- Top 100
- Redaktionsempfehlungen
- Zuletzt gehört
Format
Playlist
Aktuelle Sendung
SeitHomepage:
Nachdem bereits in den 70er Jahren mit den Scorpions und Accept Hardrock Bands aus Deutschland internationale Meriten sammeln können, schickt sich in den 80ern eine ganze Armada harter Jungs an, die Welt zu erobern. Darunter auch Helloween aus Hamburg.
Die Geschichte der Gruppe geht bis in die frühen 80er Jahre zurück, als Gitarrist/Sänger Kai Hansen und Gitarrist Piet Sielck (später bei Iron Savior und Savage Circus) bei einer Band namens Gentry unterwegs sind. Diese nennt sich später Ironfist. Mit dabei sind fortan auch Basser Markus Grosskopf und Drummer Ingo Schwichtenberg. Eigentlich ist Michael Weikath ursprünglich daran interessiert, Kai in seine eigene Band Powerfool zu lotsen, er kündigt dann aber seinen Job bei ebendiesen und heuert bei Gentry an (Piet ist inzwischen abgewandert), die sich kurz danach in Helloween umbenennen.
Das damals noch ziemlich winzige Label Noise Records veröffentlicht zwei Songs ("Oernst Of Life" und "Metal Invaders") auf dem "Death Metal"-Sampler (!) und entschießt sich nach den positiven Reaktionen, die junge Band unter Vertrag zu nehmen. Der Stil der Hamburger ist damals repräsentativ für viele aufstrebende junge Musiker. Härter und schneller soll es sein, aber mit einer gehörigen Portion Melodie und technischer Raffinesse. Lauscht man heute den Klängen des ersten kompletten Longplayers, "Walls Of Jericho", fällt sofort das speedige, aber nichtsdestotrotz sehr filigrane Leadgitarrenspiel der zwei Klampfer auf, das deutlich von Bands der New Wave Of British Heavy Metal (NWOBHM), wie Judas Priest, Saxon und Iron Maiden beeinflusst ist.
Auf der ersten ausgedehnten Tour stößt Kai Hansen schnell an seine Grenzen. Er fühlt sich durch die Doppelbelastung mit Gesang und Gitarrespiel überfordert, und so macht man sich auf die Suche nach einem geeigneten Sänger. Zwischenzeitlich ist der ehemalige Tyran Pace-Fronter Ralf Scheepers im Gespräch, der später auch in die engere Auswahl für die Nachfolge von Rob Halford bei Judas Priest kommen soll. Den Job bekommt schließlich Michael Kiske, der damals gerade einmal zarte 18 Lenze zählt. Was der aber stimmlich drauf hat, ist mehr als beeindruckend. Das erste Album mit Kiske am Mikro wird somit der Metal-Knaller des Jahres 1987 schlechthin. Helloween können sogar Verkaufserfolge in Japan und den USA vorweisen und werden von MTV auf die Headbanger's Ball-Tour mit Armored Saint und Grim Reaper eingeladen.
Ursprünglich als Doppelalbum geplant, aber von Seiten der Plattenfirma gecancelt, veröffentlichen die Kürbisköpfe den zweiten Teil der Saga ein Jahr später. Stilistisch ist vom Speed Metal der Anfangstage nicht mehr so viel übrig geblieben, Power hat das Zeugs aber allemal. Zum Entsetzen der meisten eingefleischten Fans gibt's mit "Dr. Stein" eine Top Ten-Single inklusive Auftritt in der ZDF-Hitparade! Auch MTV holen die Hanseaten für die nächste Headbanger's Ball-Tour wieder über den Teich und schickt sie diesmal mit den Thrashern von Anthrax und Exodus los.
Im Dezember '88 trennt sich Kai Hansen von Helloween, da er mit der musikalischen Entwicklung nicht mehr einverstanden ist. Nach "Keeper Of The Seven Keys Part II" und der Tour im Vorprogramm von Iron Maiden ist für ihn Schluss. Er gründet seine eigene Band Gamma Ray, die wiederum einiges speediger zu Werke geht. Viele Fans hoffen, dass der kleine Rotschopf den Gesang wieder selbst übernimmt, jedoch präsentiert Kai als Sänger tatsächlich Ralf Scheepers. Seinen verwaisten Posten bei Helloween nimmt Roland Grapow ein, der auch schon für den Rest der Keepers II-Tour mit der Band auf der Bühne steht. Nach der Tour erscheinen insgesamt drei Live Alben. "Live In The UK" in Europa, "Keepers Live" in Japan und "I Want Out Live" in den Staaten.
Danach brechen für die Band schwere Zeiten an, da sie sich, wie die meisten anderen bei Noise unter Vertrag stehenden Bands auch, von ihrem Label trennen wollen, aber noch gebunden sind. Sie unterschreiben bei EMI, brechen damit aber ihren Deal und müssen, nachdem sie vor Gericht den Kürzeren ziehen, an Noise nicht nur einiges an Kohle abdrücken, sondern dürfen außerhalb von Europa und Japan zunächst nichts mehr veröffentlichen.
Das erste Album nach der Zwangspause ("Pink Bubbles Go Ape") erfüllt die Erwartungen der Fans nicht im Geringsten, was sich auch an geringer werdenden Verkaufszahlen ausmachen lässt. Hinzu kommt, dass erste Streitigkeiten über die musikalische Entwicklung offen ausbrechen. Die folgende Scheibe ("Chameleon") wartet mit hymnenhaften Songs auf, die in Richtung Queen tendieren. Die sowieso schon großen Problemen zwischen den Mitgliedern werden auch nicht kleiner, als Ingo Schwichtenberg unter dubiosen Umständen die Band verlässt, weil er mit seinen Depressionen nicht mehr klar kommt.
Für Michael Kiske, der den Sound von "Chameleon" maßgeblich beeinflusst, scheint es bei Helloween keine Zukunft mehr zu geben, weshalb sich ihre Wege trennen. Sein Nachfolger ist Andi Deris, der bis dahin bei den Karlsruhern Pink Cream 69 am Mikro steht und als Sänger und Entertainer eine gute Figur abgibt. Auf dem Drum-Hocker lässt sich der von Gamma Ray gekommene Uli Kusch (Ex-Holy Moses) nieder. In dieser Besetzung spielen sie "Master Of The Rings" ein, das wieder deutlich back to the roots geht. Vertraglich sind sie inzwischen bei Castle Communications gelandet. Auch das '96 erscheinende "Time Of The Oath" zeigt alle Stärken der Band auf, ist jedoch von Ingos Selbstmord überschattet, der sich am 8. März 1995 vor einen Zug wirft. Die Platte widmen sie dem verstorbenen Drummer.
"Time Of The Oath" bringt Helloween zurück auf die Metal-Landkarte und das Album wird zum größten Erfolg seit "Keeper II". Touren mit Bruce Dickinson und Skin folgen, ehe sich die meisten der Mitglieder an Soloprojekte wagen. Sie veröffentlichen die Scheibe "High Live" und auch Kiske kommt mit seiner ersten Solo Platte "Instant Clarity" ums Eck. 1997 folgt Roland Grapows "The Four Seasons Of Life" und auch Andi geht mit "Come In From The Rain" eigene Wege. Bevor es mit "Better Than Raw" wieder neues Studiomaterial gibt, kommt noch die "Pumpkin Box" raus, die neben drei CDs mit Material von '85-'93, auch noch eine vierte CD mit Interviews enthält und somit eher etwas für echte Fans ist.
Dann stehen schon wieder Solo Ausflüge auf dem Programm. Roland legt mit "Kaleidoscope" und Andi mit "Done With Mirrors" nach, Basser Markus überrascht mit "Shockmachine" und Drummer Uli mit dem Rainbow-Tribute Album "Catch The Rainbow". 1999 nehmen Helloween ein Album mit Coverversionen auf ("Metal Jukebox"), mit dem sie ihren Helden aus den 60ern, 70ern und 80ern huldigen. Als da wären: Scorpions, The Beatles, Faith No More oder Jethro Tull.
Bei den Arbeiten zum recht düsteren "The Dark Ride" übernimmt Roland den Großteil der Kompositionen, findet aber - von Uli abgesehen - nur wenig Gegenliebe von Seiten der anderen. Somit kommt es nach der Tour - die Helloween zum ersten Mal auch nach Russland führt - zum Split, weswegen sich Roland und Uli davon machen, um ihre eigene Band Masterplan zu gründen. Auf der Suche nach neuen Mitgliedern stoßen Helloween auf Drummer Mark Cross und Gitarrist Sascha Gerstner (Ex-Freedom Call). Doch Mark erkrankt am Barr Epstein-Virus und kann nur noch die Drumpilots einspielen. Auch Sascha stößt erst bei den Aufnahmevorbereitungen zur Band, steuert aber drei Songs zur Platte bei.
Die Drums knüppelt schließlich Mikkey Dee von Motörhead ein und verpasst "Rabbit Don't Come Easy" einen mörderischen Kick. Die B-Seiten der veröffentlichten Singles, trommelt Stefan Schwarzmann (Ex-Running Wild) ein. Nach der Tour durch ganze Südamerika, den Abstechern mit Jag Panzer und Beyond The Embrace druch die USA und den Europagigs mit Rage, geht es etwas später noch mit DragonForce nach Japan. Während der Vorbereitungen zur LP "Keeper Of The Seven Keys - The Legacy", die Ende Oktober 2005 erscheint, verlässt Schwarzmann die Band und Dani Löble (Ex-Blaze/Rawhead Rexx) schwingt von nun an die Stöcke.
Ex-Kürbiskopf Michael Kiske macht sich derweil in der Metalwelt reichlich unbeliebt, weil er auf seiner Homepage ein paar Essays veröffentlicht, in denen er den Metalfan als Deppen darstellt und den Metal als allgemein destruktiv und böse. Er schließt aus, jemals wieder mit Helloween zusammen auf einer Bühne zu stehen. Während Kai Hansen sich noch eher gemäßigt über Kiskes Äußerungen zu Wort meldet, hat Michael Weikath für seinen Ex-Sänger kaum mehr gute Worte übrig. Viel lieber lässt der die Musik sprechen und veröffentlicht Ende Oktober "Keeper Of The Seven Keys - The Legacy".
Das Album knüpft stellenwiese tatsächlich an die beiden ersten Keeper-Alben an, erreicht deren Niveau zwar nicht ganz, kommt aber bei Fans hervorragend an. Der Verdacht, dass man hauptsächlich mit dem Titel Werbung machen will, drängt sich allerdings auf, vor allem wenn man das eher mäßige Coverartwork betrachtet.
Im Herbst geht es zusammen mit Primal Fear auf Tour durch Europa. Die Tour zieht sich insgesamt über drei Kontinente und wird entsprechend auch auf CD und DVD in Form von "Keeper Of The Seven Keys - The Legacy World Tour 2005/2006 - Live On 3 Continents" festgehalten.
Doch auch an neuem Material arbeiten die Hanseaten. Im Oktober 2007 legen sie ihr Album "Gambling With The Devil" vor. Einen Rückblick der anderen Art verspricht "Unarmed - Best Of 25th Anniversary" (2010), denn in dieser Compilation spielen die Hamburger einige ihrer Songs neu ein, teilweise mit radikal veränderten Arrangements.
Nur wenig später legen sie bereits mit dem nächsten Studioalbum "7 Sinners" nach und zeigen sich von ihrer härteren Seite. Zumindest musikalisch, denn menschlich sucht man eher wieder den Kontakt zu den alten Weggefährten und stellt letztendlich sogar eine gemeinsame Tour mit Gamma Ray auf die Beine. Während sich Kai Hansen mittlerweile sogar wieder mit Michael Kiske bestens versteht (beide spielen bei Unisonic), scheinen zwiscchen Kiske und Weikath die Fronten nach wie vor leicht verhärtet zu sein.
Letztendlich kann das Helloween aber egal sein, denn in Sachen Alben bleiben sie auch weiterhin auf Erfolgskurs und legen Anfang 2013 erst einmal "Straight Out Of Hell" vor.
Drummer Dani Löble über seinen Job als badischer Helloween-Schlagzeuger.
Viele werden sich bestimmt noch an die Rage-Nummer "Straight To Hell" erinnern, die es sogar in den Film "Der Schuh Des Manitu" geschafft hat. Sollten Rage noch auf dem Weg in die Hölle sein, könnten ihnen da mit Vollgas Helloween entgegen brettern, die sich zum Jahresbeginn 2013 mit "Straight Out Of Hell" zurück melden. Höchste Zeit also, den Rechner anzuwerfen und Drummer Dani Löble zum Gespräch zu bitten.
Skype ist eine feine Sache. Nicht nur, dass sich die Kosten den Telefonats komplett vermeiden lassen, man kann seinen Gegenüber sogar ins faltige Angesicht blicken. Damit muss Dani nun eben umgehen und scheint die ein oder andere Runzel sogar wieder zu erkennen.
Hey, wir haben doch schon mal ein Interview gemacht. Hatte das irgendwas mit Pro 7 oder so zu tun?
Naja nicht direkt. Wir haben das zu "Gambling With The Devil" in Berlin während der Popkomm gemacht. Das war in dem Hotel, wo Abends noch irgendein Promi-Ball von Pro 7 stattfand.
Ja, jetzt erinnere ich mich. Du warst einer von denen, die tatsächlich mal interessanten und guten Fragen ankamen und nicht mit dem üblichen blabla.
Na wenn du meinst. Dann muss ich den guten Eindruck aber gleich mal wieder zerstören. Ich hab während der Vorbereitung zu dem Interview nämlich gesehen, dass du gebürtiger Schweizer bist.
Ja, aber wirklich nur geboren. Aufgewachsen bin ich in Deutschland.
Ok, aber ich hatte dich, aus welchem Grund auch immer, als einen von uns abgespeichert, nämlich als Schwobeseckl.
Moooment, das geht ja nun wieder gar nicht! Ich bin aus Baden und wohne da auch noch. Kaum im Interview, schon gehen die Beleidigungen los (lacht). Allerdings ist die Grenze zu Württemberg auch nur ein paar Kilometer entfernt. Aber alles was nördlich von hier ist, ist Norddeutschland oder fast schon Dänemark. Dafür gehört Baden für die ganzen Hamburger quasi schon zu Norditalien. Wir sind da geographisch flexibel. Aber ich fühl mich hier recht wohl, zumal ich begeisterter Skifahrer bin.
Oha, darf man das als professioneller Drummer denn? Bei mir schlagen alle immer die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie hören, dass ich als Bassist mit Vorliebe Basketball und Volleyball spiele.
Na, das sind ja die idealen Sportarten, um sich die Finger zu brechen (lacht). Aber wenn ich ehrlich sein soll, dann muss ich mir im Moment das Skifahren auch verkneifen. Gerade jetzt, wo die nächste Tour ansteht, kann ich das nicht bringen. Da brauchst du die Kohle von einem Michael Schuhmacher, der für so was die Versicherung zahlen kann. Aber davon sind wir weit entfernt. So Sachen wie der Hetfield früher, der sich beim Skaten auf die Schnauze gelegt und den Arm gebrochen hat, das kannst du heute nicht mehr bringen. Aber irgendwo gehört so etwas auch zur Lebensqualität. Man kann sich ja nicht nur auf das Arbeiten oder das Musikmachen fokussieren. He, nicht abschweifen und nebenher Pornos schauen!
Von wegen Pornos, ich werfe nur hin und wieder einen Blick auf meinen Fragenzettel, ich geh ja nicht vollkommen planlos an das Interview, auch wenn man das meinen könnte. Wenn du schon Skifahren erwähnst, wie hältst du dich denn fit als Drummer?
Schon mit Sport. Ich hab hier um die Ecke ein Fitness-Studio in das ich regelmäßig gehe. Mein Tag fängt in aller Regel so an, dass ich morgens trainiere und mich dann um die restlichen Dinge kümmere, die so anstehen. Es gibt ja nicht nur Musik und Bands, sondern auch noch Familie und Privatleben. Außerdem gebe ich auch hin und wieder noch Schlagzeugunterricht.
Als Drummer hat man ja immer die meiste körperliche Arbeit in der Band und du bist einer, der mit einem ordentlichen Punch, aber auch jeder Menge Dynamik arbeitet. Auf "Straight Out Of Hell" ist der Opener "Nabatea" sieben Minuten lang, aber ihr habt auch einige Stücke, die gerne mal 15-20 Minuten dauern. Wo wäre denn das Limit an dem du sagst: 'Mädels, ihr habt wohl nen Schatten! Hier muss ein Akustikpart rein, sonst kipp ich vom Stuhl.'?
Na soweit sind wir zum Glück noch nicht (lacht). Es ist ja nicht so, dass wir in den epischen Songs immer nur mit Vollgas nach vorne durchballern würden. Gerade diese Nummern zeichnen sich doch durch gravierende Stimmungs- und Tempiwechsel aus. Da besteht wenig Gefahr, dass ich vom Hocker falle. Zumal ich ja auch darauf achte, dass ich mit meinem Spiel variabel bleibe und nicht nur den typischen Power Metal-Max hinter der Schießbude mache.
Ich weiß, was du meinst. Mir ist das neulich erst bei der Review zu letzten Gamma Ray-DVD aufgefallen. Dan Zimmermann ist durchaus ein guter Drummer, aber im Prinzip rattert da halt bei jedem Song, außer den Balladen, die Double-Kick durch.
Ich versteh das auch nicht, warum sich viele Drummer damit schon zufrieden geben. Das verliert doch ganz schnell seinen Reiz. Sowohl beim Hören, als auch beim Spielen. Aber das ist mir in den letzten Jahren leider auch auf Tour immer wieder aufgefallen, dass es nur sehr wenige, wirklich gute Drummer gibt. Einer von zehn ist bemerkenswert und einer von 20 wirklich exzellent. Und was man leider auch immer wieder feststellen muss, ist dass viele die Sachen gar nicht spielen können, die sie anscheinend im Studio fehlerfrei hinbekommen haben (lacht).
Boah, da fragst du mich jetzt was (überlegt eine ganze Weile) also spontan fällt mir da Tommy Clufetos ein, der bei Rob Zombie, Ozzy und jetzt auch Black Sabbath spielt. Der Junge ist echt tierisch! Und wer auch noch bärenstark ist, ist der George Kollias von Nile. Der ist einfach nur krass schnell und dennoch präzise. Aber sonst haste mich grad echt auf dem falschen Fuß erwischt mit der Frage.
Ich bin ja riesiger Fan von Gene Hoghlan.
Klar, aber der ist doch kein junger Drummer mehr (lacht).
Nein schon klar, aber der ist halt ein absolutes Tier und wen ich auch gnadenlos unterschätzt finde, ist Van Williams, den früheren Nevermore-Drummer.
Den hab ich neulich erst noch getroffen. Wo war das noch ... ach ja in Japan. Ja der ist auch echt gut und vor allem ein sehr netter Kerl. Aber wer auch noch total unterschätzt wird, ist der Drummer von Helloween!
Echt, findeste? Naja, er gibt sich Mühe, hahaha. Aber mal im Ernst, was du vorhin schon angesprochen hast, lässt sich auf dem neuen Album sehr schön nachhören. Das ist nicht das typische Power Metal-Geballer mit Double-Kick bis zum abwinken, sondern dein Spiel ist enorm variabel und oftmals auch überraschend und ungewöhnlich. Mir fiel da vor allem "Asshole" auf. Da spielst du im Refrain ja einen sehr swingenden Rhythmus mit den Füßen.
Ja, das ist ein Shuffle. Da gibt es ein paar US-Drummer, die das richtig geil können, wo wir wieder bei Tommy Clufetos und Rob Zombie wären. Ich saß da ganz schön lange dran, dass das Ding auch cool, locker und relaxt klingt und eben nicht wie irgendein Deutscher, der versucht so was krampfhaft nachzuspielen. Das benötigt schon eine gewisse Übung aber wenn ich die Sachen von den anderen Jungs zugeschickt bekomme, dann arbeite ich die Stück für Stück aus und so Kleinigkeiten sind dabei dann eben das Salz in der Suppe.
Ich entnehme dem, dass ihr auch nicht gerade eine Band seid, die im Proberaum sitzt und gemeinsam an Songs feilt und die Parts gemeinsam ausarbeitet. Wie weit stehen denn die Songs, wenn es ins Studio geht?
Also was meine Patterns angeht, eigentlich zu 100 Prozent. Klar, wird hier und da auch mal noch ein wenig ausprobiert, wie ein bestimmter Part mit dem oder dem klingt. An der Gitarre oder Gesang dreht man auch mal am Arrangement, aber im Prinzip gehe ich bestens vorbereitet ins Studio und nehme meine Sachen auch ohne Klick auf. Ich bekomm vier Vorzähler vom Tempo her, aber dann stellt der Charlie (Bauerfeind, der Produzent der Scheibe) den Klick aus und ich zock einfach drauf los, ohne Klick und ohne Musik. Wenn man genau hin hört, merkt man auch, dass da immer mal wieder leichte Schwankungen drin sind, aber ich bin nun mal ein Mensch und keine Maschine. Die meisten Bands wollen, dass alles ganz genau im Timing ist, programmieren das, oder lassen das digital nachbearbeiten. Das ist für mich aber kein Rock'n'Roll mehr. Auch wenn ich es nachvollziehen kann, dass das eine schnellere und entsprechend auch preiswertere Alternative ist. Ich spiel halt zu jeden Song ein paar Takes durch und der beste wird genommen. Klar verwenden wir auch Pro-Tools, aber eben im Rahmen. Aber Studiozeit ist teuer und das kann sich nicht jeder leisten.
Das ist ein Punkt, den ich absolut nachvollziehen kann. Womit ich meine Probleme habe, ist wenn vor allem live ständig getriggert wird.
Ehrlich? Wieso? Ich benutze live auch Trigger, aber das hat auch den simplen Grund, dass der Mischer die deutlich besser auf die Monitore mischen kann. Die anderen Jungs rennen ja ständig über die Bühne oder haben In-Ear-Monitoring und da ist es eben deutlich einfacher, die Signale von den Triggern auf die Monitore zu geben um den Sound besser zu regulieren.
Ok, das kann ich nachvollziehen, aber wenn ich zum Beispiel so ne technische Death Metal-Band sehe, bei der dich das Schlagzeug live beinahe gegen die Wand drückt, der Drummer die Snare aber nur streichelt und die Hufen bei seiner Double-Kick-Orgie kaum bewegt, komm ich mir etwas verarscht vor.
Naja, selbes Problem wie oben. Bei der Geschwindigkeit und Technik von solchen Bands musst du halt mit kleinen Tricks arbeiten und wenn der Mischer nur das reine Signal der Mikrofone bekommt und das dann eben viel zu schwach ist, muss er eben mit den Triggern arbeiten. Bringt ja nix, wenn das Schlagzeug nicht gegen Gitarren und Gesang anstinken kann.
Och ne, nicht du auch noch (lacht). Das war doch alles nur Spaß. Der Andi und ich wir verstehen uns bestens. Immerhin sind wie beide Badener. Wir foppen uns halt immer gegenseitig mit blöden Sprüchen. Keine Ahnung, warum sich die Leute auf einmal drüber aufgeregt haben. Meistens hör ich das Gelaber von ihm gar nicht, weil ich Kopfhörer trage. Da ich kein Mikro habe, konnte ich mich früher während der Show kaum wehren, aber ich habe mir mit meinem Drumtech mittlerweile auch ein paar Schilder angefertigt, die ich dann immer hoch halte. Das ist ein Geben und Nehmen bei uns (lacht).
Sind Drummer die neuen Keyboarder?
WAS??? Na soweit kommt's noch (lacht). Nenene, das wollen wir mal schön ins Reich der Legenden abtun. Aber zwischen Andi und mir gibt es kein böses Blut. Wir teilen beide kräftig aus, was blöde Sprüche angeht.
Was mich noch interessieren würde, wie waren denn die Arbeiten an "Unarmed" für dich? War das was Anderes? Was Neues?
Ja auf jeden Fall! Gerade mit Orchester muss man ganz anders spielen. Ich habe zum ersten Mal gelernt, dass auch die Körperbewegung beim Spielen einen großen Einfluss auf das Ergebnis haben kann. Ich bin eigentlich ein reiner Metal-Drummer und mit einem klassischen Orchester zu spielen oder auch allein die Akustiksachen, das waren neue Erfahrungen. Weil ich ja viele Songs bearbeiten musste, die ich im Original nicht eingespielt hatte. Das eine echt interessante und lehrreiche Sache und mir haben die Arbeiten an dem Album fast am besten von allen gefallen. Gerade, weil es mich auch als Musiker deutlich nach vorne gebracht hat.
Auf deiner Homepage hab ich gesehen, dass du offensichtlich auch an anderen Projekten arbeitest. Was genau, stand aber nicht dabei. Erzähl doch mal.
Ich hab gerade ein Album für die Band Artlantica X aufgenommen. Das sind der Savatage-Gitarrist Chris Caffery und der Royal Hunt-Sänger John West. (Außerdem Artension-Gitarrist Roger Staffelbach, Sadus-Basser Steve DiGorgio und Keyboarder Misheria) und das geht in die Richtung traditioneller Power Metal. Fand ich sehr geil und hab das in meinem kleinen Studio eingespielt. Ich werde immer mal wieder auch als Studiomusiker gebucht.
Gibt es irgendwas, wo du sagst, dass du das nicht spielen würdest und wenn, dann nur für die entsprechende Kohle?
Was heißt für die entsprechende Kohle ... ich sage nur für Sachen zu, die ich zum einen spielen KANN und die mir zum anderen gefallen. Wenn es nur ums Geld geht, dann kann ich auch einfacher wieder an die Musikschule gehen und Unterricht geben. Ich würde beispielsweise keine Fusion oder Jazz-Sachen einspielen, weil ich mich damit zu wenig auskenne und das eben nicht mein Stil ist. Bei Rock kommt es auch auf die Songs und die Band an, ob mein Spiel dazu passt, oder ob er das eher zertrümmert (lacht).
Irgendwie verständlich. Dann gib mir doch abschließend bitte noch einen Lesetipp.
Ganz klar "One Step Beyond" von Warren MacDonald. Der Autor erzählt darin von seinem Unfall, bei dem er in den Bergen beim Bergsteigen beide Beine verliert und mit diesem Verlust umgehen muss. Das ist echt der Wahnsinn, wieviel Kraft und Energie dieser Mann nach wie vor hat und wie gestärkt er aus diesem Schicksal hervor geht. Andere wären daran komplett zerbrochen. Mich hat das richtig fasziniert und auch inspiriert. Kann das wirklich nur jedem empfehlen.
Bassist Markus Grosskopf spricht über die Best Of, Unplugged Gigs und ignorante Medien.
Ein Vierteljahrhundert Power Metal mit Helloween! Solch ein Zeitraum ist kein Pappenstiel. Viele Höhen und weltweiter Erfolg wechselten sich mit den - zum Glück raren - tragischen Momenten in der Karriere der hanseatischen Band. Jetzt gehen auf Tour und präsentieren den Metalheads mit "Unarmed" ein Best Of-Potpourri voll neu eingespielter Helloween-Klassiker. Gründungsmitglied und Bassist Markus Grosskopf steht gern Rede und Antwort, mit der sprichwörtlichen Hamburger Gelassenheit berichtet er von alten Zeiten und neuen Herausforderungen für die Kürbisköpfe.
Moin Markus und herzlichen Glückwunsch zu 25 Jahren Helloween!
Dankeschön, sind schon ein paar Jahre, was?
Kann man wohl sagen. Ihr kommt ja auch eigentlich aus einer Zeit, den Achzigern, in der Metal noch so etwas wie das Schmuddelkind unter den Genres war. Hast du auch das Gefühl, dass sich das beträchtlich geändert hat?
Och, das war ja oft gerade das Schöne daran. Das Zerstören nicht vorhandener Erwartungshaltungen.
Vermisst man nicht auch das Gefühl ein bisschen, dass man heute nicht mehr so leicht provozieren kann?
Früher war diese Rock'n'Roll-Revolution noch ein bisschen größer, heute kannst du ja mit nichts mehr schocken. Aber es ist natürlich auch so: Wenn man das 25 Jahre so durchzieht, dann hält man das auch nicht durch. Eine Zeitlang ging das gut, alle späteren Bands hatten es in dieser Hinsicht automatisch schwerer.
Wie kam es damals überhaupt zu dem Bandnamen Helloween?
Ach das war eigentlich ganz unspektakulär, wir brauchten einfach einen Namen. Und da hat sich Ingo halt Helloween ausgedacht. Das war gar nicht so spannend. Es passierte einfach.
Das hat also keinen speziellen Hintergrund? Keine Symbolik?
Das war eigentlich alles, wir brauchten schnell einen zünftigen Namen für ein Produkt. (Lacht) Und wenn dann einer in der Band eine gute Idee hat, nimmt man das doch gern an.
Nun seit ihr ja neben den Scorpions, Rammstein und einigen wenigen anderen Bands ein weltweit bekanntes Aushängeschild für harte Musik made in Germany. Ihr findet in den Medien jedoch nicht in gleichem Maße statt, obwohl ihr letzten Endes genau so viele Scheiben verkauft habt weltweit. Nervt diese Vernachlässigung von der Medienseite?
(Energisch) Ich lass mich da gar nicht nerven. Letztens habe ich von einem Hamburger Sender zu hören gekriegt, Helloween wären irgendwie nicht relevant für den Sender. Trotz der Tatsache, dass wir als Hamburger Band seit 25 Jahren dabei sind. Auch, dass wir eine weitere Platte gemacht haben, die sie vielleicht mal spielen könnten, sei nicht relevant, weil wir in den ganzen Jahren zuvor auch nicht relevant waren. Wenn ich so eine Scheiße schon höre, dann denke ich mir, ist ja kein Wunder, wenn du immer die selbe Grütze spielst. Wenn es vor 25 Jahren relevant war, ist es das heute auch noch? Warum? Mir geht das dann aber am Arsch vorbei.
Ich habe auch keinen Bock, mich bei solchen Arschgeigen so anzubiedern. Es gibt schließlich noch genug Sender, die uns spielen. Rockantenne, und was es noch so gibt. Die geben sich noch Mühe. Die boxen so ihr Ständchen raus, wo sie das noch machen können, und das ist dann ok, da gehe ich dann auch gerne hin, aber ich bieder mich nicht an bei irgendwelchen Idioten, die mir solche Texte an den Kopf schmeißen. Da habe ich keinen Bock drauf, aber wir können gottseidank auch ganz gut ohne deren Unterstützung leben. Wir sind nicht darauf angewiesen.
Ihr könnt ja von euch behaupten, dass ihr schon Mitte der Achziger mit "Walls Of Jericho" und später mit dem ersten "Keeper Of The Seven Keys" Metalgeschichte geschrieben habt und eigendlich den Powermetal miterfunden oder zumindest hoffähig gemacht habt. Doch wenn ihr euch heute erfolgreiche junge Bands anschaut, wie zum Beispiel Edguy, denen du ja auch schon hilfreich den Bass gereicht hast - sind das für euch wirklich ernst zu nehmende Kollegen oder nur Epigonen?
Naja, mit der Weiterentwicklung ist das immer so eine Sache: Schau mal in den Neunzigern, wer sich da nicht zu dem Geschmack der Leute hin entwickelt hat, der wurde doch sowieso leicht belächelt. Man durfte ja keinen Metal mehr spielen, wie er ja mal gewesen ist. Es geht ja auch sicher immer um Weiterentwicklung, du bleibst ja sicher nicht stehen. Mit "Soundspeed", "Time" und "Dr Stein" haben wir trotzdem Titel, die viel härter sind, das ist ja schon ein relativ großes Feld für eine Metalband.
Nee, klar, ich meine ja auch gar nicht euch. Ich frage, wie ihr die junge Generation seht.
Gut, klar. Andere Bands haben sich natürlich auch entwickelt, auf die eine oder andere Weise. Bloß ganz weg von den Wurzeln darfst du nicht kommen, du wirst ja auch so schon als Verräter bezeichnet. Du machst das ja auch irgendwie aus dem Bauch. Und die machen es wahrscheinlich auch so, wie sie es denken und fühlen und am besten rüberbringen können. Ich denke, niemand will sich zu weit von den eigenen Wurzeln entfernen.
Ja gut, dafür hast du einen, der 18 Minuten lang ist.
Das stimmt, aber da muss ich dir sagen: Mit diesem merkwürdigen 'Klassik'-Track habe ich echte Probleme.
Du darfst es ja nicht an der Menge der Songs messen.
Nein, Markus, ich habe mich nur gewundert, weil Sachen von der "Walls of Jericho" so gut wie gar nicht vertreten sind. Die innovativste Phase bleibt außen vor?
Naja, dann hätten wir jetzt noch sechs oder sieben weitere Songs aufnehmen müssen. Es war natürlich auch begrenzt, da wir auch zum Alltag fortschreiten und zu der neuen Platte kommen wollten. Und das wird eher eine traditionelle Helloween-Scheibe. Wenn wir jetzt doppelt so viele Tracks eingespielt hätten, dann wäre das natürlich doppelt so lange geworden. Das ist ja nicht mal so eben nebenbei gemacht innerhalb von zwei Wochen. Das hat uns natürlich auch beansprucht. Und wenn wir jetzt doppelt so viel gemacht hätten, dann wären wir überhaupt nicht zum Songwriting gekommen. Da muss man einfach Kompromisse machen.
Harriet Olson als Duettpartnerin auf der Best Of war ja eine super Wahl ... Wie seid ihr denn auf die Hellsongs-Bande gekommen?
So, wie ich das mitgekriegt habe, hatten die sowieso vor, mal was von uns zu covern. Dann haben wir ihnen angeboten, dass wir das gleich zusammen machen können. Da macht man eben ein Duett, und jeder kann das dann auf seiner eigenen Scheibe nutzen. Ich finde die Version auch tierisch interessant, echt cool.
Ich habe nur den Wunsch, häufiger ihre Stimme zu hören. Ein ein richtiges Duett ist es ja leider nicht geworden, eher 2/3 der Mann, 1/3 die Frau im Hintergrund. Sie geht ein bisschen unter, obwohl sie doch das Salz in der Suppe ist.
Ja sie singt halt ein bisschen anders als der Andy, er geht mehr nach vorne. War schwer zu mischen, ich habe es ja selber nicht gemacht. Aber wenn du zwei Stimmen hast ... sie singt ja eher so ein bisschen zurückgehalten, gemütlich und romantisch. Und Andy knattert gut 'ne ganze Ecke ran.
Wobei ich auf anderer Seite schon finde, dass der Andy im Vergleich zu sonst schon mit angezogener Handbremse singt.
Muss er ja auch. Er kann ja nicht so seine Megastimme einsetzen. Das klingt ja irgendwie doof, wenn er so singt wie "Eagle" sonst. Man muss sich dem ja auch anpassen mit allem was dazugehört, das war ja auch die Aufgabe. Dass es so klingt, dass es ganz anders ist.
Ich verstehe schon, was du meinst. Ich wollte damit auch nicht sagen, dass man ruhige Songs genau wie Speedmetal spielen und singen sollte. Ich habe einfach den Eindruck, dass Andy gerade bei den Midtempo-Songs nicht so richtig weiß, ob er das ruhig angehen oder ob er lospowern soll. Sehr unsicher.
Ja gut, wir mussten das alles so anlegen, wie es dann auch von der Stimme her kommt. Wir haben mit Tonlagen rumgespielt, die er auch gut singen kann. Wir haben die Tonlagen so modelliert, dass er sie noch singen kann und nicht schreien muss. Das hört man dann natürlich auch, so als ob er da noch ein paar Reserven hat. Die er ja eigentlich nicht braucht, da die Songs ja locker klingen sollen. So haben wir das eigentlich angesetzt.
Ach? Es ist also pure Absicht von euch gewesen?
Ja klar, wenn du so Songs machst und dabei bis an die Grenze kommst, dann klingt es natürlich so, als ob du brüllst. Von daher sind wir das hier ein bisschen lockerer angegangen, damit es nicht so klingt, als ob es aus dem letzten Loch kommt. Damit es ein bisschen unbeschwerter rüberkommt. Das soll doch auch nicht verkrampft klingen.
Haben wir schon, wir haben jetzt vier oder fünf Gigs gemacht, in Mediamärkten und Saturns, wir haben sogar bei IKEA gespielt, das war noch so eine Idee.
Nee, ich meine: richtig aufwändig mit großem Orchester. Auf großen Bühnen.
Nein, das werden wir nicht machen. Wir haben jetzt diese fünf, sechs Gigs unplugged gemacht. Alles in diesen Kaufhäusern.
Nervt das eine Metalband von Weltgeltung nicht? Mediamärkte am Stück zu beackern, klingt für mich eher gruselig.
Och lass mal, das war witzig, weil es auch mal was anderes war. Die Leute standen mit dem Stift direkt an der Bühne, haben dann gleich hinterher direkt an Ort und Stelle Autogramme gekriegt. Das glaubst du jetzt vielleicht nicht, aber es war eigentlich eine recht intime Sache. Kuschelig.
Das ist doch nicht dein Ernst. Trotz dieser Elektromarkt–Atmosphäre?
Doch, doch, lass mal. Es war echt lustig für alle. Die Leute kamen, dann haben wir eine Stunde Autogramme gegeben, so'n büschen rumgesabbelt, mal ein Bier getrunken hier und da, war echt zum Anfassen. Für uns viel frischer als die immer so riesigen Hallen.
Angenommen, du könntest dir jetzt zum 25. Bandjubiläum einen Gig wünschen, bei dem du mit einem Special Guests, egal ob lebendig oder tot, auftreten würdest. Wer wäre das?
Da fällt mir die Wahl nicht schwer. Ganz klar: Ich würde gerne mit Pete Townsend an der Gitarre spielen,
OK, da musst du dich in der Tat beeilen. Townsend sagt zur Zeit, er werde taub und er möchte gar nicht mehr live ran.
Dann muss man sich eben mal ganz schnell beeilen oder (lacht und hebt die Stimme) einfach noch lauter spielen!
Ich danke dir für dieses Gespräch.
Andi und Dani sprechen über den freien Fall und selbständiges Denken.
Das Tempo, in dem die Hanseaten neue Scheiben vorlegen, ist schon beinahe beängstigend. Vor allem, wenn man die hohe Qualität bedenkt. Denn mit "Keeper Of The Seven Keys - The Legacy" haben Helloween eine enorme Leistung gezeigt, über die man neben dem neuen Album "Gambling With The Devil" ebenfalls noch sprechen muss.
Während im Hintergrund schon hektisch die Vorbereitungen laufen, um am Abend mit allen möglichen Sat1 und Pro7-Stars und Sternchen bei einem Promi-Empfang einen auf wichtig zu machen, sitzen mir Sänger Andi Deris und Drummer Dani Löble noch ziemlich entspannt gegenüber. Andi versucht schon seit ner halben Stunde nen Zigarillo zu rauchen, muss aber immer wieder bei seinem Promoter um Feuer bitten, weil ihm der Kotzbalken ob seines Redeflusses ständig wieder ausgeht.
Andi: Äh, Leute, der Mann hat nichts zu trinken, so geht das doch nicht.
Das ist bewusst so gewählt.
Andi: Leute, der Mann will nichts trinken, so geht das doch nicht.
Dann lass mich doch mal an Deinem Kaffee nippen.
Andi: Soweit kommt’s noch (lacht).
Okay, dann mal zum Wesentlichen. Wo kommt Ihr jetzt gerade her? Aus Madrid?
Andi: Nein, aus Mailand, aber von der Stadt haben wir mal wieder überhaupt nix mitbekommen. Rein, 20 Interviews, ins Bett, wieder raus, nächste Stadt, gleiche Kiste wieder. Gestern Abend durften wir endlich mal ein bisschen ausspannen. Natürlich wurde auch da das Angenehme mit dem Notwendigen verbunden, sprich man hat die ein oder andere wichtige Party besucht, obwohl das eigentlich nicht so unser Ding ist. Aber sehen lassen ist manchmal auch wichtig. Wir waren hier und da unterwegs und haben auch hier im Hotel ein paar Hände geschüttelt, weil die Hälfte des Musicbiz ja hier rumhängt. Wenn du aber den ganzen Abend nur an einem Glas Wein nippen darfst, ist das nur bedingt spaßig. Aber mit vollem Kopf willst du sowas natürlich auch nicht machen, denn nach dem Interview geht’s quasi direkt weiter nach Athen.
Euer Basser Markus hatte auf der Hammer Party aber auch ein paar Bier mehr.
Dani: Ja, aber der muss ja auch nicht weiterfliegen. Der bleibt hier, macht sich nen gemütlichen und fährt danach heim.
Lucky him. Aber mal zum Thema, wie fühlt man sich in der Post-Keeper-Ära?
Och, gut würd ich sagen. Für uns ist da jetzt auch nichts sensationelles dabei, dass wir uns in der Post-Keeper-Ära befinden. Das Kapitel ist zwar abgeschlossen, aber es ist ja nicht so, dass uns damit ein Stein vom Herzen fällt. Das hat funktioniert, war ne tolle Zeit. Das einzige, wo man wirklich davon reden kann, dass uns ein Stein vom Herzen gefallen ist, ist die neue Scheibe. Schon allein deswegen, weil da nicht so ganz klar war, was wir machen sollen und wollen. Wenn etwas funktioniert und die Leute darauf abfahren, ist man immer geneigt, da natürlich anzusetzen und so weiterzumachen. Für eine Band, die schon so lange dabei ist, war der Ausflug in die Keeper-Ära wohl erlaubt. Das hat den Leuten gefallen und war auch okay, aber dann ist glaub ich auch wieder gut.
Im Nachhinein kann mal wohl definitiv sagen, dass das ein voller Erfolg war. Aber mit so großer Sicherheit ließ sich das nun auch nicht vorhersagen. Es gab immerhin genügend Stimmen, welche die Sachen ohne Kai Hansen und Michael Kiske sehr skeptisch betrachtet haben. Das war ja bei Queensryche mit Chris DeGarmo nicht anders.
Natürlich, aber da war's der gleiche Sänger und es hat trotzdem nicht geklappt. Bei uns war es ein anderer Sänger und es hat geklappt. Was – Gott sei dank – zeigt, dass das Songwriting und die Band für den Erfolg einer Scheibe wichtig sind und nicht einzelne Personen. Wir haben, meiner Meinung nach erfolgreich, versucht, die alten Trademarks von Helloween wieder auf den Tisch zu bringen. Diese langen, vertrackten Songs mit mehreren Stimmungswechseln und den unterschiedlichen Atmosphären. Keine wusste mehr, dass wir das überhaupt noch können. Auch wir selbst mussten uns das erst mal wieder beweisen, dass wir das als Musiker noch drauf haben. Und es macht ja auch verdammt viel Spaß. Klar ist das viel Arbeit und kostet jede Menge Schweiß und Tränen. Nen 15 Minuten-Song schreibste nicht in ner Stunde, aber es ist einfach geil, den dann zu hören und zu spielen. Vor allem auch noch mit einer Story wie in "King For A Thousand Years". Da ist einfach jeder von uns Stolz drauf. Für das neue Album wollten wir es aber vermeiden, krampfhaft etwas ähnlich Mächtiges auf die Beine zu stellen. Dann lieber hau druff und Schluss (lacht).
Andi: Stellenweise waren die Leute richtig euphorisch, aber es gab auch einige Stimmen, die uns vorgeworfen haben, dass wie so vermessen waren, direkt mit dem längsten Song von "The Legacy" anzufangen. Die meinten dann, dass es ihnen zwar sehr gut gefallen hätte, aber das wäre schon ganz schön großkotzig, direkt mit diesem Song anzufangen.
Dani: Was daran auch immer großkotzig sein soll ...
Andi: Wenn man das so sehen will, bitte. Ich hab das eigentlich immer nur als sehr selbstbewusst betrachtet, denn wir wissen nun mal, dass das ein toller Song ist, dass wir ihn spielen können, also hier, bitte, habt ihr ihn.
Dani: Das war einfach immer ein gigantisches Feeling, mit dem Song anzufangen. Das ist der Hammer, wenn die Leute schon beim Intro schreien und den Text mitsprechen. Wenn die Band dann loslegte, sind die Leute total ausgerastet, das war einfach der Wahnsinn und ich vesteh beim besten Willen nicht, was daran großkotzig sein soll.
Andi: Frech war's vielleicht schon, aber ich fand das einfach klasse, wenn du nach über 15 Minuten zum ersten Mal sagst: "Hallo, wir sind’s!"
Das hat schon was. In einem Club ist so was auch immer cool, aber auf Festivals ist das schon wieder ne andere Sache. Ihr habt fünf Leute auf der Bühne, von daher könnt Ihr schon für Unterhaltung sorgen, aber es fällt mir auf Festivals immer wieder auf, dass Bands mit überlangen Songs nie überragend abschneiden.
Andi: Da können wir direkt bei "King For A Thousand Years" bleiben. Du hast in dem Song einfach alle erdenklichen Parts und Tempiwechsel. Da gibt’s die Doomparts, dann wieder Sachen wo die Leute voll mitgehen, ich glaub eigentlich nicht, dass da Langeweile aufkommt. Vor allem mit den ausgedehnten Soloparts, da hab ich natürlich die Möglichkeit den Leuten mal Hallo zu sagen und ein wenig in die Gegend zu grinsen.
Für das neue Album habt Ihr schon während der letzten Tour kräftig Songs geschrieben?
Andi: Stimmt, deswegen haben wir "Gambling With The Devil" auch so schnell fertig bekommen. Wir standen nach der Tour alle da und irgendwer meinte: "Ich hab hier ne CD mit Songs und Ideen." - "Was, Du auch?" Jeder hatte irgendwie was und bei der ersten Listening-Session waren zwei Drittel des Albums eigentlich schon fertig (lacht). Zwei Monate später haben wir dann auch schon wieder losgelegt und es kamen bei den Aufnahmen noch zwei, drei wichtige Songs dazu. Vor allem war natürlich von Vorteil, dass wir uns auf recht kompakte Nummern konzentriert hatten. So konnten wir schnell neues Material nachlegen. Da sind ja auch ein paar knochenharte Nummern dabei und das hat einfach richtig Laune gemacht.
Angetestet habt Ihr von den Songs auf der letzten Tour also noch nichts?
Dani: Nein, da stand ja noch kein einziger Song wirklich so wie sie heute sind.
Andi: Wir haben auch erst im Studio und Proberaum gesehen, wie und ob einzelne Songs funktionieren. Bei einiges Sachen, die wir im Studio gemacht haben, waren wir echt der Meinung, dass das live nie so wirklich klappen kann und auf einmal macht es BANG und die Sache läuft einfach. Andere, die wir als echte Livesongs eingestuft hatten, haben sich dann aber eher als weniger sinnvoll erwiesen und sind folglich aus der Setlist geflogen. Zum Beispiel "Perfect Gentleman" zur letzten Tour. Das haben wir angetestet, aber irgendwie hat das nicht so ganz hingehauen und wir haben den Song wieder gestrichen. Bevor wir uns da dran tot proben, nehmen wir eben einen anderen. Wir sind ja in der glücklichen Situation, den ein oder anderen Song in unserem Fundus zu haben, auf den wir ausweichen können (lacht).
Wie kommt Euer Label eigentlich dazu, "Paint A New World" als typischen Helloween-Track zu bezeichnen? Der Song ist auf jeden Fall geil, aber typisch Helloween?
Andi: Doch find ich schon. Der Track hat den Spirit von "Walls Of Jericho" oder "Better Than Raw" und geht mächtig ab. Ich kann das schon nachvollziehen. Dein Vorgänger meinte gerade, dass das für ihn "Walls Of Jericho" mit einem 2007er Sound und der Härte und Melodieführung von "Better Than Raw" wäre. Und von daher biste schon bei nem typischen Helloween-Song.
Das ist richtig. Der Song gibt halt ordentlich auf die Fresse. "Hau drauf und Schluss", wie schon meintest.
Andi: Eben. Mit den "Keeper"-Sachen hat das natürlich nicht viel gemein, aber mit "Walls Of Jericho" oder "Better Than Raw" doch schon.
Andi: Der Titel und auch der Text sind mir beide auf Tour einmal in den Sinn gekommen. Und zwar war das einer dieser miesen Momente, als ich bei unserem alten Label (Sanctuary, d.Red.) versucht habe, jemanden zu erreichen. Wir haben uns erst gerade auf Tour darüber unterhalten, wie geil das bei unserem neuen Label ist. Bei unserem neuen Management kann ich im Büro anrufen und mich über irgendwas beschweren. Dann ist da einer da der sagt: "Oh, sorry, hab ich verbockt. Ich kümmer mich drum." Und damit ist die Sache erledigt. Bei unserem alten Label hast du angerufen und da hat dann der eine auf den nächsten verwiesen, der gar nicht wusste um was es geht und natürlich für was ganz anderes zuständig war. Da wurdest du eine Stunde im Kreis vermittelt, bis du vollkommen desillusioniert aufgelegt hast und dir dachtest: "Ok, dann muss ich wohl den Fehler gemacht haben ..." Das ist bei SPV einfach ganz anders und das ist einfach geil.
Und durch sowas kommst du auf so einen Text???
Andi: Ja, das war einfach das typische Bild für mich. Solange ich mich im freien Fall befinde und einfach nur immer weiterleite ist alles in Ordnung. Ich kann ja nix dafür, das war ein anderer. Das ist für mich wie ein freier Fall, aber irgendwann schlägst du auf, du Arsch und dann bekommste die Fresse voll. Also jetzt nicht Du, aber Du weißt schon was ich meine (lacht). Aber der schlägt nie auf, denn dann müsste er ja die Verantwortung übernehmen und nicht immer nur auf einen anderen verweisen. Solche Jungs befinden sich Zeit ihres Lebens im freien Fall und jeder ist es gewesen, nur sie selbst nicht.
Ich hatte das eher so verstanden, dass man sich zwar bewusst ist, dass es mit dem eigenen Leben rasant bergab geht, aber solange man noch nicht aufschlägt, lässt sich’s damit gut leben. So nach dem Motto des Mannes, der vom Dach springt und beim zweiten Stockwerk sagt: "Bis jetzt ging's gut."
Andi: Jahaha, das passt durchaus auch und das klingt in dem Text auch mit an, aber die eigentlich Grundidee ging eben von dem Ärger mit dem Label aus. Der Song hat sich quasi wie von selbst geschrieben, nachdem der Refrain erstmal stand. Der Text hat sich daraus einfach gefolgert und die Musik ist auch nur so aus mir herausgesprudelt. Dabei hab ich auf die Art und Weise zuvor noch nie komponiert! Ich hatte zuerst den Text, dann die Gesangsmelodie und der Rest wurde draußen rum gebaut. In dem Fall war tatsächlich das Ei zuerst und nicht das Huhn.
Die Melodie im Refrain klingt aber sehr positiv für ein solches Thema.
Andi: Stimmt, aber auch das war beabsichtigt. Wenn wir uns in der Situation des freien Falls befinden, dann leben und kosten wir das ja auch voll aus. Du bist dann ja nicht demütig und setzt dich hin und hältst die Fresse. Man macht dann viel lieber aus der Not ne Tugend und lässt es erst richtig krachen. Man belügt sich dann ja auch selbst und fühlt sich einfach sicher und unantastbar. Es passiert ja immer nur den anderen ... In den Strophen geh ich allerdings schon wieder zurück zum Ernst der Lage und nenn die Dinge beim Namen.
Dazu gibt es ja auch schon ein Video.
Andi: Richtig. Das war aber vor allem am PC jede Menge Arbeit, denn das Ding besteht ja zu einem Großteil aus Animationen. Alles um uns rum fliegt weg, ein ganzer Berg wird abgetragen und irgendwann sind sogar wir weg. Allerdings klatscht keiner irgendwo auf.
Ooch ...
Andi: Na vielleicht bringen wir ja noch ne Splatter-Version des Videos raus, wo's uns in der letzten Sekunde in alle Einzelteile zerlegt. (lacht)
Das wär doch mal was. Aber um bei typisch Helloween – in dem Fall wohl eher untypisch - zu bleiben: Wie kam es denn zu einem Stück wie "Fallen To Pieces"?
Andi: Naja, das war einfach der Versuch, sehr epische Linien mit typischen Helloween-Parts zu verbinden. Da spielte auch ein wenig die Aversion einer Ballade gegenüber rein. Der Song hätte ohne weiteres eine Ballade werden können, aber das musste eben auch nicht zwingend sein. Wir haben extra eine sehr reduzierte Strophe, diesen bombastischen Refrain und einfach noch sehr viele Ausflüge in alle Richtungen. Wir wollten es eben vermeiden, daraus nur eine Ballade zu machen.
Hattet Ihr den Song auch schon in eine andere Richtung ausgearbeitet, wenn Du sagst, dass es auch eine Ballade hätte sein können?
Dani: Ja, das Hauptthema hatten wir schon mal in diese Richtung angedacht und ausgearbeitet. Das hat uns allerdings recht bald nicht mehr sonderlich glücklich gemacht und so wie er jetzt dasteht, gefällt er mir auch ausgesprochen gut. Eben weil er nicht gerade typisch ist.
Und was habt Ihr zu einem Bubblegum-Song wie "Can Do It" zu sagen?
Andi: Das ist genau das, was Weiki wollte. Er wollte nen schwulen Rubbertitel haben, worüber man sich unterhält und jetzt hat er seinen schwulen Rubbertitel. Er wollte einfach einen Funsong haben und den hat er eben bekommen. Ich hab das aber nicht auch noch comedymäßig gesungen, denn wenn ich das auch noch getan hätte, wär es sicherlich zu viel des Guten gewesen. Das ist auf jeden Fall ein cooler Auflockerer an der richtigen Stelle, denn wenn wir nach "I.M.E." direkt in "Dreambound" gegangen wären, das wäre harter Tobak gewesen. (Immer noch besser, als der "Can Do It"-Scheiß, d.Verf.) Du brauchst einfach mal n Aufhorcher, wo du sagst: "Was'n das für’n Kack?" Sowas brauchst du doch manchmal und ganz ehrlich, ich liebe den Song. Am Anfang dachte ich erst: Boah Weiki, du bist nicht ganz dicht. Aber jetzt fertig aufgenommen und an der Stelle, wo er kommt, passt er einfach hin.
Das Herzstück der Scheibe ist ohne Frage der Dreiteiler. "Bells Of The Seven Hells". Von der Sieben kommt ihr irgendwie nicht los, oder?
Andi: Ja gut, dabei geht es halt auch um die sieben Todsünden und damit landest du am Schluss einfach immer wieder bei der Sieben. Es geht eben darum, dass man irgendwo mal einen Schlussstrich zieht. Egal ob das eine Nation ist, ein Land oder du bei dir im stillen Kämmerlein. Dann werden die Glocken geläutet und es muss sich was ändern und zwar radikal. In dem Dreiteiler hab ich mir mal erlaubt, mich auch mal über meine Gedankenwelt zu äußern und da ist die deutsche Historie wichtig gewesen. Als Nachkriegsgeneration, die mit der ganzen Scheiße eh nichts mehr am Hut hat, sich aber dennoch damit beschäftigt. In dem Dreiteiler geht es ein wenig um die deutsche Nachkriegszeit. Ich beschreibe einfach, was passiert wenn man nur dem folgt, der am lautesten schreit. In "Falling To Pieces" geht es anschließend darum, was man davon hat und was daraus erwächst und wie alles am Boden und zerstört ist. Auch du, deine Ideologie und alles, an das du geglaubt hast. In "I.M.E." geht es schließlich darum, zu wissen wer mal selber ist und was man erreichen will. Es geht nicht darum, immer auf die Leute in Führungsposition zu hören, sondern sich eigene Gedanken zu machen. Das ist auch gar nicht politisch gemeint, es geht einfach darum: "Hirn einschalten, selber denken."
Nach zwei problematischen personellen Wechseln legen die Hamburger mit "Rabbit Don't Come Easy" ihr 12. Studioalbum vor. Urkürbis Michael Weikath spricht mit Michael Edele über seltsame Frühstücksgewohnheiten, die Besetzungsschwierigkeiten und DSDS.
Wie geht's, wie steht's? Schon kräftig im Interview Stress?
Naja, geht so. Sind immer wieder ein paar dabei, die nicht da sind, oder wo die Nummer falsch ist und das zieht einen immer so'n bisschen aus der Bahn. Eben hatte ich aber ein tolles Interview mit einem österreichischen Radiosender das dann auch etwas länger ging, deswegen ruf ich jetzt erst an. Die haben mir einfach die Gelegenheit gegeben mal ordentlich einen vom Leder zu zerren und das hab ich mir dann nicht nehmen lassen. Die Fragenstellung war ganz gut und da mich keiner stoppen wollte, dachte ich mir, erzähl' denen halt mal was.
Wurde das direkt live über den Äther geschickt?
Nö, ich denke, die haben das aufgenommen und schnippeln das dann erst noch zurecht.
Wenn hier jetzt was Anständiges bei rum kommt, kann es sein, dass ich mit dem Band hier ähnlich verfahre und unser Gelaber über den Weltsender Radio Rüsselsheim ausstrahlen werde. Wir senden nur einmal um den Block und wieder zurück, aber auf LAUT erscheint das Interview ja auch noch.
Ja klar, warum nicht. Ich bin auch inzwischen einigermaßen entrostet und fang an aufzutauen. Gestern war das noch anders, da muss meine Zunge wohl noch eingeklemmt gewesen sein, aber nachdem ich heute ein kräftiges Hacksteak zum Frühstück hatte in einem rustikalen Donzdorfer Restaurant, ging's mir echt gut. Ah, da kommt ja auch meine Hawaii Pizza. Die kann da aber auch erst mal liegen bleiben. Leg doch mal los.
Ok, dann gib mir doch mal ein paar Informationen zu eurem CD-Titel "Rabbit Don't Come Easy". Liegt dem irgendein englisches Sprichwort zugrunde, das mir gerade nicht in den Sinn kommt?
Aber natürlich, natürlich. Also, im Englischen gibt es eine Redewendung "pulling rabbits out of a hat", die wird angewendet, wenn du ein kleines Kunststück oder eine kleinen Meisterleistung vollführt hast. Also eine Sache, die nicht unbedingt einfach war und die andere Leute dir nicht zugetraut hätten. Wenn du das dann aber schaffst, hast du den Hasen aus dem Hut gezaubert. Wenn wir jetzt also mit zwei neuen Bandmitgliedern versuchen eine neue Helloween-Platte zu machen, dann ist das auch so ein Versuch. Wenn dann auch noch ständig Dinge passieren, die die Sache beinahe zum Scheitern bringen, dann ist das so ähnlich, als ob das Scheißkarnickel nicht aus dem Hut will. Deswegen eben "Rabbit Don't Come Easy".
Du hast die Problem mit der Neubesetzung ja schon selber angesprochen. Ich habe gehört, dein Wunschgitarrist wäre Henjo Richter von Gamma Ray gewesen.
Ja, das was schon eine Option, von der man Gebrauch machen konnte. Das lag aber auch daran, dass wir Sascha (g) gar nicht kannten. Wir haben dann mal Charlie (Bauerfeind, Produzent der Scheibe) gefragt, ob er nicht jemanden kennt, der gut zu uns passen würde, und der meinte dann: Tja, da würde mit spontan der Sascha Gerstner von Freedom Call einfallen. Wir haben natürlich ach andere Leute kontaktiert, die wir von Touren her kannten oder so was. Aus irgendwelchen Gründen haben die sich dann entweder selbst disqualifiziert oder es hat sonst nicht geklappt, auf jeden Fall blieb Sascha irgendwann einfach übrig. Den wollte ich aber erst belästigen, wenn wir uns absolut sicher waren, dass wir auf ihn zurückgreifen würden. Ich wollte nicht erst sagen, komm zu uns, und später heißt es von uns dann, och, jetzt haben wir doch einen anderen. Deshalb hab ich mir Sascha bis zum Schluss aufgespart. Er war dann ja auch die beste Wahl. Erstens ist er ein sehr netter Mensch, der sehr an sozialem Umgang interessiert ist. Er ist ein klasse Songwriter und Gitarrist, dessen Spielweise meiner sehr ähnelt, und der Kerl findet mich sogar witzig, was auch nicht alle Tage vorkommt. Außerdem kann er auch noch singen und hat enorm viel Einsatz gezeigt. Er hat nämlich noch ne Coverband und da wir ja in Andis (Deris, voc) Studio auf Teneriffa aufgenommen haben, ist der dann immer hin und her gebrettert, da er mit der Band in Deutschland noch Auftritte hatte. Und das über etwas mehr als ein halbes Jahr.
Was ist denn jetzt mit Freedom Call? Ist er da noch weiter dabei?
Nö, aber er ist ja nicht direkt von denen zu uns gewechselt, sondern war bei denen schon freiwillig ausgestiegen, ehe er zu uns kam. Die haben da aber auch einen sehr guten Ersatz gefunden, deswegen muss man sich um die auch keine Sorgen machen.
Woran ist die Sache mit Henjo gescheitert?
Der konnte sich einfach nicht dazu entscheiden, Gamma Ray zu verlassen. Das ist aber auch vollkommen ok, denn das war bestimmt keine einfache Entscheidung. Es war irgendwo auch gemein, ihn vor diese Wahl zu stellen und ich hatte mich bei den Gamma Ray Jungs gleichzeitig mit meiner Anfrage entschuldigt. Nur wenn man eine personelle Umbesetzung in der Band vornimmt, dann kann man nicht kleckern, sondern sollte klotzen und deshalb habe ich Henjo gefragt. Auch wenn ich mich selbst dabei etwas unwohl gefühlt habe.
Naja, fragen kostet ja nichts.
Eben, was geht der auch zu Gamma Ray, haha. Ich muss dazu sagen, dass Henjo uns ursprünglich, also 1981, schon Demos von sich geschickt hat, und sich bei uns beworben hat. Nur gab es zu der Zeit einen Poststreik, was zur Folge hatte, dass sein Material gar nicht bei uns ankam. Wir haben ihn aber dann auch so kennen gelernt und er ist inzwischen ein alter Kumpel von uns allen. Somit lag es nahe, ihn zu fragen. Er ist weiter bei Gamma Ray, wir haben den Sascha und alle sind glücklich.
Sascha hat sich ja wirklich perfekt bei euch eingewöhnt, immerhin hat er mit "Open Your Life", "Sun For The World" und "Listen To The Flies" schon drei Tracks auf eurem Album.
Er hat innerhalb kürzester Zeit schon fast mehr gemacht, als Roland (Grapow, ehemaliger Gitarrist, jetzt bei Masterplan, d.Verf.). Das ehrt ihn.
Hatte er die Stücke schon in der Hinterhand, oder sind die extra für Helloween geschrieben?
Teils, teils. Das Riff für "Sun For The World" ist komplett neu, ich glaube der ganze Titel ebenfalls. Er hatte aber auch ein paar Fragmente, die er dann aber auch entsprechend verarbeiten konnte, was man ja auch erst mal schaffen muss. Es gibt ja auch Leute, die packen einfach alle möglichen Riffs, die sie mal geschrieben haben zusammen und bringen dann ne CD raus, so was gibt's ja auch.
Einen neuen Drummer zu finden, erwies sich ja als noch schwieriger.
Das war eine sehr traurige Angelegenheit mit Marks Erkrankung (nach seinem Einstieg in die Band erkrankte Mark Cross an dem Epstein Barr-Virus). Glücklicherweise geht's ihm jetzt wieder gut und er könnte auch in irgendwelchen Bands spielen, die nicht ein so hohes Energielevel erfordern wie Helloween. Das Dumme bei uns ist einfach, wenn er während einer Tour irgendwann zusammenbrechen würde und wir canceln müssten, würde uns das keine Versicherung bezahlen, da uns und ihnen das Risiko ja bekannt war. Er ist ja so weit wieder hergestellt und ist gerade am checken, was er als Nächstes machen kann. Dabei wünschen wir ihm natürlich alles Beste, denn das war unglaublich hart für ihn.
Stefan Schwarzmann ist jetzt also definitiv euer neuer Drummer?
Ja, auf ihn kam ich letztendlich, da ich ihn mal bei Running Wild im Proberaum kennen lernte. Wir haben uns da fantastisch verstanden und uns den ganzen Abend über weggelacht. Daran hab ich mich erinnert, als wir auf der Suche nach jemandem waren, der die B-Seiten und Bonus Tracks einspielt. Mikkey Dee konnte nicht, da er bei seiner eigentlichen Band Motörhead eingespannt war, und Mark war einfach noch zu schwach dazu. Er sagte dann auch, dass er gern für's Video posen würde und hat dann noch weitere sieben Tage bei uns auf Teneriffa verbracht. Nach dieser Zeit haben wir uns menschlich und musikalisch so gut verstanden, dass wir ihn kurzerhand gefragt haben, ob er nicht fest bei uns einsteigen will. Er hat das dann mit Freuden angenommen.
Er hat in letzter Zeit eigentlich weniger durch Bandaktivitäten als durch seine Schlagzeugschule und andere Sachen geglänzt.
Ja, der hat auch für Trachtenkapellen und ähnlichen Kram getrommelt. Das schadet aber bestimmt nicht, denn damit kann er einfach aus vielen musikalischen Bereichen Erfahrungen und Können mitbringen. Das kann sich eigentlich nur positiv auswirken.
Das ist aber schon ne feste Sache, oder?
Also mir wäre das schon recht, wenn wir jetzt mal die nächsten 20 Jahre in dieser Besetzung unterwegs wären. Mir wäre es auch lieb gewesen, wenn die Besetzung mit Kiske und Hansen von Dauer gewesen wäre und sich da keine Schwulitäten entwickelt hätten. Aber das hat einfach nicht mehr funktioniert und daran kann man einfach nichts machen.
Wie waren die Arbeiten mit Mikkey eigentlich?
Super, wir hatten den ja schon ein paar Mal gesehen und kannten ihn schon von seiner Zeit noch bei King Diamond. Auch bei Motörhead haben wir ihn das ein oder andere Mal gesehen, und ich erinnere mich da noch ein einen Gig, bei dem er entweder mit Gipsarm oder mit Gipsbein gespielt hat, das war einfach unglaublich. Es war eigentlich wieder Charlies Idee, der meinte, dass Mikkey wohl der richtige Mann wäre und das wohl auch machen würde. Wir fragten ihn und glücklicherweise hatte er die Zeit und die Lust es zu machen. Er hat dann innerhalb von sieben Tagen zehn Titel eingetrommelt, was schon eine ganz schöne Leistung ist, da er die Songs ja nicht kannte. Die Studiokompressoren dürften wohl für immer seinen Stempel tragen.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich eure Karriere nach Kiskes Ausstieg etwas aus den Augen bzw. Ohren verloren habe.
Schande über dich.
Ich sitze hier auch schon bis zum Hals in Asche, die ich auf mein Haupt rieseln lasse. Was denkst du macht Helloween heutzutage denn aus.
Wir machen vieles aus. Das Licht, den Computer, die Stereoanlage ...
Und so jagt ein Scherz den nächsten.
Ja, ich hatte neulich ein Interview in Griechenland und hatte eine mächtige Migräne. Die hatten da dann so riesige Halogenscheinwerfer ....
Die hast du dann ausgemacht und ihr habt bei Kerzenschein Sirtaki getanzt.
Ja so in etwa. Nein, was willst du jetzt denn hören? Was Helloween über die Jahre ausgemacht hat, kannst du dir ja an den Platten anhören, die wir gemacht haben. Genauso ist es mit der neuen Scheibe. Es sollte eigentlich klar sein, wer wir sind und für was wir stehen. Ich habe deswegen auch wenig Verständnis für Leute in der Band, die versuchen, querzutreiben und unsere musikalische Richtung zu verändern. Wenn man so was machen will, dann soll man's auch richtig machen. Wenn man's nicht kann, dann raus!
Das sind deutliche Worte, die wohl auf Roland und "The Dark Ride" anspielen.
Auch, ich hatte aber auch an Michael Kiske und die "Chameleon"-Scheibe höhere Erwartungen. Von dem Endresultat war ich wirklich schwer enttäuscht. Dem Roland kann ich eigentlich nicht so viele Vorwürfe machen. "The Dark Ride" hätte in Bandarbeit einfach ein gelungenes Werk werden müssen, was wir mit "Rabbit Don't Come Easy" meiner Meinung nach geschafft haben.
Würdest du also sagen, dass die Kommunikation innerhalb der Band bei den entsprechenden Alben nicht so war, wie du sie dir vorgestellt hast?
Exakt, es ist einfach so, dass nur Scheiße dabei heraus kommt, wenn die Kommunikation erst gar nicht stattfindet. Grundvoraussetzung bei einer Band wie Helloween ist einfach, dass man miteinander redet.
Hast du Michas neues Projekt Supared mal gehört?
Ja, ich hab auf der Noise-Seite mal in den ersten Titel gehört. Das ist ja so schlecht nicht und klingt auch etwas frischer, da er ja offensichtlich wieder eine richtige Band am Start hat. Leute, welche die ganze Platte gehört habe, teilten mir dann aber mit, dass der Rest sich von seinen Soloscheiben nicht wirklich unterscheiden würde. Das scheint dann wohl tatsächlich das zu sein, was er an die Öffentlichkeit bringen will.
Ich muss sagen, dass ich von dem Album relativ enttäuscht war.
Man muss sich immer vor Augen führen, dass er mit Helloween in exakt diese Richtung gehen wollte. Da mussten wir ihn einfach entfernen, denn dadurch ergaben sich für uns keine Gemeinsamkeiten mehr.
Warum erinnert mich die Bridge von "The Tune" immer an eine Weihnachtsmelodie?
Keine Ahnung, eigentlich ist das ein bavarischer Trachtenplattler. Das ist ein kleiner Wink an Freedom Call.
Wie ist eigentlich der Text von "Never Be A Star" zu verstehen?
Das ist so gemeint, dass man auf der Bühne zwar seine Show abliefert und sich entsprechend verhält, man aber abseits der Bühne auch nur ein Mensch ist und sich von den anderen nicht wirklich unterscheidet.
Hast du eigentlich ab und zu mal bei 'Deutschland sucht den Superstar' reingeschaut?
Ok, ich muss gestehen, dass ich die ganze Sache so schlecht nicht fand, da es eben nicht um Hip Hop oder Techno ging, sondern um echten Gesang mit echten Menschen. Außerdem saß da jemand dahinter, von dem ich persönlich sehr viel halte, nämlich Dieter Bohlen. Der Herr Bohlen ist bestimmt noch lange nicht weg vom Fenster, der wird uns bestimmt noch mit einigen lustigen Sachen unterhalten. Ich kann's eigentlich nicht abwarten, was der nächste Klopfer wird, den er bringen wird, ich wünsche ihm weiterhin viel Erfolg.
Fehlt eigentlich nur noch, dass uns Dieter die nächste Helloween-Scheibe produziert ... Als was beeindruckt er dich denn? Als Mensch, als Musiker oder als Produzent?
Als alles, auch als Musiker. Der Kerl ist einfach der beste deutsche Star, den wir zur Zeit haben und ich hätte es an seiner Stelle wohl auch nicht anders gemacht ...
Keeper Of The Seven Keys - The Legacy World Tour 2005/2006 - Live On 3 Continents (2007), Keeper Of The Seven Keys - The Legacy World Tour 2005/2006 - Live On 3 Continents (2007)
The Dark Ride (2000), The Dark Ride (2000), Metal Jukebox (1999), Better Than Raw (1998), Pumpkin Box (1998), Better Than Raw (1998), Pumpkin Box (1998), High Live (1996), Time Of The Oath (1996), High Live (1996), Time Of The Oath (1996), Master Of The Ring (1994), Master Of The Ring (1994), Chameleon (1993), Pink Bubbles Go Ape (1991), Pink Bubbles Go Ape (1991), Live In The UK (1989), Live In The UK (1989), Keeper Of The Seven Keys Part II (1988), Keeper Of The Seven Keys Part I (1987), Keeper Of The Seven Keys Part I (1987), Walls Of Jericho (1986), Helloween (1985)
| Sa | 24.08.2013 | Helloween Baltic Open Air (Schleswig) | |
| Fr | 15.11.2013 | Helloween Metal Hammer Paradise (Weissenhäuser Strand) |
| Thema | Posts | Letzter Beitrag | |
|---|---|---|---|
| {ersteller.avatar} |
{thread.titel} {ersteller.name} |
{thread.antworten} |
{letzter.zeit} {letzter.name} |
|
Bestes Album Anonymous |
13 |
15.06.11, 11:04 747 |
|
|
Unarmed (Best of) lisa22 |
8 |
15.01.10, 02:45 lisa22 |
|
|
Neue Live-Pics von HELLOWEEN unitedpixel |
1 |
09.12.05, 09:27 unitedpixel |
|
|
Kartenvorverkauf 123456 |
1 |
13.10.03, 09:14 123456 |
|
|
Ist das eine Gruppe, oder was?????? Anonymous |
23 |
18.01.02, 10:58 Anonymous |
Format
Homepage: