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Die gute Nachricht zuerst: Johnossi haben noch immer ein Händchen für packende Texte. Johns verzerrte Akustikgitarre und Ossis virtuoses Getrommel vertonen traurige Schicksale gescheiterter Individuen wie das des schwermütigen "Bobby". Nicht umsonst zeigt der grün-schwarze Monochrom-Monitor, auch 'Cover' genannt, ein menschliches Herz.
"Train Song" versucht mit verspielten 'Ich tu dir nix'-Synthies (Johnossi und Synthies?) über makabren Serienmörder-Witz hinwegzutäuschen. "SHE'S DEAD IN HER HOUSE!" brüllt einem John ins Ohr. "A chainsaw is nice, it's a healthy tool, or perhaps a good old-fashioned drowning in the garden pool" Huch! Der Song strotzt nur so vor Dramatik. Schockwirkung inklusive. Und bleibt deshalb leider auch einer der wenigen Tracks auf "All They Ever Wanted", den man im Gedächtnis behält.
Womit wir auch schon bei den schlechten Nachrichten wären: "Wir sind zwar jetzt auf 'nem Major, aber Popsongs machen wir nicht", scheinen einem Tracks wie der Titelsong "All They Ever Wanted" entgegenzuschreien: Low-fi bis zum Geht-nicht-mehr produziert, klingt er seltsam unfertig und mehr nach Demo als nach zweitem Studioalbum. "In The Mystery Time Of Cold & Rain" bleibt dann auch die einzige Ballade auf einem Album, das kompromisslos Johnossis härtere Seite demonstriert.
Außerdem geht Johns Michael Stipe sound-a-like-Organ bisweilen auf die Nerven. Zu zahlreich sind die Momente, in denen sich seine Stimme überschlägt, in denen er schreit, bis er heiser ist, in denen er schlicht und einfach zu viel Krach macht.
Hauptsache laut. Ein Attribut, das John und Ossi auf "All They Ever Wanted" in jeder Hinsicht glorifizieren. "Ich spiele inzwischen schon mit vier Amps", freut sich John. Prima! Lautstärke ist sicherlich beachtlich, wenn man bedenkt, dass da nur zwei Leute am Werk sind. Aber mal ehrlich: Kann das denn wirklich alles sein? Verdammt noch mal, was ist währenddessen aus den melodischen Meisterwerken vom Debütalbum geworden?
Was ist aus dem jugendlichen Übermut, dem himmelhoch Jauchzenden, dem famos Zügellosen geworden, das ein "Man Must Dance" oder ein "Rescue Team" so einzigartig machte? Das, was das selbstbetitelte Debüt auszeichnete, hat unter dem Aufbau des düsteren Rumpelband-Images, der Perfektion des Dirty-Rocks, der Etablierung der 'Lieber ganz weit weg vom Mainstream'-Attitüde gelitten.
Und so lässt "All They Ever Wanted" leider die großen Johnossi-Melodien vermissen. Die zehn Tracks poltern erschreckend unspektakulär dahin, ohne sich sonderlich lange im Gehörgang festzusetzen. Als Fan der großartigen ersten Platte wird man eine winzige Träne in sein Kissen weinen. Wieder eine Lieblingsband an das böse zweite Album verloren.
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