- Top 100
- Redaktionsempfehlungen
- Zuletzt gehört
Format
Playlist
Aktuelle Sendung
SeitHomepage:
"LaFee ist rotzfrech, singt was sie denkt und sieht dabei einfach umwerfend aus!". Das ist der knallige Teaser, wenn ich in meinem Firefox-Google den Suchbegriff "LaFee" eingebe und der Verweis auf ihre Homepage erscheint. Kurz angeklickt: ein dunkel dreinblickendes, halbherzig auf- und angelocktes Kajalmädel taucht auf.
Zunächst in eine Art samtrotes Sonstwas-Teil gekleidet, Sekunden später dank Flash- oder irgendwelchen Techniken in ein anderes Outfit wechselnd - ähnlich jener Anzieh-Püppchen, die seit Jahrzehnten Kinderzimmer dieser Republik bevölkern. Nein, ich lass' es sein, tiefer in die Homepage einzutauchen, und befasse mich stattdessen ausschließlich mit LaFees neuem Album "Jetzt Erst Recht". Und das ist - dem dargebotenen Style entsprechend - wahrhaftig eine ziemlich gruselige Angelegenheit.
Die im Jahr 2006 15-jährige Christina Klein schlug mit ihrem Alben-Erstling "LaFee" äußerst erfolgreich in Charts und bundesdeutschen Jugendzimmern auf. Das Produzenten-Rezept: Ein apartes Fräulein in schickem Düster-Outfit haucht mit angezicktem Stimmchen vermeintlich aufmüpfige Teen-Themen vor vordergründig Rammstein-lackierten Brachialgitarren ins Mikro.
Kam an, wurde mit einschlägigen Awards belohnt, und das gut inszenierte Produkt entwickelte sich zu einer unverwechselbaren Marke. Wer und wie Christina Klein nun wirklich ist, kann ich natürlich nicht beurteilen. Ich hoffe, dass die inzwischen heranwachsende junge Frau den ganzen Rummel gut übersteht, der in der jüngeren Vergangenheit leider bereits zu krankheitsbedingten Ausfällen und dazugehörenden Schlagzeilen führte. Die Warhol'schen 15 Minuten seien ihr von Herzen gegönnt - die musikalische und künstlerische Qualität des Produkts LaFee hingegen leistet bereits mit dem zweiten Album einen bedingungslosen Offenbarungseid.
Im Opener "Jetzt Erst Recht" interpretiert Lafee den ihr vorgegebenen Text über "Denkt doch was ihr wollt, ich mach' mein eigenes Ding" im bereits sattsam bekannten Musik-Outfit des Vorgänger-Albums: Einschlägig vorbestrafte Gitarren-Riffs aus längst zurückliegender Metal- und Co.- Historie treffen auf unbedarfte Jungmädchen-Intonation. Das Ganze brav verpackt in Intro, Strophe, Refrain - dem klassischen Schlager-Baukasten eben. Hier in etwas deftigerer Einspielung dargeboten, mit goth-schwangeren Hintergrundchören inklusive austauschbarem Klimper-Piano.
Okay, vorbei, Track zwei steht an. Hoppla: Wieder dieselben Gitarrenriffs, eben schon gehörte Song-Strukturen - zweimal denselben Titel aufgenommen? Mitnichten, es handelt sich um die erste Single-Auskopplung "Heul Doch". Gut, dass es so im Tracklisting steht. Und der Text ist tatsächlich ein anderer.
Hier gibt's einen Soundeffekt, der an den Schmerzlaut einer Katze erinnert, der versehentlich auf den Schwanz getreten wurde. Gottlob eindeutig als Studio-Produkt zu erkennen, ganz so harsch authentisch treiben es die Produzenten dann auch hier nun doch wieder nicht. Mitunter eingestreute Synthie-Winde in den Songs verraten ebenfalls überdeutlich ihre künstliche Herkunft, ebenso wie das irgendwo auftauchende Uhu-Geschrei in feinster Edgar-Wallace-Tradition. Nächste Nummer: "Du Bist schön". Die bereits bekannten Riffs haben es inzwischen nahezu ohne Änderung sogar bis hierhin geschafft! Textlich befasst sich die Sängerin mit dem Thema Bulimie in Zeilen wie: "Du bist schön, willst schöner sein/Hungerst dich noch kurz und klein/Immer wieder mit Gewalt/Steckst Du dir deinen Finger in den Hals". Naja, bisschen holprig, aber Hauptsache, die Message kommt rüber.
Ohnehin bieten die neuen LaFee-Texte anmutig verstreut allerlei zauberhafte Schmankerl für den geneigten Lyrics-Sammler. Kostproben: "Heul doch, heul doch/Wenn du damit fertig bist/Dann bitte geh doch/Was, was, was/Was willst du noch". Am Ende schockt den Hörer gar ein böses "Arschloch" als Fade-Out. Goldener Sauerampfer-Award-verdächtig: "Ich hab' dich geliebt/Du folgst Deinem Trieb/Dein Herz ist aus Stein/Du bist ein Schwein!" Huch, noch ein Schimpfwort! Die reizvolle Metapher "Mein Magen kocht über" zeugt ebenfalls von nicht üblen Trash-Eltern, kommt allerdings nie an selige Tic Tac Toe-Höhepunkte heran. LaFee beackert eher das Terrain ungenießbarer Killerpilze im Pseudorock-Märchenwald.
Irgendeinen Zauder-Lover besingt Christina im ganz doll provokanten "Beweg Dein Arsch", musikalisch diesmal sogar ganz unterhaltsam. Auch wenn sich die - auf Albenlänge mit wahrhaft notorischen Wiedergänger-Qualitäten ausgestatteten - Gothmädel-Riffs hier erneut ihre Unheil verheißenden Wege bahnen. "Zusammen" erfreut Nostalgiker mit jenem schon 1998 die Nerven malträtierenden Sanges-Sound-Gimmick, den Cher einst in ihrem Song "Believe" bis zum Erbrechen einsetzen ließ. Klar: Die junge Zielgruppe von heute kennt weder Cher noch deren damaligen Hit - so können gewiefte Produzenten schon mal ganz tief in der verstaubten Gruft-Kiste einstiger Hipness fleddern und den ganzen verwesten Schmand als brandneues Gammelfleisch verhökern.
In der Stimm-Arbeit überwiegt bei LaFee ein unüberhörbarer Nena-Touch. Besonders bei Balladen des Kalibers "Wer Bin Ich", der ohnehin an den Straßengraben-Fund einer einst achtlos weggeworfenen Susanne Kerner-Komposition erinnert. Macht nichts. Der affinen Hörseligkeit in einschlägigen Fan-Jugendzimmern wird das sicher keinen Abbruch tun. Am besten mit Kerzenbeleuchtung samt einem großen Gläschen Kirsch-Tri-Top dazu, denn bis zu echtem Rotwein ist es schließlich noch ein bißchen hin. Und danach lauern schon gierige Emo-Überfallkommandos auf einstige "Bravo Hits"-Antwortsuchende.
P.S.: Auf der Startseite der LaFee-Homepage prangt ganz unten das Label ihrer Plattenfirma EMI. Daneben der Schriftsatz: "Gute Musik ist besser". Wohl wahr. Und ein Schelm, der Böses dabei denkt.
| Shop | Titel | Info | Preis | Porto | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|
![]() |
Lafee - Jetzt Erst Recht | Infos (Lieferzeit/Service) | €7,44 | €3,95 | €11,39 |
![]() |
Lafee - Classic Albums (2in1) | Infos (Lieferzeit/Service) | €9,99 | €3,95 | €13,94 |
![]() |
Lafee - Jetzt Erst Recht | Infos (Lieferzeit/Service) | €15,59 | €3,95 | €19,54 |
schon alleine wegen dem EMI-hinweis ist es diese review wert, gelesen zu werden...
mich stört lafee in der deutschen musiklandschaft wenig. "egalität" schreiben sich eben nicht nur die franzosen auf die fahne
die band allerdings ist weder talentiert, noch so uuuurböse, wie sie gerne wirken würde...
mein rotz für heute 
Sehr geehrter Hr. Schulz.
Hiermit möchte ich mich bei Ihnen für die äusserst gelungene Review bedanken.Noch jetzt zucken breite Grinsanfälle über mein Gesicht und ein tiefes Gefühl von Bestätigung macht sich in mir breit.
Tag gerettet.
MfG
jon
toptext, jawohl.
lafee darf sich meines mitgefühls aus zwei gründen sicher sein: erstens hat niemand, niemand verdient, so lieblos und schludrig hingerotzt produziert zu werden, und ein kleines mädchen, das sich nicht wehren kann, schon dreimal nicht. zum anderen find' ich es ehrlich erschütternd, wie man mit sechzehn schon derart nach verlebter bordsteinschwalbe aussehen kann.
armes ding.
einfach nur lächerlich...meiner Meinung nach schade um den Zeitaufwand für das Review... 
apropos fernsehen und hauptschule, ich hab mir gestern mal wieder so richtig an den kopf gegriffen: 2 mädels mit hauptschulabschluss haben auf einer weltkarte deutschland, afrika, südamerika und australien (!) nicht (!!!) gefunden. wie kommt man denn bitte mit sowas durch die hauptschule in deutschland? muss man dort bloss seine schuhe zuknoten und seinen namen mit maximal einem falschen buchstaben schreiben können?
elhamdullilah!
?

[quote:029d100e17="dew`"]
?[/quote:029d100e17]

tolles kommentar.hat mich sehr amüsiert.ich finds gut das laut derzeit besonders viele rotz-alben unter die lupe nimmt.man muss sich auch immer mit den grauen befassen
Gestern in der Müller-CD-Abteilung: (Nen richtigen CD-Laden gibts hier nicht)
Verkäufer (zu Kunde, männlich, schätzungsweise bereits volljährig): "Hast du ne Freundin?"
Kunde: sagt irgendwas, das ich leider nicht verstanden hab
Verkäufer: "Wer LaFee hört, kann keine Freundin haben!"
Daraufhin erzählt der Kunde ganz stolz, dass er sogar auf dem LaFee-Konzert in *** war.
Ich musste daraufhin den Laden verlassen, weil mich ein unaufhaltsamer Lachanfall überkam. War wunderbar!
Die Kritik hier ist aber auch sehr schön. Wussten wir zwar alle schon, dass die LaFee-"Musik" kacke ist, aber die netten Formulierungen/Vergleiche/Bilder bringen das noch mal schön auf den Punkt.
lafee passt bloß nicht in arturs beuteschema, deshalb kann er damit nix anfangen. 
muss sagen, dass ich mir von der schnepfe jetzt zum ersten mal was angehört hab. die musik ist schon schlimm, aber die texte schießen alles ab: "alle engel schreien heute nacht"...
@freddy:
props für die verwendung des schönen, zu unrecht in vergessenheit geratenen wortes "bordsteinschwalbe".
Erschreckend finde ich nur das durch solche Musik (TH, Killerpilze, Revolverheld, usw.) die Chucksabnehmer glatt verdoppelt werden und man nun sogar schon bei h&m buttons mit "SKA" drauf kaufen kann. Und daran find ich nur so doof, dass es immer schwerer wird sich mit GUTER Rockmusik zu identifizieren. Ausserdem find ich keine coolen Schuhe mehr, die noch keiner hat
!!!
War tatsächlich ein er, tut mir Leid! @Phil Der macht aber durchaus nen recht unterhaltsamen Eindruck. :-)
@Caras: Und was die da immer alles NICHT da haben. *grummel*
Ich trag meine Chucks immer noch, hab die seit 10 Jahren und lass mir das nicht durch irgendwelche Möchtegerns vermiesen. Dauert doch eh nicht lange und die finden nen anderen Trend, dem sie hinterher rennen können!
Meine Hosen waren auch schon used look bevor der In war. Jeans halten einfach lange durch 
schlimm find ich, wie sich jetzt jeder für "hart" oder "indie" halten darf, der Revolverheld hört. Oder LaFee, Heavy Metal für die Babyflasche...
Format
Homepage: