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Datum: 16. Juli 2010
Location: Messegelände
Balingen

Review

laut.de-Kritik

Mal brütende Hitze, mal lästiger Regen: Das Bang Your Head feiert 15-Jähriges mit allen Höhen und Tiefen.

Review von Michael Edele

So langsam aber sicher eignen sich die Betreiber vom Bang Your Head doch einige Unarten an. Gerade die Tatsachen, dass es Freitags noch nicht allzu früh los geht und dass es eben nur eine, große Bühne gibt, auf der alles stattfindet, hat das Festival so gemütlich und benutzerfreundlich gemacht.

Zumindest in der Beziehung weht in Balingen nun ein anderer Wind, denn The New Black stehen bereits um 10:00 auf der Bühne und gehen uns somit leider durch die Lappen. Erst mit Grand Magus geht für uns das Festival los. Die Schweden machen soundtechnisch sogar ganz gut was her. Zwischen den einzelnen Bands gibt es massive Unterschiede in der Soundqualität, das Trio schneidet hier aber ganz gut ab. Aber obwohl die Songs und die Rainbow-Huldigung gut ankommen, wirken die drei Musiker auf der großen Bühne und bei Tageslicht ein wenig verloren.

Forbidden wissen da ganz anders zu punkten. Sie waren vor zwei Jahren schon am Start und kommen trotz mäßiger Gesangsleistung von Fronter Russ Anderson gut an. Gitarrist Steve Smythe scheint sich mit Russ blendend zu verstehen, zumindest was das Essen angeht. Denn auch der Gitarrist hat mittlerweile einen beträchtlichen Leibesumfang. Dummerweise haben die Thrasher einen mehr als miesen Sound und außer Drums und Gesang ist kaum was zu hören. An der Spielfreude ändert das nichts. Die Band gibt als Tribut eine Black Sabbath-Nummer aus der Dio-Ära zum Besten. Russ nimmt nicht alle hohen Schreie mit, den ein oder anderen trifft er aber richtig gut.

Auf CD sind Sabaton eine Sache für sich, aber live macht man mit der Verpflichtung der Schweden nicht viel falsch. Auf ihre Weise sind sie ähnlich verschroben und genauso konsequent wie Hammerfall,die später den Headlinerposten spielen. Auf der Bühne herrscht ständig Bewegung, Sänger Joakim Brodén ist ein großer Aktivposten. Kaum zu glauben, dass der Kerl bis vor ein paar Jahren immer noch am Keyboard kleben musste. Die Zeiten sind vorbei und bei strahlendem Sonnenschein sind Sabaton auf jedem Festival die richtige Wahl.

Der x-te Frühling, den Anvil seit ihrem Film erleben, ist den Kanadiern auf jeden Fall zu gönnen. Allerdings fragt man sich, wo die ganzen Sackgesichter waren, die nun vor der Bühne stehe, als die Band noch keinen Film in den Kinos hatte und nur mit ihrer Musik begeistern wollte? Wie dem auch sei, Lips spricht wie immer gern über seinen Tonabnehmer an der Gitarre mit den Fans und genießt die Aufmerksamkeit sichtlich gerührt. Zwar ist der Sound wieder alles andere als optimal, aber da muss man auf dem BYH wohl durch.

Die Bühnenaufbauten müssen anschließend durch den Jon Oliva’s Pain Gig durch, denn der Meister hat genauso wenig abgespeckt, wie sein Gitarrist Matt Laporte. Ein Glück, dass keiner von Greenpeace auf der Bühne war, der hätte beide Wale sofort ins Meer zurück werfen lassen. Dafür lässt der Mountain King nicht viel anbrennen, auch wenn er manche Ballade durch eine etwas lustlose Intonation versaut. Daran, dass Oliva sich zu sehr auf seinen Flügel konzentrieren musste, weil Keyboarder John Zahner nicht dabei war, kann's kaum gelegen haben.

In der Halle waren am Freitag zunächst Darkane dran, deren Sound bei den ersten Nummern ebenfalls noch eher dürftig war. Die Kick-Drums ballerten zwar von Anfang an in den Magen, doch die Gitarren musste man sich dazu denken. Darkane durften genau wie Artillery in den Spielpausen der Hauptbühne loslegen, aber noch während ihrer Gigs legte bereits der nächste Act draußen wieder los. Das war für beide Thrash-Combos extrem ärgerlich. Zwar war es bei der Bruthitze draußen in der Halle noch relativ angenehm, letztendlich war man als Hallenband doch ziemlich angeschissen, wenn man nicht gerade wie Dark Tranquillity oder Destruction die jeweiligen Abende beendete.

Warum Krokus am Freitag nach Doro auf die Bühne durften, wird wohl auch eines von Meister Horsts Geheimnissen bleiben. Immerhin ist die kleine Düsseldorferin nicht nur so etwas wie die treueste Supporterin des Events und bei den Fans entsprechend beliebt. Beide haben einen guten, druckvollen Sound und kommen auch ähnlich gut an. Vor allem, weil die Schweizer noch erstaunlich agil zur Sache gehen und sichtlich Spaß an der Sache haben.

Beim Headliner Hammerfall fällt auf, dass irgendjemand dem guten Oscar wohl einen Dosenöffner in die Hand gedrückt hat. Kaum raus aus seinem Wellblech, ist der Kerl erblondet und passt mittlerweile in jede Hair Metal-Band. Das Mikro von Joakim zickt am Anfang etwas, doch dann gibt sich die Band gewohnt routiniert. Vielleicht ein wenig zu sehr, auch wenn die beiden neuen Gesichter an Bass und Gitarre sich redlich mühen. Oscar ist ein ständiger Aktivposten, doch bei Fronter Joakim scheint sich die gute Laune nicht wirklich einstellen zu wollen.

Den Samstag beginnen Savage Grace, die auch Donnerstag bereits in der Halle auf der Warm Up Party gespielt haben. Mit der Backing Band, die weitgehend aus den Jungs von Roxcalibur besteht, kommt der 80er Jahre Hard Rock ganz ordentlich an. Ohne Kalli, Neudi und Co. wäre das aber alles sehr blutarm.

Mit den ersten Regentropfen haben Hades zu kämpfen, doch die New Yorker kommen in Sachen Wetter noch ganz gut davon. Soundtechnisch ist die Sache auch noch ok, da sie mit Sänger Alan Tecchio einen absoluten Ausnahme-Fronter in ihren Reihen haben. Einmal mehr fragt man sich, warum die Band mit ihrem leicht progressiven Power Thrash nicht deutlich erfolgreicher ist. Am spielerischen Können und an starken Songs mangelt es schließlich nicht.

Ausgerechnet, bei der Band auf die unsereins am sehnlichsten gewartet hat, legt der Regen richtig los. Fates Warning lassen sich aber nicht aus der Ruhe bringen, auch wenn die Ausflüge von Ray Alder auf den Catwalk eher selten sind. Wenn Alan Tecchio schon ein Ausnahmesänger ist, dann ist Ray ein Unikat und zusammen mit den einzig originalen Fates Warning (neben ihm und Jim Matheos stehen auch Gitarrist Frank Aresti, Basser Joe DiBiase und Drummer Mark Zonder auf der Bühne) legt der Mann einen großartigen Auftritt hin. Vielleicht war der Regen gar nicht so schlecht, denn so hat man die ein oder andere Träne nicht gesehen, die manch einer dank der genialen Show verdrückt hat.

Wie gern würde man den Lobgesang auch bei Nevermore abhalten, aber zum einen war der Sound wieder äußerst dürftig und zum anderen hatte Sänger Warrel Dane einen äußerst beschissenen Tag. Wollen wir mal hoffen, dass der Mann erkältet war und die Abwesenheit seiner Stimmbänder keine anderen Gründe hat. Man hatte wirklich Mitleid, wenn man mitbekam, wie er sich die auf dem Rock Hard Festival noch so grandiosen Gesangslinien aus dem Hals pressen wollte und kaum etwas kam dabei heraus. Genau wie auf dem Rock Hard verscheißt er auch auf dem Bang Your Head seine Songansagen und geht gesanglich leider vollkommen unter. Aber was solls, achtet man einfach auf Drummer Van Williams, der nicht weniger als ein Virtuose hinter seinem Kit ist. Und das Gitarrenduo Loomis/Voros ist schließlich auch für ne Maulsperre gut.

In der Halle versuchen sich heute zunächst Dew-Scented und später The Haunted gegen die Hauptbühne anzulärmen. Beides gelingt beiden Bands zumindest vom Spielerischen her ausgesprochen gut. In Sachen Zuschauerresonanz muss man sich natürlich mit ein paar Hundert Nasen zufrieden geben. Schade um beide, denn Dew-Scented haben schließlich ein starkes, neues Album am Start und funktionieren mit der neuen Besetzung richtig gut. Was soll man zu The Haunted schreiben? Live sind die Jungs einfach eine Macht!

Tja, und bei Queensryche sieht die Sache wohl so aus, dass Geoff Tate das nächste Mal die Hantelbank mit auf die Bühne bringt, ne Runde pumpen geht, sich einölt und dann irgend eine Alte nagelt. Zumindest läge dies beim Betrachten des selbstverliebten Auftritts nahe. Tate hatte schon immer eine eigenwillige und ausladende Gestik aber irgendwann ist auch gut. Scheint so, als will Geoff unbedingt den sonst für die Extravaganzen zuständigen, ausgestiegenen Mike Stone ersetzen. Dessen Job an der Gitarre hat ja mittlerweile Parker Lundgren aus Geoffs Soloband übernommen. Gesanglich und musikalisch sind Queensryche über jeden Zweifel erhaben, aber die Performance ist mehr als nur grenzwertig.

Dafür zeigen sich die BYH-Dauergäste Twisted Sister in gewohnt guter Form. Dass sich die Jungs untereinander nur noch bedingt etwas zu sagen haben, ist bekannt, kratzt aber kaum weiter. Hauptsache auf der Bühne stimmt die Show. Zwar verzichtet Dee Snider auf Schminke und Schulterpolster, ist gesanglich und in Sachen Bühnenpräsenz aber gewohnt stark. Basser Mark Mendoza sieht wie immer aus, als ob er einen gleich abnagt und Gitarrist Jay Jay French übernimmt die meisten Ansagen. Als Samstags-Headliner haben die Sisters noch nie enttäuscht und wenn man sich das mittlerweile bis zur Verkaufsmeile gefüllte Publikum anschaut, sind sie auch zum 15-jährigen Jubiläum goldrichtig.

Den Abschluss setzen in der Halle schließlich Destruction. "Jetzt geht's ab!" schreit Schmier nach dem Einstieg ins Mikro und recht hat er. Ins Zelt will eigentlich noch keiner und entsprechend treten Schmier, Mike und Marc kräftig Arsch. Beim Quasi-Heimspiel dreht das Trio richtig auf und setzt einen feucht-fröhlichen Schlusspunkt unter ein eben solches Festival.

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