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Sechs Studioalben veröffentlichte John Frusciante innerhalb von nur zwei Jahren, nebenbei spielte er noch Gitarre bei den Red Hot Chili Peppers, mit denen 2006 praktisch zeitgleich ein Doppelalbum entstand. Man muss weit zurück gehen, um eine ähnlich kreative Produktivität in der Historie des Rock aufzuspüren, vielleicht bis zu den Tagen von James Brown und Frank Zappa.
2009 dann der Cut: Frusciante verlässt seine Chili Peppers ein zweites Mal. Der von vielen als neuzeitlicher Gitarren-Magier Gefeierte untermauert seinen Freak-Status mit der esoterischen Begründung, eine weitere Zusammenarbeit laufe seinem Wesen zuwider. Er müsse stattdessen eigenen Interessen folgen, denn Kunst "hatte für mich nie etwas mit Verpflichtung zu tun". Wer mochte, konnte hier durchaus Kritik am akribisch durchgeplanten Berufsbild eines Millionen-Dollar-Rockkonzerns herauslesen.
"Letur-Lefr" ist der EP-Vorbote des für Herbst angekündigten Studioalbums "PBX Funicular Intaglio Zone"; die Titel allein sprechen Bände über die fortschreitende Exklusivität, die Frusciante für seine künstlerischen Lebenswelten beansprucht. Leider gestaltet sich auch der Zugang zu den musikalischen Ergebnissen relativ exklusiv.
Mit Frusciantes bisherigen Werken korreliert "Letur-Lefr" nur noch rudimentär, stattdessen stürzt sich der soundbesessene Kalifornier in bislang nicht gekannter Geradlinigkeit auf Keyboards, Drumcomputer, Sampler, Effektgeräte und, äh, Hip Hop. Ein radikaler Umbruch, der zunächst wenig Sinn zu ergeben scheint. Doch nach und nach setzt man die für Frusciante typischen Gitarrenmelodien, die er hier eisern auf Analog-Synthies einspielt, puzzleartig zusammen, um sich immer wieder zu fragen, warum er sie nicht gleich mit Gitarre eingespielt hat.
"In Your Eyes" ähnelt soundtechnisch durchaus seinen Minimalelectro-Homerecordings auf "To Record Only Water For Ten Days" von 2001, nur wird man bereits hier Zeuge von Frusciantes neuer bipolarer Songwritingstörung, die es ihm offenbar unmöglich macht, gute Ideen von schlechten zu trennen.
Zu letzterer Kategorie gehört die Annahme, einen Song pausenlos mit absurd abrupten Breaks zu versehen, seien es röhrende Effektschleifen oder unausgegorene Drum'n'Bass-Attacken, die jegliche im Ansatz entstandene Atmosphäre zerstören. Ist das noch derselbe Musiker, der für seine zwar verzwirbelten, aber doch stets feingliedrig-weiten Harmoniebögen geliebt wird?
"Yo", meldet sich plötzlich der RZA in "909 Day" ungefragt zu Wort, bevor er für einen wunderbar zerbrechlichen melancholischen Keyboardzauber schweigt, der von einem dieser genialen Frusciante-Gesangspassagen vollendet wird. Leider ist nach gerade mal zwei Minuten Schluss.
Das vorab auf Youtube erschienene Instrumental "Glowe" klingt exakt so, als hätte Frusciante alle fünf Sekunden auf einen neuen Rhythmusknopf seines frisch erworbenen Drumcomputers gedrückt. Ein Tiefpunkt. Allmählich beginnt man zu verstehen, wie ernst es Frusciante mit der Feststellung ist, er habe jegliches Interesse an traditionellem Songwriting verloren. Er will mit diesen Songs erkennbar voran kommen, nur sein Ziel bleibt nebulös verschwommen.
"FM" beginnt mit Old School-Beats, einem weiblichen Operngesang, bevor RZA, Kinetic 9 und Rugged Monk das Zepter übernehmen. Die einsetzenden, sphärischen Synthie-Harmonien schmiegen sich nicht unsanft an den Vortrag der Rapper, es ist nur eben leider überhaupt nicht das, was man nach drei Jahren von einem John Frusciante hören mag.
Auch am EP-Closer "In Your Light" war der Wu Tang-Boss beteiligt, glücklicherweise über weite Teile stillschweigend, was diesen eher als Frusciante-Track auszeichnet, der in seinem pathetischen Weltschmerz fast an dessen überirdisches "Will To Death"-Album heranreicht (abzüglich des hier verwendeten Soundirrsinns).
Das wars. Knapp 16 Minuten neue Musik eines zweifellos hochgradig talentierten Künstlers, der bereits 2007 für sich entschlossen hat, fortan nur noch elektronische Musik zu produzieren, wie er in einer Art Regierungsantrittserklärung auf seiner Homepage erklärt. Denn "that's what I was born to do", wie er in "909 Day" vor sich hin murmelt.
Hoffnung besteht dennoch, denn laut Frusciante soll das kommende Album "völlig anders klingen" als diese EP.
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Ich mach mal den Anfang:
Für mich klingt das wie die Experimentierphase eines reichen Kindes mit 'nem fett equippten Elektrobaukasten. Wäre vom Sound in den Neunzigern groß gewesen. Klingt heute - eben nach Experiment.
Ich weiche bei einem Track von der Rezension ab: Glowe ist für mich ein Highlight. Gute-Laune-Song.
Und der Anfang von In Your Eyes - Erasure, anyone?
Fazit: Album-Teaser. Erfüllt seinen Zweck.
Banause du Mr. Shoe!
Der Mann kann einfach keine schlechte Musik machen, egal was er macht. Bin jedenfalls froh, dass er bei den Peppers raus ist!
4/5 Punkten!
großer künstler, der auch die suche domumentiert,
nicht lediglich das finden.
tolle nusik
So weit muss man in Sache "produktive Kreativität" gar nicht zurückgehen. Ich glaube Omar Rodriguez Lopez (At The Drive In / The Mars Volta) hat noch einen krasser sprudelnden Solo-Output, wobei es um ihn erschreckend ruhig geworden ist da er die letzten 20 Minuten gar kein Album herausgebracht hat ;-))
Jepp, die EP hat ein Weilchen gebraucht. Jetzt sitzen die Ohrwürmer aber ebenso tief wie vorher. Er hat mal wieder fast alles richtig gemacht. Gute Sache, daß er die ollen und kreativ toten Peppers endlich beiseite gelegt hat. Ein schicker Start in die nächsten Klangexperimente von Herrn Frusciante! Nur her damit!
4/5
Klingt für mich nach nem Kiddie, das sich Fruity Loops gezogen hat und da jetzt mal alles per DragDrop in die Leist knallt, was ihm vor die Flinte kommt und noch reinpasst. Räumlich gesehen reinpasst.
@MachMaLauter-- go away you fu%$ing Troll!
Und btw selbst mit Fruity Loops kann man professionelle Musik machen!
(bitte interpretier das jetzt nicht abwertend, so ist es keineswegs gemeint, aber Deinen Bohren/Reed-Rezensionen ist zu entnehmen, dass du sie sehr schätzt - zumindest mein Eindruck) und Du eben Frusciante wirklich als Idol betrachtest, aber ich denke, dass Du zweifelsohne an seiner ungewöhnlichen Arbeit gefallen findest, weil Du, mhm, eine gewisse Bereitschaft mitbringst, dich in Werke einzuhören, was leider heute viel zu selten ist - allein, darf Musikkritik immer NUR so an Werke herangehen. Ich bin mir da nicht sicher. Natürlich hast du jetzt nicht die Kritik hier kritisiert, auch wenn ich nicht weiß, ob man sich sowas als Laut.de-Mitarbeiter überhaupt erlauben darf, oder ob dann vielleicht die Meilenstein-Rezension von Transformer an jemand anders geht
, und mein Einwand kommt sicherlich dergestalt daher als ob ich Dir vorwerfen würde, du würdest Frusciante verteidigen, obgleich es auch einfach nur Ausdruck Deiner persönlichen Ansicht sein kann.Ich will hier keinem zu nahe treten, aber die Rezension klingt schon ziemlich voreingenommen und unsachlich. Hier scheint jemand nicht das bekommen zu haben, was er erwartet hat und jetzt wird geschimpft und zwar auf allen Ebenen. Ich würde mich manchmal echt freuen, wenn in professionellen Rezensionen weniger danach geguckt wird, ob eine musikalische Entwicklung "zunächst wenig Sinn zu ergeben scheint", oder "Mit bisherigen Werken nur noch rudimentär korreliert", sondern mehr Wert auf die eigendliche Musik gelegt wird. Klar, diese ist hier anders als gewohnt und ich war erst auch ziemlich überrascht und konnte nicht so viel damit anfangen, aber mit der Zeit hat sich alles zusammengefügt, ich habe mich an den neuen Sound gewöhnt und bin absolut begeistert - ich hör die EP momentan in einer Endlosschleife. Aber so ist das halt mit guter Musik. Sie springt einem nur selten sich anbiedernd ins Gesicht und versucht sofort zu gefallen, sondern wirkt anfangs oft unzugänglich und unauffällig. Mit der Zeit aber entfaltet sie sich dann und man wird sie nicht mehr los (im positiven Sinne).
Naja, ich habe das Gefühl, der Autor dieser Rezension hat sich diese Zeit leider nicht genommen...
Wow wann wurde eigendlich auf laut.de die letzte ep rezensiert...gabs das überhaupt schon mal? Wenn nicht, danke für den Einsatz und die entsprechende künstlerbezogene Empathie hierzu. Johns Schritt weg von der Spaßkapelle RHCP muss rundum unterstützt werden!
@Brodan: Wenn du mit voreingenommen und unsachlich meinst, dass der Autor beinharter Fanboy ist, hast du recht. Und als solcher weiß ich natürlich, was man bei John zu erwarten hat: das Unerwartete. Gebe aber zu, dass der Satz "Es ist nur leider nicht das, was man von einem JF erwartet" (zu "FM") deinen Eindruck bestärkt. Deine Definition für eine "professionelle Rezension" verstehe ich nicht ganz; ist es professionell, ein Album so lange zu hören, bis man keine Kritikpunkte mehr findet? Ich denke nicht, dass auf laut.de nur Künstler gelobt werden, die sich ständig wiederholen.
@bigfoofightersfan: Nö, machen wir schon ab und zu bei Themen, die wir in diesem Rahmen für relevant erachten.
@MachMaLauter: Haha, irgendwo is da was dran. Aber nur beim ersten Hören.
@Creature/Anwalt: Die Suche zu dokumentieren macht auch nur dann Sinn, wenn es das Ergebnis rechtfertigt. Und das wird subjektiv entschieden.
@Zapato El Don: Natürlich geht es nich darum etwas so lange zu hören, bis es keinen Kritikpunkt mehr gibt. Das geht erstens nur selten und zweitens würde das bedeuten, es gäbe keine schlechten Alben (die es aber schon gibt). Es sollte aber auch nicht zu wenig Zeit aufgewendet und vorschnell geurteilt werden und das war mein Gefühl bei dieser Rezension. Das ganze ist schon keine leichte Sache, weil manche Sachen einfach ihre Zeit brauchen, es aber auch verständlich ist, dass diese Zeit nicht immer gegeben ist. Mir ist es selbst schon oft passiert, dass ich eine Band oder ein Album erst Tage, Monate oder gar Jahre später wirklich zu schätzen wusste. So lange kann man natürlich icht mit der Rezension warten, aber etwas Zeit sollte man sich schon nehmen, vielleicht mal darüber schlafen, da der erste Eindruck oft trügt.
...also ich kann michael schuh in jedem punkt nur zustimmen, auch wenn ich als frusciante-liebhaber die ep unterm strich ganz gut finde. anders zwar, aber so soll es ja auch sein. bringt doch keinem was, wenn ein künstler immer wieder die gleiche platte aufnimmt. freue mich schon aufs album.
Oh Gott. Was hat sich John nur dabei gedacht ? Und das nach dem gigantischen The Empyrean (meine Platte des Jahres 2009). Ich ahne schlimmes was das Album angeht. Dann doch lieber Back to the Peppers.
Endlich gehört und direkt beim ersten hören musste ich schmunzeln und habs gefeiert. John ist so frei und macht einfach worauf er Bock hat - und immer hat es was besonderes. Verquere kurzweilige geniale Musik. Nur weiter so. Weiß jemand wie die Kollabo-EP von John mit der Sängerin/Rapperin von "Truth Hurts" (Shari Watson) heißt? Habe überall danach gesucht, es gibt da Song-Material, aber WO zur Hölle???
ungeschlagene atmosphäre - kein ausfall.
john frusciante kann keine schlechte musik machen. 4,5/5 mit tendenz nach oben.
Uninteressant ist auf jeden Fall keines der Attribute, dass zu dieser EP passt. John Frusciante ist mittlerweile wohl wirklich jede Erwartung egal bzw. kann sie im finanziell und künstlerisch auch vollkommen egal sein. Ein sehr abgespaceter Sound, der mir aber stellenweise zu abgefahren ist. Besonders die in der Review angesprochene ekzessive Neigung zu zwar unvorhersehbaren, aber auch oftmals unpassenden Breaks stört mich (z.b. im ersten Track). Die HipHop-Elemente in "FM" finde ich übrigens klasse. Mr. Frusciante hat wohl in den letzten 3 Jahren sehr viel aktuelles Zeug von Radiohead und Gorillaz (FM!) gehört^^
(bitte interpretier das jetzt nicht abwertend, so ist es keineswegs gemeint, aber Deinen Bohren/Reed-Rezensionen ist zu entnehmen, dass du sie sehr schätzt - zumindest mein Eindruck) und Du eben Frusciante wirklich als Idol betrachtest, aber ich denke, dass Du zweifelsohne an seiner ungewöhnlichen Arbeit gefallen findest, weil Du, mhm, eine gewisse Bereitschaft mitbringst, dich in Werke einzuhören, was leider heute viel zu selten ist - allein, darf Musikkritik immer NUR so an Werke herangehen. Ich bin mir da nicht sicher. Natürlich hast du jetzt nicht die Kritik hier kritisiert, auch wenn ich nicht weiß, ob man sich sowas als Laut.de-Mitarbeiter überhaupt erlauben darf, oder ob dann vielleicht die Meilenstein-Rezension von Transformer an jemand anders geht
, und mein Einwand kommt sicherlich dergestalt daher als ob ich Dir vorwerfen würde, du würdest Frusciante verteidigen, obgleich es auch einfach nur Ausdruck Deiner persönlichen Ansicht sein kann.Also ich mag die EP sehr, aber ich mochte diese hecktischen Breakwechsel schon immer, hauptsache Drumcomputerlärm + Synthies
.
Wer das hier mag, sollte unbedingt das neue Squarepusher Album hören, Ufubufuluulumum oder so, genauso wie diesen Kerl hier meine neueste Bandcam entdeckung:
http://store.error-broadcast.com/album/cocody
Ich hasse es wenn so genannte Kritiker das für eine unbestimmte Masse gebrauchte Wort "man" benutzen - wie in "leider überhaupt nicht das, was man nach drei Jahren von einem John Frusciante hören mag" - wenn sie doch eigentlich nur sich selbst meinen. Das ist entweder feige oder arrogant. Dann noch dieser enorm clever gedachte Vergleich mit einer bipolaren Störung...Menschen mit bipolarer Störung haben kein Problem damit gut von schlecht zu trennen. Auch diese Aussage ist mindestens ignorant. Zum Glück ist für die allermeisten Hörer und für John Frusciante selbst dieser miserable Artikel absolut bedeutungslos. Die EP ist das Gegenteil.
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