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Kann eine Band 30 Jahre bestehen, europaweit erfolgreich und geschätzt, ohne in Deutschland einer breiten Masse an Hörern bekannt zu sein? Die Antwort lautet: Leider ja! Seit 1979 entwirft Angelo Bergamini seine speziellen Soundbilder zwischen Club, Wavepop, EBM, Industrial, Klassik und Folk. Trotz seiner Pioniertätigkeit im Feld elektronischer Musik, interessiert sich höchstens ein Teil der Darkwave Szene für den Italiener.
Sogar diese spärliche Berühmtheit lässt sich fast ausschließlich auf die unermüdliche Vorstellung der Band im Radio durch Deutschlands John Peel, den Radio DJ Ecki Stieg Anfang der 90er zurückführen. Das sollte sich spätestens mit "Odyssey Europa" ändern. Sämtliche Hits der Band finden hier entweder erstmalig den Weg auf einen Silberling oder erscheinen in raren, gesuchten Remixen. Ein Fest für Raritätenjäger und Neueinsteiger gleichermaßen. Denn zu entdecken gibt es viel außergewöhnliches Material.
Da warten die schroffen EBM/Industrial-Bastarde wie "Erinnerung" auf Entdeckung. Zerklüftete Klopper in bester Front 242-Manier mit Bergaminis Un-Gesang serviert. Das große Plus des Mannes aus Parma liegt jedoch in der Fähigkeit, zeitlos melodische Perlen zu erschaffen, die er von verschiedenen Haus- und Hof-Chanteusen singen lässt. In drei Jahrzehnten hat Bergamini ca. ein halbes Dutzend Sängerinnen erwählt, die allesamt über volle, charismatische Stimmen und stets erbauliches Äußeres verfügen.
Die 80er Überhits "Eclipse" (Version CD 2), "Edges" und "Blue Room" seien an dieser Stelle besonders zum Reinhören empfohlen. Intensive Melodien paaren sich irgendwo im Niemandsland zwischen Hi-NRG, Italo-Disco und elegantem Wave-Rock. Besonders bei letztgenannten Tracks offenbart die tiefe Altstimme Simona Bujas ein kraftstrotzendes Charisma, welches man im Darkwave leider allzu selten antrifft.
Der zarte bis bizarre Industrial-Folk "Absentee" zeigt sich frisch wie eh und je; war er seiner Zeit damals doch um Welten voraus. Auf dem "Heldenplatz" (Version CD 2) lockt ein epischer Elektrowalzer, vorwärts treibend und pathetisch, gleichwohl sensibel und poetisch. " Silence all around the snowy gardens (...)She's gone into a distant light".
Obwohl der Norditaliener gern dick aufträgt, geraten seine Arrangements nie in Gefahr, kitschig oder gar schwülstig zu wirken. Romantische Tearjerker wie "Odyssey Europa" würden in einer besseren Welt sicherlich zu Recht den Platz auf den Titanic-Soundtracks in Hollywood erhalten; nicht Celine Dion.
Auch die klassischen Einflechtungen zeichnen sich durch erstaunlichen Sachverstand und ein nahezu perfektes Händchen für Harmonien aus. Hier gibt es kein abgeschmacktes Sakro-Pop Klischee im zuckrigen Gewand klebriger Supermarktstreicher. Das knackige Violinenthema im "Heldenplatz"-Remix (Version CD 1) verrät den inspirierten Mendelsohn-Bartholdy Freund. "In The Endless Rain" hingegen verbindet dramatische Chanson-Ballade mit einem grabesdunklen Streichquintett, an dem Franz Schubert sicherlich seinen Spaß gefunden hätte.
Die künstlerische Souveränität Bergaminis zeigt sich - einmal mehr - als nahezu erdrückend für das Gros der Clubgenre-Kollegen. Von tiefstem Schwarz hin zu schriller Farbenpracht verschmilzt alles miteinander in dieser äußerst unterhaltsamen Odyssee. Zum Zuhören und Abtanzen gleichermaßen geeignet. Was mögen wohl die nächsten 30 Jahre zu bieten haben? " I know, there's no answer, but a wonderful eclipse"
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