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Mit "Hymns In The Key Of 666" haben Hellsongs 2008 den schnurrigen Lounge-Metal erfunden. Für die einen sind die Singer/Songwriter-Variationen gestandener Metal-Klassiker eine überfällige Offenbarung.
Viele True Metaller - ausgestattet mit dem eher limitierten Humorpotential des skandinavischen Schneehuhns - fühlten ihre Musik eher kastriert. Doch solche Unkenrufe stören die Göteborger Jungspunde zum Glück nicht.
Mit dem zweiten Album "Minor Misdemeanors" dekonstruieren Hellsongs erneut neun wackere Heavy-Hymne. Die erste Eigenkomposition darf man ebenfalls bestaunen. Dieses Konzept ist nicht ohne Risiko, denn auch der beste Witz zündet oft nur beim erstmaligen Hören.
Andererseits haben Bands wie beispielsweise Apocalyptica, die sich von ihren beliebten Coverversionen größtenteils verabschiedeten, in den vergangenen Jahren auch lediglich allzu routiniert konventionelle Lieder abgeliefert.
Am Ende kommt es auf die musikalische Leistung an. Und hier überzeugt das Trio größtenteils. Ein paar kleine Wermutstropfen bleiben dennoch nicht aus. Seit rund anderthalb Jahren singt nicht mehr Harriet Ohlsson, sondern die ehemalige Background-Vokalistin Siri Bergnéhr.
Diese Umbesetzung am Mikro hat sich aber zum Glück nicht negativ ausgewirkt. Im Gegenteil: Das Temperamentbündel aus dem beschaulichen Dörfchen Söderköping hält mühelos die Balance zwischen energiegeladener Performance und den introvertierten Parts.
Los gehts mit Slayers "Skeletons Of Society" von "Seasons In The Abyss". Das geht so catchy folkig ab und konterkariert den gewohnt derben Text herrlich. Maidens "Heaven Can Wait" erreicht mit harmlosem Girlpop dagegen nicht ganz die Intensität des Originals. Ebenso wirken "Welcome To The Jungle" (Gunners) und das trendy Mariachi lastige "School's Out" (Old Alice) eher beliebig, ja geradezu ungewohnt langweilig. Solch wenig inspirierte Interpretationen von ohnehin abgenudelten Gassenhauern kennt man bereits von derzeitig grassierenden Country-Coverbands. Da hätte mehr kömmen müssen, um den Elch hinterm Ofen vorzulocken.
Aber keine Angst! Sie können es besser. Panteras "Walk" verliert bei den Schweden seine Brutalität, das lässige Akustik-Lounge-Kleid steht dem Track sogar unerwartet gut. Blackie Lawless muss auch zweimal hinhören, wenn er seinen 80er Klopper "I Wanna Be Somebody" erkennen möchte. Der Glam bleibt, aber die drei Höllensänger machen den Song gewitzt zum swingend-souligen Jazzstandard à la Nina Simone. Ohrwurmgefahr!
Das von Gitarrist Kalle Karlsson geschriebene "Rubicon Crossings" sollte an keinem nächtlichen Lagerfeuer fehlen. Respektable Eigenkomposition! Das Bon Scott Referenzstück "Sin City" reinigen die Wikinger hernach komplett vom maskulin triefenden Testosteron.
Mit lasziver Chuzpe krempelt Siri das Lied zum weiblichen Baggersong um. Doch der echte künstlerische Höhepunkt kommt zum Schluss. Die Hellsongs sind immer dann am besten, wenn sie die rockende Vorlage mit typisch nordischer Melancholie zur berührenden Kammermusik modellieren.
Skid Rows etwas käsiger Hair Metal-Chartstürmer "Youth Gone Wild" von 1989 steckt voll berückend desillusionierter Resignation. Wild? Fehlanzeige! Ein sensibler Trauersong für die verbitterte Globalisierungsjugend des neuen Jahrtausends. Das klingt besser als das Original.
Ähnlich ergeht es Priests 30 Jahre altem "United". Im Vereinten Königreich ist die tolle Hymne aus der NWOBH-Ursuppe leider zum tumbem Fußball/Rugby-Schlachtgesang verkommen. Hier erblüht sie zum dramatischen Franz Schubert-Klavierstück. Zart wie Seide, zerfetzt wie Spinnweben im Sturm.
Das Album pendelt hin und her zwischen emotionaler Topklasse und ein paar Banalitäten, zu denen der Albumtitel unfreiwillig hervorragend passt. Das Potential der Hellsongs kann man hingegen nicht hoch genug einschätzen. Hoffentlich stellen sie für das dritte Werk die richtigen Weichen.
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