laut.de-Kritik

Letzte Ausfahrt: Seniorenstift.

Review von

"Wertpapiere? Oh ja! Ein Autoradio, ein paar Creedence-Bänder und dann war da noch mein Aktenkoffer!" sagt der Dude in "The Big Lebowski", als ihn ein Cop nach gestohlenen Wertgegenständen fragt. Und natürlich hat er Recht: Creedence Clearwater Revival-Songs sind eine gottverdammte Wertsache. Dank des charakteristischen Quietschgesangs von John Fogerty keine Sekunde aus der Musikgeschichte weg zu denken.

Da dürfte jedem CCR-Freund das Wasser im Munde zusammen gelaufen sein, als bekannt wurde, dass der ehemalige Bandchef viele schöne Klassiker mit Ikonen wie Allen Toussaint oder den Obersympathen Foo Fighters neu einspielt. Dazu kredenzt er gleich noch ein paar brandneue Tracks als Sahnehäubchen.

So sieht es in der Theorie aus. Praktisch ist das neunte Studioalbum des Swamp-Rockers ein kompletter Schlag ins seichte Wasser. In seinen besten Momenten rangiert die Platte im Niemandsland zwischen überflüssig und belanglos. El Duderino hätte Fogerty dafür sicherlich "auf den bekackten Teppich gepisst." Leider zu Recht!

Sich selbst zu covern geht ohnehin nur dann, wenn man der eigenen Legende gerecht wird. Das heißt: Es muss gut interpretiert und variiert werden oder zumindest ordentlich rocken! Von beidem ist der untot vor sich hin musizierende Veteran ungefähr so weit entfernt wie der Dude von "den bekackten Eagles."

Wie bei jeder guten Mogelpackung gelingt der Einstieg indes fulminant. Dave Grohls Bande poliert "Fortunate Son" mächtig auf und zeigt, was alles hätte klappen können. Mit Verklingen der letzten Note nach dreieinhalb Minuten hat man den Höhepunkt des Albums leider auch schon hinter sich. Auf einem gerechten Planeten wäre der ebenso groß- wie schmalspurige Rocknivellierer Kid Rock höchstens der Türsteher von Creedence gewesen. In unserer Welt darf der überschaubar talentierte Todesstrafenbefürworter gleich mal die 1969er "Proud Mary"-B-Seite "Born On The Bayou" hinrichten.

Doch der A-Seite ergeht es kaum besser. Ike und Tina haben das Lied seinerzeit mit dem Feuer ihrer Hassliebe auf die Bühne gebracht. Jennifer Hudson gelingt lediglich jenes laue und brave Lüftchen, wie man es von einer ehemaligen American Idol-Castingtante erwarten darf. Schade um den verschwendeten Einsatz von Allen Toussaint.

Fogerty selbst wirkt, was Gesang und Gitarrenarbeit angeht, seltsam plastiniert. Einst verkündete sein wilder "Bad Moon Rising"-Text die Apokalypse mit Flamme und Schwert. Die vorliegende Version würde sogar erfahrene Fernsehgarten-Gucker einschläfern. Statt dem jüngsten Gericht lauert um die Ecke nur noch der Seniorenstift Sarkophag.

Und die neuen Tracks? Gibt es ein Aufbäumen? Man möchte das ja alles so gern mögen. In den 80ern hat Fogerty immerhin große Solosongs wie "Eye Of The Zombie" oder "The Old Man Down The Road" geschrieben und tolle Genrealben komponiert. Lieder wie die aktuellen "Mystic Highway" oder "Train Of Fools" lassen nun sogar die schaukelstuhligsten Eric Clapton-Nummern wie dynamische Knaller erscheinen.

Der tragischste Moment von allen ist jedoch das blutarme Geleier, dass der Kalifornier aus dem Juwel "Have You Ever Seen The Rain" macht. Jeder, der das hochemotionale Original kennt, drückt hier nur noch verzweifelt die Stopptaste, bevor einen der Ekel überwältigt. Eine schlimmere Schändung der eigenen Legende ist kaum noch denkbar.

Am Ende dieser Platte hilft noch nicht einmal mehr Schadenfreude oder Galgenhumor. Man ist erfüllt von tiefer Trauer. Wie der Fremde im Lebowski-Film sagt: "Manchmal verspeist man den Bären und manchmal wird man eben vom Bären verspeist." Fogerty hat leider für letzteres entschieden.

Trackliste

  1. 1. Fortunate Son (With Foo Fighters)
  2. 2. Almost Saturday Night (With Keith Urban)
  3. 3. Lodi (With Shane And Tyler Fogerty)
  4. 4. Mystic Highway
  5. 5. Wrote A Song For Everyone(With Miranda Lambert, Feat. Tom Morello)
  6. 6. Bad Moon Rising (With Zac Brown Band)
  7. 7. Long As I Can See The Light (With My Morning Jacket )
  8. 8. Born On The Bayou (With Kid Rock)
  9. 9. Train Of Fools
  10. 10. Someday Never Comes (With Dawes)
  11. 11. Who'll Stop The Rain (With Bob Seger)
  12. 12. Hot Rod Heart (With Brad Paisley)
  13. 13. Have You Ever Seen The Rain (With Alan Jackson)
  14. 14. Proud Mary (With Jennifer Hudson, Feat. Allen Toussaint And Rebirth Brass Band)

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40 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    @Morpho (« Könnte schlimmer sein. Stellt euch vor, Liam Gallagher würde hier Rezensionen schreiben. »):

    Dann würde die Kritik das selbe Niveau haben wie die Kommentare :D
    "Fortune Son neu interpretiert? Ach Fuck You John mein Bruder und ich haben dass in den 90ern schon unter Drogen besser gemacht. Lass dich endlich einsargen du verschissener alter Sack!"

  • Vor einem Jahr

    Wo ist denn eure Meinung zum Album, ihr Schlauberger? Oder habe ich auch nicht begriffen, dass es hier um diese Platte und nichts anderes gehen sollte?

  • Vor einem Jahr

    @Sancho (« @Morpho (« Könnte schlimmer sein. Stellt euch vor, Liam Gallagher würde hier Rezensionen schreiben. »):

    Dann würde die Kritik das selbe Niveau haben wie die Kommentare :D
    "Fortune Son neu interpretiert? Ach Fuck You John mein Bruder und ich haben dass in den 90ern schon unter Drogen besser gemacht. Lass dich endlich einsargen du verschissener alter Sack!" »):

    Und der Punktebereich müsste auf negative Zahlen ausgeweitet werden.
    "Fuck RIGHT off!" :D