Joy Denalane will es wissen. Der Titel First Lady des deutschen Souls ist ihr nicht genug. Das Ziel: Amerika, dort wo alles begann. Die erste Hürde dahin hat sie bereits genommen. Die Webseite okayplayer.com - das Zuhause von The Roots - nahm das neue Album "Born & Raised" in ihre Now Hear This-Sparte auf und widmete Joy Denalane wohlverdiente Aufmerksamkeit. Eine Ehre, die vor ihr erst zwei Nicht-Amerikanern zuteil wurde.
Wie ernst es der Berlinerin mit den Plänen ist, zeigt "Born & Raised" mit musikalischer Stärke und imposanter Gästeliste: Mit den Rappern Lupe Fiasco und Raekwon sowie Produzenten-Legende No ID angelte sich Joy zudem Ami-Features der Güteklasse A. Außerdem spielten erstklassige Musiker, die sonst für Bilal, D'Angelo, Stevie Wonder, Musiq oder Q-Tip arbeiten, das Album komplett live ein.
Unter der Federführung von Ehemann Max Herre entstand so ein musikalisch dichtes und facettenreiches Soul-Album, das produktionstechnisch den Vorbildern aus den USA in nichts nachsteht. Dank der Zusammenarbeit mit diesen Musikschaffenden steht Joy Denalane auf der Schwelle zum (Neo-) Soul-Mekka Philadelphia. Eine Stadt, die in der Vergangenheit Künstler hervorbrachte, mit denen sich die Sängerin nun messen muss: Jill Scott, Jaguar Wright, Erykah Badu oder Angie Stone.
Es liegt wohl an der anvisierten Kompatibilität mit dem amerikanischen Markt, dass sich Joy von ihren auf dem letzten Album "Mamani" omnipräsenten afrikanischen Wurzeln entfernt. Die Neuauflage von "Im Ghetto Von Soweto" mit dem Titel "Soweto '76 - '06" zeugt davon als letztes rudimentäres Merkmal. Erklangen auf Teil eins jedoch noch Bongo-Trommeln und afrikanische Bläser, zeigt Teil zwei musikalisch neben Funk-Rhythmus und Jazz-Trompeten nur mit spärlichen Shout-And-Response-Rufen in Richtung Johannesburg. Von ihrer Spiritualität, die Joy in der Vergangenheit Vergleiche mit Erykah Badu einbrachte, ist auf "Born & Raised" wenig zu hören.
Der Rest der Instrumentals trägt eindeutig die Handschrift Max Herres, ist dabei aber durch und durch amerikanisch. Bestes Beispiel: der Opener "Change". No ID lacet dafür die wunderbaren Pauken und Trompeten von Mayfields Impressions' (Young Jeezy lässt grüßen!), Joy brilliert stimmlich, und Chi Towns-Wunderkind Lupe Fiasco legt einen 1A-Part aufs Parkett: "Before we go forth, we gotta take'em back." Genau so muss Soul sein. Eine Meisterleistung aus Querverweisen gelingt Joy außerdem in Kollaboration mit Wu-Tangs Raekwon ("Heaven Or Hell"). Die Neuauflage vom gleichnamigen Klassiker auf "Only Built For Cuban Linx" geht im neu-arrangierten Beat wie vor elf Jahren unter die Haut. Joy zaubert darauf ihre Strophen ohne jede Beanstandung. Sie kennt die Drums nur zu gut. Mit den FK-Allstars präsentierte auf dem gleichen Beat jahrelang Freundeskreis' "Erste Schritte".
So rückwärtsgewandt wie die Songs mit Lupe und Lex Diamond anmuten, präsentiert sich das Gesamtbild der Platte nicht. Eine kleine Auswahl: Glockenspiel, Boom Bap und klassischer Strophe/Chorus/Bridge-Songaufbau machen die erste Single "Let Go" zu einem starken Stück kontemporären Souls. Für "One In A Million" schrauben die Frankfurter Bock Auf'N Beat-Jungs ein so simple wie herausragende Pop-R'n'B-Nummer zusammen. Auf "Stranger In This Land" platziert Joy stimmgewaltig ihre von Zweifeln und Ängsten geplagte Geschichte auf klagende Piano-Strings - Gänsehaut-Musik im Jahre 2006.
An der Qualität von "Born & Raised" soll es nicht liegen, wenn es mit dem Erfolg im Mutterland des Souls nicht funktioniert. Dafür haben Joy, Max und ihr gemeinsames Team zu gute Arbeit geleistet. Man darf aber nicht vergessen, dass Madame Denalane auf unbekannten Wegen unterwegs ist. Den Sprung nach Amerika hat vor ihr noch keine deutsche Soul-Sängerin geschafft. Dem Traum so nahe war jedoch auch noch niemand.
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Joy Denalane - Born & raised | Infos (Lieferzeit/Service) | €12,95 | €3,90 | €16,85 |
aber na ja, stimmlich finde ich hat sie immer noch was von erykah....das kaliber erreicht sie natürlich nicht, das stimmt schon