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Arroganz ist ein zweischneidiges Schwert, besonders, wenn man davon in solch offensichtlichem Übermaß gesegnet ist wie Felix Antoine Blume aka Kollegah. So oft, wie der Jüngling aus der beschaulichen Rhein-Main-Region betonte, sein Album werde Alles zerbersten, so aufgesetzt überheblich, wie er sich in Interviews gab, so hoch setzte er die Messlatte, über die er nun stolpern kann. Von "Alphagene" erwarten die Fans etwas Übermenschliches; und nach zwei Mixtapes, die schon längst vom Appetizer zum modernen Klassiker avancierten, tun sie es zurecht.
Bei Freunden sprachlich anspruchsvollen Sprechgesangs dürfte allein schon das Image des Halb-Kanadiers das nackte Grauen hervor rufen. Das ist die Crux: Gerade jene haben die besten Gründe, den selbstproklamierten einzigen Zuhälterrapper Deutschlands hemmungslos abzufeiern. Drogendeals, Gewalt, käufliche Liebe: Inhaltlich liefert Kollegah nervtötend wenig Nährwert und noch viel weniger Innovation. Von Berliner Kollegen unterscheidet er sich alleine durch milchbubiges Äußeres, was sein Image sicherlich noch zweifelhafter macht. Wie er diese Gangsterpistolen und Tickeranekdoten jedoch präsentiert, das kommt nicht von dieser Welt.
Der Mann scheint sich neben Testosteronpillen jeden Morgen auch ein paar Brockhäuser einzuverleiben. Die Wortspiele sind abgedreht wie Hollywoodfilme, intelligenter, verspielter als es die Backpacklegenden aus Hamburg und München je zustande brachten. Kollegah zeigt sich nicht nur witzig, sondern gewitzt, und seine Punchlinedichte raubt mir den Atem. Jeder Track, und sei die Hookline auch noch so nervig, der Beat auch noch so unerträglich in beatunterlegten Eurodance-Gefilden verloren, verdient es, bis zum Erbrechen abgespielt zu werden. Und Mal für Mal gibt er mehr lyrische Finessen preis. Hanebüchene Metaphern folgen einander Schlag auf Schlag und zwingen den Hörer zur permanenten Höchstkonzentration. Ja, ich bin begeistert wie Exorzismuspatienten.
Die Featuregäste braucht da eigentlich kein Mensch. Bass Sultan Hengzts Aufgabe ist es, Kollegahs "Machomannstyle" noch bosshafter erscheinen zu lassen. Diesem Anspruch wird er auf einem tragenden JAW-Instrumental völlig gerecht. Die Mitstreiter um den Newcomer-Award 2007, K.I.Z., fertigt Kollegah auf "Legenden" mit Links ab wie Webdesigner. Toony und DeinEltan präsentieren sich fehlerfrei, doch erreichen sie bestenfalls das Attribut 'schmückendes Beiwerk'. Das Rampenlicht gehört Kollegah, und er gibt nichts davon preis wie Verkäuferstreiks.
Lediglich das Kollegium besteht neben dem Boss. Beide Tracks mit Selfmade-Beteiligung bescheren dem Album markante Höhepunkte, die es bei diesem völligen Punchline-Overflow so dringend braucht wie verbissene Frauenrechtlerinnen. Das bittersüße "Ein Junge Weint Hier Nicht" geht mit Tariq-Hookline und unbarmherzigen Slick One-Versen tief unter die Haut. Favorite dreht voll auf (schweinefickerstyle: unter aller Sau), und erteilt praktische Tipps, wie Normalsterbliche auch mal mit Samy chillen können: "Ein Box und / du hängst schon mal mit Tropf rum." Erwähnte ich bereits, dass ich begeistert bin?
Auch die persönliche Note kommt dieses mal nicht zu kurz - einer der wenigen Kritikpunkte an den vorangegangenen Mixtapes. Neben dem bereits erwähnten Slick One-Feature zeigt sich Kollegah auch im Afterlude zu "Vom Dealer Zum Star" selbstreflektiv. Die geringe Länge dieses Skits lässt den Charme von "Sommer" allerdings nur kurz aufleben, statt noch einen drauf zu setzen wie Jenga-Spieler. Die Entschädigung liefert "Alles Was Ich Habe", eine Ode an die von Schicksalsschlägen gebeutelte Familie. Ehrlichkeit entwaffnet wie Lucky Lukes Knarre - nach solchen Tracks sollte man Kollegah sein albernes Zuhälterimage auch mal nachsehen.
Seit Bushidos Meilenstein des Gangsterraps gab es kaum ein derart atmosphärisch rundes Album im deutschen Sprechgesang. Unterstützt von der sechsköpfigen Produzentenschar zieht es jeden in seinen Bann, der sich darauf einlässt. Das ist kein Album, das ist ein Film ohne Bilder. Hate him or love him: Was Kollegah in die technische Waagschaale wirft, setzt neue Maßstäbe im deutschen Rap. Er variiert Flow und Style so mannigfaltig als sei ihm das Mic in die Wiege gelegt worden, die Doubletimepassagen sind exakt on point und rhythmisch völlig sauber. Übermenschlich wie ein Regenschirm.
Was soll man da noch kritisieren? Dass einige Rizbo-Beats zu elektrisch, ja poplastig geraten sind? Dass die ständigen Vergleiche auf Dauer möglicherweise nerven? Dass über jedem Wortspiel-Album das Damoklesschwert schwebt, schnell abzubrennen wie Hartz IV-Empfänger? Scheiß drauf: So prächtige, kurzweilige Unterhaltung bekommt man selten für sein Geld geboten. Humor und Image des Rappers sind sicherlich grenzwertig, ein Augenflirt mit Kollegahs Style vor Kauf des Albums ist daher dringend angeraten. Du liebst es, oder du hasst es, es gibt wenig Raum für Grautöne.
yo, damit das kommende alles vernichtende überalbum auch nen thread hat.
paar infos:
- das album wird "alphagene" heißen und am 16.11. erscheinen, die dazugehörige single bereits mitte oktober
- gefeaturet werden u.a. bass sultan hengzt, deine eltan und k.i.z.
- stilistisch soll es wieder in richtung zht1 gehen (stimme, texte, etc.)
- es wird mehr persönliches einfließen
- rizbo und kollegah arbeiten gemeinsam an den beats
- JAW hat mehrere beats beigesteuert
kennt wer deine eltan?
Ich kenn sie, sind ganz unterhaltsam, etwas primitiv und ich hoffe mal, man sollte sie nicht zu ernst nehmen. Technisch ganz okay. Kollegah hat sie auf dem "Kopfschuss"-Album auch schon gefeatured. "Alphagene" wird toll. 
EDIT: Habe über DeineLtan geschrieben.
Jau, sorum war das gemeint.
Aber so extrem gut finde ich DeineLtan technisch jetzt sooo überragend auch nicht, oftmals nicht wirklich im Takt. Double Time allein ist für mich technisch noch nicht wirklich gut. Aber um dich zu beruhigen: Ich mag sie ja. 
versteh zwar von den raps so gut wie nix, gefällt mir aber trotzdem.
wer der boss und lauf aus dem club, genauso seine features auf harlekin waren doch alle vielversprechend.
seine beiden vorherigen mixtapes fand ich auch besser, aber er hat ja gesagt sein album soll wieder in richtung zhtape gehen. ach was red ich überhaupt, kolle wirds schon richten. hab da keine bedenken...
Auf Platte versteht man es auch um einiges besser (wobei das nicht für "Auf Kopf" gilt, ihr erstes Release, ab "Hals über Kopf" gibts aber produktionstechnisch keine Probleme mehr, ausser wenn Jod mal wieder 9182739812 Wörter in einen Takt packt).
apropos deineltan:
Aka:
FAST ABER NUR GANZ FAST HABEN DIE BASTARDE 800 CDS MITGENOMMEN, WIE ES IN DEN ZEITUNGEN STAND. ALLES POLIZEILÜGEN!!!
DAS S.E.K. KAM UM 5:00 UHR, HAT 2 CDS MITGENOMM UND EIN PAAR AUFKLEBER, DER REST WAR SCHON VERKAUFT.
KOPFSCHUSS IST AB JETZT BUNDESWEIT VERBOTEN, JEDER DER EIN EXEMPLAR BESITZT MACHT SICH STRAFBAR LAUT POLIZEISPRECHER.
FICK DIE COPS
Verkaufe meine Kopfschuss-CD, Startgebot liegt bei 150€ 
Bei der CD habe ich mich aber schon länger gefragt, wann die endlich mal auf den Index gekauft wird. Oder fehlt die Majorkohle dafür?
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Finde VVV besser als das Juice Exclusive-Teil... da nervt mich allein schon die billige "Liliputaner"-Line, aber VVV ist einfach extrem derbe und wenn ich mir so die Trackliste vom Album anschaue sieht diese ebenfalls sehr vielversprechend aus, denke das da vieles bedient wird, sowohl Doubletime, Punchline, als auch Deepes Zeug.
Und K.I.Z-Feature ist ja eh genial... Tarek sogar nochmals als Solo-Feature zusammen mit Slick One auf einem Track - Bombe!
PS:
... hehe, ja, wird ein spannendes Duell, die deutsche Version von "50 Cent vs. Kanye West", imo hat Kollegah derzeit aber die Nase gaaaaaaaanz klar vorn, wenn man mal die beiden Album-Tracks vergleicht - Veni, vidi, vici | Der Beweis!Ich pack Kollegah irgendwie nicht. Er hat wirklich gute Punchlines und gut rappen kann er auch. Aber ich mag seinen Style trotzdem irgendwie nicht, kann ich mir nicht in Albumlänge geben. Naja, vllt lehrt mich Alphagene ja eines besseren.

ähm mal eine frage an den experten, die bling bling expertin oder so:
ich war bis eben auf einem popkultursymposium...und konnte dort unter anderem mit becks aus köln, hans nieswandt (wdr, ähm held der clubgeneration) und anderen leuten aus dem popkulturellen bereich über u.a. das aktuelle ausufern vom hip hop im stile von eben kollegah schwadronieren. reden, dabei polemisch oder auch nicht.
jetzt frage..echt.
was genau haben k.i.z., kollegah... hau sie eine in einen top noch genau mit der rap kultur wtf?! zu tun?
danke
naja ich weiß ja auch...ich bin bisweilen arg romantisch veranlagt...und führe gerne den blick zurück. mit träne irgendwo...weil alles ja besser war oder zumindest spannend.
aber wo genau ist die kreativität? wo das sprühen an häuserwände? wo der breakdance... wo der clash, der neue ideen erzeugt? ideen, die eben eine kreation mit sich bringen. eben jene kreationen, die über das wiederholen von den ewig gleichen beleidigungen u.ä. hinausgehen?
die frage oben bleibt aber noch bestehen.
für freddy, für soddy, vllt. auch für thai abe.
Ich hab eben genau dieses Problem, vor allem mit der fehlenden Innovation und Originalität. Irgendwelche dahergelaufene geben sich die Mikrofone in die Hand, Talent ist oftmals nahezu nicht erkennbar, dafür aber der unbedingte Wille auf Promo und dem damit verbundenen Cash. Eine Pfeife wie Kollegah wird als Zukunft gefeiert, KIZ als ach so satirisch, als ob ihre Masche neu wäre.
Diese ganze Rapgeschichte hat sich weg von der Hip Hop-Ecke und hin zur "Pop"-ecke entwickelt, Vermarktung ist alles, Talent und Liebe bleiben leider zu oft auf der Strecke. Meine Meinung, Romantik pur.
kollegah ne pfeife...pfff.
zeigt leider wie wenig ahnung du hast. sorry.
@freako.. (boing mit seiner 0-8-15 zeile mal außen vor gelassen...vllt. kommt ja noch was..)
naja ich habe da ja noch einen anderen ansatz. eben mit blick ausd der pädagogischen ecke. aber eben nicht der von von der leyen etc.
ich hab mich u.a. mit becks (FMN ,music) unterhalten...die problematik etc.
der arbeitet u.a. in köln im sog. rapwerk, in dem workshops u.ä. für kiddies, rapper etc. abgehalten werden.
und wenn, wie er sagt, ein 8 jähriger dazu stößt und ihm die rhymes von mutterfickern, koksnutten und arschficken zu beginn um die ohren haut...und man erst nach 15 minuten an den kleinen rankommt, und der grund für seinen frust eine 6 in mathe ist... er dies aber nicht anders denkt verarbeiten zu können und stattdessen zu den rhymes greift, die vllt. von k.i.z. u.a. noch mit einem ironischen augenzwinkern verfasst und vorgetragen werden, dann ist es eben verdammt problematisch, denn die kiddies verstehen in ihrem alter eben nur die worte so wie sie diese hören und nehmen sie für 100% real und ehrlich gemeint auf. das ist das problem.
die kreativolisgkeit der künstler mal ganz außen vor gelassen. steht ja auch schon oben.
jaja, der gute vt.
den inhalt mal aussen vorgelassen, gab bzw. gibt es mit ausnahme von tone, keinen in deutschland der solche doublereime, dreifach reime, reimketten usw. gebracht hat.
von seinen wortspielen mal gar nicht zu reden...
@boing: Das bestreite zumindest ich auch nicht. Deswegen ist der Typ meiner Meinung nach trotzdem ungefähr so charismatisch wie eine Cola-Dose. Und auch ungefähr so spannend.
@VT: Größtenteils Zustimmung. Allerdings muss zu Gute gehalten werden, dass die Texte wohl kaum für die Ohren Achtjähriger geschrieben wurden.
Und ist es im Endeffekt nicht Erziehungssache, welche Musik welche Kinder hören dürfen und welche nicht? Ich erinnere mich, dass mir mein Vater damals die "4 Gewinnt" weg genommen hat und ich sie nur in Beisein eines Elternteils hören durfte. Und das nur wegen dem Lied "Arschloch".
fein, fein, freddchen.
über dermaßen rhetorische skills verfüge ich leider auch wieder nicht...aber im grunde wollte ich bzgl. kollegah das gleiche sagen.
@vt: wie du mal wieder recht hast. aber mit manchen personen ist es mir einfach zuwieder, ne diskussion zu führen.
na, aber der job eines rappers, der das betreffende kind noch nicht mal kennt, kann das doch auch nicht sein. dann ist es eben der job der eltern, derartiges material - wie auch immer - von ihren kindern fernzuhalten.
wie gesagt: kindererziehung ist aber nicht mein spezialgebiet, da hab ich auch wenig ambitionen.
breakdance, graffiti und (ja, das auch!) djing werden immer teile der hip hop-kultur sein. niemand, der sich halbwegs ernsthaft damit befasst, wird dir was anderes sagen. diese disziplinen beinhalten aber eben deutlich weniger kommerzielles potenzial. leider - oder zum glück, weil sich damit natürlich auch der billigausverkauf in grenzen hält.
ja, ich glaube, die verschiedenen bereiche der hip hop-kultur driften auseinander. früher war das enger verbunden, seh ich auch so. ich weiß aber nicht, ob das ein qualitätsmerkmal war - respektive ob ein schaden entsteht, wenn sich die disziplinen voneinander lösen. keine ahnung. mir persönlich macht eine klassische jam mit b-boys, rappern, djs und writern auch mehr spaß - aber ich bin ja auch ... alt. krampfhaftes klammern daran, dass wer rappen will zum beispiel auch zwingend breaken oder sprühen muss, hilft weder der kultur noch dem endverbraucher. es gibt immer noch genügend leute, die auf mehreren feldern aktiv sind.
aggro ist eine exzellente geldmachmaschinerie. ich wage zu behaupten, dass mit dem, was du oder ich unter hip hop-kultur verstehen, keiner deren interpreten irgendetwas anfangen kann. (die strippenzieher dahinter, die schon.)
ja mit dem statement kann ich mich schon eher anfreunden. mit dem letzten teil besonders...und eben mit dem auseinanderdriften der einzelnen teilbereiche, die aber für mich, eben das so besondere an diesem monster...positiv! hip hop ausgemacht haben und hoffentlich auch weiterhin ausmachen werden 
mit dem einfach gestrickten..eltern...zeug wegschaffen etc. eher weniger... aber das kann man ja vllt. mal..irgendwo versteckt...irgendwo anders hier ausdiskutieren
wenn mal zeit ist 
boah aber ich wollte das eben mal wissen. bin noch immer äähh geflasht von heute. 8 stunden in etwa...super gespräche etc. nee das war spannend..aber die frage war noch geblieben.
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