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There's a lady who's sure, All that glitters is gold, And she's buying a, Stairway To Heaven
When she gets there she knows, If the stores are all closed, With a word she can get, What she came for
(aus: "Stairway To Heaven")
Als das Lied 1971 auf dem Album "Led Zeppelin IV" erscheint, beginnt eine Diskussion, die bis heute anhält. Was soll der kryptische Text bedeuten? Und die angeblich versteckten Sprüche, die zu hören sind, wenn man das Stück rückwärts spielt? Handelt es sich um satanische Botschaften, wie fundamentale Christen behaupten - schließlich sei Gitarrist Jimmy Page ein Anhänger des Teufelsanbeters Aleister Crowley? Ist es vielleicht die Geschichte einer Frau, die im Drogensumpf versinkt? Oder doch nur eine Anlehnung an J.R.R. Tolkiens "Hobbit", wie Sänger Robert Plant entnervt erklärt? Kein Zweifel besteht zumindest daran, dass "Stairway To Heaven" nicht nur eines der bekanntesten, sondern auch eines der beliebtesten Stücke der Rockgeschichte ist.
Bekannt und beliebt ist auch die Band, die 1968 in London zusammen kommt. Page ist einer der gefragtesten Session-Musiker Englands sowie Nachfolger von Eric Clapton und Jeff Beck bei den Yardbirds. Auf der Suche nach neuen Mitstreitern nach deren Auflösung trifft er im Studio auf den Bassisten John Paul Jones. Anschließend wird er bei einem Konzert von Hobbstweedle auf den bis dahin erfolglosen Sänger Plant aufmerksam, der seinerseits den Schlagzeuger John Bonham mitbringt.
Nach den ersten gemeinsamen Auftritten ersetzt das Quartett die Bezeichnung New Yardbirds mit Led Zeppelin; der Name soll auf den Who-Bassisten John Entwistle zurück gehen, der prophezeite, dass Pages Projekt wie "ein bleierner Ballon" ("lead balloon") untergehen würde.
Konzerte in England und Skandinavien bringen Led Zeppelin einen mit 200.000 US$ ungewöhnlich hoch dotierten Vertrag ein. Die Investition zahlt sich aus: Nicht nur platziert sich ihr im Januar 1969 erschienenes, selbstbetiteltes Debüt in den englischen und nordamerikanischen Hitparaden; mit "Good Times, Bad Times" und "Communication Breakdown" enthält es auch zwei klassische Stücke ihres Repertoires. Das wenige Monate jüngere "Whole Lotta Love" aus dem Zweitling "II" schießt gleich auf Platz vier der amerikanischen Billboard Charts.
Mit ihrer Mischung aus Hard Rock, Folk und Blues entwickeln sich Led Zeppelin zu einer der erfolgreichsten Bands der 70er Jahre. Plants Ausstrahlung und sein gefühlsvoller Gesang sind ebenso unverwechselbar wie Pages virtuose Gitarre, Jones' pumpender Bass und Bonhams wuchtiges Schlagzeug. Obwohl Radiosender ihre Singles wegen ihrer Brisanz zunächst kaum spielen, gelangt jedes der acht Studioalben in die hohen Etagen der Charts. Ihre manische Suche nach Perfektion erreicht genauso Kultstatus wie die bis zu drei Stunden langen Auftritte. Der 1973 entstandene Film "The Song Remains The Same" (1976) gilt nach wie vor als eine der besten Livedokumentationen überhaupt.
1974 gründen Led Zeppelin ihr eigenes Label Swan Song. Das Ergebnis ist eine verstärkte künstlerische Freiheit, die zum Doppelalbum "Physical Graffiti" (1975) führt. Neben Reggae-Einflüssen macht sich auch Plants Interesse fürs Mystische zunehmend bemerkbar; eine Änderung, die bei Fans und Kritik gemischte Gefühle auslöst. Ein schwerer Autounfall des Sängers führt 1976 zu einer ersten längeren Pause in der Aktivität der Band. Das schwache, während der Genesung entstandene "Presence" (1976) führt zu spürbarem Gegenwind. Als auch noch Plants sechsjähriger Sohn 1977 an einer Virusinfektion stirbt, kommen erste Gerüchte über eine Trennung Led Zeppelins auf.
1978 finden sie auf Jones' Initiative noch einmal zusammen. In ABBAs Stockholmer Studio nehmen sie "In Through The Out Door" (1979) auf, das jedoch wie sein Vorgänger nicht überzeugt. Als Schlagzeuger Bonham 1980 nach einem Konzert in England im Schlaf an seinem Erbrochenen erstickt, geben sie ihre Auflösung bekannt.
Nachdem die Überlebenden in den 80er Jahren mehr oder weniger daran scheitern, auch solo ihre Karrieren erfolgreich fortzusetzen, kommen Plant, Page, Jones und Bonhams Sohn Jason 1988 für einen Gala-Auftritt wieder zusammen. 1994 veröffentlichen Page und Plant mit "Unledded" eine Art Led Zeppelin-Unplugged-Best Of. Mit dem Material gehen sie anschließend auf Welttour, und setzen die Zusammenarbeit 1998 mit "Walking Into Clarksdale" fort.
Auch anderswo sind die ehemaligen Mitglieder aktiv. So samplen Page und Puff Daddy auf "Come with Me" den Led Zep-Song "Kashmir" für den Soundtrack zu "Godzilla". Jones lässt sich 1992 auf eine Zusammenarbeit mit Diamanda Galás ein, 2002 gelingt ihm mit "The Thunderthief" ein außergewöhnliches Album unter eigenem Namen. Zur gleichen Zeit schließt sich Plant mit Ex-Cure-Gitarrist Porl Thompson im Studio ein und veröffentlicht "Dreamland".
Led Zeppelin sind Geschichte. Dennoch schocken sie im Juni 2003 noch einmal die Konkurrenz, als sie mit der Live-CD "How The West Was One" aus dem Stand die Spitze der US-Charts erobern. Die zugehörige DVD enthält fast fünfeinhalb Stunden aufwändig recherchiertes Material, darunter alte Fernseh-Interviews und seltene Liveaufnahmen aus den 70er Jahren.
Derweil veröffentlicht Robert Plant 2002 und 2005 zwei Solo-Alben. Speziell "Mighty Rearranger" dürfte für Led Zeppelin-Fans ein Geschenk Gottes sein, klingt er hier doch mehr denn je nach Zep.
Die Gerüchte um eine Zeppelin-Reunion verklingen nie wirklich, ehe Mitte September die Sensations-Nachricht über den Ticker geht, dass Page, Plant und Jones beim Benefizkonzert für den verstorbenen Ahmet Ertegün zusammen auf der Bühne stehen werden. Den Platz am Schlagzeug übernimmt John Bonhams Sohn Jason. Das Interesse an diesem Gig ist kaum zu fassen. Sage und schreibe über 20 Millionen Menschen lassen sich online registrieren, um an eines der begehrten Tickets zu kommen.
Passend zum steigenden Medieninteresse veröffentlicht das Led Zep-Label im November des Jahres die gefühlt zehnte Best Of-Compilation "Mothership".
Nach der triumphalen Reunion-Show in der Londoner O2-Arena reißen Gerüchte über eine Welttournee nicht ab. Nachdem Robert Plant von diesem Vorhaben jedoch öffentlich Abstand nimmt, begeben sich Jimmy Page, John Paul Jones und Jason Bonham auf die Suche nach einem potenten Ersatzsänger. Die Gästeliste der Kandidaten, die sich gerüchteweise zu konspirativen Jamsessions einfinden, liest sich wie das Who is Who der zeitgenössischen Rockszene.
Angeblich gehörten Dave Grohl, Chris Cornell (Soundgarden), Steven Tyler (Aerosmith) und Alter Bridge-Frontmann Myles Kennedy zum engeren Kreis. Bald spricht man aber nur noch von Basser Jones, der mit den Herren Grohl und Homme das Projekt Them Crooked Vultures (2009) aus der Taufe hebt.
John Paul Jones über verrückte Fans, magische Momente und das ultimative Rock'n'Roll-Buch.
Es gibt Bands, auf die können sich am Ende des Tages alle einigen. Led Zeppelin ist eine dieser Combos, deren innovatives Schaffen auch heute noch, fast 45 Jahre nach ihrer Gründung, Menschen aller Hautfarben und Altersgruppen dazu bringt, mit dem Gitarrespielen anzufangen.
Im Dezember 2007 versammelten sich die Rock-Legenden zum vorerst letzten Mal gemeinsam auf einer Bühne. Am 16. November erscheint der legendäre London-Gig nun endlich auch auf DVD. Über 20 Millionen Rock'n'Roll-Jünger wollten seinerzeit live dabei sein, als sich Robert Plant, John Paul Jones, Jimmy Page und Jason Bonham, der Sohn des verstorbenen Original-Drummers John Bonham, nach 27 (!) Jahren Live-Abstinenz wieder gemeinsam auf die Bühne begaben, um zu Ehren des verstorbenen Mit-Entdeckers von Led Zeppelin, Ahmet Ertegün, die Vergangenheit in die Gegenwart zu transportieren.
Aber letztlich durften sich nur 18.000 Glückliche an einem Event erfreuen, das wie so viele zuvor in der Led Zeppelin-Historie in die Musik-Geschichtsbücher eingehen sollte. Am Tag nach der Berlin-Premiere von "Celebration Day" trafen wir Bassist John Paul Jones, um mit ihm über die Nachwirkungen des Erlebten zu sprechen.
Hi John, gestern war die Berlin-Premiere von "Celebration Day". Die Anwesenden sind nahezu ausgerastet. Haben dich die Reaktionen des Publikums überrascht?
John: Seit spätestens fünf Jahren kann mich eigentlich gar nichts mehr überraschen (lacht).
Du willst mir weismachen, dass ihr vor fünf Jahren, nach 300 Millionen verkauften Tonträgern und 27-jähriger Live-Abstinenz, nicht damit gerechnet habt, dass sich die halbe Welt nach Tickets verzehren würde?
Nein, wirklich nicht. Wir wussten zwar, dass wir wahrscheinlich nicht vor einer halbleeren Halle auftreten würden, aber an ein derartiges Szenario hätten wir im Traum nicht gedacht. Ich kann mich noch gut daran erinnern. Ich dachte nur: die spinnen doch, oder? (lacht).
All die "Spinner", die damals leer ausgingen, werden ja im nächsten Monat entschädigt. Was war dein Eindruck, als du "Celebration Day" das erste Mal gesehen hast?
Ich war erleichtert.
Warum? Mit Dick Carruthers (The Who, Take That, Oasis, Rolling Stones) hattet ihr einen der renommiertesten Musik-Regisseure der Welt an Bord. Was sollte schief gehen?
Nun, man hat doch immer seine ganz individuellen Vorstellungen von den Dingen. Jeder von uns war unheimlich aufgeregt, als wir das erste Mal Rohmaterial zu Gesicht bekamen. Das ist schon ein Weilchen her, aber ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen. Es war wirklich beeindruckend. Robert und ich saßen da wie kleine Kinder vor dem Weihnachtsbaum (lacht). Wir hörten erst einige Stücke und stellten da bereits fest, dass die Intensität dieses Abends wunderbar festgehalten wurde. Als wir dann auch noch bewegte Bilder zu Gesicht bekamen, waren wir wirklich happy. Dick und seine Jungs haben tolle Arbeit geleistet.
Dabei stand eine visuelle Aufzeichnung des Abends zunächst gar nicht auf dem Programm, richtig?
Ja, das stimmt. Wir hatten nur das Konzert vor Augen. Dieser Fokus reichte uns schon, schließlich war es die erste Show seit über 20 Jahren (lacht). Allerdings wurde der Gedanke an eine Aufzeichnung relativ schnell mit in den Raum geworfen.
Nein, natürlich nicht. Insofern waren auch alle sofort damit einverstanden. Im Nachhinein hätten wir es uns selber wohl auch nicht verzeihen können. Vor allem als wir bereits während des Konzertes merkten, welch atemberaubende Stimmung in der Halle und auch auf der Bühne herrschte.
Wart ihr überrascht über eine derartige Ansammlung von magischen Vibes auf und vor der Bühne?
Ja, ehrlich gesagt schon. Natürlich hatten wir hart gearbeitet und uns gut vorbereitet. Aber bereits beim Soundcheck lag eine ganz besondere Stimmung in der Luft. Es ist schwer zu beschreiben. Vielleicht lag es am nostalgischen Flair des Abends? Vielleicht aber auch am Willen von drei – unseren Drummer Jason nehme ich jetzt mal aus der Schusslinie –alten Männern, die wissen wollten, ob sie es immer noch drauf haben. Keine Ahnung. Es war auf jeden Fall ein magischer Abend. Und wir sind heilfroh, dass wir uns durch den Film immer und immer wieder an ihn zurückerinnern können.
Gab es einen besonderen Moment auf der Bühne, den du als ersten nennen würdest, wenn dich jemand nach dem ultimativen Highlight des Konzerts fragen würde?
Es gab sogar zwei davon. "Kashmir" war wirklich großartig. Ein tolles Gefühl.
Das berichtete mir auch ein Kollege, der damals selber vor Ort war.
Es war vor allem die Verbindung zwischen Publikum und Bühne, die während dieses Songs, aus welchen Gründen auch immer, den Höhepunkt markierte. Wir waren ja noch nie eine Band, die sich großartig auf der Bühne verteilte. Uns war es immer wichtig und ein Bedürfnis, die Präsenz des jeweils anderen möglichst nah und intensiv zu spüren. Aber bei diesem Song war es irgendwie besonders geballt auf der Bühne.
Du sprachst von einem zweiten Highlight.
Oh ja, ich geriet ins Schwärmen, entschuldige (lacht). Dann war da noch dieser Moment, als wir die Bühne wieder verließen. Da fiel irgendwie alles ab. All die Anspannung verwandelte sich urplötzlich in einen wahren Gefühlsrausch aus Erleichterung und Freude, gepaart mit der Gewissheit, dass alles perfekt geklappt hat. Wir konnten es kaum glauben, aber es waren im Nachhinein kaum Overdubs nötig. Letztlich ist "Celebration Day" eine Eins-zu-Eins-Kopie des Abends geworden. Das macht es für uns und vor allem auch für all die Fans, die damals nicht dabei sein konnten, umso schöner.
Nun, wir waren alle etwas unsicher. Deswegen haben wir uns auch vorher alle einen Eindruck von der Halle verschafft. Wir waren bei einem Konzert von Elton John und sind während der Show durch sämtliche Blöcke gelaufen, um uns mit den Gegebenheiten vertraut zu machen.
Elton John?
Musikalisch mag das zwar auf den ersten Blick nicht ganz passen, aber vom Aufwand und von der Intensität her schon. Der Sound war auf jeden Fall absolut in Ordnung. Das hat uns ein gutes Gefühl gegeben. Im Nachhinein würde ich sogar behaupten, dass der Sound bei unserem Gig noch besser war (lacht).
Nicht nur der Sound passte, auch die Interpretation der Songs und eure Bühnenpräsenz haben wohl keine Wünsche offen gelassen. Vor allem im Vergleich zu eurem letzten Gig davor während des Live-Aid-Events 1985.
Oh, erinnere mich bloß nicht daran. Diese Show war furchtbar. An diesem Tag ging irgendwie alles schief, was nur irgendwie hätte schief gehen können. Umso schöner, dass wir nochmals Gelegenheit hatten, dieses Bild von uns wieder gerade zu rücken. Ich glaube, allein schon der Auftritt von Jason (Jason Bonham, Drummer während des 2007er-Gigs, Anm. d. Red.) war eine Show für sich. Keiner kennt unsere musikalische Vergangenheit besser wie er. Er weiß alles über uns und unsere Musik; weitaus mehr, als wir drei selber. Jimmy, Robert und ich konnten gar nicht anders, als uns seinem Niveau anzupassen. Wie hätte sich das denn auch angehört (lacht).
Ihr habt dutzende Song-Meilensteine geschrieben. Wie schwer war es eigentlich, sich auf eine Setlist für diesen Abend zu einigen?
Wir haben natürlich mehrere Optionen durchgespielt. Eine Led Zeppelin-Show lebt vor allem von der Dynamik. Uns ging es immer darum, den Leuten eine in sich stimmige Show zu bieten und keine bloße Ansammlung von Hits. Natürlich war uns klar, dass wir Songs wie "Stairway To Heaven", "Kashmir" oder "Rock'n'Roll" mit an Bord nehmen müssen. Diese Songs laufen schließlich auch heute noch im Radio.
Aber es war uns wie gesagt auch ein Bedürfnis, den Live-Spirit der Band nicht komplett über den Haufen zu werfen, nur um den mit den Hits vertrauten Fans ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Es ging uns um das Ganze. Die Wahl des richtigen Openers war letztlich die einzige Hürde. Als wir uns aber dann auf "Good Times, Bad Times" einigen konnten, kam der Rest irgendwie von selbst.
Du hast gerade erwähnt, dass viele eurer Songs auch heute überall auf der Welt präsent sind. Das erinnert mich an einen Satz von Paul Stanley, der erst kürzlich wieder in einem Interview betonte, dass ihr das ultimative Rock'n'Roll-Buch geschrieben hättet. Würdest du dem zustimmen?
Das ist wirklich schwer. Ich denke schon, dass wir einige nachfolgende Bands und Künstler mit unserem Schaffen beeinflusst und inspiriert haben. Aber haben wir auch das Buch geschrieben? Keine Ahnung. Vielleicht das eine oder andere Kapitel (lacht). Ich glaube, dass viele Bands durch uns den Mut entwickelt haben, verschiedene Genres miteinander zu verbinden. Wir waren eine der ersten Bands, die Blues, Folk und Rock'n'Roll mixten und versuchten, etwas Neues zu kreieren. Wir wollten mit jedem Album anders klingen. Jeder von uns hatte einen anderen Musikgeschmack. Hätten wir uns also auf eine Richtung festgelegt, wären mindestens drei von uns mit griesgrämiger Miene durchs Studio gelaufen. Das wollten wir natürlich nicht. Und das hätte auch nicht funktioniert. Zumindest nicht bei uns.
Wir lebten damals in unserem eigenen Kosmos und haben nur das gemacht, was wir wollten. Unser damaliger Manager Peter Grant hat uns immer schön von der Außenwelt abgeschirmt, so dass wir gar nicht erst in Versuchung kamen, uns mit anderer Musik als der eigenen auseinanderzusetzen. Peter hat einen großen Anteil am Erfolg der Band. Wer weiß, wo wir als Band gelandet wären, wenn er nicht seine Hand über uns gehalten hätte.
Auch heute noch nennen die meisten Rockbands den Namen Led Zeppelin, wenn es um ihre musikalischen Einflüsse geht. Welche Band erinnert dich am ehesten an eure eigene Vergangenheit?
(lacht) Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich kaum Rockmusik höre. Ich habe keine Ahnung, was heutzutage da draußen los ist. Ich mag die Sachen von Jack White und den Black Keys. Aber sonst? Ich spiele Rock'n'Roll, aber hören? Eher selten. Das habe ich eigentlich noch nie. Das letzte Neil Young-Album gefiel mir noch ziemlich gut. Wie hieß es noch gleich?
"Americana".
Genau, danke. Ist das Rock?
Denke schon.
Okay, manchmal höre ich auch Gillian Welch. Ansonsten lieber experimentelle Klänge. Wir haben alle nie sonderlich viel Rockmusik gehört. Wenn wir auf Tour waren, liefen im Bus meistens die Scheiben von Crosby, Stills And Nash oder Moby Grape.
Vor 35 Jahren gründeten sich Led Zeppelin, vor mehr als 25 Jahren veröffentliche die Band zuletzt offizielle Dokumente ihrer bewegten Geschichte. Nun gibt es neues Material: Eine Live-CD und eine Live-DVD. Es ist eine beeindruckende Biografie mit grandiosen Bildern und Bootleg-Aufnahmen geworden.
Sie waren Virtuosen an den Instrumenten, und die Fans liebten sie für ihre ekstatischen Shows. Nur mit den Medien hatten Led Zeppelin immer ihre Probleme. Die Radiostationen ignorierten ihre Platten, weil Led Zeppelin keine Singles veröffentlichten, und die Kritiker mäkelten an den vermeintlich simplen Songstrukturen herum. Aber vor allem Fernsehauftritte waren der Band zuwider. Denn dort saßen Techniker hinter dem Mischpult, die, überfordert von den Soundexperimenten der Rockband, zu oft unhörbaren Klangbrei produzierten. Led Zeppelin entschieden sehr früh in ihrer Karriere, nicht mehr im TV aufzutreten.
Es muss also an den fortgeschrittenen technischen Möglichkeiten liegen, wenn Robert Plant, Jimmy Page und John Paul Jones jetzt mit glänzenden Augen von ihrem jüngsten Projekt erzählen. Die gealterten Rockstars haben eine DVD über ihre eigene Geschichte erstellt und rare Konzertaufnahmen, TV-Gigs und Interviews aus den Jahren 1969 bis 1979 zusammen getragen. 18 Monate lang hat das Trio mit Regisseur Dick Carruthers das vorhandene Material gesichtet und geschnitten. Das Ergebnis stimmt sie sichtbar zufrieden.
John Paul Jones: "I love it. Oh, I love it. Als ich diesen fantastischen Surround-Sound im 5.1-Format im Studio hörte, war ich einfach nur platt. Es war ... ich saß da, mein Mund stand offen und es klang einfach richtig, richtig gut. Surround-Sound ist wie geschaffen für Live-Aufnahmen. Es fühlt sich an, als ob man mitten im Publikum steht."
Robert Plant: "Es klingt geil! Einfach nur großartig. Frisch. Damals, die Zeit, die Band, das war mein Leben, das war zu 110 Prozent mein Leben. Ich habe es geliebt, gestreichelt, geschüttelt und gehasst und ihm dann wieder Drinks ausgegeben. Und jetzt kann ich darauf zurückschauen und denke ... wow, was für'n Typ!"
In der Tat ist die die Dreifach-CD "How the West was won" mit einem bisher unveröffentlichten Konzert-Mitschnitt von 1972 imposant; ein besonders beeindruckendes Dokument aber ist die fünfstündige Video-Biografie der Live-Band Led Zeppelin geworden. Die DVD/VHS erzählt über eine heute kaum vorstellbare Musikepoche, in der sich Rockbands noch vier Stunden Zeit nahmen für ein Konzert. Doch der Weg zum fertigen Produkt war beschwerlich. Gitarrist Jimmy Page stolperte zufällig über Aufnahmen eines Gigs in der Londoner Royal Albert Hall. Das Material war unvollständig, aber in gutem Zustand, und so beschloss die Band, nach weiteren der wenigen Aufnahmen zu fahnden. Fündig wurde sie in den eigenen Kellerräumen, bei dänischen und französischen TV-Stationen, denen sie Aufnahmen abkaufte, oder in verschiedenen Lagerhallen in London.
Robert Plant: "Niemand hatte sich das Zeug je angeschaut und so wussten wir auch nicht, wo es lagerte. Ein wenig hatte ich im Keller, aber diese Lagerhallen waren im Laufe der Jahre etliche Mal umgezogen. Zum Glück fanden wir diesen einen Mitarbeiter einer dieser Miethallen. Er ist Led Zeppelin-Fan und er war uns eine sehr große Hilfe. Er durchkämmte alle Kartons und nach und nach tauchten Bänder auf. Wenige zuerst - manche unserer Kartons waren mit "Pink Floyd" beschriftet -, aber langsam füllten sich die Lücken. Manche Aufnahmen waren allerdings gar nicht auffindbar. Ich erinner mich an ein Konzert in Seattle, zum Beispiel. Das haben wir filmen lassen, sind dann allerdings weiter gereist, ohne das Band mitzunehmen. Wo es heute ist? Keine Ahnung. Konzertaufnahmen interessierten uns damals nicht sonderlich."
Nach der abenteuerlichen Suche und der Restaurierung der wertvollen Raritäten - manche hatten in feuchten und verrosteten Boxen gelagert und mussten drei Wochen lang in einem Spezialofen gebacken werden - folgte ein aufwändiges Puzzlespiel. Wie sich heraus stellte, waren etliche Songs zu sehen - aber nicht zu hören. Die Audiospur fehlte. Die Band kontaktierte zahlreiche Händler und Sammler und fragte "Bootlegs" von verschiedenen Auftritten an, darunter die Gigs aus dem Madison Square Garden von 1973 oder die Konzerte in Knebworth 1979. Diese einst illegal entstandenen Mitschnitten der Fans - Led Zeppelin ist noch immer eine der am häufigsten "gebootlegten" Bands - legten die Techniker über das Videomaterial. Und die Fans bekamen als Gegenleistung eine Erwähnung im Booklet der DVD versprochen.
Noch vor ein paar Jahren wäre dieses Projekt so nicht möglich gewesen. Besonders beeindruckt vom Soundstandard, überlegt die Band inzwischen, den gesamten Backkatalog Led Zeppelins auf diesen Stand zu bringen.
Jimmy Page: "Das wäre wirklich sehr interessant. Und wir haben noch alternative Mixe und andere Versionen von Songs auf Band, die keiner kennt. Aber vielleicht dauert es noch 20 Jahre, bis die aufbereitet werden. Denn das ist eine fast schon gefährliche Aufgabe, um ehrlich zu sein. Wenn nämlich die Welt der Kunst auf die Welt des Business trifft, wie es in diesem Fall einfach passiert, dann zehrt das einen Künstler aus. Bevor ich dieses Projekt also wiederhole, muss ich erstmal meine Batterien aufladen. Aber, und das offensichtlich: Viele Fans haben inzwischen eine hochwertige TV- und Stereoanlage zu Hause stehen und wären sehr interessiert. Ein solches Projekt müsste aber vernünftig gemacht sein ..."
Auf eine neue Tour warten die Fans derweil vergeblich. Die Erklärung dafür ist einfach - die ehemaligen Rocker sind schlichtweg in die Jahre gekommen. Jimmy Page zum Beispiel wird im nächsten Jahr 60. Außerdem fehlt ihnen ein ganz entscheidender Mann: John Bonham. Der Schlagzeuger war 1980 gestorben. Kurz darauf hatte das verbliebene Trio das Ende Led Zeppelins erklärt.
John Paul Jones: "Für mich als Bassist war John ein Traum. Er war nicht nur ein Schlagzeuger, er war auch ein Musiker [ lacht ]. Er wusste immer, was er machte, er hörte zu und hatte so viel ... Gefühl, Soul. Wir haben sehr gerne zusammen gearbeitet und ich habe es geliebt, mit ihm zusammen auf der Bühne zu spielen."
Robert Plant: "Bonzo war mehr als ein Schlagzeuger. Er war ein Teil von Led Zeppelin. Es gibt kein Led Zeppelin ohne ihn. Led Zeppelin starb, als er starb. Wir haben nie einen Ersatz für John gefunden, weil wir nie gesucht haben. Und wir werden es auch nicht tun. Deswegen gibt es auch keine Tour. Außerdem ist diese Vorstellung lächerlich, dass wir alten Leute einfach unsere Gehhilfen wegwerfen und wieder die Stadien rocken könnten."
Aber wer weiß: Vielleicht ist die Technik in einigen Jahren so weit. Darauf nämlich müssen die Fans hoffen. Das gefundene Material reicht nicht für eine weitere DVD aus.
Mit Robert Plant und John Paul Jones sprach Marc Winkelmann bei der PK in Hamburg.
How The West Was Won (2003), Led Zeppelin (2003)
The Song Remains The Same (1999), BBC Sessions (1997), Coda (1982), In Through The Out Door (1979), The Song Remains The Same (1976), Presence (1976), Physical Graffitti (1975), Houses Of The Holy (1973), IV (1971), Led Zeppelin III (1970), Led Zeppelin II (1969), Led Zeppelin (1969)
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