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Bereits Kamelots Vorgänger rief gespaltene Reaktionen hervor. Während die Aufteilung zwischen Gitarre und Keyboards noch ganz gut gefallen kann, waren Fans der älteren Scheiben eher enttäuscht. Die dürften nun wegen "Poetry For The Poisoned" erst mal Trauer tragen, denn das Verhältnis hat sich eindeutig zu Ungunsten der Gitarre verschoben.
Dabei fängt "The Great Pandemonium" noch so vielversprechend an. Das Riff treibt richtig schön, die Gitarrenarbeit von Thomas Youngblood wie immer außergewöhnlich. Gleiches gilt natürlich für den Gesang von Roy Khan und man freut sich auf ein knackiges Power Metal-Album mit satter Mischung aus Härte und Melodie. Diese Vorfreude hält nur leider nicht sonderlich lange an, denn bereits "If Tomorrow Came" tritt auf die Bremse.
Und das zunächst gar nicht mal in Sachen Geschwindigkeit. Der Einstieg gerät im Gegenteil äußerst rasant und auch hier glänzen Mr. Youngbloods Gitarren. Doch spätestens beim Chorus fällt zum einen der furchtbare Sound der Kickdrum auf. Zum anderen wird übermäßig deutlich, wie sehr die Gitarre den Kampf gegen Keyboards und Klavier verloren hat. Wäre mal interessant zu erfahren, was Thomas dazu bewogen hat, seine Gitarre so weit in den Hintergrund zu mischen.
So geht sie im epischen "Hunter's Season" im Keyboard-Bombast nahezu unter, wenn man vom ausschweifenden Solo absieht. Seltsam, verarbeitet er doch gerade hier den Tod seiner Mutter. Fans der älteren Scheiben dürften nur schwerlich warm werden mit "Poetry For The Poisoned". Umso beachtlicher, dass es sich dennoch um kein wirklich schwaches Album handelt.
Das ist bei Songs aus der Feder des Duos Youngblood/Khan auch nach wie vor undenkbar, und so haben sie auch mit "The Zodiac" ein sehr starkes Stück im Gepäck, das nicht nur musikalisch betrachtet in die theatralische Savatage/Jon Oliva's Pain-Ecke geht: Der Mountain-King gibt sich hier höchstpersönlich die Ehre.
Natürlich ist auch Simone Simonis (Epica) wieder mit von der Partie und singt beim balladesken "House On A Hill" sowie dem gevierteilten Titeltrack mit. Vor allem hier bewegen sich Kamelot im sehr epischen, fast schon theatralischen Bereich. Das mag musikalisch eine neue Herausforderung sein, geht wieder deutlich auf Kosten der härteren Wurzeln.
"Poetry For The Poisoned" ist dennoch bei weitem kein schlechtes Album. Vor dem Hintergrund bisheriger Glanztaten sollte man aber mal ein Ohr riskieren - trotz , verminderten Gitarrenpower.
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