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Hier ist es also, eines dieser unweigerlich-definitiven Pop-Alben des Jahres 2012: "Born To Die" - geboren, um zu sterben. Der Titel will, ganz nach der Klaviatur des ehrwürdigen Film Noir, maximal tragisch klingen, todessehnsüchtig. Dabei haben Lana Del Rey und ihre Strategen natürlich genau das Gegenteil im Sinn: Es geht um nichts weniger als die Unsterblichkeit und den Einzug ins große Panoptikum des Pop.
In einmaliger Manier und in seltener Einigkeit hat sich eine popkulturelle Weltöffentlichkeit – von den Indie-Bloggern über die Pop-Theoretiker bis hin zu angelinkten Facebook-Hedonisten und dem Geschmacksproletariat vor Radio und Fernseher - im letzten halben Jahr (zur Erinnerung: "Video Games" kursiert erst seit dem 19. August 2011 bei YouTube) am Phänotyp, der Biografie und den nostalgischen audio-visuellen Zeichensystemen der 25-jährigen Elizabeth Grant aus New York abgearbeitet.
Ach was, ergötzt hat man sich an dieser Femme Fatale! Die künstlichen Nägel! Diese monströsen Lippen! Die Bildschnipsel von Hollywood und dem alten Amerika, das es nicht mehr zu geben scheint! "Go play a video game!" "Video Games" (das auf "Born To Die" selbstverständlich enthalten ist) wurde zur Amour Fou, zu einem smarten Welthit, der sich durch die Hintertür auf Platz eins der Single-Charts schlich.
Damals, im Spätsommer 2011, hatte man nur allzu gerne geglaubt, dass dieses schwermütige, minimalistische Pop-Melodram mit den getupften Klavierakkorden und der angeklebten, extrabreiten Tapete aus Harfe und Streichern eine clevere Independent-Produktion aus der Konserve darstellt.
Mittlerweile ist Lana Del Rey als ein von langer Hand geplanter, für den Mainstream konzipierter Pop-Act enttarnt. Als Retro-Figur, die nach den Erfolgen einer Amy Winehouse und der neuen Geschichtsversessenheit der Pop-Hörer noch gefehlt hat.
Das schreit nach Wiederholung: Schon die Nachfolge-Single "Born To Die" plustert sich nach der Erfolgsformel von "Video Games" mit satterem Klangbild, rollenden Beats, einer exaltierteren stimmlichen Präsenz und den heutzutage unvermeidlichen Einflüssen des "Contemporary R'n'B" im Refrain deutlich mehr auf.
Im zugehörigen Musikvideo inszeniert sich Lana Del Rey nicht mehr als das YouTube-Trailerpark-Girl, sondern als sinnlich-sinistre Pop-Cleopatra, scheinbar gefilmt von den Großmeistern Lynch und Visconti zugleich. Der unwirkliche Sexappeal in Bild und Ton, der immerhin erwachsener wirkt als bei Lady Gaga, er ist geblieben. Dennoch musste auf den Hype nach ein paar missglückten Auftritten der Shitstorm der Verschaukelten folgen.
Merke: Wer mit Facebook im Fahrstuhl nach oben fährt, der fährt auch mit Facebook im Fahrstuhl nach unten. Doch entzaubert ist Lana Del Rey damit noch lange nicht. Denn bei allem bedingungslos symphonischen Bombast, bei allen modernen Produktionsmätzchen, die das Album ubiquitär-süffig, mitunter aber genauso künstlich machen wie ihre Nägel: Im Kern bleibt "Born To Die" mit seinen zwölf glamourösen Sadcore-Songs immer noch ein ordentliches, evokatives Pop-Album, das eine Leerstelle zwischen Beyoncé und Nancy Sinatra füllt.
Dabei führt Lana Del Rey mehr oder weniger zwei Spielarten des Pop vor. Die gehauchte, oft eklektische Schmerzballade von der Vergänglichkeit – dabei liefern "Radio", "Carmen" und "Summertime Sadness" jedoch auch Belege dafür, dass dem Album am Ende die Luft ausgeht – und einen marktgläubigen Produzenten-Pop, der seiner Protagonistin Dubstep- und Trip Hop-Bässe, erregte Soundcollagen und einen mal kieksenden, dann wieder rauchig-lüsternen Sprechgesang diktiert. In "Nation Anthem" muss dann ein Kinderchor her, kleiner geht es nicht.
In diesem Spannungsfeld behauptet sich das Mädchen, das hinter Lana Del Rey steckt, ganz ordentlich. Gerade "Off The Races", "Blue Jeans" und "Diet Mountain Dew" sind so gelungen, dass sie den Hype überdauern werden. Fazit: Die Pop-Figur Lana Del Rey ist nicht geboren, um gleich wieder zu sterben. Bis zum nächsten Album behilft man sich besser mit dem Titel eines James-Bond-Films: "Die Another Day".
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ich schwöre: jede platte, die mit so einem scheiß beworben wird, schmeiß ich ungehört in den müll. auch wenns die neue ghostface killah wäre. 



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