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Träge wummert der Analogsound aus einem dieser Vintage-Synthies, zwei Akkorde schälen sich wie in Zeitlupe heraus, ziehen das Tempo an und münden in einem zerhackstückten Beatgewirr. An die samtweiche Hot Chip-Hymne "Boy From School" erinnert höchstens noch der charakteristische Zweistimmengesang von Alexis Taylor und Joe Goddard.
Niemand außer everybody's indie darlings Hot Chip kämen zur Zeit mit solch einem zähen Pop-Bastard durch, der an mit Breakbeats unterfütterte Human League-Brocken der späten 70er erinnert. Aber verstanden sich die Londoner Klangforscher nicht eh seit jeher als Geschichtslehrer, die auf ihrem letztjährigen "DJ Kicks"-Beitrag gar Gabriel Ananda an Ray Charles reihten? Eben.
Da passt es ins Bild, dass sich Taylor und Goddard auf ihrem dritten Studioalbum nun schon die Dreistigkeit erlauben, einen Song für eine Art Schul-Durchsage - Achtung! Achtung! - einfach in der Mitte anzuhalten ("Shake A Fist"), um den Hörer anschließend über alle weiteren Schritte zu informieren. Na klasse: Tanzen, aber bitte erst den Beipackzettel lesen, oder wie?
Eine Metapher, die man mühelos auch aufs ganze Album übertragen kann, denn mit der auf "The Warning" lieb gewonnenen Kraft der ganzheitlichen Hot Chip-Hypnose mittels konzeptueller Homogenität ist es vorerst leider vorbei.
"Made In The Dark" hinterlässt einen erstaunlich aufgedrehten Eindruck, wirkt streckenweise holprig bis überfrachtet, nur um immer mal wieder genau jene Glücksgefühle auszusenden, nach denen seit zwei Jahren Indierocker, Elektrofuzzis, HipHopper und sonstige Styler süchtig sind.
Zweifellos belegt die hochklassige Elektro Pop-Vorabsingle "Ready For The Floor" mit Nachdruck, dass Hot Chip im Augenblick zu den kreativsten Erneuerern der Dancefloor-Beschallung zählen. Auch "Touch Too Much" empfiehlt sich als Clubtrack.
Die heimische Couch als idealer Hot Chip-Rezeptionsort hat indes nicht ausgedient: Mit der ausnehmend reduzierten Elektro-Folk-Ballade "Made In The Dark" betreten die Briten Neuland, hätten sich an späterer Stelle aber das spartanisch plätschernde "Whistle For Will" gern sparen dürfen, auch wenn es auf den gleichsam besonnenen, wieder mächtig Soul atmenden Abschied mit "In The Privacy Of Our Love" vorbereitet.
Als einer der seltenen Geniestreiche surrt "We're Looking For A Lot Of Love" ins Ziel - Harmonieführung, Songaufbau, Emotionen; jedes noch so kleine Kompositionsfragment ist hier akkurat am richtigen Platz. Eine süße Ruhepause, die nach dem vollgesampelten "Bendable Poseable" auch dringend notwendig war.
In alter "Over And Over"-Manier leiten die Grooves von "One Pure Thought" die zweite Albumhälfte ein, das von Funkriffs und Percussions angetriebene und neben dem Opener ebenfalls live eingespielte "Hold On" lässt dann bis auf den Schlusstrack schon ein letztes Mal das Können der Stilvirtuosen aufblitzen.
Keine Frage: Die einst von Tricky für sich proklamierte Definition des Pop-Terroristen trifft längst auch auf die Dance-Banger Hot Chip zu. Ihre Sprengladung detoniert allerdings mit einer solchen Wucht, dass die Klasse ihres letzten Albums und einiger Remixes (Gorillaz' "Kids With Guns") im lärmenden Getöse verloren geht.
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