laut.de-Kritik

Die männliche Ina Müller sorgt für harmlose Nordsee-Brise.

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Offenbar müssen Solo-Platten von Sängern beinahe zwingend akustischer und ruhiger als mit Bandgeflecht drumherum klingen. Wie sich Revolverheld dem Radiorock beugen, so beugt sich auch Strate diesem Prinzip. "Die Zeichen stehen auf Sturm" – von wegen. Eine harmlose Nordsee-Brise ist es, die min Jung da auf Platte presst: Stört zwar nicht, berührt aber auch nicht wirklich.

Im Sound kommt er einer anderen norddeutschen Seele erstaunlich nah. Fast wie das männliche Pendant zu einer balladesken Ina Müller klingt er ("Ich Mach Meinen Frieden Mit Mir", "Es Tut Weh Dich So Zu Sehen", "Guten Morgen Anna"). Textlich verarbeitet er ebenso sämtlichen Herz- und Heimatschmerz. Wie die Müller zeigt Strate Hang zu pop-unüblichen Klangmitteln wie Mundharmonika, Glockenspiel, Banjo oder Kazoo, wenn auch keines die Top-Position seiner Akustik-Klampfe anficht. Obwohl das Endergebnis nun nicht nach überbordender Inspiration klingt, probiert Strate sich immerhin aus.

An den Uptempo-Stücken scheiden sich dennoch die Geister. Stehen auf der einen Seite locker-flockige Popnummern wie "Wo Ist Mein Zuhause Wenn Nicht Hier", die ein bisschen ostfriesische Lockerheit versprühen, setzt es andererseits Stücke wie "Die Tür Ist Immer Offen" auf die Ohren, die genau so gut schlechte Godoj-Bohlen-Revolverheld-Balladen sein könnten. Die leisen Töne stehen diesem Alleingang deutlich besser.

Eine gute Entscheidung Strates war es weiterhin, seine "Die Welt Steht Still"-Röhre im Bandbus zu lassen. Die trieb seine Stimme in nervtötende Sphären, auf seinem Soloausflug bleibt er aber bodenständig und sanft mit seinen Vocals ("Gespenster"), die häufig intime Texte singen. Johannes Strate schrieb seine Solostücke on Tour mit seinen Helden, empfand sie dann aber als zu persönlich, um sie dem breiten Fanspektrum vor die Füße zu werfen.

So war es sicherlich ein kluger Schachzug, dieses Soloalbum zu veröffentlichen, klanglich gar nicht mal ein schlechter. Die Teenie-Zielgruppe der Revolverhelden dürfte sich bei diesem Intimchen jedenfalls nicht angesprochen fühlen. Das poliert zumindest Strates Ruf. Er selbst stellt klar: "Das hier ist ein Ausflug für mich, etwas, was mir am Herzen liegt, nicht jedoch das Ende von Revolverheld." Schade eigentlich.

Trackliste

  1. 1. Ich Mach Meinen Frieden Mit Mir
  2. 2. Die Tür Ist Immer Offen
  3. 3. Es Tut Weh Dich So Zu Sehen
  4. 4. Wenn Es Um Uns Brennt
  5. 5. Gespenster
  6. 6. Die Zeichen Stehen Auf Sturm
  7. 7. Guten Morgen Anna
  8. 8. Wo Ist Mein Zuhause Wenn Nicht Hier
  9. 9. Du Kannst Streiten Und Schreien Bis Die Welt Untergeht
  10. 10. Du Bist Mit Dir Allein
  11. 11. Wie Waren Viel Zu Leise Und Die Welt War Viel Zu Laut
  12. 12. An Rosalinde

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