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Dass Kollegah nach seinem zweiten Studioalbum keine neuen Wege bezüglich seiner Selbstdarstellung einschlägt, war dank zwischenzeitlich veröffentlichter Mixtapes und regelmäßigen Video-Botschaften früh abzusehen. Dementsprechend bietet "Bossaura" der Hörerschaft wieder einen gut einstündigen Ausflug in eine Welt, die sich mit der Realität maximal das Vokabular teilt.
Was Kollegah seit jeher mit diesem macht, ist spätestens seit "Alphagene" ein, wenn nicht der Grund für seine zunehmende Popularität, die sich inzwischen auch in entsprechenden Chartplatzierungen widerspiegelt: "Bossaura" rangiert neben maximaler Konkurrenz aus der eigenen Schublade auf den vorderen Plätzen der Trendcharts.
In Anbetracht der Tatsache, dass Kollegah das erneut fast ausschließlich mit "übertriebenem Waffengelaber", der sprachgewaltigen Herabstufung sämtlicher Widersacher und nicht enden wollenden Erläuterungen zum ungebührlichen Umgang mit Geld, Drogen und Frauen gelingt, ist das eine zumindest bemerkenswerte Entwicklung der deutschen Hitparaden.
Seine Inhalte zu monieren indes ist müßig: Wer sich an der Fiktion und Darbietung von Felix Antoine Blumes Schaffen stört, dürfte konsequenterweise auch nur in Heinz-Sielmann-Filme gehen. Seinen Fans ballert der Kanada-Germane dagegen wieder hochgradig vertrackte Mehrfach-Reimkonstruktionen sowie schier unmenschliche High-Speed-Passagen um die Ohren. Bestes Beispiel dafür liefert die "Mondfinsternis": Binnen drei Minuten derart viel von sich zu geben und im Grunde so gut wie gar nichts zu sagen – phänomenal.
Auch die "historischen Punchlines" gehen Kollegah in seinem inzwischen sechsten Jahr nicht aus, wovon unter anderem der sechsminütige Titeltrack "Bossaura" eindrucksvoll Zeugnis ablegt. Wie bei allen seinen Veröffentlichungen wird es auch hier wieder eine ganze Weile dauern, all jene Pointen zu finden und sie, gelegentlich, auch zu kapieren. Kollegah spielt Deutschrap-Scrabble auf Weltrekord-Niveau: Mit möglichst vielen Buchstaben dreifachen Wortwitz anvisieren, während das große Ganze keinen Sinn ergibt.
Sein mehrfach vertretener Kumpel SunDiego hat sich in dieser Hinsicht seit der letzten Zusammenarbeit deutlich verbessert, was vor allem in "Billionaire's Club" zutage tritt: Selbst bei gefühlten 150 Silben pro Sekunde versteht man den Mann nun mindestens so gut wie den Gastgeber – und steht nach abgefeuertem Vortrag ebenso knietief in Worthülsen. In der Tat gäbe er einen großartigen Partner für ein Kollabo-Album ab. Auch, weil er sich nicht scheut, die eine oder andere Line gesungen zu absolvieren.
Anders die "Kobrakopf"-Besetzung: Farid Bang und Haftbefehl nölen und kläffen sich, jeder gemäß seiner individuellen Fasson, durch ihre thematisch aufgeräumten Parts. Auf deren eigenen Werken mag das ja durchaus Verehrer haben. In der Aura eines eloquenten Bosses wirken die beiden Kandidaten aber verloren und degradieren sich via Auftritt letztlich selbst.
Ähnlich verhält es sich mit der jedes Mal noch absurderen musikalischen Ausgestaltung von Kollegahs Bonmots. Sein Faible für billige Plastik-Beats war zunächst eine sympathische Marotte, wurde mit der Zeit immer zentraleres musikalisches Motiv und bildet hier – angesichts eines amtlichen Albums – ein echtes Problem: Raps und Produktion stehen sich in punkto Originalität auf "Bossaura" nicht selten diametral gegenüber. Warum leistet sich der Mann statt dem x-ten Mercedes nicht einfach mal ein paar Top-Produzenten?
Die "Drugs In Den Jeans" klingen wie mit den Werkseinstellungen einer Gratis-App am Handy programmiert. Der kleinkalibrige 08/15-Beat zu "Undercover" wäre im wahrsten Sinne mal besser unter dem Radar geblieben. Schickt man hingegen das Wort "Ohrenkrebs" an fünf mal die Drei, erhält man einen Billigheimer wie "Spotlight" wahrscheinlich sogar gratis.
Doch es ist nicht alles schlecht: Den Titeltrack "Bossaura" rückt ein atmosphärisch-düsterer, zurückhaltender Beat ins rechte Licht, während "Flex, Sluts, Rock'n Roll" die Muckibude erfolgreich mit der Großraumdisco vermählt. Das, wenn man so will, introvertierte "Du" umrahmt Kollegahs einziges Wehklagen zwar reichlich manieriert, aber gerade dadurch stimmig – Samtkehlchen Sahin tut im Chorus ein Übriges dazu.
Summa summarum hat man als selbsternannter Boss nach sechs Jahren 'im Game' aber ganz einfach eine elaboriertere Produktion abzuliefern – Punkt.
Das eigentliche Seitenstechen löst aber letztlich erst das albumweit ausufernde und z.B. in "Jetlag" oder "I.H.D.P." obendrein quälend schiefe Autotune-Gejaule aus. Scheinbar muss da jeder Rapper mindestens einmal durch, anders kann ich es mir nicht mehr erklären. Doch Kollegah hätte aufgrund seiner Qualitäten am Mikrofon derlei akustische Anbiederungen an ein, mir ohnehin nicht vorstellbares Zielpublikum (wer mag Autotune?) ganz einfach nicht nötig.
Mehr Klasse bei den Beats, weniger Effekthascherei, alles andere genau so beibehalten - und es bestünde kein Zweifel an der Alphagenetik. Aber angesichts einer so windigen und gleichzeitig überladenen Klanglichkeit wirkt es, als hätte man seinerzeit Willhelm Busch zum Erstellen von Bedienungsanleitungen verdonnert.
Nichtsdestotrotz zementiert Kollegah mit "Bossaura" einmal mehr seinen Status als einer der besten MCs im Land, der trotz grandios ausgeprägter Fantasie den Blick fürs Wesentliche nicht verloren hat: "Übergabe nachts auf dem Parkhausdeck / Im Kofferraum zehn Kilo Koka, siebenundzwanzig Guns – und das Warndreieck."
Ich finde den Schritt zum Trash-Rapper eigentlich nur konsequent. Außerdem variiert er seine Vortragsweise viel mehr als auf älteren Releases, was einige Perlen hervorbringt ("Du"=Übertrack!).
Muss zwar erst noch sitzen, aber nach den bisherigen 4-5 Durchläufen ein solides Album. Auch wenn er sich die ein oder andere Autotune-Hook hätte wirklich schenken können
Wahrlich bosshafte Rezension, würde jeden Satz unterschreiben. Kollegah + gute Beats -autotune -Farid, dass wäre mal ein echtes Kleinod der Musik.
Man kann sagen, dass ich nach den ersten Hördurchgängen etwas enttäuscht über das Album war. Das legt sich aber - änhlich wie beim Album "Kollegah", welches für mich heute eines der besten Deutschrap Alben ist - mit der Zeit, es entwickelt sich von Durchgang zu Durchgang und wird immer besser, gar die anfangs lästigen Autotune Hooks gehen ins Ohr. Nach unzähligen Durchläufen würde ich 4/5 geben, einfach weil es der typische Kollegah mit den gleichen Text auf anderen ( qualitativ schlechteren) Beats ist, aber selbst die gehen schnell ins Ohr.
Unverzeihlich ist aber I.H.D.P...ein totaler Reinfall und heißer Kanidat auf den schlechtesten Track von Kollegah - und aller Zeiten.
kollegah haette nur die monfinsternis ep veroeffentlichen sollen. kein einzigster von den anderen songs taugt was. rheime sind schlecht. das auto-tune ist fuerchterlich. kolle taugt als geschichtenerzaehler nichts. das ueberlaesst er lieber mal prinz pi. zudem hat man auf dem album zu oft den satz "drugs in den jeans" gehoert. wenn kolle keine lust mehr auf musik hat soll er es einfach sein lassen. genug gutes material hat er ja veroeffentlicht.
Natürlich immer wieder gewohnt genial, aber wie gesascht: Ich kann über den Autotunetrash teilweise echt herzhaft lachen, gab ja auch schon früher geschmackfreies von Kolle ohne Ende - grade in Sachen Beats und/oder Hooks. Außerdem hab ich auch das Gefühl, dass man sich mit der Zahl der Durchläufe an den musikalischen Schmontz gewöhnt und dann doch wieder gut lachen kann - zum Beispiel kann ich selbst an dem über mir (zurecht) kritisierten I.H.D.P. schon sehr feiern, dass er selbst in den auf ehrlich gemachten Storytracks sein Image als Überplayer pflegt. Trotzdem (vorerst) nur 3/5 weil Musik ja irgendwie teilweise auch unterbewusst funktionieren muss - und da kriegt man bei dem Gedudel ja teilweise echt das Kotzen.
manchmal frage ich mich, ob kollegah einfach nur von genrefremden musikalisch überstimmt wird, oder ob der trash-faktor seinem eigenen willen entspringt. mit anständigen beats und hooks wäre er bei mir vorne mit dabei. aber da tut freejazz weniger in den ohren weh. schade. bin wohl kein teil der zielgruppe.
Gemischte Gefühle beim neuen Release. Die Punchlines haben aber viel an Qualität und vor allem an Vortrag verloren, seine Stimme sagt mir hier viel weniger zu als bei frühen Releases. Dieses desinteresse in der Stimme ist vollkommen einer eher farblosen Stimme gewichen.
Das Outro ist hier ziemlich nice, wenn auch peinlich. "Bossaura" bleibt als einziger dem Titel würdig.
Als bekennender Fanboy von Kollegah steh ich dem neuen Werk relativ kritisch gegenüber. Klar, die Wortspiele sind wieder grandios und die Doubletimepassagen sind auch großartig. In Sachen Rap funktioniert das Ganze auch prima. Aber was ist mit den Beats passiert? Über den Autotune will ich mich eigentlich auch gar nicht mehr aufregen. 3/5 passt. Kein Totalausfall, aber definitiv das schwächste Release von Kolle. Dank Fanboy-Bonus läuft Album trotzdem auf Heavy Rotation.
hoffentlich kommt dieses jahr noch hoodtape 2 - ohne autotune! bin mit bossaura aber ziemlich zufrieden. der erste durchlauf war ziemlich erschreckend, vor allem aufgrund der autotunehooks. aber nun, nachm 5. durchlauf, geht alles irgendwie doch gut ins ohr, selbst I.H.D.P. gefällt mir irgendwie (obwohl es dennoch ein unding ist als "boss" solche hooks zu übernehmen). 3/5 gehen in ordnung, gemessen an den anderen kollegahalben. seine tapes würd ich da auch nicht mitzählen, die verdienen m.M.n. alle durchweg die höchstwertung.
3/5 gehen in Ordnung. Beim ersten mal durchören habe ich mir schon gedacht, dass ich die Platte nie mehr hören werde, aber nach und nach gefällt einem doch der eine oder andere Song.
Ich bin halt immer noch der Meinung, dass sich Kollegah seit Alphagene leider nur zum Schlechten weiterentwickelt: Die Hooks werden immer nerviger und die Punchlineakrobatik von früher wird teilweise doch recht stark vermisst.
Hinzu kommt dann noch das mittlerweile viel zu übertriebene Image. Bei seinem Konzert in Graz war jedes zweite Wort aus seinem Mund glaub ich "Boss" :-/
Seh ich anders: die zusammenarbeit mit haftbefehl ist reiner kommerz, kolle wollte seine fanbase wahrscheinlich nur vergrößern und farid ist gar nicht mal so schlecht und dass haft (wie immer) erst zum schluss erscheint, zeigt seine untergeordnete rolle.
Zum zweiten kritikpunkt, und zwar den beats, lässt sich doch nur sagen: wen interessierts?, es zählt sein sprechgesang: die aufwändigen doubletimeflows und die wortspiele in kombination mit seinen reimketten (zb. Undercover: 13(!)facher reim) welche alle drei in perfektion dargelegt werden. Kollegah macht keinen soul oder ähnliches, daher genügen auch mittelmässige beats.
Das autotune nervt in der tat, insgesamt würde ich aber nur einen stern von der höchstbewertung abziehen, da kollegah von seinem skill nichts eingebüsst hat und das zählt.
Seh ich anders: die zusammenarbeit mit haftbefehl ist reiner kommerz, kolle wollte seine fanbase wahrscheinlich nur vergrößern und farid ist gar nicht mal so schlecht und dass haft (wie immer) erst zum schluss erscheint, zeigt seine untergeordnete rolle.
Zum zweiten kritikpunkt, und zwar den beats, lässt sich doch nur sagen: wen interessierts?, es zählt sein sprechgesang: die aufwändigen doubletimeflows und die wortspiele in kombination mit seinen reimketten (zb. Undercover: 13(!)facher reim) welche alle drei in perfektion dargelegt werden. Kollegah macht keinen soul oder ähnliches, daher genügen auch mittelmässige beats.
Das autotune nervt in der tat, insgesamt würde ich aber nur einen stern von der höchstbewertung abziehen, da kollegah von seinem skill nichts eingebüsst hat und das zählt.

Viel wichtiger als alle Kolle-Releases: Sodi supportet Zenit....
"Dementsprechend bietet "Bossaura" der Hörerschaft wieder einen gut einstündigen Ausflug in eine Welt, die sich mit der Realität maximal das Vokabular teilt."
EPIC!
Ganz gutes Album. Auch nicht schlechter als die anderen Kollegah Alben, die Krtik an den Hooks versteh ich nicht wirklich, da warn schon immer schlimme Sachen dabei, wenn ich allein an dieses Vom Dealer zum Star denke, immerhin wenig Frauenstimmen. Auch Tracks wie Du, das ich nicht von Kollegah erwartet hätte und wirklich gut finde, oder das Outro, auch sehr elegant
jigsaw: An welcher Stelle ein Feature erscheint hat nicht zwangsläufig was mit Stellenwert zu tun. Versuch diese "Regel" auf andere Rap-Tracks mit 1-2-3 Features zu übertragen und Du wirst schnell feststellen, dass das Murks ist.


ich verstehs nicht wieso und ich verstehe auch nicht, wie groß der Deutschanteil in Haftbefehls Part ist, aber trotzdem komme ich unglaublicherweise zum selben schluss wie Inno. Was passiert bloß mit mir??
Irgendwie ist die Szene hier ursatirisch - wie bei praktisch allen Hip-Hop-Rezensionen. Es wirkt wie ein Haufen Jugendlicher, der um einen Haufen Scheiße herumsteht und versucht, ihn möglichst wissenschaftlich auseinanderzupflücken. Jeder darf mal schnüffeln oder seinen Stock reinstecken. Nicht nur, daß ein Haufen Scheiße nur aus archäologischem Interesse heraus interessant sein kann, er stinkt durch die ganze Chose nur umso mehr.
@ragism
ihr (was auch immer ihr seid) seid ja sooooooo viel besser...
Ragism: Das ist nicht nur bei HipHop-Rezensionen so, sondern bei ALLEN Kunst-Rezensionen überhaupt. Ich als Wahllos-Alles-Hörer weiß das. Als Beispiel sei das neue Noel Gallagher Album genannt, auch da stehen unbedarfte Journalisten, selbsternannte Auskenner und übercoole Per-se-Scheiße-Finder drumherum und stecken ihr Stöckchen rein und labern scheiße. Kollegah will nicht mehr sein als Trash-Rapper mit Skillz und dem Hang zu überaus überzogenen Punchlines. Das zumindest muss man wissen um zu verstehen wie das ganze aufgenommen wird.
Welche Gestörten haben schon wieder diesen unsäglichen Farid Bang ans Mikro gelassen? Unfassbar.
wie auch, er hört ja selbst nicht auf sich. (siehe the throne)
beim zweiten Durchlauf kein bisschen besser. "und ihr Haar fällt mir ins Gesicht, es riecht nach shampoo." Ungeahnte lyrische Tiefschläge, die man so nie erwartet hätte.
Stimmt, Haft hat einen soliden Part geliefert, der auch mir gefällt. Farid ist eher so ... naja....
Inzwischen geht das Album auch besser ins Ohr, trotzdem ist er unter seinen Möglichkeiten geblieben...
die produktion von buisness paris finde ich sehr dope. eigentlich ist farid bang nciht so mein ding, aber ich finde auf kobrakopf kommt sein part cool rüber "nachdem ich diese Bitches knallte
Hat ich mehr Cheerleader auf mir drauf als Dipset-Alben".hab das gefühl das nicht viele diese pointe hier cheken...und hafts part liefert genau das, was ihn auch ausmacht....inhalt totaler käse, aber einfach sehr fresh gerappt, gut geflowt mit energie
Dass Kollegah Storytelling beherrscht, soll bei Songs wie "Hoodtales I-III" doch klar sein.
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