9. November 2011

"Wir wollen die Fans noch lange melken"

Interview geführt von

Wenn zwei Hochkaräter wie Kollegah und Favorite im Konstanzer Kulturladen gastieren, nutzt man die Gelegenheit natürlich gerne und trifft die beiden auf ein Doppelinterview. Die derzeit einzigen Rapper bei Selfmade Records plaudern über Cover My Song, Sido & Bushido und andere Themen.Unserem Gespräch geht ein langwieriges Hin und Her voran. Lange weiß keiner so genau, wo und wann das Interview stattfinden wird. Die Warterei stört uns jedoch nicht weiter, schließlich erweist sich Selfmade-Tourmanager Ilke als äußerst fürsorglich und verpflegt uns mit Bier und Gesprächsstoff. Schlussendlich bekommen wir doch noch die gemütliche Sofaecke im Backstagebereich zugewiesen.

Während Favorite als Schmerzmittel bereits munter Vodka aus dem Plastikbecher schlürft, muss Kollegah noch seine Freundin am Prada-Handy abwimmeln. "Schatz, ich hab jetzt ein Interview mit laut.de." Eine wahrlich bosshafte Ansage.

Kollegin Lisa hatte im Vorfeld die Idee, dem Rapper bei unserem Treffen die laut.de-Review zu "Bossaura" als Ausdruck vorzulegen. So lange sich Kolle gebannt auf den anspruchsvollen Text konzentriert, widmen wir uns erst einmal seinem bestens gelaunten Mitstreiter und Supportact Favorite.

Wie läuft denn die Tour bisher?

Favorite: Die Tour läuft auf jeden Fall gut. Ich hab mir eine Woche vor Tourstart den Mittelfußknochen und einen Zeh gebrochen. Das ist natürlich blöd, ich muss eigentlich auf Krücken laufen. Aber ja, mache ich halt nicht den ganzen Tag. Nach der Tour gehe ich dann ins Krankenhaus und lasse mir den Knochen noch mal brechen. So siehts aus, das ist der Plan. Ansonsten läuft die Tour sehr gut, so viele Leute hatten wir noch nie. Das ist auf jeden Fall ein Fortschritt.

Du bist bei der ersten Staffel von Cover My Song aufgetreten. Was hältst du denn von dem Format? Es waren ja offensichtlich nicht alle Rapper so angetan.

Favorite: Echt jetzt?!

Ja, Sido und Bushido haben sich in einem Interview eher negativ geäußert und diverse Rapper haben ja auch abgesagt.

Favorite: Ach so, echt? Also ich fand es sehr gut, dass ich das gemacht hab. Ein paar andere Leute bei dem Format waren schon ein bisschen komisch, aber meine Sendung fand ich echt gut (lacht). Es ist ja auch immer die Frage, wer da hingeht und ob der das jetzt cool macht oder nicht. Dass da bei VOX jetzt Hip-Hop-mäßig ein bisschen was geht, ist aber in Ordnung.

Hast du die anderen Folgen auch alle angeschaut?

Favorite: Egal, was ich im Fernsehen anschaue, ich guck immer nur die Hälfte, weil ich danach einpenn. Ich kann halt nicht fernsehen, ohne einzuschlafen. Außer bei meiner Folge natürlich. Da war ich ja selber im Fernseher, das ist ja ne ganz tolle Sache. Da pennt man nicht ein. Aber ansonsten habe ich die Folgen eigentlich immer nur halb gesehen.

Es gibt ja derzeit den Trend, dass Rapper auch auf ihren Alben mit Schlagersängern kollaborieren. Kannst du dir das vorstellen, oder war es für dich eine einmalige Sache?

Favorite: Ich kann mir das eigentlich schon vorstellen, klar. Aber konkrete Pläne habe ich nicht. Ich sage nicht: "Woah, weil das jetzt alle machen, muss ich das auch machen." Aber wenn es sich ergibt, mal schauen. Cindy & Bert sind ja echt cool. Kann passieren. Aber ich habe noch nichts geplant.

Stichwort Casper: Wie ist denn deine Meinung zu "XOXO"?

Favorite: Ich hab es ehrlich gesagt noch gar nicht ganz gehört. Das mach ich aber auf jeden Fall noch. Es ist halt nicht so mein Ding. Aber mein Gott, der Erfolg spricht halt auch für sich. Wenn die Leute das kaufen, ist das schon in Ordnung.

Glaubt ihr, dass Casper bei Selfmade Records auch so durch die Decke gegangen und auf Platz eins gelandet wäre? Dann wäre er ja vorerst erfolgreichster Selfmade-Act.

Favorite: Ja, ich glaub schon. Vielleicht nicht ganz so, aber eine Eins wäre in seiner Woche auf jeden Fall drin gewesen. Wir gehen ja auch bald auf Eins, ne.

Erwartet ihr eine Eins vor "23" von Sido und Bushido?

Kollegah: Bei Amazon vielleicht. Aber ansonsten werden wir nicht vor denen charten. Das kann man schon mal sicher sagen.

Was haltet ihr denn von der Zusammenarbeit von Sido und Bushido?

Kollegah: Ich hab mir das gar nicht angehört. Ich finde es im Endeffekt nur ein bisschen komisch. Jeder mal mit jedem, dann wieder Streit, dann wieder nicht, dann ist der andere wieder ein Hurensohn, dann sind sie wieder Freunde. Es ist echt komisch. Ein komischer Laden.

Favorite: Schon sehr durchwachsen irgendwie.

Casper hat uns gegenüber im Interview erwähnt, er sei auch bei Selfmade ausgestiegen, weil es nicht seine Welt sei. Vor den Konzerten habe es Androhungen gegeben und er sei es nicht gewohnt, dass Leute bei Konzerten regelrecht tot geprügelt werden. Was war denn da eigentlich genau?

Favorite: Ja nix, wir prügeln halt ab und zu mal jemanden tot auf nem Konzert, wenn wir besoffen sind (allgemeines Gelächter).

Kollegah: Manchmal holen wir auch Fans auf die Bühne ...

Favorite: ... und punchen die.

Kollegah: Genau, so "Hey, willst du was trinken?" und BAM kommt der Schlag aus dem Nichts. Und der Fan wird einfach in den Graben der Menge vorgeworfen. Das ist einfach Entertainment, da muss man mit rechnen. Nein, nein. Casper war das vielleicht nicht gewohnt. Wir sind es gewohnt, dass immer wieder Androhungen kommen. Auf einer dreißigtägigen Tour gibt es bei mindestens zehn Gigs irgendwelche komischen Androhungen. Jemand schreibt was im Internet und kündigt an, dass irgendwelche Leute aufs Konzert kommen. Aber letztendlich passieren fünf Prozent von dem, was angedroht wird. Es ist eigentlich alles stressfrei.

Du hast ja mal in einem Interview gemeint, dass du total viel Wert drauf legst, dein Ehrgefühl zu verteidigen. Wenn also einer dumm ankommt, musst du da sofort draufhauen. Ist das immer noch so? Ich dachte du bist so entspannt.

Kollegah: Klar, das ist immer noch so. Bis zu einem gewissen Grad bin ich natürlich entspannt. Aber es kommt immer drauf an. Wenn einer respektlos, penetrant oder frech ist, dann schwingt der Boss schon mal die Faust.

"Man hat gemerkt, dass Savas angepisst war."


Was hältst du denn von der "Bossaura"-Kritik?

Kollegah: Die Kritik ist lustig geschrieben, erst mal Props an die Schreibweise. Gruß an Max Brandl. Ansonsten kann man inhaltlich natürlich immer viel streiten, jeder sieht das anders. Natürlich sieht der Künstler es immer total anders als eine Review, die negative Punkte heraushebt. Denn der Künstler ist ja vollends zufrieden mit seinem Produkt. Aber das ist einfach Geschmackssache. Der eine mag zum Beispiel Autotune, der andere hasst es. Das sind Sachen, an denen sich die Geister scheiden. Was die Beats angeht, gilt das Gleiche. Ansonsten finde ich die Review wie gesagt gut geschrieben. Sie ist sachlich und das, was über meine Person geschrieben wurde, trifft auch zu. Kann man so stehen lassen.

Wo wir gerade beim Thema Autotune sind. Favorite, wäre das auf deinem nächsten Album auch etwas für dich?

Favorite: Ich werde glaub ich keine Autotune-Hooks machen. Vielleicht mal eine oder so. Ist ja auch eigentlich mal ganz cool. Finde den Mittelweg - nicht so wie der Kolle (lacht).

Kollegah, ich muss dich drauf ansprechen, auch wenn du die Frage wahrscheinlich nicht mehr hören kannst. Kool Savas hatte ja schon seit langem sein neues Album "Aura" angekündigt, bevor du dein neues Album auf den Titel "Bossaura" umgetauft hast. Er hat da ja recht cool drauf reagiert und das eher so als "Friendly Competition" aufgenommen ...

Kollegah: Naja, aber man hat schon gemerkt, dass er innerlich angepisst war.

Ja, und er hat gesagt, er findet es ein bisschen dumm, weil du es ja wusstest.

Kollegah: Ich finde es ein bisschen dumm, dass er jetzt immer noch behauptet, dass es Absicht war. Ich habe schon in drei Interviews gesagt, dass es nicht auf ihn bezogen war. Das finde ich "dumm", wenn er schon mit solchen Begriffen um sich wirft. Damit unterstellt er mir ja, dass ich lüge. Oder dass ich nicht die Eier hätte, es zuzugeben.

Du hast vorher also nicht gewusst, dass sein Album so heißen wird?

Kollegah: Eben nicht! Das war so: Ich habe schon vor Jahren vorgehabt, ein Album "Bossaura" zu nennen. Dann hatte ich diesen Arbeitstitel, "Flex, Sluts & Rock'n'Roll". Und dann ist mir in Montenegro im Urlaub ein Traum gekommen. Ich habe geträumt, dass ich das Album in "Bossaura" umbenennen soll. Dann haben wir beim Vertrieb angerufen, um den Titel noch mal ändern zu lassen. Und da hab ich erst erfahren, dass es problematisch werden könnte, weil Savas sein Album "Aura" nennt. Ich habe davon im Vorfeld gar nichts mitbekommen. Ich wollte mein Album aber dann trotzdem so nennen und hab das dann durchgezogen.

Wie siehst du denn deine Aura? Hat nur der Boss eine Aura?

Kollegah: Nee, jeder hat so eine Aura. Fave hat auch eine coole Aura. Er ist so der lustige Typ, er hat einen geilen Humor, er ist enorm schlagfertig und hat immer einen lockeren Spruch drauf. Das wirkt auch sehr anziehend auf Frauen.

Favorite: Kann man so abhaken, auf jeden Fall.

Kollegah ist davon überzeugt, der beste Rapper Deutschlands zu sein. Favorite, gibt es auch bei dir eine Position, die du dir im deutschen Rapgame zuordnen würdest?

Favorite: Ja klar, ich finde mich auch sehr gut. Ich finde auch, dass ich der beste Rapper bin, ganz klar. Das finden wir ja alle. Wir machen ja die Musik im Studio so, wie sie uns am besten gefällt. Das ist dann unsere Musik, das sind unsere Babys, und die finden wir natürlich am besten. Man findet das eigene Baby natürlich immer hübscher als die anderen Babys. Ist halt so.

Also dein Statement ist dasselbe?

Favorite: Ich bin der beste Rapper!

Sido hat dein Album "Christoph Alex" öffentlich rezensiert. Würdest du das jetzt zur Veröffentlichung von "23" auch gerne machen?

Favorite: Das ist eigentlich ne gute Idee.

Slick One, Selfmade-Boss (aus dem Hintergrund): Würde ich eher bei nem Soloalbum machen.

Favorite: Ja, genau. Das mache ich dann beim nächsten Soloalbum. Ich glaube, der bringt ja jetzt bald einen Soundtrack raus. Also er bringt einen Film raus und da gibt es bestimmt einen Soundtrack dazu, schätze ich mal. Liegt ja nahe. Dann mach ich auch mal so was. Zu "23" ist das ja auch schon gegessen, das muss viel schneller gehen. Das müssen wir machen, sobald das Album rauskommt, am selben Tag.

Ihr könnt immer noch keine Gigs in Berlin spielen, weil alle Veranstalter Bedenken haben, dass es zur Gewalteskalation kommt. Liegt das immer noch an der Aggro-Geschichte?

Kollegah: Genau. Die Sache ist mittlerweile drei Jahre her, glaube ich. Aber so was hinterlässt einfach Eindruck, das hat ja landesweit die Runde gemacht. Jeder hat davon mitbekommen ...

Slick One: Das war auf VIVA, Mann. Das war auf MTV, das war überall ...

Kollegah: ... und wenn du Veranstalter bist, trägst du auch ein finanzielles Risiko. Du musst erst mal investieren. Und wenn am Ende möglicherweise der ganze Laden kaputt geschlagen wird, will man das Risiko einfach nicht tragen. Wahrscheinlich ist das Risiko mittlerweile nicht mehr so groß, aber es ist einfach noch da. Kein normaler Mensch geht das einfach freiwillig ein.

Du würdest aber schon gern in Berlin spielen?

Kollegah: Auf jeden Fall. Ich schicke auch sehr viele Mails und Facebooknachrichten.

Slick One: Vielleicht auf der nächsten "Jung Brutal Gutaussehend-Tour" (lacht). Mit Farid Bang dann.

Das heißt, "Jung Brutal Gutaussehend 2" ist in Planung?

Kollegah: Auf jeden Fall. Der zweite Teil mit Farid wird kommen. Nächstes Jahr.

Man hört immer wieder kritische Stimmen zu deinem Feature mit Haftbefehl. Vor allem weil er dir raptechnisch nicht das Wasser reichen könne.

Kollegah: Ja, aber schau mal: In Ami-Land redet kein Mensch über so was. Da kann ein Fabolous, der technisch tausendmal krasser ist, mit einem Young Jeezy einen Track machen. Und das ist dann ein geiler Track.

Favorite: Ja, denn die haben einfach beide Style.

Kollegah: Da redet keiner drüber, ob der eine jetzt krassere Doubletimes oder Wortspiele hat. Das ist so ein komisches verkopftes Denken in Deutschland. Da sollen sich die Leute echt mal von frei machen. Es kommt im Endeffekt auf das Klangbild an und man muss nicht alles so durchanalysieren. Haftbefehl hat andere Stärken, er glänzt auf anderen Gebieten. Was zum Beispiel Authentizität angeht, ist er sehr gut. Sein Style, seine Flows und seine Reime sind einfach neu und innovativ. Aber entweder man fühlt es oder man fühlt es nicht. Das ist das Ding bei Haftbefehl. Man sollte Haftebefehls Rap nicht so objektiv nach Kriterien verurteilen und seine Reime analysieren.

"Die deutschen Fans sind treue Fans."


Favorite, du warst dieses Jahr mit Kaas auf Tour. Kannst du dir auch auf einem Album eine Zusammenarbeit vorstellen?

Favorite: Kann passieren, auf jeden Fall. Passt jetzt nicht unbedingt so super zusammen, aber grade das macht die Sache ja auch wieder interessant. Kaas ist cool. Ist halt der Kaas, ne?

Du hast mal erwähnt, dass du dir Werke von Schopenhauer und Nietzsche zugelegt hast. Hast du die mittlerweile mal gelesen?

Favorite: Ich les nicht so viel, ich hab halt meine ganzen komischen Bücher digital.

Du bist also so ein E-Book-Leser?

Favorite: Nee nee. Ich hab so ne komische gecrackte Software. Da ist alles drauf, vier Gigabyte Textdateien. Und ich denke dann immer selbst, dann kommen mir Sachen in den Kopf. Und dann tipp ich die in der Volltextsuche ein und guck, was die darüber gedacht haben. Ich les das gar nicht alles, ich denk lieber selbst und schau, ob die auch drauf gekommen sind. Ich vergleiche das ganz gerne.

Hast du denn Gemeinsamkeiten entdeckt?

Favorite: Jaaa, ganz viele. Ah, nee. Mit Nietzsche und Schopenhauer weniger. Ich bin halt immer sehr optimistisch, das ist das Gegenteil von den beiden. Das fuckt mich schon ein bisschen ab. Ich kann die beiden auf jeden Fall nicht leiden. Die waren schon so welche. Die waren immer alleine, haben keine Party gemacht, hatten keine Weiber und so. Das sind dann schon so Sachen, da denk ich mir auch so: "Jungs, Alter. Wat war los? Macht doch mal n bisschen wat anderes außer alleine in der Stube hocken und auf die anderen warten." Also Nietzsche ist schon sehr abgehoben. Er redet ja immer vom Übermenschen, und ich glaube, er selbst hat sich auch ein bisschen so gesehen. Das ist ein bisschen komisch. Weiß nicht, Alter. Der soll mal chillen.

Wie stehst du denn zum Thema freier Wille?

Favorite: Wie heißt es? Man kann zwar tun, was man will, aber nicht nicht wollen, was man will. Das ist die Sache. Wenn es den freien Willen nicht gäbe, wollte ich das gar nicht wissen. Selbst wenn es so wäre. Ich will ja auch ich sein. Von daher würde ich das einfach ignorieren.

Du hast mal in einem Interview von einem Dummfilter gesprochen, den du immer verwendest. Was hat es damit auf sich?

Favorite: Ach ja, der Dummfilter, genau. Mein Vokabular ist immer sehr beschränkt (lacht). Mit Absicht! Das ist halt lustig, das ist halt mein Humor. Das will ich auch weiterhin so beibehalten. So wie Homer Simpson.

Kollegah, wie sieht es mit deinem Jurastudium aus? Bist du noch dabei? Besuchst du die Vorlesungen oder machst du das ganze von zuhause aus?

Kollegah: Ich mach das ganze Studium von zuhause aus. Ich gehe nur zu den Klausuren.

Kommen nach den Klausuren die Fans und wollen Autogramme?

Kollegah: Ja, nach jeder Klausur kamen danach immer die Fans an. Vorher sieht man auch immer schon, dass sie ganz nervös sind und sich gar nicht auf ihre Klausur konzentrieren können. Sie verkacken alle. Und die treiben den Schnitt so runter, dass ich mich dann noch mehr von der Masse absetze. Das tut mir ja auch Leid. Ich hab mir letztens eine Langhaarperücke für 400 Euro gekauft - das ist jetzt kein Witz – damit ich die Studenten mal nicht mehr so verunsichere. Ich zieh ja auch den Gesamtschnitt der Uni runter.

Favorite: Das gibt neue Pics im Internet im Selfmade-Board, Alter. Da setzen sich dann alle Perrücken auf. "Kollegah in der Uni".

Kollegah: Ich will ja nicht, dass die Uni als landesschlechteste Uni da steht, nur weil sich keiner mehr konzentrieren kann. Also das will ich vermeiden. Aber jetzt muss ich mir wieder ne neue Perücke kaufen. Wenn die Leute das hier jetzt lesen, wissen sie nämlich Bescheid. Scheiße.

Vielleicht wär blond ganz gut.

Kollegah: Ja, ich hab ja schon ne blonde gekauft. Wie Brad Pitt in Troja sehe ich dann aus. Da seh ich so sexy aus. Woah. Hammer.

Warum machst du denn das Studium? Nur wegen den Downloadern?

Kollegah: Ja klar, damit ich die irgendwann rankriege. Nee nee, das mach ich einfach, weil es mich schon immer interessiert hat. Ich habe mich immer für Recht und Gesetzeslücken und solche Sachen interessiert. Deswegen mache ich das nebenbei einfach mit. Einfach aus Interesse an der Sache.

Du bist schon als junger Mensch zum Islam konvertiert. Sind dein Glaube und deine Musik zwei verschieden Welten?

Kollegah: Das sind zwei verschiedene Welten. Ab und zu lasse ich es schon in meine Texte einfließen. Manchmal gibts halt Lines, wo jeder Moslem halt denkt: "Okay, der denkt wie ich." Ich mache das aber nicht so zum Riesenthema. Aber klar, die Religion spielt schon auch eine große Rolle bei meiner Weltanschauung. Das fließt dann natürlich immer ein bisschen ein. Aber generell versuche ich, das zu trennen. Damit auch nach außen hin für Nicht-Muslime nicht der Eindruck entsteht, dass alles, was ich über Drogen, Frauen usw. rappe, total problemlos mit unserer Religion vereinbar ist. Denn das ist es ja überhaupt nicht. Ich hoffe einfach, dass ich lang genug lebe, um das irgendwann komplett klarzustellen. Wenn meine Rapkarriere irgendwann vorbei ist, kann ich wirklich noch mal klarstellen, an was ich glaube. Aber mit dem Rap möchte ich das nicht kombinieren. Das würde nichts bringen.

A propos Karriereende. Es gibt ja durchaus immer wieder erfolgreiche Rapper, die davon sprechen, ihre Karriere an den Nagel zu hängen, z.B. Bushido. Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Kollegah: Das sind ja immer die Leute, die entweder ausgesorgt haben oder nichts verdienen. Fünf Jahre sind eine lange Zeit. Ich denke mal schon, dass wir realistisch gesehen noch mindestens fünf Jahre haben. Wenn man sich diesen Savas anguckt, der mit 38 noch rappt und seit 98, 99 dabei ist. Da kann man schon absehen, dass die Lebenserwartung eines Deutschrappers doch relativ hoch ist.

Favorite: Die deutschen Fans sind treue Fans, sagt man immer. Da war mal irgendwie ne Studie. Wenn man sich einmal eine treue Fanschar aufgebaut, kaufen die in zehn Jahren noch die CDs.

Kollegah: Deutschrap ist auf jeden Fall ein langlebiges Geschäft. In den USA ist es sehr kurzlebig, in Deutschland ist es genau umgekehrt. Das ist so dieses Gewöhnungsding. Man will immer das haben, was man schon hat. Immer wieder, immer wieder. Deswegen sagen auch meine Fans, ich soll wieder so rappen wir früher. Das sagen sie bei jedem Album. Das ist einfach diese deutsche Mentalität. Die wollen immer wieder die selben Abläufe. Und das spielt uns in die Karten. So können wir die Fans noch locker fünf, sechs Jahre schön melken!

Favorite, du hast eine kleine Tochter. Wir müssen ja jetzt nicht zu arg auf dein Privatleben eingehen ...

Favorite: Ach, können wir ruhig machen.

Hat sich da an deinen Ansichten bezüglich Rap und Vorbildfunktion irgend etwas geändert?

Favorite: Treue zur Mutter meiner Tochter wird natürlich jetzt ganz groß geschrieben. Ansonsten ist eigentlich alles beim Alten.

Lässt du sie bald deine Mucke hören?

Favorite: Nee nee, so was mach ich nicht. Die soll schon ihren eigenen Weg gehen. Wäre es ein Sohn gewesen, wäre das natürlich was anderes (lacht). Aber an meinen Inhalten wird sich nichts ändern. Das sind zwei verschiedene Sachen. Ich bin ja auch ich und nicht meine Tochter. Wir gehen zwar schon Hand in Hand über die Straße, aber das wars (lacht). Nee, ich liebe mein Baby natürlich. Aber es ist ja auch noch jung, ich weiß nicht, wie sich das alles entwickeln wird. Gucken wir mal. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Was dürfen wir denn nachher beim Auftritt erwarten?

Kollegah: Wir sind nicht auf so krasse Specialeffects angewiesen ...

Favorite: Aber die Perücke aus der Uni setzt du trotzdem auf!

Kollegah: Die könnte ich echt mal aufsetzten. Aber die habe ich leider nicht dabei. Wir haben aber so geile Kostüme, Fave zieht Helme an und schnallt sich Engelsflügel auf den Rücken.

Favorite: Wir machen halt die ganze Zeit Späße und spielen dann die Tracks. Auch mal zusammen.

Dann viel Spaß und Danke für das Gespräch.

Mit Kollegah und Favorite sprachen Lisa Wörner und Simon Langemann

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