Porträt

laut.de-Biographie

John F. Enemy

"Hart. Schön. Scheiße." Jemandem mit einer Idee, was John F. Enemy macht, mag das als ganz treffende Genre-Bezeichung erscheinen. Doch gehts für alle anderen vielleicht ein bisschen genauer?

Aber klar: "Genremäßig kann ich mich schlecht einordnen", so der Urheber selbst über seine Musik. "Ich bin klassisch Rap-orientiert, aber so viel Künstler, um mir da einige Türen offenzuhalten. Grundsätzlich ist es aber schon 'echter' Hip Hop. Mit viel Beleidigung, Wut und einem gewissen Weltschmerz. Aber auch mit einem Grinsen auf den Lippen." Klingt sofort ungleich plastischer.

Einigermaßen plastisch auch das Erlebnis, das den Startschuss für eine musikalische Untergrund-Karriere abfeuert - plastisch, drastisch und ein kleines bisschen melodramatisch: "2012 hab' ich ziemlich krass aufs Maul bekommen", erinnert sich John F. Enemy, dessen Künstlername - "neben dem offensichtlich recht ausgelutschten Wortspiel" - von einem Teil Realschülerpathos, gesellschaftskritischer Haltung und einem Faible für Verschwörungstheorien kündet.

Zurück zu der erwähnten blutigen Nase: "Da hatte ich kurz den Gedanken, dass das mein letzter Tanz gewesen sein könnte. Leichte Panikattacke, aber echte Angst, draufzugehen. Das Gefühl, mit Mitte zwanzig irgendwie nix zu hinterlassen, das war scheiße. Also habe ich mich, während die mich geflickt haben, für die Musik entschieden."

Aua. Passt aber zu der Grundüberzeugung: "Hip Hop soll keinen Spaß machen. Zumindest nicht direkt." Entsprechend geht es in John F. Enemy-Tracks düster und allgemein eher unfroh zur Sache. Eine einsame Veranstaltung ist es trotzdem nicht:

"Seit ich 15 bin, mache ich mit Hiro M.A. zusammen Musik. Mal mehr, mal weniger. Früher viel Freestyle, oft besoffen. Später zielgerichteter. Ich tauche eigentlich nur zusammen mit Hiro aka Mister Nagatomi auf, wir sind die Teppichmesserbois. Er macht die Beats, ich die Texte. Wir laufen nur zusammen irgendwie gut. Ich bin ohne ihn teilweise nicht zu gebrauchen."

Den Anstoss gibt aber ein anderer: "2008 oder 2009 hab' ich den ersten Track von Degenhardt gehört. Darauf habe ich ihn mit Hiro bekannt gemacht." Gute Entscheidung, das: Diese Zusammenarbeit soll noch reichlich Früchte tragen.

"Was daraus entstanden ist, hat mich unglaublich gepusht", so John F. Enemy. "Die ganze Johnny Tänzer-Crew, Hiro, Loock und Dege ... als das losging, war ich wieder extrem gehypet und ich hab' wieder mit der Musik angefangen. Davor hatte ich eine Phase, in der Feiern und Traurigsein irgendwie interessanter war."

Das enge Umfeld, Familie schon fast, liefert dann auch die musikalische Inspiration. "Vorbilder im eigentlichen Sinne habe ich nicht. Ich bin ganz klar ein Produkt meiner Zeit. Für den Push, den sie mir beschert haben, feier' ich halt die Johnny Tänzer-Jungs hart." Mit denen tritt John F. Enemy dann auch öfter auf und wirkt in unterschiedlichen Rollen an verschiedenen Projekten mit.

"Auf der Bühne war ich immer Backup. Die Rolle war cool. Hab' mich, ehrlich gesagt, gerne versteckt. Doch so langsam schlägt der Geltungsdrang die Versagensangst." Diversen einzelnen TMB-Tracks schiebt er als erste richtige Veröffentlichung das Mixtape "Lowlife Und Highkicks" hinterher. "Ein Album wird kommen", verspricht er. "Aber ich bin langsam."

"Ich sehe meine Mucke als Chance, meine Jugend zu thematisieren", fasst John F. Enemy seine Motivation zusammen. "Ich hatte zwar 'ne coole Jugend, aber alle Probleme waren selbst gemacht, und ich bin fast dran gescheitert. Jetzt, wo alles cool ist, klärt meine Musik das im Nachhinein. Selbsttherapie, wie bei allen. Und eine ganze Menge Wut auf eine Gesellschaft die irgendwie keinen Platz für Leute wie uns hat." Damit dürfte er gar nicht wenigen seiner Hörer aus der Seele sprechen.

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