laut.de-Kritik

Der Sänger trauert Katy Perry nach. Mit Dackelblick.

Review von

"Still Feel Like Your Man" gibt eine Ahnung vor, wie "The Search For Everything" klingen könnte. Ein bisschen Motown, Falsetto-Chor, funky Gitarren und eingängige Lyrics - ein vielversprechender Beginn, dem viel Leerlauf folgt. Das bestimmende Thema des Albums ist die gescheiterte Liebesbeziehung zu Katy Perry, die weiterhin best-buddys sind, wie beide versichern.

Immer wieder beteuert Mayer, er komme schon darüber hinweg. Ein lauter Pfiff genügt jedoch, schon dackelt er mit Hundeblick zur Angebeteten. Ein Teufelskreis, und ein Nerv tötender dazu. "If I'm helpless tell me now."" Ja, warum zur Hölle macht das keiner? Mayer könnte viel Zeit sparen, die ganze Ich-Bezogenheit beiseite schieben und sich auf die Dinge konzentrieren, die er nun mal wirklich gut kann: Gitarre spielen, seine Detailverliebtheit in Sachen Instrumentals und eingängiger Pop-Melodien sowie auf den Punkt gebrachtes Songwriting.

Letzteres beweist er in "In The Blood", einem Track, der genauso gut aus der Feder des kleinen Rotschopfs stammen könnte. Handclaps, Akustik-Gitarre und ein zurückgenommenes Schlagzeug regen zum Mitmachen an. Ein Erfolgsrezept, das besonders die weibliche Zielgruppe ansprechen dürfte. Im Song reflektiert Mayer darüber, inwieweit er über sein Leben selbst verfügen kann: "Will it wash out in the water, or is it always in the blood?".

Songs wie "Love On The Weekend" oder "Roll It Home" geraten dagegen derart profan, dass man sich das Gähnen kaum verkneifen kann. Ersterer besingt das Gefühl einer frischen Liebe. Das Erste, was ihm dazu einfällt? Ein Auto, ja, Bewegung, frischer Wind, das Gefühl des Sommers: "I'm flying fast like a, a wanted man/ I want you, baby, like you can't understand." Es sind Allgemeinplätze wie diese, die auf Stagnation in Mayers künstlerischer Laufbahn verweisen.

Einen Lichtblick stellt "Moving On And Getting Over" dar, in dem Mayer sich auf den Eingangstrack zurückbesinnt und den Funk ein zweites Mal zum Klingen bringt, garniert mit rhythmischen Fingersnaps und einer treibenden Bassline. Hier zeigt Mayer, warum er eben nicht nur das Image des soften Schmusebarden ausfüllt. Die Harmonie mit Steve Jordan am Schlagzeug und Pino Palladino am Bass, die zusammen das John Mayer Trio bilden, stimmt jedenfalls.

Sein ganzes musikalisches Können breitet Mayer in der folgenden bittersüßen Ballade aus. Zwar hat die Gitarre mal Pause, doch das stört nicht weiter. Ein zurückgenommenes Klavier, vor dem sich das Falsett Mayers ungestört entfalten kann, zwischen den Strophen stimmt Mayer ein Pfeif-Solo an: Mit einfachsten Mitteln dargebracht, ruft "You're Gonna Live Forever In Me" einmal mehr vor Augen, warum sich auch Elton John zu Mayers Fans zählt.

Inhaltlich hält "The Search For Everything" den Schein der Weiterentwicklung aber nicht aufrecht, zu sehr kreist das Album um den Künstler selbst und kippt mitunter ins Wehleidige. Jeder Schritt nach vorn bedeutet sogleich zwei Schritte zurück. Mayer scheint es eher darum gelegen, die Hörgewohnheiten seiner Fans nicht unnötig auf die Probe zu stellen, als dass er sich mal aus seiner Komfortzone hinausbewegte.

Für einen Mayer in Topform muss man schon ein wenig die Zeit zurückdrehen oder sich die Jam-Sessions mit gestandenen Blues-Virtuosen zu Gemüte ziehen. Gegenwärtig scheint er mit seiner Rolle als Schwiegermutters Liebling jedenfalls mehr als zufrieden.

Trackliste

  1. 1. Still Feel Like Your Man
  2. 2. Emoji Of A Wave
  3. 3. Helpless
  4. 4. Love On The Weekend
  5. 5. In The Blood
  6. 6. Changing
  7. 7. Theme From 'The Search For Everything'
  8. 8. Moving On And Getting Over
  9. 9. Never On The Day You Leave
  10. 10. Rosie
  11. 11. Roll It On Home
  12. 12. You're Gonna Live Forever In Me

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2 Kommentare

  • Vor 3 Monaten

    Was ich bis jetzt gehört hab war vor allem textlich beschissen

  • Vor 3 Monaten

    Jawohl, da stimme ich zu... es wäre mehr drin gewesen und gerade bei Erinnerungen an "Continuum" werde ich wehleidig ob dieser Stagnation des Künstlers.
    Prädikat "nett, aber harmlos"...
    Es gab eine Zeit, da hätte er das sein können, was heute Ed Sheeran ist. Aber okay, gerade im deutschsprachigen Raum gucken eh nur Fortgeschrittene Musikhörer auf JM bzw. die Kommerzphase hat er wohl hinter sich. Der Grundstock an Fans ist da und so kann JM sich auch mit Mittelmaß durchs Musikleben spielen.
    Live wird dann eben hauptsächlich der "alte Kram" verlangt werden... wie es halt bei fast allen gereiften Musikern mit 3+X Alben auf der Kante ist.
    Ach menno, würde mich ein "Continuum 2" freuen :)