern erzählt auch eine mutige Geschichte über einen verwahrlosten DJ aus der Hauptstadt, der zum Drogenopfer geworden ist. Ein einzigartiges Porträt der Berliner Clubszene, das auch dank des Soundtracks bis heute Wellen schlägt und ein komplettes Genre in den Fokus der Öffentlichkeit stellt.
Alan Parkers Versuch, die psychischen Irrungen und Wirrungen von Roger Waters umzusetzen, war von Beginn an umstritten und ist es heute noch. Während die Bilder des Streifens beeindruckender kaum ausfallen könnten, haben nicht alle mit der Realisierung der Story ihren Frieden gemacht. Bob Geldof als Pink steht im Mittelpunkt der depressiven, aggressiven und negativen Stimmungen. Teils als Zeichentrick umgesetzt, zelebriert "The Wall" einen gepflegten Hirnfick. Muss man gesehen haben.
Spielfilme - Platz 03
Lange Jahre gab es keinen Rapper, keinen B-Boy, keinen Writer, der seine Hip Hop-Begeisterung nicht irgendwie auf "Beat Street" zurück geführt hat - auch hierzulande nicht. Mit diesem, einem der ersten Kinofilme, der die Hip Hop-Kulktur in allen ihren Facetten dokumentierte, schwappte die Faszination über den großen Teich. Warum? Na, sie sind alle dabei, die Gründerväter einer längst weltbewegenden Bewegung: Kool DJ Herc, Afrika Bambaataa samt seiner Soul Sonic Force, Grandmaster Melle Mel und die Furious Five, die Treacherous Three, Doug E. Fresh, Jazzy Jay, die Rock Steady Crew, die New York City Breakers ... Regie bei diesem Zeitdokument führte Stan Lathan - und der Produzent heißt Harry Belafonte.
Jake und Elwood Blues sind im Auftrag des Herrn unterwegs. In elf Tagen müssen sie 5.000 Dollar zusammenkratzen, um ein katholisches Weisenhaus vor der Pleite zu retten. Dazu wollen sie ihre legendäre Blues-Band noch einmal aufleben lassen und beginnen, die alten Mitglieder zusammen zu trommeln. Gar nicht so einfach, denn mitterweile werden die Musiker von Jakes bewaffneter Ex-Verlobten, der Polizei, einer aggressiven Countryband und Neonazis verfolgt. Lässige Outfits, unerreicht coole Sprüche und die Crème de la Crème der schwarzen Musik (James Brown, Aretha Franklin, Ray Charles, ...) machen The Blues Brothers zu einem Kultfilm, an dem absolut kein Weg vorbei führt. AMEN!
Was fällt Hollywood ein? Einfach den Handlungsort von London nach Chicago verlegen! Und überhaupt: Nick Hornbys Romanvorlage ist eh besser. Das Übliche eben. Jedenfalls, wer sich einen Vinyljunkie nennt und diesen Streifen nicht gesehen hat: Geht gar nicht! Ein Schellacknerd (John Cusack), der mit zwei noch größeren Nerds (einer davon verkörpert von Jack Black) einen Plattenladen betreibt, Liebeskummer in Form der "Top Five der in die Brüche gegangenen Beziehungen" zu fassen versucht und seine Scheiben zuhause permanent nach neuen Systemen umsortiert. Ein Film zum Dauergrinsen.
Vom Beat über eine Flower-Power-Hippie-Phase zum Haar-Metall: Rob Reiner dokumentiert die Historie einer Glam Rock-Band nach allen Regeln der Kunst - ungeachtet der unwesentlichen Tatsache, dass es sich bei Spinal Tap von den Haarspray-Wolken über die Spandex-Hosenböden bis zu den Sohlen der Plateaux-Boots um eine komplette Erfindung handelt. Ist auch egal. Drummer-Verschleiß, grenzenlose Verpeiltheit, ein verzweifelter Tourmanager, der die Brocken hinwirft ... hat es alles schon gegeben, und wird es immer geben, so lange Rock'n'Roll noch röchelt. Dieser Film ist Pflicht, denn er geht - wie die verwendeten Amps - "up to eleven".
Lou Diamond Phillips gibt Richie Valens, einen mexikanischstämmigen Teenstar der Fifties. Unter der Regie von Louis Valdez entsteht 1987 das gelungene Porträt einer faszinierenden Epoche. Hauptthema bildet der Gegensatz zwischen Bühnen-Glanz und und realem Leben. "La Bamba" begeht nicht den Fehler, die Geschichte Valens' nur aus einer verklärten Perspektive heraus darzustellen, sondern arbeitet behutsam seine tatsächliche Biographie auf. Neben einer zunächst glücklich verlaufenden Liebe stehen die Schatten familiärer Probleme. Die Besten sterben jung: Bei einem Flugzeugabsturz 1959 kommen neben Richie auch die Rock'n'Roller The Big Bopper und Buddy Holly ums Leben. Das tragische Unglück findet in Don McLeans "American Pie" seinen Nachklang in der Zeile "The day the music died". Für die Band Los Lobos, die den Titelsong einspielt, bedeutet "La Bamba" den Startschuss zur Weltkarriere.
Falco, der einzige Popstar Österreichs. Am 6. Februar 1998 hatte man als Fan Tränen in den Augen. Gut, der Falke war spätestens mit der Scheibe "Wiener Blut" (1988) im Sinkflug begriffen. Doch der Tod hatte das erste persönliche Idol einfach hinweg gerafft. Hans Hölzel bekam seine Falcostiege im 5. Bezirk, und die Ausschlachtung seines Erbes rollte an. Da musste zum zehnjährigen Todestag Thomas Roths Verfilmung folgen: "Falco - Verdammt Wir Leben Noch" kam bei den Kritikern nicht sonderlich gut an, besticht aber durch Hauptdarsteller Manuel Rubey (selbst ein Musiker), der Falcos tragischer Figur doch nahe kommt.
Ray Charles' Lebensgeschichte ist eine der spannendsten und tragischsten der modernen Musikhistorie. Aus dem kleinen blinden Jungen wird ein erfolgreicher und einflussreicher Soul-Musiker. Sein Drogenabsturz, Affären und diverse Rückschläge in seiner Anfangszeit hindern ihn nicht daran, einen Hit nach dem anderen zu schreiben. Jamie Foxx bekommt völlig zu Recht 2005 den Oscar für den besten Hauptdarsteller. Seine überragende und authentische Darstellung des Ausnahmekünstlers ist unheimlich ergreifend und packend. Kurz vor seinem Tod, hat der echte Ray Charles den Film zu hören bekommen. Seinem Urteil ist nichts mehr hinzuzufügen: "Yeah. That's right."
Nicht nur Musik-Fans befürchten das Schlimmste, als 2009 ausgerechnet ein Ex-VIVA-Girlie in die Rolle der Knef schlüpft. Doch Heike Makatsch erweist sich als Glücksgriff für die von Kai Wessel inszenierte Biographie. Der Streifen schildert den Weg der Berlinerin von der Zeit des dritten Reichs bis in die BRD der siebziger Jahre. Von der selbstbewussten Göre bis hin zur stets und gern aneckenden Diva - jede Facette sitzt. Mit Kodderschnauze und den typischen Wagenladungen an falschen Wimpern spielt Heike die Künstlerin nicht nur, sie lebt sie. Mag der Film selbst mitunter ein wenig betulich daherkommen - dafür entschädigt Makatschs Darstellung auf voller Länge. Neben Marlene Dietrich gilt die Knef als einziger tatsächlicher deutscher Weltstar. "Hilde" zeichnet die Gründe dafür präzise nach.
Das aggressive-zerstörerische Potential des Punk der Siebziger äußerte sich niemals stärker als in der tragischen Beziehung zwischen Sex Pistols-Bassist Sid Vicious und seiner großen Liebe Nancy Spungen. Der britische Regisseur Alex Cox nimmt sich 1986 des ewigen Themas Sex, Drugs & Rock'n'Roll an, und entwirft authentische Skizzen jener rauschhaften Zeit. Neben Chloe Webb als Nancy überzeugt besonders Gary Oldman als Getriebener zwischen Erfolg und Kampf mit inneren Dämonen. Seinen Hang zu zerrissenen Figuren lebt Oldman später in "Leon - Der Profi" und Coppolas "Dracula" weiter aus. Lebe schnell, sterbe jung - ähnlich wie anderen früh verstorbenen Heroen wie James Dean oder Buddy Holly ist auch dem Traumpaar des Punk kein erfülltes Leben beschieden: Nancy wird ermordet, Sid geht an einer Überdois Heroin zugrunde.
Einen der spannensten Mikrokosmen der Musikgeschichte beleuchtet Regisseur Michael Winterbottom: die Szene in Manchester der Jahre 1976 mit dem Aufstieg der Sex Pistols bis 1992, als der Rest der Rave-Bewegung zusammengekehrt wurde. Im Mittelpunkt steht das Label Factory Records, auf dem unter anderem Joy Division/New Order, und die Happy Mondays ihre Scheiben veröffentlichten. Der Film vermischt geschickt Fakten, Fiktion und Gerüchte zu einem skurrilen Cocktail. Wohl bekomms!
Er machte Wall Street, JFK, Platoon oder Natural Born Killers. Doch Starregisseur Oliver Stone war niemals so gnadenlos gut wie in diesem apokalyptischen Morrison-Biopic von 1991. Am Ende des Regenbogens erwarten Jim nur - surreal umgesetzte - Selbstzerstörung, Drogenwahn und Tod auf den schwarzledernen Dämon. Dennoch wird Jim nicht nur das männliche Sexsymbol der Swingin' Sixties, sondern auch Eulenspielgel einer bigotten US-Gesellschaft. Val Kilmer liefert hierzu den besten Auftritt seiner Karriere. Er sieht der toten Ikone beängstigend ähnlich und singt alle Konzertszenen mit verstellter Stimme nahtlos selbst ein. Kyle MacLachlan spielt den stets besorgten Tastenmagier Ray Manzarek kongenial. Gäste wie Billy Idol treten auf. Und die echten John Densmore/Robbie Krieger inszenieren die Livemusic des Films authentisch. Den wohlverdienten Oscar verweigerte man Kilmer nach dieser Leistung. Zu subversiv erschien der Konservativen Jury Morrisons Geist noch 20 Jahre nach dessen Tod. Brilliant: Die historisch verbürgte Szene in Warhols Factory: "Jemand gab mir dieses goldene Telefon und sagte, ich könne damit mit Gott sprechen. Nimm du es; ich habe ihm nichts zu sagen." Stones Film hingegen sagt und zeigt alles, was der Doors-Novize zum Einstieg braucht. Die sinnlichste Sex'n'Drugs'n'Rock-Biografie aller Zeiten.
Es geht um Musik, Aufstieg, Geld, Liebe, Absturz und Drogen. Aus dem Leben von Johnny Cash hätte man sicherlich auch eine komplette Serie drehen können. Doch "Walk The Line" setzt Maßstäbe, was Gefühle, Höhen und Tiefen eines Superstars angehen. Joaquín Phoenix und Reese Witherspoon geben in den Hauptrollen eine hervorragende Figur ab. Preisgekröntes Kino der Extraklasse, für das die Schauspieler monatelang Gesangsunterricht nahmen und die Soundtracks selbst eingesungen haben.
Mit seinem Spielfilmdebüt "Control" erschafft der Starfotograf und Videofilmer Anton Corbijn ein grau schillerndes Porträt des charismatischen Leadsängers Ian Curtis der Band Joy Division. Er vermeidet die stilisierte Verklärung und zeichnet in nüchterner Schwarzweißästhetik und ruhigen Bildern ein Künstlerporträt, das sanft und distanziert die Widersprüche und die Risse in der Welt des Ian Curtis aufzeigt. Auch für den glorreichen Soundtrack sammelte Musikfan Corbijn alle höchstpersönlich ein, die Inspiratoren, die gefeierten Protagonisten und ein paar wenige Unverdächtige, also Iggy Pop, New Order, David Bowie und die Buzzcocks.
"Konfuzius sagt: Wenn ihr an einen neuen Ort kommt und diesen verstehen wollt, dann hört euch die Musik an, die dort gemacht wird." In diesem Sinne schickt der deutsch-türkische Regisseur Fatih Akin Alexander Hacke, Bassist der Einstürzenden Neubauten, nach Istanbul, um den Sound der Stadt einzufangen. Auf seiner Reise taucht Hacke mit seinem mobilen Aufnahmegerät tief in die Musikszene Istanbuls ein, spricht und spielt mit Künstlern aus den verschiedensten Genres. Psychedelische Underground-Rockbands, Sänger der traditonellen Arabesque-Musik, Rapper, alternde Popstars und DJs, die elektronische Beats mit orientalischen Klängen kombinieren, vereint Fatih Akin zum Portrait einer faszinierenden Stadt, in der Orient und Okzident nicht nur geographisch, sondern auch kulturell aufeinandertreffen.
The Monks sind eines der merkwürdigsten Phänome in der Geschichte der Popmusik. In schwarzen Anzügen und mit Tonsur sorgen die fünf Musiker Mitte der 60er Jahre kurz für Aufregung. Vermarktet als Gegenpol zu den britischen Erfolgsmusikern der Beatles, betreten The Monks mit ihren minimalistischen, repetitiven und extrem rhythmisierten Songs Neuland. 1996 begannen die Dokumentarfilmer Dietmar Post und Lucia Palacios die Arbeit an "Monks - The Transatlantic Feedback". Der Film mausert sich zum Mammutprojekt.
Erst zehn Jahre später ist die Dokumentation fertig, erscheint mangels vernünftiger Angebote im Eigenverleih und sorgt bald national wie international für Furore. 2008 wird der Film zu Recht mit dem Adolf Grimme-Preis ausgezeichnet. Im Film feiern Jon Spencer, Hans-Joachim Irmler (Faust) und Genesis O. Orridge (Throbbing Gristle) die Monks ab, doch die Doku lebt vor allem von der skurrilen Geschichte, die die Regisseure auf die Spur der gealterten Mönche bringt. Dank dieses Films wurde eine zu Unrecht vergessene Band der 60er Jahre im großen Stil wiederentdeckt.
Eigentlich erzählt dieser Streifen eine Story, die man absurder nicht hätte ersinnen können. Wer würde schon glauben, dass das größte unabhängige Metal-Label der Welt seinen Sitz ausgerechnet in der tiefsten schwäbischen Provinz hat? Keine Sau. Und doch verhält es sich, wie diese umwerfend charmante Dokumentation beweist, genau so: Nuclear Blast residiert in Donzdorf am Rande der Schwäbischen Alb, sorgt für sichere Arbeitsplätze und ist zweitgrößter Gewerbesteuerzahler vor Ort. Die zotteligen Klienten führen ihre Vertragsverhandlungen im biederen Dorfgasthaus, während nebenan der örtliche Traditions-Musikverein probt. Den ortsansässigen Geistlichen grüßt man mit den Worten: "Oh, Herr Pfarrer! Kaufet Sie au bei Nukleaaar Blaaaschd?" Nach 60 Minuten ist der letzte Zweifel ausgeräumt: Metaller sind ganz normal, und "Satan isch dr Beschte."
Die frühen 80er scheinen eine unglaublich fruchtbare Zeit für Musikfilme gewesen zu sein: Auch Regisseur Jonathan Demme versuchte sich in diesen Jahren daran, Musik für die große Leinwand aufzubereiten. Er schnitt 1983 an drei Abenden die Auftritte der Talking Heads im Rahmen ihrer Promo-Tour zu "Speaking In Tongues" mit - in vielerlei Hinsicht ein Novum. Erstmals stand digitale Audio-Technik zur Verfügung, erstmals verzichtete jemand fast komplett darauf, die Reaktionen des Publikums einzufangen. Denn darum gehts nicht. Es geht einzig und allein um das Geschehen auf der Bühne. Sollte es nicht immer so sein?
Dokumentationen - Platz 06
Sein einfühlsames, virtuoses Trompetenspiel prägte den Jazz der 50er Jahre und kreierte das Genre West Coast Cool Jazz. Auch als Sänger, Komponist und Flügelhornist trat Chet Baker in Erscheinung. Seine Heroinabhängigkeit begleitete ihn bis zu seinem Tod im Jahre 1988, als er aus einem Amsterdamer Hotelfenster stürzte. Regisseur Bruce Weber begleitete den Ausnahmemusiker während seines letzten Lebensjahres mit der Kamera und kreierte ein eindrückliches Porträt. Die Doku zeigt seltenes Archivmaterial sowie zahlreiche Interviews mit Familienmitgliedern und Freunden, darunter der glühende Baker-Fan Flea von den Red Hot Chili Peppers.
Dokumentationen - Platz 05
Trotz zahlreicher Kritikpunkte, die man an das gesamte Projekt, die Vermarktung und die Rezeption von "Buena Vista Social Club" stellen kann, muss man doch die Musik und vor allem den Film für sich stehen lassen. Altmeister Wim Wenders inszeniert die Einzelschicksale der uralten Musiker nicht ganz klischeefrei, aber auch mit viel Herz und einem Auge für die einzigartige Szenerie Kubas. Nicht zu Unrecht erhält der Film eine Nominierung für den Dokumentarfilm-Oscar.
Dokumentationen - Platz 04
49% Motherfucker, 51% Son of a bitch. Der Untertitel der längst überfälligen Doku über Motörhead-Fröntsau Lemmy Kilmister bringt es elegant auf den Punkt. Der Film der beiden bis dato unbekannten Underground-Regisseure Greg Olliver und Wes Orshoski ist eine ausgedehnte Liebeserklärung an einen Kerl geworden, der diesen Begriff zumindest nach eigenem Bekunden auch schon mal gehört hat. Es ist die späte Würdigung eines Mannes, der in schwarzer Lederkluft seit rund 45 Jahren allabendlich einen Höllenlärm fabriziert, während Gleichaltrige im Frottee-Pyjama ihr Hörgerät einstellen. Seine Lebensleitung ehren unter anderem Dave Grohl, Slash, Alice Cooper, Ozzy Osbourne, Metallica und Ice-T. Doch der wahre Grund, warum "Lemmy" ein so aufregender R'n'R-Streifen geworden ist, liegt im Humor und der musikalischen Passion der Regisseure begründet.
Dokumentationen - Platz 03
Als "Truth Or Dare" kam der Streifen in Amerika ins Kino. Außerhalb des Kontinents heißt das Teil "In Bed With Madonna". Beide Titel werden dem Film gerecht, denn kaum jemals davor oder danach wurde die Grand Dame des Pop so intim und authentisch abgelichtet. Während der "Blond Ambition World Tour" erlaubte sie dem Regisseur Alek Keshishian, die Kameras mitlaufen zu lassen. Besonders die grobkörnige Schwarz-weiß-Ästhetik des Films erschafft eine grandiose Atmosphäre.
Dokumentationen - Platz 02
Ein kleines bisschen früher als "Beat Street" war "Wild Style" dran - der andere Film, den zwingend gesehen haben muss, wer sich für einen Hip Hop-Head hält. Erstmals entdeckte das Kino 1983 die zu diesem Zeitpunkt noch ungemein farbenfrohe Hip Hop-Kultur für sich und machte sie zum Thema eines Spielfilms, in dessen Zentrum Graffiti-Artist Zoro steht - dargestellt von George 'Lee' Quiñones, einer Legende seiner Zunft. Die Source erkor den Streifen, der ganz nebenbei auch die Cold Crush Brothers, Grandmaster Flash, Fab Five Freddy, die Rock Steady Crew und Weiß-der-Geier-wen-noch-alles auffährt, zum "besten Hip Hop-Movie aller Zeiten". Der noch immer eifrig gesamplete Soundtrack zieht Kreise bis heute.
Dokumentationen - Platz 01
Ihr 1982er Album "Metal On Metal" machte sie zu Halbgöttern des kanadischen Speed Metal. Bands wie Metallica, Slayer und Anthrax, die später zu Superstars wurden, loben die Pionierleistungen der Anvil-Protagonisten Steve 'Lips' Kudlow und Drummer Robb Reiner. "Anvil! Die Geschichte Einer Freundschaft" ist ein melancholischer, fast schon tragischer Film über zwei Kumpels, die mit 14 einen Traum hatten und diesen auch nach 30 Jahren mit einer Sturheit verfolgen, die man genauso bewundern wie bedauern kann. Es ist die Geschichte einer bedingungslosen Freundschaft, die einige Klippen zu umschiffen hatte und an deren Ende stets die Musik steht. Wer anders als Motörheads Lemmy könnte den Inhalt der sehenswerten Story in zwei Sätzen auf den Punkt bringen? "Es kommt nur darauf an, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Anvil waren das nie."
@silly: selber mööööö! spinalt tap ist selbstvertständlich vorhanden: in der biopic-liste
ihr müsst nach den ersten top ten einfach nur weiterklicken. das sind doch insgesamt 3 rubriken
. Ist wie bei Will Smith der zuerst für die Rolle des Neo in Matrix gedacht war. Heute könnte sich keiner mehr jemand anderen als Keanu Reeves vorstellen^^.@Sancho
http://artschoolvets.com/blog/skism/files/2010/06/48709-Titel200310BlancoNeger.jpg
Da fehlt auch Pat Garret jagd Billy the Kid mit Bob Dylans Soundtrack
http://de.wikipedia.org/wiki/Pat_Garrett_jagt_Billy_the_Kid#Outlaws_und_Rockstars
Also bei mir wär es genau umgekehrt. Ray auf der 1 und Control auf Platz 7... aber ist ja alles gemackssache.. Zum Glück ist nicht Buhidos "Zeiten ändern dich" vertreten. Nur schade das House of the rising Punk nicht vertreten ist.. Eine sehr gute Doku über die New Yorker CBGB Szene. Oder The Decline of Western Civilization
Wir so oft bei Euren Hitlisten: Platz 1 und 2 sind treffend besetzt. Ebenfalls allerdings wie so oft: die Reihenfolge muss natürlich gedreht werden.
Fehlen tun natürlich "A HARD DAYS NIGH" und "ACROSS THE UNIVERSE". Verzeihlich? Nein.
Das Yellow Submarine fehlt geht ja mal gar nicht. Das lass ich nur gelten, wenn man ihn zu den Musicalfilmen zählt und eine neue Liste dafür macht.
Some Kind Of Monster? Das wäre bei den Dokus ein absolutes Muss und mein persönlicher Spitzenreiter. Ob man die Protagonisten nun mag oder nicht. Ich habe noch nie ne Musikdoku gesehen, die so nah dran ist und in der die großen, vor Kohle strotzenden Obermachos als kleine, psychotische und höchst verletzliche Heulsusen entlarvt werden.
Ich denke die beste Entscheidung der letzten 30 Jahre Filmgeschichte war es, den Plattenladen in High Fidelity von London (Buch) nach Chicago (Film) zu verlegen. Ansonsten hätte bestimmt Tropfauge Hugh Grant die Hauptrolle gespielt.
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