laut.de-Kritik

Mehr Emotion in fünf Minuten als bei Bryan Adams in 30 Jahren.

Review von

Joe Bonamassa hat es trotz eines guten Dutzends eigener Alben nicht gerade leicht. Während der popkulturelle Jugendwahn Jagger und Richards bereits mit Mitte 30 nahe legte, langsam in Rockrente zu gehen, stehen die Vorzeichen im Blues stets anders gewandt.

In einem Genre, das es noch 90-jährigen Größen ermöglicht, inspirierte Gigs zu spielen, gilt der knapp 35-jährige New Yorker den meisten noch immer als eine Art Wunderkind und Schüler. Einmal mehr gibt der mit Abstand kompletteste Blueser seiner Generation die ungerührte Antwort auf dem Platz - beziehungsweise seiner neuen CD "Driving Towards The Daylight".

Durch die Finsternis ins Licht? Perfekt passender Titel. So gleitend wie die Tagundnachtgleiche fließt der Bonablues atmosphärisch durch sein schillerndes Flussbett, von ursuppigem Delta bis hin zu rotzigem Blue Eyed Rock. Die erneute Wahl von Kevin 'The Caveman' Shirley als sehr weißem Producer (unter anderem Brave New World oder Silverchairs) birgt gleichwohl keine befürchtete Rockismusgefahr.

Im Gegenteil: Bonamassas Erdung im spirituellen Blues der ganz alten Schule ergänzt sich hervorragend mit dem opulenteren Shirley-Sound. Der Caveman hält sich zurück. Wohl wissend, dass hier am Ende zwar eine Art geschwärzter Rory Gallagher herausspringen darf, jedoch niemals der knödelige Gary Moore.

Das mag im Ergebnis in nicht wenigen Ohren grenzwertig klingen. Bei "A Place In My Heart" kriegt der gute Joe gerade noch eben die gesangliche Kurve, bevor das Lied mit seinen "Brothers In Arms" auf den "Parisienne Walkways" landet. Doch solche kleinen Ausrutscher sind dünn gesät. Die meiste Zeit bewegt sich der Klang auch in seinen 80er-Momenten auf dem Niveau eines Stevie Ray Vaughan anno 1983. Nur eine Spur zeitgemäßer.

Unter den elf Tracks befinden sich diesmal leider nur vier Eigenkompositionen. Dabei kann man dem dramaturgischen wie melodischen Talent inzwischen nahezu blind vertrauen. "Dislocated Boy" klingt ein wenig Richtung Stones go Steppenwolf. Der Titelsong ist fast schon eine AOR-Nummer. Doch Bona zeigt in in diesen fünf balladesken Minuten mehr Emotion als etwa Kitschkönig Bryan Adams in den vergangenen dreißig Jahren. Mit "Heavenly Soul" haut er dann noch ein krachendes Rock-Ass aus dem maßgeschneiderten Ärmel. Absoluter Live-Abräumer.

Die unverzichtbaren Cover machen indes nicht weniger Spaß. Wahrlich geglückte Auswahl. Tom Waits' "New Coat Of Paint" poliert er im reinsten Wortsinne auf. Heraus kommt ein atmosphärisch vollkommen neues Lied. Polarisierend und für Waitsianer provokant interpretiert. Künstlerische Glanzleistung.

Die Howlin' Wolf-Hommage "Who's Been Talking?" versteckt ihr stimmliches Selbstwertgefühl ebenfalls nicht hinter dem eingehaltenen Respekt vor dem Altmeister. Und dem alten Bill Withers-Heuler "Lonely Town Lonely Street" hört man deutlich an, dass Shirley schon 1975 bei Deep Purple ("Come And Taste The Band") mehr als nur einen Soundfinger im Spiel hatte.

Damit hat Bonamassa den ehemaligen Lehrmeister und jetzigen Kumpel Clapton endgültig überflügelt. Letzterer huldigt in fossilem Zombietum dem künstlerisch ebenso intoleranten wie rückwärts gewandten Tunnelblick eines Wynton Marsalis. JB hingegen öffnet alle Schleusen, um Genres in Tradition wie Moderne harmonisch zu vermählen. Ein bedeutender Schritt in der Entwicklung dieses sensiblen Könners.

Trackliste

  1. 1. Dislocated
  2. 2. Stones In My Passway
  3. 3. Driving Towards The Daylight
  4. 4. Who's Been Talking?
  5. 5. I Got All You Need
  6. 6. A Place In My Heart
  7. 7. Lonely Town Lonely Street
  8. 8. Heavenly Soul
  9. 9. New Coat Of Paint
  10. 10. Somewhere Trouble Don't Go
  11. 11. Too Much Ain't Enough Love (with Jimmy Barnes)

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