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"Excuse me for not dying!" Mit diesen grandiosen Worten präsentiert sich der Vater aller Songwriter seinen Gästen. Mit nunmehr fast 75 Jahren offeriert uns der Partisan der Liebe seine tatsächlich erste - und leider wohl auch letzte - Live-DVD überhaupt. Seit mehr als einem Jahr befindet Cohen sich jetzt auf Welttournee. Lang, zu lang ist er fort gewesen. Bei seinem letzten Auftritt in London - vor knapp 20 Jahren - war er noch nicht einmal 60; "Just a Kid with a crazy Dream!". Doch das Alter kann weder dem Charisma des Kanadiers noch seinen zeitlosen Songs etwas anhaben. Zweieinhalb Stunden reine Spielzeit unterstreichen dies allzu deutlich.
In Cohens Gesamtwerk ist die Dichte an echten Weltklassetracks dermaßen beeindruckend hoch, dass der Spannungsbogen während des gesamten Gigs konstant am obersten Level rangiert. Das ehemals als zu pessimistisch gescholtene "The Future" erweist sich in der Gegenwart mit jedem Wort als wahr.
"Give me crack and anal sex. Take the only tree that's left and stuff it up the hole in your culture." lodert die rauhe Sandpapierstimme mit feurig biblischem Zorn. Er hat sich nie gewünscht, mit seiner Prognose Recht zu behalten.
Ansonsten zeichnet sich das Konzert jedoch durch eine von Cohen ausgehende spürbare Wärme, Bescheidenheit und Dankbarkeit aus, die er Publikum und Band gleichermaßen entgegenbringt. Wohl mehr als ein halbes Dutzend Mal stellt er die - aus Freunden bestehende - Kapelle vor. Verdient haben sie es allemal. Ebenso hochgradig professionell wie emotional bereiten sie den Teppich of Song für die Perlen des Meisters.
"Who By Fire" und "The Gypsy's Wife" erstrahlen in schwerblütig neuem Glanz der spanischen Zigeunergitarre des virtuosen Javier Maz. Das oft gecoverte und mittlerweile zum rotweindurchtränkten Weltkulturerbe zählende "Hallelujah" zelebriert der jüdische Poet voller altbekannt energetischer Inbrunst. Der Eros und die Liebe zu den Frauen war seit jeher stärker als jede mit Skepsis betrachtete religiöse Bindung. "And remember when I moved in you. The holy dove was moving too. And every breath we drew was Hallelujah."
Bei der ebenso Kraft strotzenden Aufführung seines einzigen echten Popsongs, dem rachelüsternen Film Noir "First We Take Manhattan" scheint er schlagartig fast 20 Jahre jünger zu werden. Natürlich darf auch der größte Hit "Suzanne" nicht fehlen. Würdevoll reduziert serviert Cohen dem andächtig lauschenden Publikum diesen berauschende Schwarztraube gewordenen Song.
Der emotionale Höhepunkt besteht für mich in der Darbietung des mittlerweile zur Legende mutierten "Tower Of Song". Wie der bekennende Nichtpianist hochkonzentriert eine kleine erlernte Tastenfolge klimpert und daraus ein ebenso charmantes wie selbstironisches Kabinettstückchen zaubert, ist nahezu unerreicht. Am Ende des Liedes verrät er der Welt noch die universelle Antwort auf alle philosophischen, religiösen und musikalischen Fragen. Das soll jeder selbst entdecken!
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