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"Kool Savas ist der Endboss, gegen mich ist Krieg 'ne Fete / Ich mach' stark auf bester Freund und ramme Schwanz in deine Käthe." (Aus "Schwule Rapper", 1999)
Das erste Jahr seines Lebens verbringt Savaş Yurderi in Aachen. Eine Stadt, die später noch einmal Bedeutung für ihn erlangen soll. Zunächst zieht es die türkische Familie jedoch zurück ins Heimatland.
Nach einiger Zeit wird sein Vater aufgrund seines politischen Engagements verhaftet und für fünf Jahre ins Gefängnis gesteckt. Um eventuellen Repressionen zu entgehen, fliehen Savas und seine Mutter zurück zu Verwandten nach Aachen. Mit elf Jahren ist die Familie in Berlin-Kreuzberg wieder vereint.
Wie viele Teenager Anfang der Neunziger geht Savas in der Hauptstadt zu Demos gegen Nazis und Abschiebungen oder hängt in besetzten Häusern ab. Zu dieser Zeit beginnt er, auf Englisch zu rappen, orientiert sich besonders an Westcoast-Acts wie Too Short, Comptons Most Wanted oder MC Eight.
Über die Stationen Rhyme Guns (RGS), CPS, Crew First League und Basic Elements (mit Ono von Walkin Large) gelangt er an den Rap-Workshop. Hier trifft er Fumanschu – zusammen besuchen sie mit dem Hip Hop-Mobil die US-Millionenmetropole L.A. In Kalifornien muss Savas erkennen, dass er mit englischen Lyrics im Vergleich zu Ami-Acts den Kürzeren zieht.
Kurz nach dem Amerika-Trip schreibt er dann mit Justus Jonas und Fumanschu den Song "Masters Of Rap", der später die Grundlage für den Crew-Namen M.O.R. liefert. Kurzzeitig nennt er sich JUKS, was er aber schnell zugunsten seines wahren Namens aufgibt – denn 'Savas' bedeutet 'Krieg'. Kann es einen besseren Künstlernamen für einen Battlerapper geben als 'Kalter Krieg'?
Es folgt das Westberlin Maskulin-Tape "Hoes, Flows, Moneytoes" mit Taktlo$$. Auf dem Album vereinen sich düstere Synthie-Sounds mit sperrigen Beats und asozialen Raps. 1999 wird das Werk noch einmal als LP veröffentlicht. Ein Jahr später erscheint das zweite WBM-Album "Battlekings", sowie Savas' erste Solo-Single "LMS / Schwule Rapper" auf dem Label Put The Needle To Da Record.
Savas dazu: "Astrid Milewski wollte einen Film machen. Sie hat etwas mit SMC, Fuat und mir gemacht. Ich habe ihr ein Tape von mir gegeben. Das hat sie dann an den Juice-Chefredakteur weitergereicht. Der war so begeistert, dass er es überspielt und ein paar Leuten von Show-Down, FourMusic und Peter von Put Da Needle geschickt hat."
"Show-Down und FourMusic fanden es (trotz Smudos Respekt gegenüber KKS) anscheinend richtig ekelhaft. Eines Tages rief Peter an und schlug vor, sich zu treffen. Als ich ihn fragte, wo er wohnte, meinte er, er wohne in Aachen. Ich sagte, 'Cool, meine Tante heiratet bald, da muss ich eh' nach Aachen.'"
Savas' Bekanntheitsgrad steigt nun stetig, den Durchbruch aus dem Untergrund schafft er endgültig zusammen mit Plattenpapzt und einem Low-Budget-Video zur Single "King Of Rap". Der Name dieses Tracks wird zum gern verwendeten Zitat im deutschen Rapgame – zugerechnet wird der Titel allerdings stets Kool Savas.
Der Hype um ihn entsteht nicht zuletzt auch aufgrund seines negativen Namedroppings: Von Blumentopf über Fettes Brot, Spax und Deichkind kriegen allerlei Genre-Kollegen ihr Fett weg. Andererseits wollen viele seine Gunst: Ob nun DeJaVue, Creutzfeldt und Jakob, Der Klan, Azad oder Curse: Alle wollen den Mann auf ihren Alben.
Selbst dem RZA und den Smut Peddlers leiht Savas seine Stimme. In atemraubender Geschwindigkeit entert er die oberste Etage der deutschen Rap-Liga. Bester Beweis für seinen Durchbruch ist die Tatsache, dass sich ein längst etablierter Samy Deluxe extra Gedanken macht, wie er den angeblichen Beef mit Savas in einem Song ("Hab Gehört") verarbeitet.
Trotzdem fehlt immer noch ein echtes Soloalbum von ihm. Erster Appetitanreger ist die EP "Haus Und Boot", die Mitte 2001 in den Plattenläden steht. Das Werk schafft es trotz sperriger Sounds mit Leichtigkeit in die Media-Control-Charts – der letzte Beweis, dass Kool Savas inzwischen einer der Rap-Superstars in Deutschland ist. Im Herbst 2001 trennt sich Kool Savas von der M.O.R.-Crew, um sich verstärkt der eigenen Solokarriere zu widmen.
Nach extrem schlechten Erfahrungen mit dem Label Put Da Needle gründet er zusammen mit Neuentdeckung Eko Fresh, Sängerin Valezka, DJ Nicon sowie Produzentin und Freundin Melbeatz die Optik Crew. Zur Überraschung der Szene wählt er das Majorlabel Subword/BMG, auf dem unter anderem MB1000 und Toni L unter Vertrag stehen, als Dach für sein Vorhaben.
Es folgen diverse Optik Crew-Features auf den Alben von Roey Marquis und DJ Desue. 2002 kommt dann endlich "Der Beste Tag Meines Lebens". Der Künstler, der sich seit dem Labelwechsel nur noch Kool Savas nennt, entfernt sich auf seinem Erstling langsam aber sicher vom puren Battle-Rap und reift zum ernstzunehmenden MC.
Der kommerzielle Erfolg des Albums ist beachtlich. Im August 2003 verkündet Savas überraschend die Trennung von seinem Zögling Eko. Dass der Split nicht ganz friedlich über die Bühne gegangen ist, zeigt sich im Anschluss: Es folgt eine regelrechte Schlammschlacht zwischen den beiden Lagern.
2004 steht im Zeichen des Mixtapes "Die Besten Tage Sind Gezählt". Manch ein Kritiker vergleicht ihn schon mit US-Legenden wie Tupac oder Jay-Z. Auch das erste "Optik Takeover"-Mixtape und der für die Szene bahnbrechende Savas-Samy-Track "OK" erscheinen in diesem Jahr.
2005 sorgt Savas zunächst gemeinsam mit Azad für Furore. Der Berliner und der Frankfurter sind, wie die zahlreichen gegenseitigen Features im Vorfeld belegen, "One". Die Single "All 4 One" katapultiert die beiden Rapper auf Platz vier der Charts.
Zusätzlich verarbeitet Savas seine Trennung von Langzeitfreundin MelBeatz in dem untypisch gefühlvollem Song "Was Hab Ich Dir Angetan?" Die Neubesetzung der Optik Army, bestehend aus Caput, Amar, Ercandize sowie Savas' Bruder Sinan und seinem Cousin Dimi stellt er auf dem Mixtape "Die John Bello Story" vor, für das er außerdem internationale Gäste wie Cam'ron und Juelz Santana gewinnt.
2007 hostet Savas erneut das "Feuer Über Deutschland"-Battle, bei dem verschiedene Teams sich gegenseitig im K.O.-Verfahren stilvoll beleidigen dürfen. Im selben Jahr, über fünf Jahre nach seinem regulären Debütalbum, veröffentlich der King of Rap unter großer medialer Aufmerksamkeit endlich seinen Zweitling.
Für "Tot Oder Lebendig" verzichtet Savas - mit Ausnahme Azads - auf Gastrapper, von der Optik Army singt lediglich Moe Mitchell zwei Hooklines ein. Noch immer zeigt er sich kompromisslos, noch immer ist er ein Battle-MC, auch wenn sich das fortschreitende Alter und die zunehmende Erfahrung unbestreitbar in seinen Texten niederschlagen.
Nach sieben Jahren Labelarbeit gibt Savas 2008 bekannt, dass Optik Records zum Jahresende die Pforten schließen wird – nicht jedoch ohne vorher in Form der "John Bello Story 2" noch einmal einen Querschnitt durch das Label-Line-Up zu veröffentlichen.
Kool Savas allerdings hat das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. Seine EP "Was Hat S.A.V. Da Vor?", die exklusiv eben diesem Magazin beiliegt, schürt Appetit auf mehr. Der "John Bello Story" dritter Teil erscheint im Frühjahr 2010.
Nach zahlreichen Mixtapes, EPs und Samplern veröffentlicht Savas im November 2011 die dritte Soloplatte. Mit seiner "Aura" setzt er seinem bisherigen Erfolg die Krone auf und chartet auf Platz eins. Allein in der ersten Verkaufswoche geht die Platte über 37.000 Mal über den Ladentisch und steigt damit zum erfolgreichsten Deutschrap-Release 2011 auf.
Einen Monat später verurteilt das Berliner Landgericht den Rapper wegen schwerer Persönlichkeitsrechtsverletzung zu einem Schmerzensgeld. Savas hatte Jörg Kachelmann 2010 auf mehreren Konzerten beleidigt und ihn unter anderem als "verfickte(n) Wetterfrosch" bezeichnet. Vor Gericht beruft sich der Berliner auf die im Grundgesetz verankerte Kunstfreiheit, muss dem Wettermoderator aber letztendlich 10.000 Euro Schmerzensgeld abdrücken.
Im Gegensatz zu Kachelmann feiert ein musikalischer Kollege Savas' dessen Schaffen schon seit Jahren, obwohl er aus einer ganz anderen Ecke stammt: Xavier Naidoo. Nach etlichen losen Zusammenarbeiten heben die beiden 2012 das Kollabo-Projekt Xavas aus der Taufe - um in diesem Rahmen Tracks zu veröffentlichen, die man weder von dem einen noch dem anderen erwartet hätte.
Als man ihn bei der Juice 2009 wieder zum besten deutschen MC wählt, lässt Kool Savas einen Kommentar ab, der sein komplettes Schaffen beschreibt: "Das ist eine Riesenehre. Aber unterm Strich ist es Fakt, dass ich hart dafür gearbeitet habe, und ich habe mich an diesem Spot auch selbst immer gesehen. Für mich ist Rap immer auch Competition."
Über "Aura", Imagewechsel, außergewöhnliche MCs und die Kehrseite der Prominenz.
Kann man zugleich King of Rap und ein hoffnungsloser Nostalgiker sein? Kool Savas kann. Er erzählt von seiner "Aura", Seelenstriptease, gleich zwei anstehenden Touren, seinem missionarischen Auftrag und dem Kampf mit seinem Bekanntheitsgrad - und schimpft munter auf Singer/Songwriter-Rapper.
Dass seine "Aura" bald von der Spitze der deutschen Album-Charts herab strahlen würde, war zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht abzusehen. Genau genommen hatten wir noch keinen einzigen Ton der Platte gehört, als sich Kool Savas – wieder einmal – unseren Fragen stellte und sich dabei auch von widrigsten Kommunikationsumständen nicht abhalten ließ.
Willkommen zur Premiere!
Was denn für eine Premiere?
Unser Büro ist gerade umgezogen - und dieses Telefon wurde heute erst eingerichtet. Extra für dich: Durchwahl Nummer 12.
Wow. Das ist ja geil. Ich bin sehr stolz. Dankeschön.
Schön, dass wir uns endlich mal persönlich sprechen. War ja überfällig, nachdem du mir quasi den DJ ausgespannt hast.
Ich hab dir den Jo ausgespannt?? Oh, nein! Nein!! Du bist die Freundin von Jo bei laut.de! Der hat erzählt von dir!
Das soll er mal schön machen. Der hat bei uns schon auf Partys aufgelegt, da hätten wir ihn noch gar nicht reinlassen dürfen. Ich war echt erschüttert, als ich erfahren habe, wie jung der damals war. Aber inzwischen ist er ja schon groß. Da kann man ihn auch in die weite Welt ziehen lassen.
Ja, so langsam. Aber er hält sich ja trotzdem am liebsten immer schön in Konstanz auf.
Nachdem du Etliches bei ihm im Studio aufgenommen hast, hätten wir uns ja auch dort treffen können. Warum müssen wir uns eigentlich hier übers Telefon quer über die Autobahn anbrüllen?
Ja, wärste doch einfach mal vorbei gekommen. Ich hätte mich gefreut, auf jeden Fall.
Das holen wir nach. Du hast mal irgendwo gesagt, du seist kein Freund von Interviews. Also: Wir merken davon nichts. Das ist schon das fünfte, das du uns gibst. Ich glaube, mehr haben wir von kaum einem Kollegen online.
Echt?
Im Deutsch-Hip Hop-Bereich jedenfalls nicht. In dieser Beziehung: unerreichter King of Rap.
Jippieh!
Auch, wenn es ein bisschen einseitig werden könnte, weil ich es bisher noch nicht hören durfte: Lass' uns ein bisschen über "Aura" reden. Was darf ich erwarten?
Ui. Was kannst du erwarten ... Es ist auf jeden Fall ein straightes Hip Hop-Album. Es ist auch ein Kool Savas-Album. Ich kann das zwar nicht mehr wirklich objektiv beurteilen, aber für mich persönlich klingt es so, als sei es vor zehn Jahren entstanden. Die Sounds klingen jetzt nicht unbedingt alt, aber ich finde, der Spirit von diesem 90er-Jahre-Hip Hop wird in irgendeiner Form vermittelt. Irgendwie. Das war auch das einzige, das ich in der Produktionsphase gehört hab': so altes 90er-Zeug. Golden Era-Hip Hop. Aber ich weiß gar nicht, wie das bei anderen ankommen wird. Ich muss ehrlich sagen: Diejenigen, denen ich es vorgespielt habe, die mochten das und waren der Meinung, dass es mein bestes Album ist, bis jetzt. Ich hoffe, dass die anderen das auch so sehen. Dass alle das so sehen. Hoffentlich.
Es wird als dein persönlichstes Album beworben. Welchen Effekt hat das auf den Sound und die Inhalte?
Es geht schon stellenweise in eine andere Richtung als sonst. Es wird schon noch viel über Rap gesprochen und über mich. Es ist ein Album für mich. Von mir für mich. Definitiv. Ich spreche Sachen an, die mich beschäftigen, bei denen ich aber auch von ausgehe, dass sie andere interessieren können. Dass es auch für andere, die seit Jahren schon meine Musik hören, interessant sein könnte. Aber ... es ist persönlich in dem Sinne: Da ist mein Vater drauf. Ich spreche über Dinge wie meine Stimme, die ich früher zu hoch fand und die mir dann doch ein paar Türen aufgestoßen hat. Gerade weil sie so hoch und prägnant ist. Ich spreche über Dinge, ach, keine Ahnung! Wie sich Deutschrap entwickelt hat, seitdem ich da bin. Was natürlich auch so ein ganz kleines bisschen Selbstlob ist. Oder (lacht) eine Menge Selbstlob. Es gibt ein paar Sachen. Es ist jetzt nicht so, dass ich da den endgültigen Seelenstriptease vollführe, aber es ist doch schon noch näher an mir als die vorherigen Soloalben.
Früher hatte ich den Eindruck, dass du stark darauf geachtet hast, dein Privatleben von der Bühnenperson zu trennen. Korrekt?
Hundertprozentig. Eigentlich ist das noch nicht einmal wirklich anders, jetzt. Unverändert. Ich will von anderen Künstlern nicht alles wissen, und ich will auch nicht, dass andere über mich alles wissen. Ich finde, ich bin es als Musiker den Leuten auch nicht schuldig, ihnen alles zu erzählen oder da voll meine Seele offen zu legen und zu sagen: Hier, bitteschön: Das sind die Dinge, die mich bedrücken, das sind meine Sorgen, meine Ängste, meine Freuden, mit der und der Person bin ich zusammen und so weiter. Das geht ja niemanden etwas an. Ich musste da echt ein bisschen dickköpfig sein, weil mir wurde ja oft gesagt: Erzähl' doch mal ein bisschen mehr aus deinem Leben! Und ich hab' immer gesagt: Mir bringt das nicht wirklich was. Warum soll ich das tun? Ich werd' das dann tun, wenn ich es für nötig empfinde. Privat bin ich eigentlich gar nicht so. Wenn ich neue Leute kennenlerne, dann bin ich eigentlich ziemlich offen und erzähl' da schnell auch persönliche Sachen.
Würdest du dann sagen, dass jetzt eine Grenze gefallen ist?
Eine kleine. Eine gewisse Hürde wurde schon genommen. Das bedeutet aber nicht, dass ich ab jetzt in Tracks voll nur noch persönliches Zeugs von mir gebe. Ich finde, wenn man Rap hört - und Rap intensiv hört - dann hört man oftmals zwischen den Zeilen, wie jemand denkt, wie jemand fühlt. Und oft reicht das ja auch schon. Ich will jetzt auch nicht von jedem Rapper XY eine detaillierte politische Weltanschauung haben. Ich will auch nicht detailliert wissen, wie seine Familienverhältnisse sind. Aber wenn etwas inspirativ ist und man dafür etwas aus seinem Leben erzählen muss, weil man da im gleichen Atemzug Jüngeren - oder den Hörern - irgendwas mitgeben kann, dann find' ich das doch schon ganz gut. Aber man kann das ja auch in Form von Metaphern machen.
Man hört immer wieder, dass deine neuen Songs "erwachsener" klingen. Ist das ein Prädikat, mit dem du etwas anfangen kannst?
Das ist schon okay. Das ist ein Prädikat, das manchmal impliziert, dass es langweilig sein könnte oder ein bisschen trocken und ernst. Aber ein bisschen trocken und ernst war schon immer, was ich gemacht habe. Langweilig, hoffe ich, nicht. Aber ich bin einfach erwachsener geworden. Das kann ich ja nicht abstreiten. Ich bin 36, und es wäre ja auch schade, wenn ich mich jetzt noch wie ein 22-Jähriger benehmen müsste, irgendwie. Weißte? Ich glaube, ich geh' auch relativ offen damit um. Ich sag' das auch immer wieder: Ich fühle mich jetzt auch nicht wie ein Kind, obwohl ich in bestimmten Zusammenhängen auch wie ein Kind sein kann. Ich hab' auf jeden Fall einen albernen Humor. Ich blödel' auch gern rum. Aber meine Ziele, Weltanschauungen und so, die haben sich doch schon etwas verändert, mit den Jahren.
"Erwachsen" ist aber ja schon ein Kommentar zum persönlichen Entwicklungsstand. Nervt es nicht, diesen ständig öffentlich kommentiert zu bekommen?
Ganz ehrlich? Es nervt im Allgemeinen, dass das Leben, die Person, die man ist, und das, was man so tut, so öffentlich ist. Das ist das Schlimmste am Musikmachen, das sag' ich dir ganz ehrlich! Es gibt bestimmt Sachen, die schlimmer sind. Aber das ist etwas, worauf ich nicht vorbereitet war und was mir persönlich so extrem gegen den Strich geht. Überhaupt, auch nonstop bewertet zu werden! Ich versteh', dass Leute vielleicht den einen oder anderen Song nicht mögen oder sagen: Ich kann seine Stimme nicht abhaben. Oder: Ich hasse ihn. Aber dass die Leute über einen reden, über deinen Charakter reden und sagen: Er ist so, er ist so, er ist stur und er ist dies oder das. Mich interessiert das auch nicht! Biolek - ob der stur ist, das ist doch scheißegal! Oder ob der schwul ist. Das hat doch mit meinem Leben gar nichts zu tun! Das übertrag' ich dann auf mich selber und sag', was ich mache, sollte eigentlich mit denen auch nicht so viel zu tun haben. Aber es ist schon so: Wir leben halt in einer Gesellschaft, in der der Personenkult groß geschrieben wird, und man sitzt irgendwie automatisch auf dem Präsentierteller, in dem Moment, in dem man irgendwas macht, das man der Öffentlichkeit anbietet. Da sagen die Leute dann: Ja, das ist der Fluch des Musiker-Daseins. Oder der Prominenz. Wenn man das überhaupt so nennen kann, auf diesem Level. Keine Ahnung. Es ist nichts, das ich abfeiere. Es gab schon oft Momente, in denen ich mich richtig dagegen gesträubt hab', irgendwie.
Bist du in der Hinsicht mit den Jahren gelassener geworden - oder eher noch dünnhäutiger?
Naja. Wenn ich rausgehe, jetzt ist mir das scheißegal. Früher war es echt so ... Ich hatte eine Phase, wo viele Videos rauskamen und ich hab' gemerkt, man wurde einfach viel mehr angeschaut, auch viel mehr beobachtet. Die Leute haben einen viel öfter angesprochen. Mein Verhalten hat sich zu dem Zeitpunkt so verändert, dass ich weniger in die Öffentlichkeit gegangen bin und mich weniger unter Leuten hab' blicken lassen. Gerade, wenn junge Leute da waren. Weil es mir einfach unangenehm war. Aber mittlerweile seh' ich das supergelassen. Ich geh' überall hin, wo ich Bock hab', und wenns sein muss, bin ich auch ein bisschen ignorant. Weil ich sag' so: Okay, nur weil jeder - oder jemand - mich kennt, bin ich dem ja nicht schuldig, dass ich ihm Aufmerksamkeit entgegen bringe. Das klingt jetzt voll hochnäsig und arrogant, aber das ist gar nicht so gemeint. Die Leute wollen viel zu viel von einem. Dieses Fordern! Wenn ich jetzt mit 'ner Freundin essen wäre, und dann kommt einer, der nervt mich zu Tode und quatscht mich dann voll, dann sag' ich auch ganz normal: Sorry, das ist grade der falsche Augenblick. Ich hab' keine Lust, mich mit dir zu beschäftigen. Da muss man dann schon auch ein dickes Fell haben, damit man da nicht ständig Ausraster bekommt.
Überhaupt nicht. Ich kann das nur wiederholen: Ich mach' die Musik für mich. Dass ich damit natürlich auch Geld verdiene und jetzt davon lebe, das ist ja ganz klar. Aber ich hab' da überhaupt gar keine Befürchtungen. Ich versuche noch nicht einmal, etwas zu machen, das der Zielgruppe gefällt. Ich versuche nur, etwas zu machen, womit ich klar komme. Wenn ich am Ende nur noch hundert Fans habe, und das sind dann hundert 50-Jährige, weil ich nur noch langweiligen Mist über Zigarren und Single Malt erzähle, dann ist das halt so. Dagegen kann man dann nichts machen. Ich werde jetzt auch nicht versuchen, etwas darzustellen, das ich nicht bin. Das ist doch lächerlich. Ey, wenn du etwas Gutes machst, dann spielt keine Rolle, was und welche Musik. Eine gute Melodie ist eine gute Melodie. Die wird immer ankommen. Ein guter Song ist ein guter Song. Ein guter Text ist ein guter Text. Das hat sich doch eh so gemischt. Sogar wenn es später so wäre, dass ich wie Everlast mit 'ner Akustikgitarre auf die Bühne gehe, das widerspricht nicht dem, das ich jetzt bin, weißte? Das kann alles funktionieren.
Steht das zu befürchten?
Nein! Nein!! Nicht unbedingt. Ich mein', ich mag Akustikgitarrenmusik. Stellenweise. Ich bin ein Tracy Chapman-Fan. Das ist wirklich wahr. Ich mochte auch das erste Album von Everlast. Sein Soloalbum. Aber das ist jetzt nicht so, dass ich sage: Oh, wo gehts denn dann später hin? Ich mach' mir da nicht so den Kopf. Es gibt andere Sachen im Leben, die so viel wichtiger sind. Ich glaube, gerade als Musiker oder Künstler - in Anführungsstrichen - lernt man, sich selbst zu ernst zu nehmen. Weil die Leute einen zu ernst nehmen oder das, das man macht, zu sehr in den Vordergrund stellen. Ich bin gerade dabei, komplett davon weg zu rücken. Das einfach auch oftmals bisschen mit Humor zu sehen und mir einfach zu sagen: Es kommt eh wie es kommt. Scheiß drauf, mach' dein Ding. Alles ist gut.
Das heißt, du würdest auch nicht ausschließen, dass du irgendwann mal - wie meinetwegen Denyo - ein Singer/Songwriter-Ding machst? Oder eine Reggae- oder eine Soul-Platte?
Auf meinem aktuellen Album hab' ich einen Satz, der heißt: "Lieber toter Rapper als lebender Singer/Songwriter". Es ist tatsächlich so: Mich kotzen diese Singer/Songwriter-Rapper an, weil ich das Gefühl habe, dass die das mit so viel Berechnung machen. Weil das dann auch so extrem in den Vordergrund gestellt wird. Ich finds voll lächerlich. Was soll das? Mach' einfach dein Ding, und gut is'. Ich finds halt auch seltsam, wenn einer von einem Album aufs andere etwas macht, weil gerade ... keine Ahnung! Nichts gegen Denyo oder so, aber weil die jetzt gesehen haben, Clueso geht ab ... Bei Clueso, denk' ich, hat man schon gesehen, dass da eine Entwicklung war. Das zeigt ja auch, dass da eine gewisse Natürlichkeit drinne ist, weißte? Der Junge tritt mit Liveband auf, fängt an, ein paar Hooks zu singen, merkt, dass er so eine gewisse Affinität zu diesem Singsang-Kram hat, und sein übernächstes Album ist dann halt nur noch gesungen. Das ist nachvollziehbar. Aber so ein klassischer knallharter Imagewechsel à la ... wie hieß die doch gleich? Diese ...
*kracks*
[Hier versandet das Gespräch an der spannendsten Stelle in einem ostdeutschen Funkloch. Aber da Savas einen Apparat mit eigener Durchwahl in der Redaktion stehen hat, klingelt er wenig später wieder durch. Und dann noch einmal, weil die Verbindung gleich wieder beim Teufel ist. Ja, man hätte das alles gemütlich in Sir Jais Studio abhalten können, hätte man sich besser organisiert...]
Oh, Mann! Vielleicht wirst du jetzt auch noch Zeuge, wie ich hier irgendwo im Nirgendwo vor Neuruppin stehen bleibe. Das ist mir ja noch nie passiert. Ich hab' vergessen zu tanken, und hier gibts nirgendwo eine Tankstelle. Die Anzeige ist schon unterhalb der Reserve.
Wenn wir dir mal nicht jemand mit einem Kanister vorbei schicken müssen ... Das könnte allerdings ein bisschen dauern. Wo waren wir denn?
Bei Jeanette Biedermann? Dass ich das einfach lächerlich finde, für mich persönlich. Ich kann das nicht ernst nehmen und der Person nicht abnehmen, dass sie das ernst meint. Ich finde aber, prinzipiell ist nichts unmöglich. Man sollte von allem ausgehen können. Dass alles passieren kann, irgendwie.
Das wäre jedenfalls eine Gelegenheit, mal nicht immer diesen Pionierstatus innehaben zu müssen. In einem unserer früheren Interviews hast du gesagt, immer der erste sein zu müssen, sei eine wahnsinnig anstrengende Sache.
Ja.
Wünschst du dir nicht manchmal, dich auch einmal in ein gemachtes Nest zu legen und irgendwas zu machen, das andere schon ausprobiert haben?
Wünschen ... naja, weiß ich nicht. Es ist so unspannend! Wenn ich etwas nicht fühle ... Ich kann tatsächlich keine Musik machen, wenn ich da nicht voll dahinter stehe. Entweder muss es wehtun oder es muss mich total euphorisieren. Irgendeine Mischung daraus. Wenn ichs nicht fühle, dann geht da gar nix, bei mir. Das ist das Problem. Ich kann auch nicht einfach nur sagen: Der Song ist gut. Oder: Komm, wie machen mal einen Song in dem Style. Nee! Das muss immer so sein, dass ich in dem Moment für mich persönlich sage: Woah, das ist das Geilste, das ich je gemacht habe! Das hängt bei mir immer mit extremen Emotionen zusammen.
"Aura" erscheint am 11.11.'11. Von der Deluxe-Ausgabe gibt es 1.111 Exemplare. Ist an dir ein Zahlenmystiker verloren gegangen?
Nee! Wir sind ein Independent-Label. Wir müssen natürlich kucken, dass das, das wir machen, so effektiv wie möglich ist, weil wir halt nicht diese großen 100.000-, 'ne halbe Million-Budgets haben wie Universal oder so. Das war einfach der einfachste Weg, um auf das Album aufmerksam zu machen. Deswegen ist das ganz schön, auch mit den elf Tracks.
In der Deluxe-Edition stecken allerlei Gimmicks, bei MZEE gibts das Album zusammen mit speziellen Sneakers: Reicht Musik alleine heute nicht mehr aus?
Musik reicht aus. Wenn man sich einmal anschaut, dass wir mit "Aura", der Single, die der gute Jo produziert hat, jetzt wahrscheinlich in die Top 20 gehen ... Das ist das erste Mal, dass ich mit einer Single Top 20 gehe. Wir haben [zum Zeitpunkt des Interviews war das so, d. Red.] kein Video. Wir haben das nur zum digitalen Download angeboten, und seitdem das raus ist, sind unsere Vorbestellungen nochmal explodiert. Musik reicht aus. Aber Musik reicht nicht aus, um die ganzen physischen Tonträger, die ganzen dreißig- bis vierzigtausend, die man hoffentlich verkaufen will, alle loszuwerden. Ganz ohne Gimmicks und Spielereien geht es nicht. (Brüllt los) Geil! 1.000 Meter nur noch, bis zur Tankstelle! Ich habs geschafft!
Mich hat gefreut, dass es auch eine Vinyl-Ausgabe geben wird. Kaufst du selbst noch Platten, oder bist du ganz im digitalen Zeitalter angekommen?
Nee. Ich hab' noch ganz viele Platten, hab' aber noch nicht mal mehr 'nen Plattenspieler. Und ich muss gestehen: Ich hör' zu Hause überhaupt keine Musik. Ich hör' auch CDs nicht großartig. Ich hör' Musik eigentlich, wenn, dann nur aufm iPod. Oder halt im Auto, meistens. Oder halt vom Computer. Ich bin, einfach der Zweckmäßigkeit halber, ein kompletter Digital-Dude geworden.
Trotzdem gibts "Aura" auf Vinyl.
Natürlich. Das ist ja auch einer der Ursprünge von Hip Hop. So ist Rapmusik entstanden. Wenn ich Vinyl nicht ehren würde, was wäre ich dann für ein guter Hip Hopper? Weißte?
Recht so. Du hast irgendwann ja auch verkündet, dass du dich dafür zuständig fühlst, einem jüngeren Publikum den ursprünglichen Vibe beizubringen. Siehst du dich da als 'ne Art Lehrer? Each one teach one?
Ja, genau. Ein kleines bisschen schon. Vor 15 Jahren hätt' ich mich darüber totgelacht. Aber jetzt, mittlerweile, ist das wirklich so. Ein bisschen. Ich bin ja gewissermaßen ein Vorbild für Jüngere. Das gibt einem ja auch ein gutes Gefühl. Man hat das Gefühl, dass man was Gutes macht. Dani? Darf ich ganz kurz tanken - und dich dann sofort zurückrufen?
[Wer könnte derart höfliche Bitten abschlagen? Mit frisch gefülltem Tank hängt Savas Minuten später zum mittlerweile vierten Mal an der Strippe. Unverdrossen, der Mann.]
Jetzt bin ich zurück. Ja, den missionarischen Auftrag, den nehm' ich gerne an.
Bist du ein Nostalgiker? War früher alles besser?
Ich bin so ein hoffnungsloser Nostalgiker! Und auch Romantiker. Alles, das heutzutage nicht so gerne gesehen wird. Natürlich, man bildet sich das ein. Aber ich glaube, das ist wirklich nicht mehr als 'ne Einbildung. Man ist nicht mehr jung, und man hat früher die Sachen einfach anders wahrgenommen. Als Kind kamen einem bestimmte Filme, die man gesehen hat, auch viel spektakulärer vor als jetzt. Genauso kamen einem als Jugendlicher bestimmte Songs spektakulärer vor. Dieses Ganze für sich zu entdecken, das war ...
*kracks* [Weg isser. Aber nicht für lange.]
Das ist ja 'ne lustige Gegend, in der du da rumfährst.
Ey, das ist der Osten! Hardcore-Osten! Neuruppin und so weiter. Keine Ahnung! Die wollen auch nicht, dass die Leute hier wieder rauskommen. Die wollen, dass sie hier definitiv kein Handynetz haben, damit sie bloß nicht auf die Idee kommen, dass es außerhalb noch was gibt. Es ist wie in "The Village".
Zurück zum Punkt: Früher war halt auch alles neu.
Ja, genau! Natürlich: Die Frische ist verloren. Man muss aber sehen, dass auch in der Veränderung etwas Schönes liegt. Das ist ja bei allem so. Das erste Mal was gegessen, das erste Mal Sex gehabt ... Am Ende kommts einem doch schon immer gleich vor. Man muss für sich selbst halt die Veränderung suchen.
Die sind auch selber ein bisschen dafür verantwortlich. Mit der zweiten Tour, der "Liga der außergewöhnlichen Emcees", da versuchen wir ja, dieses Jam-Feeling wieder zu beleben. Die müssen auch selber Bock haben.
Zu dem Thema wollte ich gerade kommen. Was habt ihr da vor? Jams, so richtig mit Breakern und Graffiti und gib ihm?
Na, jetzt müssen wir auch nicht gleich übertreiben! Graffiti in so 'ner Halle, das ist schon ein Problem. Aber ich meine, das ist ein erster Schritt. Und je nachdem, wie die Resonanz darauf sein wird ... Ich könnte es mir wirklich vorstellen, dass man mal so 'ne echte Jam, sprich: mit allen Elementen, auch mit DJ-Battles, mit Breakdance-Battles, mit Graffiti und so weiter, dass man sowas deutschlandweit immer wieder organisiert. Aber das ist natürlich ein Aufwand, den wir mit unserer kleinen Bookingfirma jetzt nicht stemmen können. Aber es ist ein erster Schritt, um mal ein Zeichen zu setzen. Um zu zeigen: Ey, zusammen kommen Leute aus ganz verschiedenen Styles. Dass da auch Buddy Ogün als Comedian Bock darauf hat. Ich mach' da so ein bisschen den Schirmherrn und das Aushängeschild, und die anderen bringen einfach alle den geilen Flavor dazu.
Was macht einen MC für dich außergewöhnlich? Wer darf mit?
Die Orsons dürfen mit. Die sind absolut außergewöhnlich, die stehen auch für etwas. Olli Banjo ist ein außergewöhnlicher MC auf einem hohen technischen Level. Wir machen so ziemlich was Ähnliches, sag' ich jetzt mal. Laas Unltd. ist außergewöhnlich, weil er auch ganz krass diese Hip Hop-Fahne hoch hält, in Zeiten von Gangsterrap, und einer der ersten Rapper war, der sich selber den Lauch genannt, sich selbst so ein bisschen runter- und sein Ego in den Hintergrund gesetzt hat, um zu sagen: Hey, ich definier' mich nur über meine Skills. Und Buddy Ogün ist natürlich kein MC, aber das Außergewöhnliche an ihm ist, dass er als Comedian in so einer Rap-Formation mitreist. Das ist halt supernice.
Aber vorher kommt noch die Tour zu "Aura". Ich habe gelesen, das soll "ein atmosphärisches Gesamtkonzept" werden, "das auch Genrefremde anspricht". Glaubst du wirklich, du erreichst Publikum abseits von Hip Hop-Kreisen?
Ach, das weiß ich nicht. Man hofft es. Man geht davon aus, dass es sein könnte. Aber ... ja, ich weiß es nicht. Nee, vielleicht auch nicht. Die Jugendlichen sind sehr offen. Das Problem sind diese Pressetexte. Ich werde in Zukunft, glaub' ich, nie wieder einen rauslassen! So isses ja noch gechillt, aber es gibt Interviews, bei denen die Fragen nur aus diesen Pressetexten bestehen. Nur aus Zitaten. Ich hab' den selber nicht geschrieben. Ich hab' den halt abgesegnet. Aber so'n Pressetext ist nicht unbedingt die beste Grundlage. Man muss echt kucken, was man da reinpackt. Die Journalisten wollen auch, dass das ansprechend klingt, und dann stehen da Sachen, auf die werd' ich festgenagelt! Nee. Mir reicht das, wenn alle, die ein bisschen offen sind und Bock haben auf ein bisschen Rap und Hip Hop, wenn die vorbeikommen und das abfeiern. Wir werden unser Bestmöglichstes tun, ich werd' auch mein Bestes geben, um daraus ein Event zu machen. Für mich ist jede Tour heilig. Die Leute müssen nach Hause gehen und sagen: Wir haben besten Rap geboten bekommen.
Ich würde nicht so auf dem Pressetext rumreiten, wenn ich den einen oder anderen Ton Musik vorab gehört hätte.
Ich weiß. Ich weiß doch! Aber das geht nicht. Wenn wir das wirklich allen geben, vorher, dann ist es definitiv im Netz, danach.
Weiß ich doch auch. Ich schimpf' auch später noch über das Album, sollte es denn nötig sein. Wir fürchten uns ja nicht davor, zu schreiben, wenn wir was kacke finden.
Ja, das hab' ich schon gemerkt.
Na, komm. Zu dir waren wir bisher doch immer ganz nett.
Na, ja. "Bello 3" mochte Max ja nicht so sehr, ne? Der Brandl!
Der lässt grüßen, übrigens, und er fragt - wie immer - nach einer Westberlin Maskulin-Reunion.
Ich geh' nicht davon aus, dass es eine geben wird. Das steht in den Sternen. Aber wie gesagt: Einmal hat der gute Max echten Mist über mich geschrieben und mochte mich nicht. Da war ich auch sehr traurig. Vor allen Dingen, weil das Album davor schlechter war! "Bello 2" war schlechter als "Bello 3", weil "Bello 3" echt gut ausproduziert war, und wir hatten geile Songs drauf, Hits auch. Aber egal. Ich nehms ihm nicht übel! Aber habt ihr schon mal Drohungen bekommen?
Auch schon vorgekommen. Aber da gehts uns wie euch Musikern: Sobald man was veröffentlicht, bei dem der eigene Name dabei steht, muss man eben auch mit den Reaktionen klarkommen. Ich muss trotzdem noch fragen, was alle fragen: Thema Kollegah. Hast du dich geärgert, als er sein Album in "Bossaura" umgetauft hat?
Das ist halt deren Marketingstrategie. Scheint ja auch aufgegangen zu sein. Die sind ja gut gechartet damit. Ich wünsch' ihm viel Glück. Er macht sein Ding, der Kollegah. Der macht das.
Glaubst du denn, das ist auf Kollegahs eigenem Mist gewachsen, oder steckt deiner Meinung nach Selfmade-Boss Elvir dahinter?
Elvir hat mir nochmal geschrieben und meinte: "Danke, dass du das so sportlich siehst. Ich war einfach unzufrieden mit dem alten Titel und war froh, dass es einen neuen gab. Da wars mir dann auch egal, dass es so für Kontroversen sorgt." Ich denke, Elvir ist für Kontroversen eh zu haben, und die sind ja bis jetzt mit dieser Strategie gut gefahren, soweit. Das ist schon okay. Ich fühl' mich davon jetzt auch nicht übertrieben angegriffen. Aber das ist nix, wo ich jetzt sage: Boah, super! Ich will jetzt jedes Mal, wenn ich ein Album rausbringe, dass Kollegah sein Album genau so nennt. Wenn er das jetzt noch einmal machen würde und dann noch einmal, dann würde ich mir irgendwann auch ein bisschen verarscht bei vorkommen. Andererseits, wenn man es aus der Sicht eines Königs sieht, ist es ja auch ein Kompliment. Ein Nachahmer ist ja ein Kompliment für einen selbst.
Nach diesem königlichen Schlusswort entlassen wir Savas in die schlecht vernetzten ostdeutschen Weiten – aus denen er inzwischen glücklicherweise zurück ins Rampenlicht gefunden hat. Die Tour zu "Aura" startet am 18. Januar. Die Liga der außergewöhnlichen Emcees ist ab kommenden März unterwegs.
Der King über Social-Media-Plattformen, "John Bello 3" und Bushidos Vorreiter-Rolle.
Knapp einen Monat, bevor Deutschlands Ur-"King of Rap" a.k.a. Kool Savas den dritten Teil der "John Bello Story" veröffentlicht, haben wir mit ihm in München gesprochen.
Hallo Savas – gehts Dir gut? Ja klar, alles gut – ich hoffe Dir auch.
Danke, ja. Dann lass uns loslegen, wir haben nur 25 Minuten Zeit.
Ja, wir ham bös viel Hektik, Alter. Ich hab sogar versucht, hier parallel noch nen Part zu schreiben, der noch fehlt – also das ist schon superhektisch alles im Moment, ja.
Einen Part für Bello 3?
Ja, für nen Remix von der ersten Single. Es gibt wieder einen Remix mit ganz vielen Leuten drauf, und ich hab meine acht Zeilen dafür noch nicht geschrieben.
Kommt mir bekannt vor, diese Timingpolitik. Ich hab hier die Tracklist – die sagt, es sind 16 Songs auf der dritten "John Bello Story", richtig?
Ja, aber eigentlich sind das mehr. Wir haben ... ich muss mal selber kucken ... neunzehn, zwanzig, so was in der Art. Obwohl, wenn ich jetzt alle Skits mit dazu nehme, dann haben wir 23. Ohne Skits sinds 21.
Auf der Standard- oder der Premium-Version?
Auf der "Essah"-Edition, das ist die größte Version, die kommt in einer Metallbox. Auf die Standardversion kommen dann so um die fünfzehn, sechzehn Nummern drauf.
Sprich, es sind bis dato noch keine Platten gepresst?
Nein, noch nicht.
Na dann drücken wir mal die Daumen, dass da nix mehr schief geht bis zum Release. Mal grundsätzlich: Beendet dieser Teil nun die Trilogie, oder ist die John-Bello-Story eine unendliche Geschichte?
Nein. Das ist jetzt das Ende. Das macht auch am meisten Sinn, denn das ist der Mensch ganz einfach auch am meisten gewöhnt.
Was ist dein Résumé – von der ersten bis zur dritten Ausgabe? Und was darf man jetzt erwarten?
Für mich ist es natürlich in erster Linie witzig zu sehen, was sich bei mir Songwriter-technisch getan hat – wie das damals klang und wie das jetzt auf einmal klingt. Diese Entwicklung ist für mich cool, weil ich das vorher nicht berechnet hab oder so, sondern weil das ganz spontan entstanden ist. Und was jetzt danach kommt, das steht in den Sternen. Ich werde bestimmt mal wieder ein Solo-Album machen, aber ich hab noch ein paar Geheim-Projekte, die man umsetzen könnte ... es gibt genug zu tun, sag ich mal.
Diese "Geheimprojekte" hast du ja schon hie und da angesprochen. Da drängen sich jetzt natürlich ein paar Dinge auf. Zum Beispiel ein "One" 2 mit Azad.
(Längeres Schweigen) Möglich ist alles ...
Möglich ist alles, klar. Dann frag ich dich auch diesmal wieder: Ist auch eine Westberlin Maskulin Reunion denkbar?
Nö. Ehrlich gesagt nicht. Wir haben uns zwar beim One-Love-Festival getroffen und haben uns auch unterhalten – aber nicht darüber. Und ehrlich gesagt, ich weiß auch nicht, ob wir wirklich noch mal die Vierspur auspacken und ich jetzt echt noch mal Texte übers Gangsterleben auf den Straßen schreibe ... bin ich mir nicht sicher, Alter.
Naja, könnt ja auch in eine neue Richtung gehen heutzutage. Taktlo$$ dürfte ja auch eine Entwicklung durchgemacht haben – auch wenn er nicht zwingend so wirkt, manchmal ...
(Lacht) Ja ... aber ich weiß es nicht. Mal gucken, wie gesagt. Ausgeschlossen ist nichts, alles ist möglich. Das ist mein Motto.
Ja, zum einen die üblichen Verdächtigen, das heißt Ercandize, Amar, Moe Mitchell, Caput ... aber zum anderen haben wir noch Curse, Azad, Olli Banjo – der ist sehr intensiv vertreten – und MoTrip, meinen Bruder Sinan ... ja, so ein paar verschiedene Leutz.
Produziert hat Melbeatz? Oder wer steht hier auf der Liste?
Die Beats stammen überwiegend von Mel, aber die hat für dieses Album zusammen mit Bazz ein Produzententeam namens "Hätrz" gegründet – wie so ein richtig hässliches, schwedisches Wort geschrieben. Die haben eigentlich 90 Prozent des Albums gemacht, ansonsten haben Sir Jay und Matheo jeweils einen Beat geliefert, an zwei Beats hab ich selbst mitproduziert ... und Rook aus dem Ruhrpott hat noch einen Beat beigesteuert.
In welche Richtung geht der Sound dieses Mal? Gibt’s einen Bruch oder klassischen Bello-Style?
Nein, es ist ganz anders. Sehr viele Konzeptsongs und melodiöse Sachen. Ein paar harte Songs gibts auch. Ich glaube, es wird auf der Bühne sehr gut funktionieren. Obwohl es halt, wie gesagt, melodiös ist. Du müsstest das selber hören, ich kann selber nicht sagen, wie das auf andere wirkt. Es ist viel Synthesizer, aber andererseits auch deutlich wärmer als alte Sachen. Ich kann das nicht so richtig beschreiben.
Richtung "Krone" von Bello 2, vielleicht?
Ja, genau. Am ehesten in Richtung von "Krone".
Gibts was anderes zur letzten "John Bello Story" zu sagen? Außer, dass es das beste Album 2010 wird?
Das wirds auf jeden Fall. Ansonsten: Wir haben einen Track gemacht, der heißt "Die John Bello Story", da gehts um mein Leben. Das ist der erste, richtig persönliche Track in meiner Karriere – und eben weil das so persönlich war, hab ich das auch nicht selber gerappt, sondern Franky Kubrick den Song machen lassen. Ich hab’ mich mit ihm hingesetzt, ihm meine komplette Lebensgeschichte erzählt und er hat daraus einen Text geschrieben. Ich könnte mir vorstellen, dass das für die Leute interessant ist, weil ich davon bisher eben noch nicht wirklich viel erzählt habe.
Kubrick liest Savas. Wie lange ist der Song denn bitteschön?
Naja, er erzählt natürlich nicht alles. Wir erzählen von meiner Kindheit, die prägenden Erlebnisse, bis dahin, wo ich meine erste Single rausbring. Und das ist dann auch der Punkt, wo er sagt: "Dann kam die Platte, die Deutschrap veränderte." Der Song dauert jetzt sechs Minuten, aber ich denke, der wird vielleicht noch gekürzt.
Da waren jetzt gleich mehrere Sachen, auf die ich gerne kurz eingehen würde. Zunächst Stichwort Franky Kubrick. Er – und auch du – gerieten in letzter Zeit immer mal wieder ins verbale Fadenkreuz z.B. eines Farid Bang ...
(Unterbricht) Darüber will ich ehrlich gesagt überhaupt nicht reden, sorry Alter.
Generell über Disses oder speziell über Herrn Bang nicht?
Nee, überhaupt. Generell über irgendwelche Leute, die irgendwas ... keine Ahnung. Also über all diese Sachen, die nichts mit meiner Musik zu tun haben. Oder über Menschen, mit denen ich nix zu tun habe – darüber sprech ich nicht in Interviews.
Eko hatte mal mit dir zu tun. Der kommt ja ganz aktuell wieder auf die Sachen – ein bisschen so wie früher. Gabs denn da mal wieder Kontakt?
Nee, auch da gibts rein gar nix mehr zu sagen. Ehrlich, das ist einfach überhaupt nicht mehr Teil meines Lebens, Alter.
Okay, gut – anderes Thema: Der Song "Die John Bello Story" ist also quasi autobiographisch. Jetzt hat ja gerade ein anderer Deutschrapper sein Leben auf die große Leinwand gebracht – ich weiß nicht, ob du schon in den Genuss gekommen bist?
Nein, noch nicht, aber ich werd da auch nicht ins Kino gehen für – ich geh eh nie ins Kino. Und wenn, dann würd ich mir was anderes angucken. Aber falls man sich das dann mal im Netz irgendwo anschauen kann, dann schau ich den.
Verstehe. Jetzt mal ungeachtet der Kritiken, die der Film und Bushido generell ernten: Sein Weg vom Nobody zum, nennen wir es mal "Superstar" und der zugehörige mediale Impact sind bemerkenswert. Wenn es sich ergäbe: Wäre eine filmische Autobiografie in diesem Stil auch etwas für dich?
Also erst mal muss ich prinzipiell etwas dazu sagen: Ich musste als erster deutschsprachiger Berliner Rapper immer diese Vorreiter-Stellung einnehmen. Ich musste der erste sein, der die Sachen auf Tapes releast, musste der erste sein, der zu einem Label geht, der erste sein, der zu einem Major geht, der erste sein, der aus Berlin bekannt wird, der erste, der mit "LMS" einen ganz neuen Sound etabliert und so weiter. Das war für mich persönlich eine anstrengende Sache, weißt du. Das war auch eine gewisse Verantwortung, die einem da auf den Schultern liegt, wenn man immer der Vorreiter für so was ist.
Damit ist man dann aber auch immer derjenige, der die Fehler als erster macht, wenn es denn welche gibt. Man ist immer der erste, der angegriffen wird. Jetzt freu ich mich, dass mal ein anderer Rapper der Vorreiter ist – das macht es für einen selber viel einfacher. Man kann beobachten, wie das läuft, man kann aus den Fehlern – wenn es denn welche gibt – lernen und man kann gucken: Was ist gut gelaufen, was nicht, was kann ich besser machen und so weiter. Aus diesem Aspekt ist das für mich total positiv, dass er das gemacht hat.
Ich hätte niemals diesen Move gemacht, als erster einen Film über mein Leben als Rapper rauszubringen – ich hätte zu viel Angst gehabt, dass die Leute, mit denen man das macht, das verkacken, dass die das unrealistisch machen. Und weißt du, wenn das einmal schlecht geschauspielert ist oder wenn sonst was schief läuft, hat man im Nachhinein nicht mehr viel Möglichkeiten, das Ruder rumzureißen. Und ich setze mich schon lange mit Filmen auseinander, mit Regisseuren und mit Drehbuchautoren und so weiter. Und für mich persönlich: Ich hätte das – für die Person, die ich bin – niemals mit Bernd Eichinger gemacht. Zumindest hätt ich ihn niemals das Drehbuch schreiben lassen. Ich hätt ihn den Film produzieren lassen, ja, aber niemals das Drehbuch schreiben.
Das Ding ist: Wenn er will, dass ganz viele Kids, oder Leute, ins Kino kommen, und wenn das seine Traum-Cast war, die Bushido da aufgestellt hat, dann glaub ich, ist das schon gut, dass er diesen Eichinger gewählt hat, weil der viel Macht hat. Aber wenn man auf dessen Filmografie zurückguckt, dann ist das "Der Untergang" und "Das Parfüm". Mit "Untergang" hat er Hitler als grundsympathischen alten Opa dargestellt, und mit "Parfüm" hat er ein Buch, das jeder Mensch liest, oder gerne gelesen hat, einfach komplett zerstört – einen Film daraus gemacht, der einfach asozial uninteressant geworden ist. Daher: Als Produzent ist Eichinger übertrieben krass, aber als Drehbuchautor find ich ihn fürchterlich.
Und deswegen: Wenn Bushido mich gefragt hätte, ich hätte ihm auf jeden Fall jemand anderen empfohlen – ich glaub, ich hätt ihm sogar jemanden empfohlen, der jetzt noch nicht so krass bekannt ist und der bereit ist, auch die ganzen harten Sachen mit reinzunehmen. Weil ich finde: Gerade solche Filme, die ja auch mit Gangstermilieu zu tun haben, können nur authentisch wirken, wenn sie hart sind. Wenn die Sprache hart ist und wenn die Leute ihre Dialoge selbst mitschreiben dürfen und auch komplett ihre Sprache benutzen dürfen, von A bis Z ... wenn man nix auslässt – sei es ne Schlägerei, sei es ne Fickszene. Solche Sachen müssen einfach auch total extrem dargestellt werden, damit die wirken. "Bad Lieutenant" ist bis heute ein zeitloser Film, den kannst du in zwanzig, dreißig, fünfzig Jahren gucken, und alle werden sagen: "Das ist ein Meisterwerk" – aber nur, weil er so hart ist. Wenn Harvey Keitel damals gesagt hätte: "Nee, ich will aber Hollywood erobern", dann hätte es "Bad Lieutenant" nie gegeben.
Du hattest vor langer Zeit mal "Mann beißt Hund" als beeindruckenden Film genannt – wäre dieser Film von der Direktheit her eher in deinem Sinn?
Ja, aber nur, weil das damals der erste Film war, der in diesem Style gedreht wurde und mir halt aufgefallen ist. Das ist nicht mein Lieblingsfilm oder so. Es gibt so viel gute Filme, ganz ehrlich, ich finde "Stadt der Engel" auch beeindruckend, oder "Face Off" ... ich find viele bekloppte Hollywood-Filme beeindruckend, alles andere wär gelogen – ich bin jetzt nicht so der Dogma-for-life-Typ, weißt du. Genau wie bei der Musik, die ich höre. Ich hör auch Christina Aguilera und kann trotzdem den hardcore underground dirty nasty Hip-Hop-Shit hören ... das funktioniert schon alles.
Also Essah Entertainment ist im Prinzip nur das Symbol dafür, dass ich mich jetzt wieder mehr auf mich selbst konzentriere. Dass wir als Ziel haben, mich als Marke noch mehr zu etablieren und die Sachen so lange independent rausbringen, bis wir ein vernünftiges – oder besser gesagt: ein besseres Angebot als das, was gerade auf dem Tisch liegt, erhalten. Ich hätte das natürlich auch weiterhin "Optik" nennen können, aber ich denke, das wäre verwirrend und irgendwie strange gewesen. Denn von dem Moment an, wo man das als Label mit all den Artists nicht mehr zusammenhalten, bzw. als Einheit auftreten konnte, war das Thema für mich einfach gestorben. Andererseits: für mich im Herzen ist alles beim Alten, und wenn die Jungs zusammenkommen, dann ist das immer noch Optik Army, und alles ist gut so, kein Thema. Essah Enterainment ist für mich jetzt nur die Basis, auf der ich aufbaue und wo ich die Releases rausbringe, aber da wird keine riesige Labelarbeit betrieben, wie das bei Optik Records der Fall war.
Das heißt, es wird auf Essah Entertainment auch keine gesignten Künstler neben dir geben?
Nein, wird es nicht. Ich hab natürlich noch die Leute, die mir helfen, die dahinterstehen, aber auf Künstlerseite gehts dabei definitiv nur um mich.
Welche anderen Musiker feierst du aktuell – national und international?
Ach, mir fallen immer wieder Sachen auf ... also im Deutschrap gibts Leute, die sich technisch jetzt einfach weiter entwickeln, F.R. oder Patrick mit Absicht zum Beispiel, technisch beide hochqualifiziert. Dann gibts wiederum Sachen, die einfach nur durch das Gefühl, das sie vermitteln, überzeugen. Ich hab mir zum Beispiel letztens so Sachen angeguckt von einem neuen Hamburger Label, das Streetrap macht, der von den Aussagen her eigentlich sehr gegensätzlich zu dem steht, was ich mache – aber das war vom Feeling her so roh und so authentisch und so geil, dass ich das auf jeden Fall gefeiert hab.
Der Name fällt dir nicht grade ein?
Ehrlich gesagt nicht, nein. Bei YouTube hab ich letztens zig Sachen durchgedingst, ich müsst da jetzt noch mal meinen Verlauf checken oder so. Also ich kuck mir alles an so, aber es ist total schwer für mich, das, was an deutscher Musik und auch an MCs so da ist grade, so richtig krass zu feiern ... fast nicht möglich. Obwohl, Tuas Album "Grau" fand ich sehr, sehr gut, das hat mir super gefallen. Tone find ich weiterhin sehr, sehr gut. Das letzte Album von Azad, "Assassin" mochte ich sehr ... ansonsten, wie gesagt, wirds auch schon knapp. Naja, und von der Single hab ich jetzt eben den Remix gemacht, auf dem verschiedene Leute drauf sind, die ich cool finde – da wird man das dann auch noch mal hören.
International bin ich total auf Gaelle, das ist eine Künstlerin von dem Label NakedMusic, die hat damals den Song "King Of My Castle" (von Wamdue Project, Anm. d. Red.) gesungen. Die hat ein Album gemacht, das schon alt ist, aber das ich erst vor knapp eineinhalb Jahren entdeckt hab. Und dieses Album ist jenseits von Gut und Böse, das ist das Geilste, was ich seit langem gehört hab. Ich kann das echt nur jedem wärmstens ans Herz legen. "Transition" ist einfach so unglaublich wundervoll produziert und gesungen, dass es nicht mehr wahr sein kann. (Tatsächlich heißt das Album "Transient", Anm. d. Red.) Ich hab das seit über einem Jahr auf meinem Handy – egal wo ich hingeh – und seis auf die Toilette – wenn ich Bock hab, Musik zu hören, dann hör ich mir das an.
Weil du gerade vom Internet sprichst: Ich weiß jetzt ehrlich gesagt nicht, ob und wie aktiv du bei Facebook bist?
Facebook kenn ich nicht, kann ich nicht.
Denkst du, dass Social-Media-Plattformen wie z.B. Twitter, wo du ja doch relativ fleißig mitmachst, in einer Zeit, in der es zusehends schwerer wird, Musik zu verkaufen, neue Chancen für Musiker bieten? Oder wertest du so was eher als einfaches, zusätzliches Marketing-Tool?
Marketing-Tool? Also ich hab noch nie von jemandem gehört oder mitbekommen, dass ihm das wirklich etwas genützt hätte. Ich merke nur, dass die Leute davon genervt sind – ich bin davon auch super gestresst. Wenn ich MySpace hätte und jede zweite Nachricht wäre: "Ey, lass uns mal treffen, ich hab heiße Beats, die ich dir vorspielen muss" oder "Ich schick Dir jetzt mal nen Beat", dann wär’ das für mich einfach total albern. Ich hab auch damals schon Demos nicht so gerne gehört und ich finde, dass das jetzt noch viel extremer geworden ist, weil sich heute einfach jeder mit dem entsprechenden Programm innerhalb von einer Woche zu einem 'Musiker', zu einem 'Rapstar' oder einem 'Gesamttalent' hinaufarbeiten kann, das einen Song samt Video macht ... das meiste davon ist einfallslos und scheiße, weißte.
Twitter nutze ich nur, um den Leuten einen kleinen Gefallen zu tun. Damit die ein bisschen schneller und häufiger Infos kriegen und da nicht immer tausend Jahre drauf warten müssen. Aber im Prinzip ist mir das alles super wurscht, Alter.
Dann steht noch ein anderes Update seit dem letzten Gespräch an: Wie stehts um deinen Lappen?
Ey, es sieht sehr schlecht aus. Seit einem halben Jahr isser weg, ich muss MPU machen und ich weiß nicht, ob ich die bestehe und das is voll Kacke.
Also du hast keinen Führerschein momentan?
Ne.
Aber einen Chauffeur.
Ja.
Fein. Übrigens lässt dich Kollegin Fromm schön grüßen. Ich soll dich fragen, ob denn die große weite Welt keinen anderen DJ für dich hatte, weil du dir 'ihren' Sir Jay aus Konstanz geholt hast – der wohl schon zu einer Zeit auf ihren Partys aufgelegt hat, als sie ihn noch gar nicht hätte reinlassen dürfen. Soll sagen: Yo Mama Fromm ist stolz.
Dankeschön, das ist sehr lieb. Er ist ja auch ein großer laut.de-Fan.
Wo wir schon bei Familie sind: Du hast deinen Bruder Sinan erwähnt – was treibt der eigentlich sonst so?
Der ist ein guter, fleißiger Junge. Der lernt viel, studiert, gibt sich Mühe und versucht, sein Leben in den Griff zu kriegen. Er hat eine eigene Wohnung, eine Freundin und ist einfach ein guter Typ. Er macht natürlich auch weiterhin Musik – für seine neuen Sachen haben wir auch einen Track zusammen aufgenommen, und das macht immer noch alles Spaß mit ihm.
Okay, wir sind zeitlich gerade schon hart am Limit – letzte Worte für unsere Leser?
Ich liebe Euch. Bleibt kritisch. Bleibt glücklich. Bleibt gesund.
Der King über Battle-Rap, Backpacker und Blumentopf.
Kool Savas veröffentlicht dieser Tage das neue Mixtape "Die John Bello Story Vol. 2". Uns hat er erklärt, wieso der neue Bond-Song "überkrass" und was an Blumentopf "eklig" ist.
Beinahe wäre dieses Interview an widrigen Umständen gescheitert. Nach einer knapp einstündigen Verspätung der Bodensee-Fähre, 40 elenden Überland-Kilometern bei durchschnittlich 30 km/h, sintflutartigen Regenschauern auf der Autobahn und einem baustellenverseuchten München grenzt es an ein Wunder, dass ich nur eine einzige Stunde zu spät im Mercure Hotel aufschlage.
Der Barrieren damit aber noch nicht genug: An der Rezeption quittiert man meine Frage nach Kool Savas mit kritischen Blicken, gefolgt von einem ernüchternden:
"Ich glaube nicht, dass der hier bei uns ist."
Mein Info-Zettel hier glaubt das aber schon. Und der Manager erwähnte heute morgen am Telefon zwar, dass ich ihn aufgeweckt hätte, aber nichts von einem Hotelwechsel.
"Aha. Wie heißt denn der, der Manager?"
Der heißt Herr Soundso.
"Herr Soundso, moment ... Ja, Tatsache. Der wohnt hier."
Im nächsten Moment kommt besagter Herr Soundso dann auch schon um die Rezeptionsecke gebogen und begleitet mich zu Savas. Der wiederum wirkt noch etwas müde und ist dank meiner Verspätung gerade beim Mittagessen, empfängt mich aber herzlich in seinem Hotel-Zimmer.
Hallo und guten Appetit. Lass es Dir schmecken!
Dankeschön. Das Krasse ist, ich hab gestern nur zwei vegetarische Hot Dogs gegessen, den ganzen Tag. Das hier ist mein erstes richtiges Essen, ich hab' mich so darauf gefreut, das ist echt lecker.
Savas hat noch den ganzen Teller vor sich, und auch wenn es der Job eines Rappers ist, den Mund voll zu nehmen, muss man das nicht überstrapazieren. Also überlege ich mir ein Interlude. Einen Skit, während der gute Mann sich stärkt.
Übrigens, während Du isst, vielleicht eine Anekdote am Rande: Wir sind uns schon mal begegnet, das ist aber lange her, ich muss dazu ein bisschen ausholen: Für meine ersten KKS-Mixtapes hatte ich damals, so um 2000 rum, ein eigenes "King Kool Savas"-Logotype entworfen, weil ich Dein damaliges ehrlich gesagt nicht mochte und hauptberuflich auch eher für's Optische (!) zuständig bin. Irgendwann hab ich das am Computer nachgebaut und in einem Anflug von Grafiker-Großkotzigkeit dem Staiger gemailt, mit der Bitte, er solle es Dir bei Gelegenheit weiterleiten.
Ich hab dann nix mehr gehört – bis Du mit M.O.R. auf "NLP"-Release-Tour unterwegs warst. Nach dem Konzert standst Du draußen, hast Autogramme gegeben. Ich hab' Dich gefragt, ob Du den Entwurf je gesehen hast und Du so: "Ja, Alter, Du bist das? Voll geil, danke... aber die beiden 'S' von 'Savas', die fand' ich so ein bisschen SS-mäßig, das war dann doch zu krass." Und da hattest Du vielleicht auch nicht ganz unrecht, wie mir später auffiel. Dann hast Du ja auch das 'King' aus dem Namen genommen und ab da war die Sache eh passé. So viel zu unserer gemeinsamen Vergangenheit ...
Hammer Alter ... ich erinner' mich vage ... hast Du das Logo noch? Schickst Du mir das doch noch mal?
Ich fürchte, ich hab' das nicht mehr.
Okay, schade. Und hast Du schon öfter bei laut.de was über uns geschrieben?
Über Dich bzw. die Optik-Crew noch nicht.
Ich hab bei laut.de immer gutes Feedback bekommen, muss ich echt sagen, fand ich immer cool. Die haben immer voll nett über mich geschrieben. Ich habe das Gefühl, dass die das ziemlich wertschätzen, die Mucke. Wenn ich mir überlege, was Massiv oder Fler da für Kritiken bekommt, dann fahr' ich da ja voll die gute Schiene.
Jo, das sind kritsche Leute da. Und kritische Leser auch, klar. Für meine letzte Bushido-Review z.B. bekam ich eh auch ein Bomben-Feedback in den Kommentaren. Aber mehr Bomben als Feedback.
Und? Erzähl mal.
Naja, Du kannst es Dir bei Gelegenheit ja mal durchlesen.
Aber hast Du ihn aus Prinzip zerstört?
Nö, gar nicht. Seine ersten Sachen haben mich echt gestoked, die fand ich großartig. Aber meiner Meinung nach ist ihm dann nach und nach der Biss abhanden gekommen. Das jüngste Album legt davon konsequent Zeugnis ab. Schade, ehrlich ... Aber ich sehe, Du bist fertig mit Essen, lass uns loslegen, wir haben eh nur eine knappe halbe Stunde ... bereit für ein paar Fragen?
Genau. Genug davon. Her mit den Fragen, ich bin gespannt.
Ich hab' versucht, die Sachen, die in der jüngeren Zeit sowieso ständig gefragt wurden und deswegen auch hinlänglich bekannt sind, so gut es geht auszulassen. Insofern: Welche Frage würde Savas am liebsten beantworten – was würdest Du gerne an den Mann bringen?
Ich merke, dass mir am meisten so technische Fragen Spaß machen. Also, wenn's um die Musik geht, steh' ich auf Fragen wie "Wie habt ihr den Beat so hinbekommen?", "Warum habt ihr diesen Effekt so eingesetzt?" und so weiter. Das kommt sonst eher in amerikanischen Interviews vor, dass Leute gerade auf diese Sachen eingehen. Was mich bei deutschen Interviews nervt, ist die Frage nach dem Sinn, nach der Message, so quasi "Was ist denn jetzt der Inhalt?" - als ob man das als Artist so auf den Punkt bringen kann. Letztens habe ich gesagt, dass Instrumente ja auch nicht unbedingt einen Inhalt haben. Dass das auch mehr ein Gefühl ist, oder ein Gefühl vermittelt.
Natürlich, in dem Moment, wo ich was schreib' und sage, sagt das ja irgendetwas aus, das ist ja keine Phantasiesprache. Trotzdem finde ich, kann man auch im Rap, wo es nun mal um Raps geht, ein Gefühl vermitteln, Spaß machen, interessant sein und auch seinen Charakter darin zeigen. Ich hab' das Gefühl, dass ich die Ami-Rapper, die ich höre, auch kenne. Auch wenn es nur Battle-Raps sind, die ich von denen höre – ich hab' trotzdem das Gefühl, die zu kennen. Und genau das nervt mich an "Was ist die Message?", "Was ist der Inhalt?" und so. Das finde ich meistens zu flach, ich würde mir ehrlich mehr musikspezifische Fragen wünschen. Das macht mir Spaß.
Sozusagen die "Optik" der Songs, verstehe. Liebe Interview-Nachfolger da draußen: Ihr wisst Bescheid. Gut. Vor kurzem hast Du Curse' zehn Rapgesetze kommentiert und sie größtenteils unterschrieben. Eines davon lautet sinngemäß: "Bleib auch als Rapper immer Rapfan." Wovon ist Savas momentan Fan, abgesehen von den "holzig klingenden Portishead" zum Einschlafen?
Das Problem ist, dass ich nicht dazu komm', mir so viele Sachen zu brennen. Ich habe das alles am Computer. Aber wenn ich dann doch mal 'nen Törn hab, dann geh' ich auf YouTube, da kommt man ja heutzutage schnell an Mucke. Und da hör' ich mir dann immer wieder gerne "Cosmic Girl" von Jamiroquai an, das ist voll der schöne Song. Es gibt viele einzelne Tracks, von Chris Brown und Jordin Sparks zum Beispiel: Obwohl ich Chris Brown als Artist gar nicht feier', gefällt mir "No Air" total gut.
Dann hab ich vorgestern den Titeltrack vom neuen James Bond gehört, dieses Ding von Alicia Keys mit Jack White oder so. Das fand ich überkrass. Ich hatte keine Ahnung, wer das ist, dachte, das wär eine neue Band und war voll begeistert, dachte "Wow, da kommt die Überband". Dann war das Alicia Keys. Die mag ich auch sehr, die hat auch ein paar Tracks, die ich sehr, sehr geil finde. Ansonsten, rapmäßig gibt's halt Sachen wie Cassidy, Corey Gunz... keine Ahnung. Ich schau mir viel Battle-Kram im Netz von diversen Rappern an. Und natürlich wart' ich jetzt auch auf die neuen Eminem-Sachen, darauf bin ich sehr gespannt. Und Dings natürlich, R'n'B-Kram, R. Kelly zum Beispiel. Alles was von dem kommt, wird immer schnell auf CD gepackt.
Okay, alles klar. Dann ein absehbares Thema, ich versuch's auch knapp zu halten: Kurzer Überblick über Deine Gefühlswelt in Bezug auf das Ende von Optik Records zum Ende des Jahres?
Ähm, also durch das Gefühlstal bin ich inzwischen auf jeden Fall durch.
Das heißt, es war auch auf jeden Fall ein Tal da?
Na klar. Man kann ja jetzt auch nicht himmelhoch jauchzend sagen: "Ich beende meinen Traum." Aber mittlerweile sehe ich das echt sehr nüchtern. Auf 'ne gewisse Art und Weise hat das auch einen Ansporn zu neuen Sachen gegeben. Nicht nur bei mir, sondern auch bei allen anderen Optik-Beteiligten. Das liegt echt hinter mir. Auf der anstehenden Tour wird sich das auch zeigen. Aber man ist natürlich nicht glücklich darüber. Auf der anderen Seite lebt diese Energie und Idee auf eine andere Art und Weise weiter. Und wenn ich sehe, was "John Bello 2" höchstwahrscheinlich für einen Erfolg haben kann, dann macht mich das auch sehr glücklich und froh. Aber so, wie man es sich damals erträumt hat, hat das halt nicht geklappt.
Naja, ich würde sagen "geklappt" hat das auf jeden Fall. Ganze sieben Jahre lang sogar. Das würd' ich schon als Etappe sehen, als Erfolg werten. In diesem Zusammenhang eine Anschlussfrage: Du hast ja, so weit ich weiß, noch nirgends neu unterschrieben. Vor kurzem hatte ich ein Gespräch mit Prinz Pi, der meinte, er hätte sich vom Labelgeschehen zurückgezogen, um sich wieder voll und ganz auf's Künstler-Dasein konzentrieren zu können. Darf man von Dir eine ähnliche Entwicklung erwarten? Weniger Geschäftsmann, mehr Musiker? Oder simpler formuliert: Kommen ab 2009 wieder mehr S-A-V-Releases?
Definitiv. Ich will nur noch Mucke machen, wirklich viel Mucke machen, auch nicht mehr so lange warten bei den Alben. Den Leuten einfach öfter mal ein Update schicken.
Genau, mittlerweile. Aber das hat sich auch erst dahin entwickelt. Ursprünglich war's garnix, nur eine Art Kosename, den wir uns untereinander an den Kopf geworfen haben: "Du Bello!" und so, manchmal hab ich auch Freunde auch nur aus Jux mit "John Bello" angesprochen. Irgendwann hatt' ich dann ein Telefonat mit Illmatic und sagte ihm im Gespräch - wirklich nur spaßeshalber - dass ich mein nächstes Album "John Bello Story" nenne. Der hat sich totgelacht, denn das war wirklich reiner Unsinn.
Ich hab's dann aber tatsächlich gemacht, einfach um ihn zu schocken. Um zu zeigen, dass ich das echt durchziehe. Ich wollte wissen: Wie ist das, wenn man was wirklich Beklopptes macht, etwas, das wirklich überhaupt keinen Sinn hat. Irgendwie hat sich für mich darin dann auch ein Alter Ego herauskristallisiert, eine zweite Sache neben Kool Savas, wo ich mich viel lockerer machen kann. Und mir tut das sehr gut: Ich komm' dann in den Bello-Modus, wo ich ausraste, bekloppt werde, rumspaste, einfach überschüssige körperliche und geistige Energie abbaue. So ist das (grinst).
Inzwischen hat das aber auch etwas mehr Konzept bekommen, so nach dem Motto: Lass' Deinen inneren Bello raus. Lass' den Dingen ihren Lauf, mach' Dich locker. Kuck' einfach nicht drauf, ob dieses oder jenes jetzt peinlich oder unangenehm ist, ob ich mich blamiere, oder ob ich ein Bild erfüllen muss, das die anderen von mir haben. Scheiß drauf, mach einfach Dein Ding, Alter.
Wie mein Kater. Der heißt ebenfalls Bello und macht auch nur, was er will. Apropos Namen und weil's mir eben in's Auge sticht: Du hast den Namen "Melanie" auf den Unterarm tätowiert. Trotz Eurer Trennung im Privaten vor einiger Zeit ist sie nach wie vor Deine Haus-Produzentin. Läuft diese "geschäftliche" Beziehung reibungslos und von ganzem Herzen weiter, oder hat sich an Eurem Verhältnis als Team in dieser Hinsicht auch etwas verändert? (Wenn Dir das zu privat ist, können wir die Frage auch gerne skippen.)
Es hat sich definitiv nix an der Zusammenarbeit mit Mel verändert. Es ist und wurde auch nie ein Problem. Genau wie die Frage.
Dann cruisen wir weiter von der Frauenwelt zum nächsten unumgänglichen Thema: Karren. S-A-V ist bekennender Auto-Fan. Wenn Du Dir frei Schnauze und ohne Einschränkung drei Schüsseln aussuchen könntest – welche wären das? Inklusive Farbangabe bitte.
(Wie aus der Tek geballert:)997 Turbo, als Cabrio in schwarz mit schwarzen Felgen und schwarzem Interieur mit Carbonapplikationen. Das wäre eigentlich so mein Traumwagen. Und dann noch, hm, warte mal ... boah, es gibt so viel. Also wenn's drei wären, dann würd' ich mir für jeden Anlass was aussuchen. Dann würde ich als Geländewagen wahrscheinlich einen Range Rover nehmen, Supercharged, auch komplett in Leder und ebenfalls in schwarz. Generell: bei mir sind alle Autos immer irgendwie schwarz.
Und dann hätt' ich noch gerne ein Langstreckenfahrzeug, eine Limousine. Und da muss ich ganz ehrlich sagen, dass der bequemste Langstreckenwagen, den ich je gefahren bin, ein Phaeton war. Viel besser als eine S-Klasse, viel besser als ein 7er, besser auch als ein A8. Bequemlichkeit untopbar und total geräumig – aber der hat halt null Image, überhaupt nicht angesagt, die Kiste. Aber ich hätt' ja auch ganz gerne einen Wohnwagen.
Einen Wohnwagen!
Ja, ich fand das immer schon voll gemütlich. Mein Onkel hatte damals einen, mit dem sind wir auch mal in Urlaub gefahren und ich fand das überkrass. Ich bin voll der Wohnwagen-Fan! Ich mag auch Tourbusse. Ich mag, wenn das alles so kompakt ist: Beim Wohnwagen hast Du Deine kleine Schlafstelle, einen kleinen Fernseher, eine kleine Kochnische. Das find' ich geil, das würd' ich auf jeden Fall machen.
Auch in schwarz?
Das wär egal, bei dem spielt's keine Rolle. So lange er nicht grün oder knallrot ist.
Ich war letztens drei Wochen mit so einem Teil in Norwegen unterwegs, das hat schon was. Stimmt.
Echt? Und? Wie war's? War das ein großes Wohnmobil?
Das war eins für bis zu vier Personen. Wir waren zu dritt drei Wochen unterwegs. Dort hörst und siehst Du echt tagelang keinen Menschen, wenn Du keinen Bock drauf hast.
Krass. Wie ist das?
Die Stille, die Landschaft und die Entfernungen sind beeindruckend. Da kann man gut zur Ruhe kommen und abschalten. So richtig, mein' ich. Die Erholung spürst Du, wenn Du zurück ins tägliche Remmidemmi kommst. Meine Empfehlung hast Du.
Hammer, Alter. Norwegen. Wie weit ist das? Wie lange fährt man dahin?
Kommt drauf an. Mit dem 997er nicht so lange wie mit dem Wohnmobil, schätze ich. Und dann brauchst Du eh die Fähre.
Ganz kurz noch: Was für ein Sprache sprechen die da? Und sind die nett die Norweger? Kann man sich da in der Abgeschiedenheit ein Haus kaufen? Wie sind ...
(Man vergisst für ein paar Momente das tickende Damokles-Schwert, das aufgrund von unverrückbaren Folgeterminen über dem Interview baumelt und verliert sich in Fragen und Antworten zum Thema Norwegen. Bis uns ein schrilles Telefonklingeln jäh unterbricht. Savas geht ran:)
Hallo? [...] Los, oder was? [...] Können wir noch n' bisschen... noch leicht hinauszögern? [...]
(Ich, flüsternd:) Noch zehn Minuten!
Ja komm'. Pack' noch zehn Minuten drauf. Okay? Okay. (Legt auf.) Also los jetzt, Gas geben.
Killer-Stichwort: Wie steht's um Deinen Führerschein? Darfst Du den behalten? Gibt's da schon was Neues?
Nee, mein Anwalt ist dabei und gibt sich alle Mühe. Bis jetzt darf ich noch fahren und das ist sehr schön. Ich hoffe, dass das auch so bleibt.
Alles andere wäre mir selbst unangenehm, ich könnte das nicht. Selbst wenn Leute nur denken, ich sei arrogant, dann ist mir das schon peinlich. Aber das ist keine Marketingstrategie, Alter. (Lacht)
Wirkt auch nicht so. Themawechsel: Westberlin Maskulin - angenommen, Taktlo$$ vollzöge einen 180°-Sinneswandel und wollte plötzlich schiffsladungsweise Majorlabel-Tonträger verkaufen: Wärst Du zu einer Wiederbelebung des Berliner Urgespanns bereit? Oder ist das von Deiner Seite ausgeschlossen?
Unter Umständen ist alles denkbar. Aber wie gesagt: Das ist noch so weit weg, wir haben nie darüber geredet, weil wir zur Zeit gar keinen Kontakt haben. Aber "undenkbar" und "ausgeschlossen" ist es auf gar keinen Fall.
Da wir grade von WBM sprechen und obendrein in der bayerischen Hauptstadt sitzen, drängt sich mir da noch etwas anderes auf: Hattest Du Ende der Neunziger die Münchener Crew Feinkost Paranoia, sozusagen die "Westberlin Maskulin des Südens" auf dem Schirm?
Ich wusste, dass es die gibt, kannte aber nur einen Song von denen.
Und zwar?
Die Single, wie hieß die noch... "Kleines Mäuschen" ...
"Süße kleine Maus".
Ja, genau.
Und was war, oder ist Deine Meinung dazu? Ich meine, 1998 war das ja schon auch massiv neuartig, oder?
Als ich die Single gehört hab, da hatte ich "Maskulin" schon fertig aufgenommen. Das heißt, wir waren textlich und inhaltlich auch schon so extrem, dass mich das nicht mehr geschockt hat. Wir haben in jedem Satz "Fick dies, fick das", "Fotze", "Schwanz" und alles das schon benutzt, von daher war das kein Schock mehr. Aber ich fand's lustig, dass relativ zeitnah auch irgendwo anders so was ähnliches entstanden ist. Das war auf jeden Fall interessant.
Eine andere München-bezogene Frage habe ich noch, die meines Wissens immer völlig selbstverständlich ausgelassen wurde, deren konkrete Beantwortung ich aber bis zum heutigen Tag vermisse. Wahrscheinlich reißen mir 50% der Leser dafür jetzt auch den Kopf ab, aber ich würd's trotzdem gerne mal von einem der ersten und wichtigsten Multiplikatoren dieser Meinung hören. Vielleicht ist es in höheren Rap-Kreisen heutzutage auch nur noch ein Running Gag, beziehungsweise -Diss, aber bitte sag's mir: Was, zur Hölle, haben alle Berliner Rapper eigentlich immer so kategorisch gegen Blumentopf?
Ich weiß nicht, Mann. Man findet die irgendwie eklig, Alter. Weil in Berlin sind die Typen, die wie Blumentopf aussehen, wirklich die Hardcore-Nerds. Das sind halt wirklich die absoluten Spacken. Wo man sich sagt, "Ey, der zieht sich superstrange an", was natürlich scheiße ist, das daran festzumachen, aber ich mein': Die sehen halt schon wirklich extrem unstylisch aus ...
Aber lass' mal die Kleidung weg, konzentrieren wir uns mal auf's Wesentliche, den Sound, wie eingangs besprochen.
Ey, der Sound. Dazu wollt' ich als nächstes was sagen. Das ist einfach ... Wie ordentlich die alles aussprechen und so. Ich weiß nicht, ob Du Blumentopf feierst, es täte mir dann auch leid, aber ganz ehrlich: Ich kann mir keinen Berliner vorstellen, der sich Blumentopf anhören kann. Ich kann es bis heute nicht. Für mich werden die nie eine Faszination haben und mich törnt daran überhaupt nichts.
Siehst Du Sie vielleicht als eine Art Hip Hop-Streber, wenn Du sagst, dass sie alles so säuberlich aussprechen?
Weiß ich nicht, die sind einfach seltsam, Alter. Komisch, ich find's echt nerdig. Auch die Stimmen und die Betonung und so. Und dieser Fußball-Rap von denen, das ist so ... also ich – ohne die zu dissen – bekomme da echt immer leichte Fremdschäm-Gänsehaut.
Okay, dann wäre das mal vom Tisch. In dieser Hinsicht bist Du ja der Begründer des "Deutschrap 2.0": Davor gab's, etwas vereinfacht gesprochen, Hamburg, Stuttgart und – eben – noch München. Plötzlich war Berlin und die "neue deutsche Härte" auf der Rap-Landkarte. Etwa sechs Jahre später zeichnet sich mit Acts wie K.I.Z., die Du mal als "ganz lustig aber zu punkig" beschrieben hast, einem Marsimoto oder den "neuen" Deichkind eine weiterer Sprung des hiesigen Hip Hops ab. Diesmal geht's mehr so in Richtung Elektro-Pogo-Punk-Pop-Multikulti-Rap. Wie siehst Du diese Entwicklung?
Die Frage ist: Ist das ein neuer Style? Ich will das gar nicht abwerten oder in Frage stellen, was die machen, aber die Frage ist wirklich, ob das etwas wirklich Neues ist, oder eine Weiterentwicklung. Ich weiß nicht, ob das vergleichbar ist mit dem Schnitt, der gemacht wurde, als "LMS" rausgekommen ist. Meiner Meinung nach ging da damals schon ein Raunen durch die Szene a la "Okay, was ist das jetzt!?"
Und man hat auch an den Reaktionen der Artists gemerkt, dass da erst mal ein Schock da war. Andere Artists sind regelrecht in Euphorie ausgebrochen, als sie "King Of Rap" gehört haben. Aber ich weiß auf jeden Fall, was Du meinst; dass das alles elektronischer und technoider wird und so weiter. Und das ist ja auch okay – muss ja auch sein, irgendwas muss da auch passieren.
So ungern ich das jetzt in Anbetracht Deiner allerersten Antwort sage, aber ich meinte das eher auf einer inhaltlichen Ebene: Unter "2.0" verstehe ich die flächendeckende Einbringung des Vor-den-Kopf-Stoßens, der Kompromisslosigkeit, des Gangsters, der Straße et cetera in den Deutschrap. Davor gab es ein breites Hip Hop-Potpourri aus Spaß, Allerweltsthemen, Stories und Battles, die maximal überhalb der Gürtellinie augetragen wurden. Was jetzt passiert, halte ich für eine Art Mix aus 1 und 2, ergänzt um einen, ja: "bello-artigen" 3.0-Nihilismus in dem man sich selbst weder für voll, noch allzu ernst nimmt. Erst mal inhaltlich und infolgedessen dann auch wieder musikalisch.
Das ist gut möglich, auf jeden Fall. Das finde ich aber gleichzeitig auch schade. Also ich find's gut, wenn von allem etwas da ist und es nicht nur den einen Hardcore-Strom gibt. Das ist ja in Amerika nicht anders: Da gibt es South – und für die Leute gibt's dann im Kopf erst mal nur South. Obwohl East- und Westcoast und all das auch noch da ist. Ich fänd's halt schon gut, wenn in allen wichtigen Bereichen die Sachen ihren Schein abkriegen und gefeiert werden. Aber es ist definitiv ein Wandel zu spüren, auch inhaltlich, wie Du sagst. Eigentlich hast Du das eh schon auf den Punkt gebracht.
In diesem Zusammenhang: Im Gespräch mit Falk meintest Du neulich, Du würdest den Backpacker in Dir gerade wieder (neu-)entdecken. Ich hab dann mal auf Verdacht in der Wikipedia geguckt und tatsächlich: Als Abschluss der dortigen Definition des Backpackrappers, allerdings eher als krasser Gegenentwurf, findet sich dort momentan ein Zitat von Dir.
Hammer. (Lacht.)
Wenn wir also schon von Updates sprechen: Könnte man folgerichtig behaupten, Du vollziehst grade ein Upgrade zu "Savas Version 2.0"? Sozusagen: "Deutschlands Rucksack-Jigga"?
Ääähm, ja, vielleicht. Ich möchte das aber vorher noch zusammenfassen: Ich war Backpacker am Anfang, hab' mit Graffiti angefangen, hab' nur Backpacker gekannt und hab' nur Backpack-Mucke gehört. Aber ich hab' auch immer Gangster-Rap gehört. Dann wurd' ich ein bisschen missverstanden bei meinen ersten Texten, weil die alle dachten, ich bin voll der Anti-Dude – dabei war ich voll Hip Hop, weißt Du. Dann hab' ich mich von den Backpackern angepisst gefühlt und eine Antipathie gegen die entwickelt, weil die "LMS" und "King Of Rap" so hart gefrontet haben. Aber im Prinzip hab' ich ja auch nur die deutschen Backpacker gemeint, beziehungsweise die, die mich in dem Fall angegriffen und abgetörnt haben, nicht die ganze Sache an sich. Trotzdem war ich nach wie vor Hip Hop-Fan, das merkt man auch daran, dass ich weiterhin alles analysiert hab' und so weiter.
Dann gab's für mich eine Zeit lang hauptsächlich nur noch Gangster-Rap, Dipset, dies, das, aber: Ich hab mir trotzdem weiterhin alles angehört. Nur der klassische Backpack, also Sachen wie D.I.T.C., Show & AG, Talib Kweli und was man darunter halt so versteht, das hat mich lange gar nicht mehr erreicht, das hab ich lange nicht mehr gefühlt. Heute denk' ich: Das ist eine perfekte Mischung aus allem. Am Ende des Tages kommen eh alle Musiker auf den einen Trichter, dass sie sagen: "Ey, ich hör' alles Mögliche."
Ich kann mir keinen guten Musiker vorstellen, der sich nicht alles Mögliche anhört. Ich mein', bei MTV Masters hat Juliette Lewis gesagt, der und der hat nicht so 'nen Flow wie Jay-Z. Und wenn eine Juliette Lewis sich Gedanken macht, ob Jay-Z Flow hat oder nicht, dann zeigt das auch, dass sie offen ist. Am Ende ist das der Punkt: Ich wäre schon gar nicht ignorant genug, um nur Rap zu hören. Und dann womöglich auch nur eine Seite davon? Das geht gar nicht. Also, wenn da etwas kommt, was mich törnt und das klingt backpackig, dann ist das so. Ich seh' da so ein bisschen die Parallelen zu Eminem: Ein Backpacker, der erfolgreich wurde, der mit den Vorwürfen dann auch leben musste, aber trotzdem nie seine Liebe für Hip Hop an sich verloren hat. In diesem Sinn: Ja, ich bin so eine Mischung.
(Es klopft an der Tür, Herr Soundso kommt rein, um uns mitzuteilen, dass die zehn Minuten Nachspielzeit endgültig rum sind. Mit meinen Fragen bin ich just in time durchgekommen. Es folgt ein kurzer, freundlicher Handshake zum Abschied, Savas verschwindet ins Bad und ich hinaus ins verregnete München.)
Die kleine Küche im Club Vaudeville sifft, und die Groupies sitzen mit ihren Opfern im engen Flur - Underground pur: Mitten drin "Deutschlands 1" Kool Savas. Trotz einer kräftezehrenden Monstershow stellte sich der Berliner professionell und ausgiebig den Fragen.
"Für LAUT? Oh geil, Alter. Ich liebe laut.de", bereitet Savas sofort den Nährboden für ein erntenreiches Interview. Eine solche Reaktion darf man aber auch erwarten, sagte der Berliner doch höchstpersönlich: "Die haben immer gute Kritiken geschrieben." Stimmt, und um noch mehr in den Arsch des King Of Raps zu kriechen, wird mit den druckfrischen Media Control Charts unter seiner Nase herumgewedelt. "Höchster Neueinsteiger auf Platz 12! Hihihi, wusste ich noch gar nicht", so Savas' Reaktion.
Doch nach kurzer Freude über den Erfolg von "Die Besten Tage Sind Gezählt" tritt sofort wieder der Labelboss Savas in den Vordergrund. "Warum steht in den Charts bei mir nie Optik Records? Die verarschen mich jedes Mal. Das fuckt mich echt ab, Alter."
Verständlich. Hast du mit diesem Charteinstieg gerechnet?
Wir haben natürlich etwas ähnliches erwartet, aber nicht gewagt, es auszusprechen. Man muss sich mit positiven Prognosen zurückhalten. Ich dachte auch immer, die Single "Der Beste Tag Meines Lebens" von meinem Debüt wäre der kommerziellste Track. Im Endeffekt verkaufte sie sich jedoch am schlechtesten der drei Auskopplungen. Deshalb habe ich versucht, meinen Erwartungsmist runterzuschrauben. Platz 12 ist aber schon pervers, auch wenn ich versuche, mich nicht zu sehr von Chartplatzierungen abhängig zu machen.
Was war der Grund für ein Remixalbum? Du hättest daraus ja auch ein ganz 'echtes' Album machen können. Immerhin hast du ganz neue Beats und neue Raps am Start.
Ich war halt die letzten Monate dauernd im Studio und hatte das Gefühl, dass ich irgendetwas veröffentlichen muss. Da ich nur zwei Wochen Zeit hatte, kam mir die Idee eines Remixalbums in den Sinn. Zuerst wollte ich durch Deutschland fahren und so schnell wie möglich die Songs aufnehmen. Fertig, Boom, Boom. Ab in die Kiste. Parallel arbeitete ich damals noch am "Euer Bester Freund"-Mixtape, das wir dann einfach auf die Remixscheibe gepackt haben. Das Mixtape soll allen Leuten, die nach dem "Besten Tag Meines Lebens"-Album an mir gezweifelt hatten, weil ihnen das Album vielleicht zu smooth war, das Maul stopfen.
Wer zweifelte?
Ach, die ganzen Internet-Kiddies. Ich nehme mir solche Sachen vielleicht auch zu sehr zu Herzen. Lässt sich halt nicht ändern.
Du hast 80.000 Exemplare von "Der Beste Tag Meines Lebens" verkauft. Vor fünf, sechs Jahren hättest du locker das Doppelte absetzen können. Wie reagierst du als junger Labelboss von Optik Records auf die sinkenden Absatzzahlen?
Mich nervt schon ein wenig, dass auf dem Höhepunkt des Hip Hop-Hypes viele Leute mit dem letzten Mist 30.000, 40.000 Platten verkauft haben. Daher wünsche ich mir aus Label-Sicht den Hype zurück. Anderseits haben die Majors verpasst, auf den Internet-Scheiß einzugehen. Man merkt jedoch auch, dass es sich lohnt, wenn man cool gegenüber den Fans ist. Die gehen dann in den Plattenladen und holen sich deinen Kram. Wir als Optik Records haben unsere Erwartungen an die Verkäufe extrem zurückgeschraubt, damit kein negativer Vibe entsteht. In einer harten Zeit gut zu verkaufen ist besser, als in einer Hammerzeit mittelmäßig zu verkaufen. Wenn es irgendwann mit der Musikbranche wieder aufwärts geht, werden wir dank unserer Erfahrungen bereit sein. Ganz sicher.
Was erwartest du von deinen Künstlern wie Ercandize, SD usw.?
Ich erwarte alles von ihnen. Ich bin Fan von jedem Artists, der bei mir unter Vertrag steht. Ich lasse nicht den großen Boss raushängen, sondern wir versuchen, es gemeinsam zu schaffen. Jeder gibt sein Bestes. Für mich persönlich sind das alles Stars. Dass mich bis jetzt noch kein Majorlabel auf SD angesprochen hat, ist für mich nicht verständlich.
Früher war das mit Eko genauso. Die Leute haben unser Potenzial nicht gesehen. Ich bin bei allen gewesen, von Universal bis Eastwest, und habe denen gesagt: "Wenn ihr mich signt, müsst ihr auch Eko, Valezka und Melbeatz unter Vertrag nehmen. Das ist mein Team, und ich glaube daran." BMG waren die einzigen, die diese Vision gesehen haben. Und auch wenn Eko und ich nicht mehr ein Team bilden, für unsere Plattenfirma hat es sich auf jeden Fall rentiert. Im Endeffekt habe ich ihnen Eko auf dem Präsentierteller serviert, ohne großartig davon zu profitieren.
Wie ist dein Verhältnis zu Eko nach dem Split? Kleinere Sticheleien konntest du dir auf dem neuen Album ja nicht verkneifen?
Es gibt überhaupt kein Verhältnis mehr. Wir sprechen nicht mehr miteinander, und ich möchte auch nichts mehr mit ihm zu tun haben. Ich kann mittlerweile nur noch über seine Kinderkacke lachen. Besonders wenn ich mir das neue Video "L.O.V.E." angucke, wo er barfuß zu extrem poppiger Musik auf einer Yacht posiert. Eko soll machen, was er will. Don't hate, just celebrate. Er war zwar früher ein sehr talentierter Rapper, doch wenn ich ihn jetzt mit meinen Optik-Künstlern wie Amar, SD oder Ercandize vergleiche, zieht er den Kürzeren.
Zurück zum Labelgeschehen: Hast du dich mit Leuten wie Eißfeldt unterhalten, die ja negative Erfahrungen mit eigenen Labels machen mussten?
Auf jeden Fall. Ein grundlegendes Problem vieler Indie-Labels war, dass sie blind irgendwen gesignt haben und nicht mit der wirtschaftlichen Arbeit klar gekommen sind. Ich weiß gar nicht, ob Eißfeldt so viel mit dem Firmenalltag zu tun hatte. Trotzdem ist es natürlich schade, wenn ein Label wie Eimsbush, das ja so eng mit Eißfeldts Namen verbunden ist, pleite geht. Das fuckt mich auch ab. Wir müssen aus den Fehlern der anderen lernen. Mein Problem ist, dass ich manchmal zu künstlich gutmütig bin. Ach, komm. Wir machen halt hier und dort was klar. Geben dem noch mal tausend Euro, damit er sein Leben auf die Reihe kriegt. Im Business muss man manchmal aber auch knallhart sein, was brutal schwer ist.
Bleiben wir in Hamburg: Wie hat dein Kumpel Azad auf die Kollabo mit seinem Ex-Gegner Samy Deluxe auf dem Track "OK" vom kommenden Melbeatz-Album reagiert?
Ich habe Azad natürlich vorher gefragt, ob ihn eine Zusammenarbeit zwischen Samy und mir zu krass abfucken würde. Er meinte aber nur, ich solle mein Ding machen. Er habe keinen Beef mit Samy mehr.
Das Video zu "OK" suggeriert, dass ihr sehr viel Spaß miteinander hattet. Gab es keine Competition?
Als wir uns zuerst im Studio getroffen hatten, war die Atmosphäre schon ein wenig verkrampft. Wir wussten ja, dass die Leute von uns ein derben Zweikampf auf einem harten Beat erwarten würden. Aber irgendwann haben wir uns mit Whiskey-Cola die Kante gegeben und gemerkt, dass wir Musik eigentlich nur für uns machen. Es macht viel mehr Sinn, einen homogen Song zu kreieren, den wir beide abfeiern können, als einen knallharten Battle-Tune.
Du warst vor kurzem in den USA. Was hat sich in dem Standing deutscher Emcees in Amerika in den letzten Jahren verändert?
Es ist jetzt auf jeden Fall leichter, an Features heranzukommen. Auf meinem Mixtape sind jetzt Leute wie Juelz Santana oder Cam'ron. Ich habe jetzt einfach mehr vorzuweisen als früher. Die sehen, dass ich mit Lumidee einen Song gemacht habe, dass sich sein Album öfter verkauft hat, als Underground-Rapper drüben verkaufen. Die nehmen einen einfach ernster.
Letzte Frage: Was fasziniert dich an Jadakiss von The Lox? Seinen Namen droppst du ja in jeder zweiten Zeile.
Na, so schlimm ist es auch wieder nicht. Jadakiss ist jetzt nicht unbedingt mein absoluter Lieblingsrapper. Er gehört schon zum engeren Kreis. Seinetwegen habe ich angefangen, Eastcoast-Rap zu hören. Vor ihm war ich ignorant und stand nur auf Westcoast-Shit. Bei Jada gefallen mit halt seine Ausstrahlung, seine Lines und sein ganzes Image. Momentan höre ich aber viel R'n'B wie zum Beispiel das letzte Isley Brothers-Werk "Bloody Kiss" oder auch Zeug aus den 80ern wie Duran Duran. Zudem gibt es in Berlin einen guten Jazzsender. Rap-Musik kann ich gar nicht mehr so genießen. Da konzentriere ich mich zu viel auf die Styles und Flows.
Das Interview führte Stefan Johannesberg
Der selbsternannte "King Of Rap" stand LAUT Anfang Oktober im Rahmen seiner Promotour fürs Debütalbum "Der beste Tag meines Lebens" Rede und Antwort.
Die Passanten staunten nicht schlecht, als an einem schönen Herbsttag knapp zwei Dutzend mit hängenden Hosen gekleidete, junge Menschen eine Barkasse im Hamburger Hafen enterten, um Sekt trinkend einer Live-Präsentation von Kool Savas und seiner Optik Crew zu lauschen. Dieser legte dann unterstützt von Eko, Valezka, Melbeatz und DJ Nicon trotz ungewohnter Schiffsatmosphäre einen erstklassigen Auftritt hin und erzählte später im benachbarten Fünf-Sterne-Hotel alles Wissenswerte.
Warum hast du dich für den Major BMG bzw. deren Unterlabel Subword entschieden?
Als ich von PDNTDR weg bin, haben wir angefangen, den Markt zu sondieren. Wer macht welches Angebot? Mit wem wäre es vielleicht am coolsten zu arbeiten? Solche Fragen halt. Es gab neben BMG natürlich viele Anfragen, doch die meisten schienen mir immer etwas reserviert entgegen zu treten. Das Interesse loderte oft nur auf Sparflamme. Vielleicht lag das auch daran, dass ich für meine Optik Crew, sprich Melbeatz, Eko und Valezka, ebenfalls eigene Plattendeals gefordert habe. Die Leute von BMG waren dann sehr cool drauf und erklärten sich mit meinen Ansprüchen einverstanden. Ich hatte sofort das Gefühl, die warten nur darauf, mit mir als Künstler steil zu gehen. (Savas fängt plötzlich an zu lachen.) Ich liege hier wie ein Arsch, Mann. Entschuldige, aber ich mache mich nur locker. Zurück zum Thema. Mir wurde sehr viel Aufmerksamkeit und Respekt entgegengebracht. So gut hat mich im Business echt noch niemand behandelt. Das spornt einen auch an, alles zu geben und die ganze Arbeit ernster zu nehmen. Bei PDNTDR war es auch gar nicht möglich, ein Album zu machen. Da ging immer alles nach dem Motto: komme ich heut nicht, komm ich morgen.
Features mit anderen BMG-Künstlern sind aber nicht geplant, oder?
Nein, eher nicht. Ich glaube, es wird keine labelbedingte Zusammenarbeit geben, auch wenn bei Subword noch MB 1000, Raptile und Toni L unter Vertrag stehen. Ich muss den Artist entweder kennen oder wenigstens seine Musik mögen. Ich sehe die Leute ja genauso wenig wie früher, da wir eben kein Subword-Headquarter haben wie die Amis, wo die Künstler ein- und ausgehen. Optik Records in Berlin ist unser eigener Treffpunkt.
Kommen wir zu den neuen Stücken. Was hast du an deinem Flow bzw. an deinem Style zu rappen verändert bzw. verbessert?
Das Ding ist, ich habe schon immer versucht, in verschiedene Richtungen zu gehen. "Neongelb" zum Beispiel war anders als meine vorherigen Tracks. "Haus und Boot" ebenfalls. Doch bei den letzten Songs oder den M.O.R.-Sachen habe ich wieder fast nur einen Flow durchgezogen, und irgendwie wollte ich auch nur diesen einen Style kicken. Ich dachte mir aber, wenn ich ein Album aufnehme, muss es wirklich von vorne bis hinten interessant sein. Und das kannst du nur mit viel Abwechselung erreichen. Die Scheibe sollte halt nicht so eintönig klingen, wie es bei den meisten anderen deutschen Alben der Fall ist. Die kommen immer nur mit einem einzigen Flavour, der sich dann durch alle Songs zieht. Meine Platte sollte dagegen die gesamte Bandbreite abdecken. Das war meine Motivation. Außerdem zeige ich mit dieser Weiterentwicklung, dass ich als Emcee mittlerweile alle möglichen Flows beherrsche und neben jedem Feature-Partner gut aussehe.
Ab wann hattest du eigentlich kein Bock mehr auf die Porno-Flows, die dich ja berühmt-berüchtigt gemacht haben?
Es war halt ein Problem für mich, als mich alle wegen "LMS" und "Pimplegionär" auf den Porno-Rapper reduzierten. Meine Qualitäten als Emcee werden so nicht genug gewürdigt und gehen in dieser Porno-Geschichte etwas verloren. Das wurde dann an dem Punkt zu viel, als die Leute mich kritisierten, wenn ich mal über andere Dinge rappte. Dabei hatte ich einfach keinen Bock mehr auf Sex-Texte. Auf dem neuen Album sind deswegen auch ein paar Zeilen speziell an diese Typen gerichtet, die mich nur so limitiert sehen wollen. Ich will meinen Respekt als Emcee kriegen und nicht als einer, der nur ein Image vertritt. Das würde ja heißen, dass auf eine rappende Dolly Buster auch alle abfahren, nur weil sie schmutzige Styles kickt. Das ist doch Unsinn.
Wie kommt der blutjunge Nachwuchsrapper auf dein Level? Wie hast du angefangen, deine Skillz zu entwickeln?
Meinen Rapstyle habe ich entwickelt, indem ich wahnsinnig viel Musik gehört und mich mit den Raps und Rhymes sehr intensiv auseinandergesetzt habe. Ich habe jahrelang auf englisch gerappt. Ich habe am Anfang die Silben und Zeilen der Leute gezählt, um zu erforschen, ob und wie man nach einem bestimmten Prinzip, nach einen bestimmten Muster schreiben kann. Mit fällt es deswegen heute ziemlich leicht, den Stil eines anderen Rappers zu analysieren. Wenn ich wollte, könnte ich ihn dann problemlos nachahmen, obwohl das natürlich nicht mein Ziel ist. Der konkrete Style, den man von "King Of Rap" oder "That Smut" kennen, hat sich zu einer Zeit entwickelt, als ich viel Souls Of Mischief gehört habe und immer noch auf englisch rappte. Vorher habe ich immer versucht, Jungs wie Ice Cube, Too-Short oder MC Eight zu kopieren. Das ging natürlich voll in die Hose. Danach habe ich mich so Leuten wie den Souls oder den Alkaholics (jetzt Tha Liks) gewidmet und gemerkt, dass die mit einem simplen Rap-Style extrem effektiv arbeiten können, ohne zu langweilen. Und bin ich einfach zwei Schritte zurück gegangen, um drei nach vorne zu machen und habe wieder old schoolig gerappt. Das heißt, die Rhymes immer auf die vier setzen, um so in einen steten Flow zu kommen. Das fehlte mir in Deutschland damals (Anfang der Neunziger, der Verfasser). Die Sachen kamen mir immer zu abgehackt rüber. Ich wollte einfach mehr fließen und ständig vorwärts preschen wie eine Eisenbahn. Das fiel mir dann nach dem Wechsel von der englischen Sprache zur deutschen relativ leicht. Später erweiterte sich das Repertoire dann um so Sachen wie Double-Time usw.
Wann hast du dich entschlossen, von englischsprachigen zu deutschen Raps zu wechseln?
Auf englisch konnte ich bereits ganz gut rappen, der Flow stimmte, doch irgendwann habe ich gemerkt, dass meine Aussprache nie so klingen würde wie die der US-Rapper. Das hat mich genervt. Aber ich habe gemerkt, dass ich flowen kann, und als ich das zweite Mal in Amerika war, habe ich den Leuten dort meine englischen Demos vorgespielt. Die fanden das auch ganz cool, haben mir aber trotzdem geraten, es auf deutsch zu probieren. Und als ich dann wieder in Berlin zum ersten Mal mit anderen Emcees auf deutsch gerappt habe, wurde mir bewusst, dass ich schon viel weiter war als die anderen. Dass ich mit meiner Aussprache viel mehr auf den Punkt kam. Danach lautete das Motto einfach nur noch: weitermachen, weiterarbeiten. Das ist wohl auch ein weiterer Unterschied, da ich im Gegensatz zu vielen immer weiter an meinen Skillz gefeilt habe, obwohl ich bereits rappen konnte. Ein Wissenschaftler forscht ja auch immer weiter, es sei denn, er steigt ganz aus. Wenn ich also den Anspruch habe, der beste Rapper in Deutschland zu sein, muss ich dafür hart arbeiten und zwar während meiner gesamten aktiven Zeit.
Wie ein Fußball-Profi halt.
Genau. Wenn du einen Fußballspieler fragst, warum er trainiere, dann wird der dir antworten, dass er immer am Ball bleiben und seine Fähigkeiten immer weiterentwickeln müsse. Wenn du aufhörst, wirst du halt fett und langsam. Ein weiteres Problem ist sicher auch, dass viele Leute im Fußball wie beim Rap zu früh in den Himmel gelobt werden. Die denken sich dann: cool, mich finden alle toll, da brauche ich nichts mehr zu tun. Aber das ist falsch. Schaue dir nur mal Acts wie Fettes Brot an, die ihren Style und ihre Rap-Skillz ab einem gewissen Punkt nicht mehr weiterentwickelt haben, da sie damit ja erfolgreich waren. Doch nun können sie der Entwicklung im Rap nicht mehr folgen und verabschieden sich freiwillig in Richtung Pop. Zudem lassen sich die Fans heute nicht mehr verarschen, denn sie haben dank vermehrter Transatlantik-Kollabos den direkten, internationalen Vergleich. Und der fällt leider recht eindeutig zu deutschen Ungunsten aus. Die Leute bemühen sich zwar, doch bis jetzt fand ich immer, dass die Amis besser waren. Das wollte ich auf meinem Album aber anders machen (Gäste auf der Platte sind: A-Plus von den bereits angesprochenen Souls Of Mischief, Westcoast-Gangsta Kurupt sowie Royce Da 5'9 und sein Homie Tre Little, der Verfasser).
By The Way: Was geht denn mit deinem Rza-Track, der eigentlich im Rahmen des "World According To Rza"-Albums erscheinen sollte?
Ich weiß nicht, ob das Teil jemals veröffentlicht wird. Wir haben den Track vor kurzem mit Eko und Valezka noch einmal neu aufgenommen. Die Zusammenarbeit war aber auch irgendwie die unspektakulärste von allen. Der Rza saß halt hinter den Reglern und lud seine Beats hoch. Dann ging er raus und kam wieder als der Track fertig war. Ich habe mir von ihm als Produzent einfach viel mehr erwartet und ihn mir insgesamt viel krasser vorgestellt. Aber vielleicht hatte er an diesem Tag bloß keinen Bock.
Befällt dich denn noch das große Lampenfieber, wenn du mit US-Legenden arbeiten sollst?
Angst oder Lampenfieber habe ich mittlerweile nicht mehr. Wenn ich zum Beispiel mit Kurupt rappe, dann ist das auf jeden Fall spektakulär, aber ich sehe in den Leuten halt keine Halbgötter am Mic mehr. Nur bei Dr. Dre würde ich wahrscheinlich noch weiche Knie bekommen.
Und die Schlussfrage: Was schätzt du am Sound deiner Hausproduzentin Melbeatz?
Ich schätze so grundlegende Dinge wie Vielseitigkeit, Selbstständigkeit und Innovativität. Das hört sich vielleicht billig an, aber das sind wirklich die wichtigsten Grundeigenschaften, ohne die nichts geht. Melbeatz orientiert sich eben nicht explizit an anderen Sounds und Produzenten, sondern sie macht nur das, was sie im Moment fühlt. Wenn sie irgendetwas sampelt, bastelt sie daraus immer komplett andere Beats als der Rest. Und trotzdem kommt es auf den Punkt. Am Anfang fanden das viele Leute zu experimentell und wollten mich überzeugen, andere Beats zu benutzen. Im Endeffekt gibt mir aber der Erfolg recht. "Haus und Boot" zum Beispiel fühlen im Nachhinein auf einmal auch die Typen, die mich vorher von Mel loseisen wollten. Und das gleiche gilt für mein Debüt. Wir waren zuerst selbst überrascht, dass wir einen komplett eigenständigen Sound an den Start bringen konnten, ohne das Level der Professionalität zu verlassen. Denn es ist doch immer leichter, etwas Cooles zu biten, als etwas Neues zu kreieren, das zudem noch professionell klingt. Um das Thema abzuschließen: Ich würde lieber auf einem seltsamen oder dünnen eigenständigen Beat rappen, als auf einem dicken nachgemachten Primo und Pete Rock-Beat.
Okay, thanx fürs Interview.
Die John Bello Story 3 (2010), Was Hat S.A.V. Da Vor? (2009)
Die John Bello Story 2 (2008)
Feuer Über Deutschland (2006), Optik Takeover (2006)
One (2005)
Optik Takeover 2004 (2004), Der Beste Tag Meines Lebens (2003), Nur Noch 24 Stunden (2003)
Optik Mixtape Vol.1 (2002), Haus Und Boot (2001), NLP (2001), Warum Rappst Du? (2000), Battlekingz (2000), Hoes, Flows, Moneytoes (1999)
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