laut.de-Kritik

Endlich ist die Katze aus dem Sack.

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Endlich ist die Katze aus dem Sack. Nachdem sich Kitty Kat anhand von einzelnen Tracks, Mixtape-Features und Gastspielen auf den letzten beiden Alben Sidos für eine Festanstellung im deutschen Rap-Business beworben hatte, zementiert sie nun mit dem Debüt-Album "Miyo" ihre Position.

Lange rätselte die Hörerschaft, wer sich hinter dem neuen weiblichen MC-Wunder verbirgt. Keine Fotos. Keine Interviews. Top Secret, abgelegt als Akte Aggro unter Verschluss. Mit "Aggro Ansage Nr. 8" kommt das Mysterium schließlich ans Licht. Statt einem Hasen schlüpft eine Katze aus dem Zauberzylinder.

"Diese Frau rappt wie'n Gott und hat nen eigenen Kopf, das Album hier hat Schuld, dass ich nicht ohne Grund nen Deal hab" stellt sie im Intro gleich mal klar. Warum auch nicht! Alle Tracks entstammen ihrer eigenen Feder und der Co-Regie im Studio.

Nach Cora E., der Pionierin des weiblichen Sprechgesangs ("Und Der MC Ist Weiblich"), prägen in den Neunzigern nur noch qualitativ mindere Fortsätze wie Sabrina Setlur oder Pyranja den deutschen Rap unter Frauen. Die männliche Dominanz des Genres gilt als unanfechtbar.

Sich der Vergangenheit bewusst reagiert die Berlinerin gleich nach dem Opener. "Ihr dachtet Frauenrap klappt nicht, klappt aber doch ganz gut gegen Macht-Hits, mein Song läuft, mir geht es fantastisch, ich übernehm, liebt mich oder hasst mich".

Sie strotzt vor Selbstbewusstsein, beweist einen runden Flow in den Zeilen und dreht auch gern mal den einen oder anderen Spieß um. "Ich bin ne Frau, aber wäre ich ein Mann würde ich dir jetzt sagen: Alter, lutsch mein Schwanz" ... "Wo ist dein Problem, wer sagt ich kann die ganze Scheiße hier nicht umdrehn". Die Hommage an den King of Rap, Kool Savas persönlich, spielt mit der allgegenwärtigen Genderdiskussion in der Gesellschaft als auch innerhalb der eigenen Disziplin.

Dabei wirkt ihr Plädoyer für das weibliche Geschlecht absolut authentisch. Keine Alice Schwarzer-Floskeln, sondern pure Fakten. Auch mal ganz nett zu hören, was eine weibliche Rapperin zu sagen hat, hörte man in Deutschland doch lange Zeit bloß die männliche Perspektive. In den USA gehören Lil' Kim oder Missy zu gleichwertigen Spielern im Rapgame. Da schließt Kitty Kat zwar mit zeitlicher Verspätung, aber vokalem Nachdruck auf.

Insgesamt überzeugt "Miyo" als gelungenes Debüt, das Hoffnung auf weitere gute Nachfolgerinnen weckt. Gefühl, Leidenschaft und hochklassiger Rap. Mehr als manch männlicher Kollege vorzuweisen hat.

Nachdenklich und gefühlsbetont klingt das einfühlende "Eine Von Euch", während "Du Bist Vergangenheit" oder "Warum" der 'gebrochene Herzen'-Fraktion Ratschläge erteilt. Als Obama-Motivations-Hymne dient das sehr von Kanye West und T-Pains "Good Life" entlehnte Stück "Steh Wieder Auf".

Liebevoll tönt dagegen das Romantik-Duett mit Sido im Bonnie & Clyde-Gewand "Mit Dir". "Gib Mir Milch" und "Spiel Mit Mir" sorgen mit zartem Hauch für Tabledance-Stimmung. Nicht als Porno-Rap, vielmehr in Form sanfter Verführung.

Auf volle Club-Dröhnung setzt dagegen das gitarrenriffgetränkte "Braves Mädchen" oder Rap vs. Electro, wie ihn Deichkind beherrschen, mit "Heiss" ("Mein Sound bounced im Laden"). Als Rap- und Flowzeugnis lassen "Miyo", "Kitty Kat" und "Bitchfresse (LMS)" keine Zweifel, eher manche Münder offen.

Gutes Kätzchen!

"Ihr wart frech, ich hol mein Stock, ich hab Hits im Gepäck, du den letzten Rotz. Ich bin feminin, aber trotzdem Boss, trotzdem flow ich so, dass dein Idol kotzt."

Trackliste

  1. 1. INTRO
  2. 2. MiYo!
  3. 3. Bitchfresse (L.M.S.)
  4. 4. Gib mir Milch
  5. 5. Braves Mädchen
  6. 6. Mit Dir feat. SIDO
  7. 7. Ich bin eine von euch
  8. 8. Du bist Vergangenheit
  9. 9. Es gibt kein zurück
  10. 10. Heiß
  11. 11. Spiel mit mir
  12. 12. Kitty Kat
  13. 13. Warum?
  14. 14. Ich steh wieder auf

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58 Kommentare

  • Vor 8 Jahren

    Ich kann die einfach nicht mehr ernst nehmen. Ich muss einfach die ganze Zeit an Kanister denken

  • Vor 8 Jahren

    Soll man sich das nun antun oder nicht?

  • Vor 8 Jahren

    Zur Rezension :

    ich kann mirnicht helfen, aber ich finde den stil, in dem die Rezension verfasst ist, irgendwie unsouverän. ISt es denn so, dass es an kitty Kats Album nichts auszusetzen gibt? Wurde denn mit diesem Stück das nächste literarische // musikalische Meisterwerk abgeliefert? Die Rezensentin benennt lediglich ein Paar emotionen, die (vermutlich) sie selbst beim (irgendwie oberflächlich erscheinendem) Durchhören der Tracks verspürt.
    Gut, einige Tracks sind NETT, flowy... aber ist es denn DIE deutsche Offenbarung? Ist es bereits eine nennenswerte Leistung, in allen Stücken darauf hinzuweisen, dass man "die Scheißße jettzt umdrehen tut"??

    Zu den Tracks selbst:

    Ich würde dem Album etwas zwischen 2 und drei Punkten geben. Es sind sicherlich 2-3 Tracks drauf, die einfach Drive haben; bei den lyrics schmunzelt man, die Collboration mit Sido in "Mit Dir" ist gelungen - erinnert vom torytelling her an "Stan" von Eminem feat. Dido, überrascht positiv mit Intensivität und der knackigen Augen -zu- und - Nach-Vorne Beat-Untermalung. "Bitchfresse" ist auch im Prinzip ein guter Track, wenn ich auch langsam müde von der Gangster-Schlampen-Nummer bin und für mich texttechnisch keine neuentdeckungen im Text zu finden sind.