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Falls sich der Dichter Jürg Halter je klar von seinem rappenden Alter Ego Kutti MC abgrenzen ließ: Spätestens mit "Freischwimmer" ist es damit vorbei. Trennlinien verschwimmen: Ist das noch Rap? Eher eine Spoken Word-Performance? Poesie gar?
Seinem Ruf als "Antiintegrationsfigur der eidgenössischen Rap-Szene" wird Jürg 'Kutti MC' Halter mit dieser Platte jedenfalls einmal mehr voll gerecht - zumal er sich musikalisch ausgiebig von Stephan Eicher unter die Arme greifen lässt.
Hip Hop-Puristen dürfte verstören, wenn nicht sogar verschrecken, womit Eicher Kuttis meist in stark gedrosseltem Tempo vorgetragene Zeilen unterlegt: Gitarre, Schlagzeug und Klavier tragen überaus mainstreamige Pop-Kompositionen, denen hier und da noch gesungene Refrains oder - wie in "Wysses Ruusche" - eine feenhafte Frauenstimme die Krone aufsetzen.
"Freischwimmer" könnte problemlos im Dudelradio laufen, gesellten sich nicht Halters zuweilen schwer verdauliche Texte dazu. "D'Lösig Vo All Dine Problem" hat der Schweizer zwar auch nicht parat. Er erkennt aber die Wunden seiner Zeit - und reibt großzügig Salz hinein.
Kutti MC skizziert eine Generation, die über dem Kampf darum, sich selbst in den Griff zu bekommen, das Rebellieren vergisst. Eine Generation, die, überfordert von den schier unendlichen Wahlmöglichkeiten, ihre "Freiheit" darin zu finden glaubt, sich gar nicht erst entscheiden zu müssen. Wenn einem alle Türen offen stehen, bleibt man sicherheitshalber einfach sitzen, wo man gerade ist, gelähmt von der ständigen Hoffnung auf eine weitere, womöglich noch bessere Option.
Es geht um die Jagd nach dem Glück, die Suche nach Trost, nach Nähe - und zugleich um die Angst davor. Es geht um das Ringen nach Definitionen. Es geht um Abhängigkeiten und Befreiungsprozesse, um Wut und um den Wahnsinn, der sich schleichend Bahn bricht. "Du googlisch nach dir, beruhigt, dass es di no git."
Die Worte verleihen der zuweilen etwas laffen Musik plötzlich eine ganz neue Dimension, laden sie mit ungeahnter Dramatik auf. Wie eine Zeitbombe tickt der Rhythmus in "Amok 2012", klopft von innen an die Schläfe. Der "Opferbrief" zählt textlich zum Gnadenlosesten, das ich je hören musste. Hallende Trommelschläge unterstreichen Angst, Schmerz und das hilflose Bedürfnis nach Vergeltung, gruselig und todtraurig.
Nee, leichte Kost bietet dieses Album wirklich nicht, da kann "Wysses Ruusche" noch so unwirklich und zeitlos tun oder "Isch Scho Guet" elend einlullend daher kommen. Den "Freischwimmer" gibt es nicht geschenkt. Den muss man sich erarbeiten, was sich anstrengend und zuweilen schmerzhaft gestaltet. Wie gesagt: Trennlinien verschwimmen. Mehr Jürg Halter offenbarte sich in Kutti MC bisher noch nie.
Naja, was ist Rap.. für mein Befinden ist der Kutti da schon recht weit entfernt von. Das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Freiheit ist süß, irgendwie kann ich Schwitzerdütsch und den Dialekt der Öschis nie richtig ernstnehmen.
Hab keine Ahnung, kenn den nich. Aber wenn stummerzeuge Recht hat mit dem Dialekt, dann is Kutti eh schon unten durch bei mir. Fands halt nur lustig, einer nicht existenten Review zuzustimmen. 
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