laut.de-Kritik

Metal-Oper mit unheilschwangerer Atmosphäre.

Review von

Eines vorweg. Wer sich dem Opus "Nostradamus" wie einem normalen Priest-Werk nähert, dürfte aller Voraussicht nach enttäuscht aus der Wäsche schauen. Eine Metal-Oper - oder -Musical, je nach Sichtweise - musste es diesmal sein. Im Vorfeld zeigte sich bereits, dass nicht alle Priest-Fanatiker gewillt sind, diesen Weg mitzugehen.

Was das Thema des Konzeptalbums angeht, finden sich hier Parallelen zu den Haggard-Alben "And Thou Shalt Trust ... The Seer" und "Awaking The Centuries " in denen die deutschen Klassik-Metaller das Leben des mythenumrankten Franzosen bereits abgekaspert haben. Die Herangehensweise von Priest ist musikalisch kaum mit den ausgetüftelten Stücken der Bayern vergleichbar, bemüht aber nichtsdestotrotz einen ambitionierten Ansatz.

Die Kompositionen atmen jeden Buchstaben des Wortes 'Bombast' mit einer beeindruckenden Inbrunst. So, als wollten die Briten mittels instrumentaler Üppigkeit der epochalen Themenvorlage gerecht werden. Das funktioniert über weite Strecken erstaunlich gut. Da die Priester - was die textliche Seite anbelangt - bislang gänzlich unverdächtig waren, seriösen Stoff zu verarbeiten, nötigt ihr "Nostradamus" doch einigen Respekt ab.

Die Arrangements sind dem angepasst: ausufernd episch. Die Instrumentierung gestaltet sich ebenso vielseitig. Üppiger Streicher-Einsatz, Akustik-Gitarren und Synthesizer erweitern das Hartwurst-Programm um etliche Nuancen. Mit der gestiegenen Abwechslung im Soundkostüm kann Sänger Rob Halford nicht ganz mithalten. Da sein Organ in den Extrembereichen nicht mehr so zuverlässig ist wie noch vor 20 Jahren, belässt es der Shouter bei vereinzelten Schrei-Attacken, die nicht allzu heftig ausfallen, orientiert sich ansonsten am Stimmbereich, den er noch gut bewältigen kann.

Die typischen Priester offenbaren sich dem Hörer nur selten. Neben "Prophecy" verbucht man noch "Persecution" und besonders den ganz am Ende auftauchenden Titeltrack unter dem Aktenzeichen Metal. Dann aber auch richtig, mit ordentlich gniedelnden Tipton/Downing-Licks, schön wummernden Doublebass-Einsatz und einem Refrain mit Hymnen-Potenzial. Der überwiegende Rest des der Songs zuckelt im bedächtigeren Midtempo dahin.

Dass Judas Priest es nicht nur bei der Ambition belassen, sondern auch Taten folgen lassen, zeigen Beispielhaft Tracks wie "War". Düster, mit industrialartigen Tom-Attacken versehen, baut sich eine unheilschwangere Soundtrack-Atmosphäre auf, die dem apokalyptischen Text zur Ehre gereicht. Mit ordentlichem Schmackes hallen Samples von Kampfgetümmel und Donnergrollen von Links nach rechts und veredeln eine ohnehin schon wunderbare Komposition.

Dass Priest mit dem Doppelpack unter Umständen einige Fans überfordern, dürfte anhand der Vielseitigkeit des Materials letztlich kaum überraschen. Wer Dem Album jedoch eine faire Chance und einige Umläufe gibt, darf sich auf einen überaus unterhaltsamen Ohrenfilm gefasst machen, selbst wenn die musischen Ausdrucksmittel mit dem, was sich nicht wenige Priest-Anhänger gewünscht haben, kaum etwas gemein haben dürfte. Und selbst das Unwort 'Synthesized Guitars' ist nicht wirklich eines, denn im Gegensatz zu "Turbo"-Zeiten, als diese noch als tragende Säulen des Sounds agierten, sind sie Anno 2008 nur begleitende Elemente.

Statt des straighten Dampfhammers agieren Judas Priest in progressiveren Gefilden und machen dabei letztendlich eine gute Figur. Das Unternehmen Konzeptalbum geht letztendlich mehr als in Ordnung. Fehlt in letzter Konsequenz nur noch eine aufwändige Bühnen-Umsetzung, die dem Projekt Musical/Oper auf visueller Ebene ebenso gerecht wird.

Trackliste

CD 1

  1. 1. Dawn Of Creation
  2. 2. Prophecy
  3. 3. Awakening
  4. 4. Revelations
  5. 5. The Four Horseman
  6. 6. War
  7. 7. Sands Of Time
  8. 8. Pestilence And Plague
  9. 9. Death
  10. 10. Peace
  11. 11. Conquest
  12. 12. Lost Love
  13. 13. Persecution

CD 2

  1. 1. Solitude
  2. 2. Exiled
  3. 3. Alone
  4. 4. Shadows In The Flame
  5. 5. Visions
  6. 6. Hope
  7. 7. New Beginnings
  8. 8. Calm Before The Storm
  9. 9. Nostradamus
  10. 10. Future Of Mankind

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29 Kommentare

  • Vor 9 Jahren

    Tracklist:
    CD 1:

    Dawn of Creation
    Prophecy
    Awakening
    Revelations
    The Four Horsemen
    War
    Sands Of Time
    Pestilence And Plague
    Death
    Peace
    Conquest
    Lost Love
    Persecution

    CD 2:
    Solitude
    Exiled
    Alone
    Shadows In the Flame
    Visions
    Hope
    New Beginnings
    Calm Before The Storm
    Nostradamus
    Future Of Mankind

    Cd is seit gestern draußen und was ich bis jetzt
    gehört hab klingt ziemlich geil...

  • Vor 9 Jahren

    Man sollte dem Album wirklich eine faire Change geben. Wer von Priest absolut nicht´s anderes als einen "Panikiller II" Nachfolger oder eine Mischung zwischen "Painkiller" und " Angel of Retripution" erwartet, wird die CD sicher nicht mögen. Für alle anderen augeschlossenen Hörer und Fans der Band wird "Nostradamus" aber bald zu einem der Priestklassiker werden. Die Trademarks der Band sind absolut vorhanden und auch der Gesang von Rob paßt hervorragend zur Grundausrichtung des Albums. Permanent hohe Schreie wären hier fehl am Platz gewesen. Das Album ist ziemlich bombastisch ausgefallen und man sollte es sich wirklich in Ruhe zwei-, dreimal, am besten über Kopfhöhrer reinziehen, damit es sich entfaltet und man Gefallen daran findet. Dann stehen die Überleitungen zu den Hauptsongs, so will ich es mal nennen, auch nicht mehr so isoliert da und das Ganze ergibt dann eine homogene Einheit. "Nostradamus" ist sicher keine Enttäuschung, eine Überraschung ja, aber wer die Diskographie der Band kennt, weiß, das Priest sich stets neu erfunden und sich nie wiederholt haben. Der Nachfolger des vorliegenden Albums kann ja dann wieder mehr in Richtung der Vorgängeralben gehen.

  • Vor 9 Jahren

    Ich mag das Album. Es hätte aber kürzer und kompakter sein sollen. Das Album vermag es nicht, dauerhaft den Hörer zu fesseln.

    Weiß jetzt nicht, ob es daran liegt, dass ich auch klassische Musik sehr , auch ruhige Töne und einen langsameren Aufbau zu schätzen weiß. Aber das Album ist ein Highlight des Jahres.

  • Vor 8 Jahren

    :eek: Also das Cover von Forbidden ist echt stark.

  • Vor 8 Jahren

    Forbidden sind ja auch eine der geilsten Thrash Metal Bands aller Zeiten. Da können höchstens Exodus und Kreator noch mithalten.

  • Vor 4 Jahren

    Dear management, Rob Halford , Judas Priest, dear fans, I would like to talk about a suggestion
    Please realize the fantastic, powerful, sensitive Rock Opera Nostradamus to make a dream come true. You should bring the great work on stage, with chorus, orchestra, light shows, dancers, etc. K. K. Downing, Glenn Tipton and no one else in the leader role as the Metal God himself, Sir Rob Halford. When we have enough ?likes? maybe it will be possible. Judas Priest is the greatest band in the world. Every song is an experience and a surprise. Only Judas Priest is able to write an album like that, only Rob is able to sings with the Priest and only you are able to bring this work on stage. I hate negative critical about the different styles, I appreciate this development. Rob is a very special person, he sings in the age of 60 like an opera star. Nostradamus is the most wonderful album I´ve ever heard. I love the band, every single album, song, sound, is perfect, it really touched my soul gives me feelings that I´ve never felt before. So much power, emotions, energy, enthusiasms, charisma, it´s only one name for it: Judas Priest! They are everlasting, unmistakable and unadulterated. The other bands they are only bad copies. The compositions and are incomparable absolutely perfect, in every detail. Every band member is important, it shouldn´t be changed again. To change the singer was a terrible mistake, but Rob needs time for himself and his new projects. You aren´t a real Priest fan if you don´t understand this. When you sing in every show the same songs in the same way, you don´t grow up. Nostradamus is a wide spectrum of music, an experience and enrichment for every real fan. Every single scream of Rob Halford is like an earthquake, a hurricane, an explosion. The ballads are a good balance between the hard songs. I´ve never heard so beautiful melodies on one album. K. K. Downing will bring back the 70´s and the 80´s it´s a fantastic idea. There´s only few bands which wrote real classic albums, in the history of metal. But today it´s only Judas Priest they do it. I love this band so much. The real fan will love you forever! Judas Priest must go on tour again, I´m waiting for the day when it calls again: the Priest is back! Keep on hot rocking, screaming out for Judas Priest, God bless you, so long, Trixie.
    It was planned a few years ago, and then it was canceled. If you don´t vote for it, it´s never been possible.