laut.de-Kritik

'Metal up your ass'. Punkt. Aus.

Review von

"Ride to live, live to ride, wheels of fire, forever"

Wenn das mal kein Metal ist, dann weiß ich auch nicht. Die Textzeile stammt aus "Wheels Of Fire" und steht stellvertretend für das, was uns Judas Priest anno 2005 servieren. Metal. Nicht Nu-, Rap- oder Wasauchimmer-Metal, sondern Heavy-Metal. Punkt. Ausrufezeichen. Neben der gerideten Harley dealen Priest mit dem Devil, hitten die Power, feelen das Adrenalin, cutten deep in den Bone. Hellrider und Painkiller jagen Hand in Hand übers Schlachtfeld und batteln auf die Kacke. Höhö.

Sich über Priests Texte lustig zumachen, ist zwar nicht das Originellste unter der Sonne. Aber wer bitteschön kleidet die eigenen textlichen Unzulänglichkeiten derart liebevoll in Metal-Klischees wie die Briten? Eben, außer den Hammerfall-Kaspern keiner. Deshalb kann jeder wieder beruhigt seine Lederjacke vernieten, denn die Metal-Gods weilen wieder unter uns. Mit Rob Halford wohlgemerkt. Und das ist auch gut so.

Wo die Fünf vor 15 Jahren mit "Painkiller" und dem Ausstieg ihres Frontmanns aufhörten, knüpfen sie nun nahtlos an, als hätte es die etwas in die (Leder)Hosen gegangenen Scheiben mit Ripper nicht gegeben. Sie halten es mit Konrad Adenauer: keine Experimente. Die Rückwärtsorientierung ist Programm. Auf der ganzen Linie. Fette Doublebass-Attacken wie im Opener "Judas Rising" tauchen immer wieder auf. "Painkiller" war seinerzeit ja sicher ein Opus für sich. Die teilweise gekünstelte Härte, die die Priester damals an den Tag legten, um mit der aufstrebenden jungen Konkurrenz Schritt halten zu können, fehlt hier zum Glück komplett. Plakatives Rumgebolze weicht kontrolliert offensivem Riff-Sport und durchdachtem Songwriting.

Die bereits im Vorfeld in Fankreisen heftig geschmähte Single "Revolution" macht da keine Ausnahme. Scott Travis' begnadetes Schlagzeugspiel trägt den Song fast ganz alleine. Das Gitarren-Dreamteam Downing/Tipton rollt fette Riffs aus und Halford darf wieder in der Gegend herum schreien, auch wenn ihm die hohen Passagen nicht mehr so leicht aus der Kehle flitzen wollen wie noch in den seligen Metal-Achtzigern. Ebenso das nachfolgende, melancholisch dahin schwebende "Worth Fighting For" - mit der schön schnulzigen Ballade "Angel" und dem kurzen "Eulogy" ein seltener Ruhepol im stets unter Dampf stehenden Hochofen.

Den Vogel schießen Priest zum Schluss mit dem über dreizehnminütigen "Lochness" ab. Ein wenig viel Pathos im Refrain kleistert den ansonsten grandiosen Kehraus mit einer etwas zu dicken Schicht Kitsch zu, rundet jedoch ein absolut gelungenes Album ab, das sich hinter Großtaten wie "British Steel", "Defenders Of The Faith" und "Klling Machine" nicht zu verstecken braucht. Zum Abschluss noch ein wenig Lyrik: "If you think it's over, better think again". Punkt. Aus.

Trackliste

  1. 1. Judas Rising
  2. 2. Deal With The Devil
  3. 3. Revolution
  4. 4. Worth Fighting For
  5. 5. Demonizer
  6. 6. Wheels Of Fire
  7. 7. Angel
  8. 8. Hellrider
  9. 9. Eulogy
  10. 10. Lochness

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17 Kommentare mit 3 Antworten

  • Vor 8 Jahren

    no comments in here?

    hey fukkers, where are you?

    ist denn niemandem aufgefallen, dass hier mit "loch ness" einer der besten und komplexesten jp songs ever abgeliefert wird?

  • Vor 8 Jahren

    AoR ist ein abwechslungsreiches Album.
    "Lochness" ist ein toller (und auch komplexer) Song, aber der Songtext hätte etwas besser sein können. :)
    Ein untypischer JP-Song, auch was die Länge betrifft.

    Für mich sind die Highlights:
    Hellrider
    Demonizer
    Revolution
    Judas Rising
    Lochness

    "Out! Demons Out!!"

    4/5

  • Vor 8 Jahren

    ich hatte mal alle JP alben mit rob ... dann nur noch die british steel und point of entry ... auch die beiden stehen zum verkauf ... es liegt zum einen an deren echt miesen drummer und der gesang ist auch nicht meins

    ach ja ... die letzte platte habe ich wegen der guten kritiken gekauft ... was für ein rubbish

  • Vor 8 Jahren

    da sieht man wieviel ahnung du hast...
    priest und maiden hatten beide in ihrer bandgeschichte mehrere drummer.

    ach was
    :D

    maiden aber nur 2 ...

  • Vor 8 Jahren

    ... ich musste eben man nachlesen

    tim holland war der, der desert plains live so "versaut" hat

    um es jetzt mal zum abschluss zu bringen und die friedenpfeife zu rauchen ... der "miese drummer" war evtl. nicht korrekt ausgedrückt, da es nicht objektiv rüber gekommen ist

    wie gesagt, ich höre auch ne menge metalbands, bin aber immer von reinem "gebolze heavymetal" nicht erfreut

    und bei judas priest fehlt mir immer iregndwas, was es KOMPLETT für mich interessant macht, mal ist esd er gesang der nervt (british steel und piont of entry fand ich gesanglich vom halford sehr gut), dann kam mir die musik zu dampframmenmäßig rüber oder wie beim neuen album zu gezwungen proglastig ... also gibt es nicht so recht die punkte wo ich sage "jaaa !!! das ist es !!!

    wird dir bei zappa oder anderen sachen wohl auch so gehen ?

    trotzdem kann man OHNE beleidigungen was posten, und darum bitte ich in zukunft ... habe keinen bock auf stress !!!

    mfg sheik

  • Vor 3 Jahren

    Keine schlechten Lieder dabei, aber klingt alles wie eine Mixtur aus British Steel, Screaming for Vengeance und Defenders of the Faith. Außer Demonizer, da wollte man Painkillerelemente mit Jugulatorelementen vermischen