- Top 100
- Redaktionsempfehlungen
- Zuletzt gehört
Format
Playlist
Aktuelle Sendung
SeitHomepage:
Gleich mal eines vorneweg: Der Musikjournalist im allgemeinen und der LAUT-Redakteur im ganz besonderen ist, wie Mann/Frau von Welt ja weiß, eine Spezies, deren unbedingte Objektivität und unerschütterliche Unbestechlichkeit geradezu sprichwörtlich sind. Niemals und unter keinen Umständen würde er sich durch irgendwelche sachfremde Erwägungen, seien es nun sog. Hypes, modische Äußerlichkeiten und ähnlicher Tand oder gar persönliche Beziehungen zu Künstler / Plattenfirma / Management in seinem sachverständigen Urteil nur ein Iota beeinflussen lassen.
In meinem Fall hingegen ist der Sachverhalt zugegebenermaßen ein klein wenig anders gelagert: Seit der Ankündigung, dass eine neue Frusciante-Scheibe im Anflug ist, war ich bis zum endlich-glücklichen Eintreffen derselben gespannt wie ein Flitzbogen, und nun, wo sie endlich da ist ... olala ... mit anderen Worten: Hier spricht ein Fan. Tifoso. Glühender Verehrer. Doch das, wie gesagt, nur mal so vorneweg. Denn das eigentliche Thema des heutigen Ergusses ist "Shadows Collide With People", eine Platte die so vielgestaltig und schillernd ist, wie ihr Schöpfer, Mr. John Frusciante, seines Zeichens u.a. Gitarrero der bekannten Rock-Pop-Band Red Hot Chili Peppers und großer Liebhaber der Bildenden Künste.
Nach mehrmaligen vergeblichen Anläufen endlich aus den Klauen der langjährigen Drogensucht entkommen, hatte Frusciante uns 2001 mit "To Record Only Water For Ten Days" bereits ein Meisterwerk verschrobener und gleichzeitig wunderbarer Rockmusik mit seltsam-elektronischen Anleihen und Soundsprenkseln beschert. Und diesen musikalischen Weg, den er seinerzeit mit "To Record ..." einschlug, schreitet er mit "Shadows Collide ..." unbeirrt fort.
Mit dem besagten Vorgänger-Longplayer vergleichbar ist auch auf "Shadows Collide ..." gleich der Opener ("Carvel"), eine unglaubliche Rockbombe, die mitreißt und den Zuhörer auf eine Reise einlädt, die bis zur Endstation "The Slaughter" durch eine bunte Wunderwelt der eigenwilligen Rockmusik führt und nebenbei auch ein paar kleine Abstecher in die Gefilde der experimentellen Klangcollage im Repertoire hat. Und da man ja um die Vorliebe des Maestros für kauzige Krautrock-Schinken von Faust bis Amon Düül (II) weiß, ist dies genau das, was man erwartet und sich erwünscht hat. Außerdem fügt sich dies ganz hervorragend in das Frusciante-Universum ein, dort, wo man das Unerwartete erwartet.
Unerwartet ist auf jeden Fall die Art und Weise, in der er sich fast schon klassisch-konservativ dem Songwriting nähert und uns dabei Songs serviert, die in ihrem Wesen eigentlich schon ziemlich weit in Richtung Singer-Songwriter-Pop und -Rock rutschen. Popmusik für seltsame Erwachsene mit Rockvergangenheit könnte man sagen. Klingt jetzt vielleicht etwas abschreckend (schon allein das "Erwachsene", har har). Aber das muss man sich halt mal in aller Ruhe an einem hochspirituellen Örtchen anhören - um dann, wenn man möchte, für sich selbst ein neues Wörtchen zu suchen, das diese Musike hinreichend beschreibt.
Natürlich ist die Sound-Gangart, in der diese meist recht gängigen Songstrukturen serviert werden, in echter Frusciante-Manier ziemlich weird, bzw. die Weirdness blitzt überall und ständig durch den Sound und zieht sich wie ein roter Faden durch das Album. Hier ein Flanger über die ohnehin schon eindringliche und sehr eigenartige Stimme, dort kurz mal ein Brachialverzerrer über die Klampfe, "Take on me"-(A-ha)-Flächen aus dem Hinterzimmer, und so weiter und so fort. Aber das ist ja eigentlich wiederum etwas, was wir von Frusciante erwarten und auch erwarten dürfen: UFO-Folk. Dass die gesamte Gitarrenarbeit ein weiteres Mal bei einem Tonträger, auf dem Herr F. seine Klampfe erhebt, unvergleichlich unspektakulär spektakulär und einfach großartig ist, muss eigentlich nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden.
Vielleicht sollte man jedoch noch kurz was über den Sänger Frusciante sagen: Hatte man nicht bereits bei den Chili-Peppers-Konzerten letztes Jahr den Eindruck, dass eigentlich John der sicherere (Background-)Sänger ist, so zeigt sich spätestens hier, dass der Typ wirklich jede Menge Soul mit seiner Stimme transportiert und sich insgesamt schier unglaublich weiterentwickelt hat. Kopfstimmenchöre galore inklusive. Passt selbstredend perfekt zu den, nun ja, sehr persönlichen Texten. So persönlich, dass ich eigentlich gar nicht allem folgen will, respektive kann. Ich will jetzt nicht übertreiben, aber angesichts dieser Texte, ihrer musikalischen Verpackung und Johns Werdegang scheint diese (wie auch schon die letzte) Scheibe von einem "Ort" zu stammen, der ziemlich weit weg, manchmal sehr schön, oft aber auch unheimlich ist. Über welche Platte kann man so was frank und frei sagen, ohne dabei rot zu werden?
Abgerundet wird das Werk von einem Artwork, das eindeutig von Johns Vorliebe für moderne Malerei zeugt. Alpiner Hochgebirgsphotosport in s/w mit dickem Pinsel um Titel-Information angereichert. Sehr schick. Auch das passt. Wie alles. Und da sich die Anzeichen mehren, dass bei diesem Herrn die Kreativität noch lange nicht verebbt, freue ich mich jetzt schon auf neue Großtaten mit und ohne die befreundeten Jungs von den Peppers, die (Chad und Flea) übrigens, Chronistenpflicht, auch in irgendeiner Weise mal Bass und Schlagzeug auf "Shadows ..." bedient haben. Schön das, wenn auch nicht so wichtig. Doch genug der Worte, mein Vorschlag: zieht euch das rein und freut euch mit uns, dass dieser Spitzenmusiker die Kurve gerade noch rechtzeitig gekriegt hat und, anstatt den Fluss runter zu gehen, uns solcherlei Musik spendiert. Yippiiie. 7 Punkte.
| Shop | Titel | Preis | Porto | Gesamt |
|---|---|---|---|---|
![]() |
Shadows Collide With People | €13,99 | €3,00 | €16,99 |
![]() |
Shadows Collide With People | €14,99 | €3,95 | €18,94 |
![]() |
Shadows Collide With People +1 | €62,99 | €0,00 | €62,99 |
carvel ist der oberhammer. ein ohrwurm wie er im buche steht. anfangs erinnert es ein wenig an monstermagnet, aber die bridge mit den mädels im hintergrund ist ja wohl der hammer!!
mad season: ich hab zwar keine ahnung welchen teil du als refrain deutest, aber ich würde trotzdem sagen dass da nur john-boy himself jodelt ... 
shadows collide with people dreht sich momentan millionen male in meiner anlage ohne auch nur einmal zu stoppen. Die Soli sind allesamt geil, seine gitarrenspiel ist göttlich und an seiner stimme hat er auch ordentlich gearbeitet. Wenn er so weiter macht haben die Peppers bei ihren nächsten album wohl 2 1. Stimmen.
Probier' mal Tommy Guerrero "A little bit of something".
Und von der Elektronik her habe ich immer eine Assoziation mit Michael Arfmann und dem "Turtle Bay Country Club".
ja, das album ist wirklich groß. bis auf diese 3 komischen stücke zwischendurch, wo es nur knarzt und vor sich hin brummt gefallen mir einfach alle lieder. aber meiner meinung nach hat das auch nix mehr mit den chilis zu tun, was ja auch nicht unbedingt schlecht sein muss 
Ein absolutes Hammeralbum!!!
Bis auf die zwei, drei puren Elektro-Synthesizer-Instrumental-wasauchimmer Songs, mit denen man sich zugegebenermaßen nicht sofort anfreundet, sind alle Songs einfach unübertroffen.
Es ist unheimlich schwer, seinen Lieblingssong zu bestimmen, allerdings tendiere ich zu "Omission", ein Wahnsinnssong mit Josh Klinghoffer.
Zurzeit mein unangefochtenes No.1 Album.
Unbedingt anhören 
Schön das hier mal wieder über Johns Musik geredet wird. Für mich ist die DC EP mit ihren vier Songs besonders ans Herz gewachsen. Natürlich sind auch die Alben von einer besonderen Qualität. Dabei mag ich besonders The Will To Death. Ein geschlossenes Meisterwerk mit Songs die einen einfach in den Bann ziehen. Am Stück gehört gibt mir dieses Album so viel.
"Shadows Collide With People" ist meiner Meinung nach eines der besten Soloalbums der Geschichte.
Fast jedes Lied ist ein Ohrwurm. Unglaublich. Rotiert seit Jahren fast täglich.
Ich fand "Will To Death" irgendwie besser, stehe mit der Meinung aber vermutlich ziemlich alleine da..jammerschade.
Carvel ist trotzdem sein bester Song!
Format
Homepage: