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Natürlich gibt es nicht wirklich was zu beanstanden, wenn Keith Jarrett in die Tasten greift. Natürlich bewegen sich die Interpretationen auf absolut höchstem Niveau. Und natürlich gibt es kaum ein eingespielteres Klaviertrio in der Jazzlandschaft als das seit 1983 agierende Keith Jarrett/Gary Peacock/Jack DeJohnette-Kollektiv. Und dennoch: "My Foolish Heart", das den 2001er-Auftritt des Trios in Montreux dokumentiert, liefert leider nur Standard-Hausmannskost.
"Diesen Konzertmitschnitt habe ich zurückgehalten, bis ich den richtigen Augenblick für gekommen hielt. Er zeigt das Trio von seiner launigsten, melodischsten und dynamischsten Seite. Wenn es im Jazz um Swing, Energie und die schiere Ekstase von Musikern und Hörern geht, dann fällt mir kein anderes Konzert des Trios ein, das diese Qualitäten so vollständig und umfassend zum Ausdruck gebracht hätte", kommentiert Keith Jarrett die Veröffentlichung.
Ich höre seine Worte, und dennoch verschließt sich mir, was der Tastengott meint mit 'dem richtigen Augenblick'? Ok, "My Foolish Heart" zeigt das Dreigestirn in bester Spiellaune, aber 'schiere Ekstase' will sich bei mir einfach nicht einstellen. Zu oft in zu hervorragenden Versionen gehört, die Melodien der herangezogenen Jazzstandards. Von Gassenhauern wie "Green Dolphin Street" und "Straight, No Chaser" improvisiert sich das Trio zu weniger bekannten Songs wie "Five Brothers" oder "Guess I'll Hang My Tears Out To Dry". Aber so richtig wildern will die Songauswahl nicht im Revier des Great American Songbook.
Einzig die drei Interpretationen im Stride-Piano-Stil trotzen den bekannten Perspektiven neue Facetten ab. "Ain't Misbehavin'", "You Took Advantage Of Me" und "Honeysuckle Rose" ertönen im Ragtime-Korsett, das für Keith Jarrett tatsächlich ungewöhnlich ist. "Dass diese Stücke keine Imitationen sind, beweist, wie ernsthaft wir uns dem Jazz verpflichtet fühlen", sagt Jarrett. "Als wir sie spielten, waren sie für uns so real und lebendig wie alles andere, was wir vorher und nachher spielten". Aha, das erklärt natürlich alles!
Aber Scherz beiseite. Dass Jarrett, Peacock und DeJohnette nicht imitieren, dass sie sich ernsthaft dem Jazz verpflichtet fühlen und dass alles, was sie zum klingen bringen, real und lebendig ist, ist nicht wirklich erhellend. Das ist die Basis, von der aus das Trio in den 25 Jahren seines Bestehens agiert. Und diese Ausgangslage befindet sich auf einer Stufe, von der andere ihr Leben lang träumen. Alles was hier statt findet, ist also Meckern auf höchstem Niveau. Aber das ändert nichts!
"Dieses Konzert zeigt beinahe das ganze Spektrum dessen, was wir mit dem 'Standards'-Trio seit annähernd 25 Jahren machen. Und jetzt war einfach die Zeit gekommen, dies auf einem Album zu demonstrieren". Damit hat Keith Jarrett recht. Eine Werkschau über das kreative Schaffen der Dreierbande vermittelt "My Foolish Heart" allemal. Souverän und über jeden schöpferischen und spieltechnischen Zweifel erhaben, jazzt sich das Trio durch die (Re-)Harmonisierungen und improvisiert was die Tasten, Saiten und Felle hergeben.
Die zeitlose Vertrautheit der Melodien kratzt jedoch gehörig am Innovationswert, und es stellt sich die Frage, ob es nach einem Viertel Jahrhundert nicht an der Zeit wäre, das Standard-Konzept des Trios zu überdenken. Eine ordentliche Reinkarnation mit Phönix-aus-der-Asche-Effekt würde den Herren sicherlich gut stehen.
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Wo bleibt die Schelte, dass ich einer Keith Jarrett Platte "nur" 2 Punkte zugedacht habe ???
Ich warte ...
Kai
Schreibe die gleiche Rezension ins Forum des Rolling Stone und Du wirst mehrere Seiten sowohl Schelte wie auch Zustimmung erhalten. Kurz gesagt: Feedback en masse. 
Schelte von meiner Seite bekommst Du keine, dafür ein lockeres Nicken mitm Kopf.
Obwohl ungehört, kann ich bezüglich des Albums deine Auffassung nachvollziehen.
Ich habe mich seit einigen Jahren von Keith Jarrett und seinen Kumpels ziemlich verabschiedet.
Warum? Weil ich einfach keinen rechten Gefallen mehr an dem Hans Dampf in allen Jazzgassen finden kann.
Der Mann ist mir -auf den Punkt gebracht- auf sehr hohem Niveau seltsam erstarrt. Vieles wirkt merkwürdig seelenlos und wenig innovativ.
Zudem mag ich schlicht auch seine irrsinnigen Frickeleien nicht allzu sehr. Sein oftmals extrem verkopftes Spiel driftet bei mir (siehe "Vienna Concert") sehr rasch in fast tödlich langweilige hohe Improvisationskunst ab, der ich einfach nicht mehr zu folgen vermag und es auch nicht will.
Diese Art von Musik packt mich nicht mehr, sie dürfte aber ggf. für Absolventen einer Musikhochschule zum gelegentlichen Sezieren gemeinsam mit einem Prof interessant sein. 
stimmt schon, aber das differenzierte herangehen wie in deinem fall, ist nicht bei jedem so ausgeprägt. da braucht es zwingend technische finesse (sei sie auch noch so stinklangweilig anzuhören), sonst schenkt der elitäre musik-konsument einem werk schonmal gar keine aufmerksamkeit. ebendieses können überdeckt bei vielen musikern die fehlende seele.
ich spreche aus leidvoller erfahrung. jetzt nicht im jazz-bereich, aber die verhaltensmuster ähneln sich. 
Jazz-Trio ist für mich irgendwie was Intimes. Und Keith Jarrett ein Weltstar. Ich kriege da irgendwie keine Überdeckung. Auch wenn das wenig objektiv ist. Ich brauche halt irgendeinen individuellen Anknüpfungspunkt. Wenn sie um die Ecke im b-Flat, im Schlot, A-Trane oder im Quasimodo spielen (unwahrscheinlich), gehe ich hin, höre zu und kaufe mir eventuell auch die CD.
Wynton Marsalis zum Beispiel habe ich vor Jahren mal vor großem Publikum in der Philharmonie erlebt. Hat mir garnix gebracht. Mag der auch noch so gut auf seinem Instrument sein.
Alex: genau das scheint mir der Punkt zu sein. Ich bin der Auffassung, Keith Jarrett spielt tatsächlich in gewissem Sinne für ein elitäres Publikum. Das ist jetzt noch nicht einmal negativ gemeint, ich möchte dieses Publikum nicht in die elitär-schnöselige Ecke stellen. Aber ab einem gewissen Punkt vermögen wohl viele normalsterbliche Musikhörer dieser Musik nicht mehr zu folgen und ich nehme mich hier keineswegs aus.
Sehr ähnlich ergeht es mir mit etlichen Werken von Mr. Mc Laughlin oder auch Jan Garbarek. So künstlerisch hochstehend diese Musik auch von vielen Menschen angesehen werden mag, ab einem bestimmten Punkt nehme ich nur noch einen verfrickelt-komplizierten Klangteppich wahr, der in gepflegte Langeweile mündet.
Sicherlich kann die Musik von Jarrett sehr intim sein, wie Kukuruz es beschreibt. Wobei ich ihm nicht ganz in Bezug auf seinen "individuellen Anknüpfungspunkt" folgen kann, bzw. ich weiß nicht recht, was er damit meint.
Wynton Marsalis ist auch so ein Fall.
Ich hatte ihn sehr lange für eine Art von "Kuscheljazzer" gehalten, bis ich ihn vor Jahren in einen ziemlich kleinen Club live erlebte. Es war sehr sehr "smooth", sehr gefühlvoll und er musizierte mit viel Soul und Schmelz.
Aber eben auch auf musikalisch hohem Niveau, kein seichtes Rumgejazze für Fans von "Karusell-CDs" (sorry).
ich bin selbst kein musiktheoretiker, kann aber an vielen komplizierten sachen gefallen finden. aber ab dem zeitpunkt, wo ich das gefühl habe, dass technik und frickelei nur noch selbstzweck sind und sich in keinster weise harmonisch in einen (wie auch immer der aussehen mag) kontext einfügen, steig ich aus. das passiert leider zu oft. und nicht einmal nur im jazz. aber so groß ist das problem ja auch wiederum nicht. es gibt ja genügend nerds, die sich das geben müssen. konsument und produzent reichen sich da in trauter symbviose die hand. 
Wie viele Leute in diversen Musikforen sind schon (sattelfeste) Musiktheoretiker? 
Doch wohl nur die wenigsten Member. Und diese Spezies -so jedenfalls meine persönliche Erfahrung- findet sowohl "fachlich" wie emotional zu oft diese berühmten Zugänge zu solcher Musik, die eben vielen anderen Menschen verschlossen sind. Eine Menge dieser anderen Menschen (darunter sicherlich sehr oft auch ich selbst) können da nur noch staunen. 
Aus eben diesem Grunde blieb mir immer das Feld des "Free Jazz" überwiegend ein Rätsel.
Gehe ich in den Bereich des Rock oder des Prog-Rock, bleiben mir auch manche Werke z.B. von Dream Theater eher unzugänglich. Technisch hervorragend, aber auch partiell für mich tatsächlich reiner Selbstzweck.
Obi Wan: Maceo ist großartig. Das Album wandert sehr sicher in meine Top 10 des Jahres.

Hey Jan,
Freut mich dass dir die Maceo gefällt. Deine Meinung zu Herbie Hancock würde mich ja auch interessieren ;-)
lg
Obi Wan
Das Album von Herbie habe ich vorerst noch ein wenig zurückgestellt, also kaufmäßig.
Nicht, weil ich es momentan nicht wollte, sondern weil ich noch ein halbes Dutzend anderer Alben hier bei mir liegen habe, die ich mir detaillierter vornehmen muss. Es läuft mir nicht weg und es ist immer gut, das eine oder andere Album mit Spannung erwarten zu dürfen. 
Ich werde aber auf jeden Fall nen Kommentar dazu abgeben (versprochen!), wird jedoch noch etwas dauern.
Übrigens: es ist zwar etwas OT, aber vielleicht erweitert ihr ja demnächst einmal das Artist-Portal von John Fogerty um das neue Album. 
Ja!!! Der Mann hat tatsächlich schon wieder ein Album veröffentlicht. 
Ich bin gespannt, ob ihr es euch in der Redaktion vornehmen werden. Und vor allem: wie die Sache ausgeht. 
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