laut.de-Kritik

Ein Irrgarten voller Motivations- und Moralfloskeln.

Review von

Der Gang durch ein Labyrinth ist kein einfaches Unterfangen. Allerlei Irrungen beeinträchtigen den Orientierungssinn. Ein scheinbar einfacher Weg von A nach B ist aufs Äußerste erschwert. So viel zum traditionellen Muster. Was aber Kontra K mit seinem ganz persönlichen "Labyrinth" präsentiert, verhält sich scheinbar gegensätzlich dazu: Es geht immer straight nach vorne, ohne Rücksicht auf Verluste.

Der muskelbepackte Drill-Sergeant liefert noch immer die emotionsgeladenen Motivationsschübe, die seine letzten Platten ausmachten. Immer auch etwas bissig und düster, geht es vor allem um das Überwinden von Fehlern der Vergangenheit und der eigenen Schwächen. Enttäuschte Erwartungen und eine gewisse pessimistische Weltsicht prallen hierbei auf die kompromisslose Arbeit an sich selbst für eine bessere Zukunft.

Von der Sperrigkeit eines "Labyrinths" finden sich in Kontras Sound und Lyrics allerdings keine Spur. Schlüsselbegriffe wie "Stolz", "Mut", "Ehre", "Loyalität" und "Ehrlichkeit" bilden das Fundament von nahezu jedem Song. Um sie herum versucht der Rapper den Hörer mit allerlei Sprachbildern möglichst emotional mitzureißen. Ob Kontra K nun "wächst wie ein Baum", frei ist "wie ein Adler" oder den "Atem des Teufels im Nacken" spürt – sein Arsenal an Metaphern und Vergleichen scheint unerschöpflich.

Diese Stilmittel benötigt der Berliner, um das recht simpel gehaltene Programm seiner Kopf-hoch-Musik mit Leben zu füllen. Durch den hohen Grad an Bildhaftigkeit bleibt die Aussage der Songs aber stets ein Stück weit offen. Der Einzelne kann sie dann zwar leichter auf sich selbst übertragen, die Tracks geraten aber austauschbarer.

Erst wenn Kontra deutlicher wird und tatsächlich Eindrücke aus seinem Leben wiedergibt, wecken seine Inhalte Interesse. So widmet der Musiker beispielsweise seinem Kind einen gefühlvollen Song und zeigt intensiv seine Verletzlichkeit ("Sohn"), wodurch auch seine blumige Sprache ihre Wirkung entfaltet. Meist bleibt der Einblick aber zu oberflächlich, um wirklich mitzureißen. Deshalb wirken die Motivations- und Moralfloskeln des Rappers schnell abgedroschen und repetitiv. Wenn Kontra dann gleich einen ganzen Track der "wunderschönen Hoffnung" widmet ("Hoffnung"), ist schließlich auch die Schmerzgrenze für den Kitsch erreicht.

Besser funktionieren da die nach vorne preschenden Banger, bei denen der flowtechnisch auf den Punkt vorgetragene Text nur reine Formsache ist. Stattdessen vermittelt der Protagonist hier allein durch Vortragsweise und Beats eine impulsive Energie. Zusammen mit Bonez MC, Nizi und RAF kann er etwa auf dem Possecut "Gut Böse" so durchaus begeistern. Zwar rechnen die Rapper auch hier nur mit schemenhaften, unloyalen Widersachern ab. Doch schwingt bei diesem rapgewordenen Auf-die-Kacke-hauen immer noch ein fesselnder Vibe mit.

Am Ende ist es also doch ein "Labyrinth", das Kontra K abliefert: Im Irrgarten ist aber leider alles gleich. Zwar ist der Muskelprotz ein sehr versierter Rapper und kann seine Lyrics passenderweise stets voller Power auf den Takt pressen. Doch verliert man sich in der ständig wiederholten Aussage der Blut-Schweiß-und-Tränen-Musik, so dass einen die angestrebte Energie der Songs nicht mehr erreicht, sondern zunehmend langweilt. "Tausende Wege hier raus" – na dann, nichts wie los!

Trackliste

  1. 1. Atme tief ein
  2. 2. Ikarus
  3. 3. Bis Hier Her
  4. 4. Mitleid
  5. 5. Hoffnung
  6. 6. Wie Könnt Ich
  7. 7. Gut Böse
  8. 8. Jetzt Erst Recht
  9. 9. Paradies
  10. 10. Nie Wieder
  11. 11. Kampfgeist
  12. 12. An Deiner Seite
  13. 13. Labyrinth
  14. 14. Brot Stapeln
  15. 15. Geist
  16. 16. Tagtraum
  17. 17. Sohn
  18. 18. Bittersüß

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LAUT.DE-PORTRÄT Kontra K

"Der Hund ist des Mannes bester Freund." Heißt es ja so schön. Ein Hund ist vor allem eines: loyal. Gibts nicht mehr so oft, im frühen 21. Jahrhundert.

8 Kommentare mit 7 Antworten

  • Vor einem Jahr

    Wundert mich nicht

    Kontra K hat es zwar durch vermehrtes Poster-Boy-Image und auf den Massenmarkt zugeschnittenen Bester-Kumpel-Texten als einer der wenigen aus dem kaiserlichen Umfeld der Hell-Raisa Generation bis nach ganz oben geschafft, dadurch aber auf vollends die vielzitierte Eigendynamik und auch ein Funken der Motivation eines Rappers verloren

    Wo früher noch Depeche-Mode gesampelt wurde und mit einem kompromisslosen Kaisa sehr authentisch seelische Gedankengänge und Gefühle der sozialen Taubheit genauso auf den Takt gebrandmarkt wurden wie die härtere Gangart als treibende Kraft von Vollkontakt, stehen heute nur noch zahllose Steh-Auf-Geschichtchen vom Reißbrett, der Sport als universeller Schlüssel zu allen Lebensfragen, Hunde als Zeichen wahrer Loyalität, weiche Eskapaden eines gefühlvollen Mannes in familiären Angelegenheiten und so weiter

    Das Gepose für diverse Modemagazine und die ständigen, gebetsmühlenartigen Verweise auf Tugenden, Moral und Herzdonner sind in ihrer Fülle - und das Album für Album gleich - auf Dauer unwahrscheinlich unspektakulär langweilig. So verkommt der große Kämpfer zum banalen Haudegen, der der verrohrten Jugend zwar einiges mit auf den Weg geben kann, dem erfahrenen Hörer aber nur ein kurzes Abnicken und sofortiges Vergessen abringen kann

    Auch die Vorhersehbarkeit seiner Themenfelder ist grausam simpel und die Kreativität wabert ohnmächtig der Fließbandarbeit entgegen. Er kann mit der Sprache spielen, seine markige Stimme hervorragend einsetzen, technisch tiptop, doch, ach, was bringts wenn der Kampfesgeist über gefühlte 10 Releases krampfhaft jedesmal aufs Neue beschworen wird

    Never change a winning team, yo und ich will auch keinen Trap-K oder Elektro-Schwiegersohn (das Experiment ging bei ihm schon einmal absolut in die stolze Trainingshose) aber das Feuer suche ich im tranigen Labyrinth zuhauf, vielleicht ist er auch satt geworden, man kann immergleiche Arbeit auch noch nach Jahren erfrischend gestalten, ohne sich einen Zacken von der ehrenwerten Krone zu brechen

    Vielleicht schreibe ich eine Review dazu noch, aber dazu bräuchte ich die Motivation, die er händeringend unters Volk zu bringen versucht

    • Vor einem Jahr

      War er früher er ein Hollywood Hank/JAW oder wie? :D

      Und von welchen Modemagazinen ist hier die Rede? :rayed:

    • Vor einem Jahr

      *eher natürlich :(

    • Vor einem Jahr

      Textlich war er schon immer die eher sinnierende Säule bei HR, aber in einer konsequenten düsteren Form und mit weitaus mehr Dampf dahinter, keine angezogene Handbremse, keine Wiederholungen oder das unbedinfte Abdecken der eigenen Label-Formel, kein Haargel oder Oben-Ohne-Werbung, sondern echter Schweiß auf CD gepresst

      Mode auf der virtuellen Ebene, habe neulich auf Facebook eine Werbeanzeige mit ihm gesehen, nicht die Erste und ich gönne ihm jede Art von Erfolg auch wegen seinen Anfängen, dennoch hat er im Laufe der Jahre durch seine Nebentätigkeiten den eigentlichen Fokus auf auf den Punkt fixierte Musik verloren bzw nicht mehr das Hauptaugenmerk darauf gelegt und dann geht eben doch eine Menge an Potential den Bach runter wenn auf den besungenen 110 Prozent nur 85 in Natura walten

    • Vor einem Jahr

      Kontra K war zu prächtigen HR-Zeiten der agile Ruhepol, der jederzeit vollste Bereitschaft signalisierte neben einem beinharten Skinny AL, dem giftigen Fatal und dem umtriebenen Meister, Kaisa persönlich

      Das war eine wunderbare Kombination aus Charakteren die sich gegenseitig mitgerissen haben

    • Vor 5 Monaten

      Erfolg macht nun einmal blind, das wissen sogar Roboter wie... ich

  • Vor einem Jahr

    Grundsympathischer Typ, aber langweiliger geht's doch kaum, oder?

  • Vor einem Jahr

    Kein einziger Track, den man skippen muss. 5 von 5! War davor kein Kontra K Fan, fand auch nur Erfolg ist kein Glück gut, auf dem Album einfach jedes einzelne Lied!

  • Vor einem Jahr

    Satt irgendwelche hohlen Motivations-&Pathosphrasen sollte Kontra K lieber was aus seinem Leben erzählen. Gute Alben (vor allem im HipHop) macht halt auch immer ein Stück weit aus, das man etwas von dem Künstler erfährt oder etwas spannendes erzählt bekommt.
    Höre ich stattdessen nur ne Aneinanderreihung von Sätzen und gut klingenden Pseudoweissheiten, bin ich ziemlich schnell desinteressiert und es bleibt nix hängen.

  • Vor einem Jahr

    Schon sein letztes Album war mir ziemlich latte, dieses auch. Langweiliger Artist, wiederholt sich. Mochte Nebel und Kampfgeist von ihm.

  • Vor einem Jahr

    "verpiss dich mit deim butterfly, wir reißen pulsadern auf".. hach, wer hätte gedacht, dass der mal im Radio gespielt wird. Zu meiner Kaisazeit war neben Skinny Al immer Kontra K mein Lieblingsfeature, die sich beide in ihrer Energie in nichts nachstanden und Kaisa perfekt ergänzten. Mittlerweile natürlich völlig belanglose Musik, und die Befürchtungen die mit dem Four Music Deal einhergingen, wurden dann auch noch bestätigt. Irgendwie seltsam, da er sich ja immer noch mehr oder weniger in seinem alten Umfeld befindet und bei manchen Features noch überzeugen kann. Aber auf Albumlänge geht das gar nicht mehr.