An Kiss wird die kommenden Monate, vielleicht sogar Jahre, kein Weg vorbei führen. Nicht nur, dass tatsächlich ein neues Album samt Tour (in welcher Besetzung auch immer) ansteht. Mit der Reihe "Kissology" haben die Herren zudem ein Projekt gestartet, das bis Ende 2009 vier DVD-Packages unter das von der Finanzkrise eh schon arg gebeutelte Volk bringen wird.
Nun liegt der erste Teil "Kissology – The Ultimate Collection Vol.1 1974-1977" vor und beginnt damit im Jahr eins des nicht mehr ganz so jugendlichen Verfassers. Und wer zu der Zeit ebenfalls noch flüssig bzw. ein Glänzen in den Augen seiner Eltern war und nie verstanden hat, was das ganze Brimborium um die alten Säcke auf Plateau-Schuhen eigentlich soll, hat nun Gelegenheit, die Glanzzeiten der vier Maskierten zu erleben.
Auf zwei DVDs mit einer Spielzeit von über sechs Stunden gibts Konzerte, Konzerte, Konzerte und Konzerte. Ach ja, zwei Interviews und eine Documentary kommen noch dazu.
Der Bärenanteil besteht aber aus Liveshows, die bis 1977 immerhin schon Songs aus sieben Alben bieten. Um so bedauerlicher ist die Tatsache, dass man einzelne Songs immer und immer wieder auf die Ohren bekommt.
Alles was Recht ist, aber "Firehouse" oder "Black Diamond" muss man nun wirklich nicht sieben Mal mitbekommen. Da können Gene, Paul, Ace und Peter noch so sehr im jungen Saft stehen und meilenweit vom ersten Gesichtslifting entfernt sein. Schließlich gibt es doch genügend andere Songs.
Andererseits bin ich dankbar, dass ellenlange Drum- oder Gitarrensoli außen vor bleiben. Mit dem Opener "Acrobat" schafft es zudem ein Song aufs DVD-Package, der auf keiner anderen Platte zu finden ist.
Auch nicht von schlechten Eltern ist Genes Auftritt in voller Maskerade in einer ansonsten recht gewöhnlichen Talkshowrunde. Leider ist das Ding nur in gekürzter Fassung zu bewundern.
Wer die schwarz/weiß-Aufnahmen vom Gig in San Francisco braucht, ist mir dagegen schleierhaft. Dafür ist der "So It Goes"-Mitschnitt – eine Sendung aus England – absolut sehenswert. Das gilt auch natürlich das Konzert aus der Budokan-Halle in Tokio.
Die meisten anderen Mitschnitte sind okay, aber nicht wirklich essentiell oder finden sich auf anderen Veröffentlichungen zum Teil ausführlicher oder in besserer Qualität.
Als wäre das nicht schon ärgerlich genug, beweisen Kiss erneut, dass sie eine Kuh so lange melken können, bis sie Blut seucht: Den Doppelpack gibts in drei verschiedenen Editionen, denen jeweils ein unterschiedliche Bonus-DVD beiliegt.
An dieser Stelle bedeutet dies ein Auftritt im Madison Square Garden von 1977. Andere Versionen haben Gigs von 1976 in Detroit (1976) oder Largo (1977) im Gepäck.
Die Masse an Aufnahmen bleibt überwältigend, Qualität und Exklusivität lassen aber manchmal zu wünschen übrig. Sowohl Aufmachung als auch Preis von knapp 20 Euro gehen unterm Strich zwar in Ordnung, aber ob der beinharte Kiss-Army-Anhänger überhaupt noch zuschlagen wird? Der hat die DVDs doch bestimmt schon als US-Import im Schrank.