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Als wärs gestern gewesen: Mit den Kollegen Dobler, Friedrich und Schuh durchquerte ich im Frühsommer 2007 die kalifornische Palm Desert mit einem ganz bestimmten Gepäckstück an Bord des Chevy Minivans: der Kings Of Leon-Scheibe "Because Of The Times". Alsbald war allen Beteiligten klar, dass hier eine der Platten des Jahres 2007 rotierte.
Im Frühjahr 2008 versprachen die Kings Of Leon dann noch aus dem Aufnahmestudio heraus, ihre neue Platte weitaus rockiger gestalten zu wollen. Ein Blick auf das CD-Inlay (und die offizielle Homepage) lässt anderes vermuten: Modische Slacker-Frisuren statt langer ungepflegter Zotteln bei allen vier Followills!
Ausgenommen sei hier Drummer Nathan, der sich aber zumindest den wirren Gesichtsflaum auf Dreitage-Milchgesicht trimmen ließ. Somit sehen die Kings fast eher wie ein neuer Britpop-Klon aus, als der noch immer grell leuchtende Stern am Rockhimmel. Und doch: das Keyboard im Hintergrund von "Notion" gerät so arschglatt und poppig, ja so zuckersüß, dass man den Jungs gar nicht böse sein kann und im Refrain einfach mitwippen muss. Klar, wer Balladen an 17-jährige Mädchen schreibt ("17"), muss das Hirn ja eher voller Zuckerwatte haben, als nur Whiskey zu saufen und zu kiffen.
A propos: Im Vorfeld gab Caled Followill zaghaft zu Protokoll, schon auch mal Drogen zu nehmen. Zumindest musste er nach einem Fight mit Bruder Nathan seine Leiden mit Schmerzmitteln kurieren. Nach eigener Aussage führte dies zu den "besten Songs meines Lebens."
Man kann ihm getrost Recht geben, zumindest was das grandiose "Closer" angeht. Hier werden zwar auch mehr Anleihen beim New Wave der 80er Jahre gemacht, als beim klassischen US-Rock im Stile von Van Halen oder Aerosmith. Caleb zeigt aber die volle Bandbreite seiner stimmlichen Brillanz in einem stetigen Auf und Ab mit Gänsehautgarantie.
Auf der Single "Sex On Fire" schwitzt er die Vocals nur so heraus, eben ganz wie bei dem One-Night-Stand, um den es geht. Ein echter Abgeh-Rocker ohne Kompromisse. Interessant aber, dass ein derart vom Glauben erfüllter Jungspund in diesem Zusammenhang das Wort Sex überhaupt in den Mund nimmt. Ob Papa Leon das wirklich gefällt? Dabei wusste schon Dusty Springfield, dass es nur die Sprösslinge von Predigern wirklich bringen.
Die drei Brüder entwickelten offenbar schon als Kinder eine für Geschwister übliche eigene Sprache und setzen diese heute in Musik um. Zusammen mit dem Cousin bringt das Trio dieses Erfolgsrezept auf "Only By The Night" noch eindringlicher auf den Punkt. Und so lassen sie die Platte mit der Erkenntnis enden, die auch wir damals aus der Wüste mit nach Hause nahmen: "It's cold in the desert". Vor allem nachts.
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