laut.de-Kritik

Die Grande Dame des deutschen Traps tischt auf.

Review von

Die Grande Dame des deutschen Traps tischt im noch ziemlich jungen 2018 ordentlich auf. Mit Majorlabel im Rücken droppt Haiyti nun ihr erstes offizielles Album. Wieder einmal: Eigentlich sollte schon "Follow Mich Nicht" als Debüt gelten, wurde kurzerhand aber doch noch zum Mixtape degradiert. Dass Haiyti es diesmal ernst meint, merkte man schon an der Promophase: Die existierte nämlich tatsächlich. Satte drei Monate im Vorfeld wurde bekannt, dass diesen Jänner "Montenegro Zero" ansteht.

Dem eingefleischten Haiyti-Fan verengt sich da gleich die Magenhöhle. "Sell Out!" "Kapitalistische Schweinerei!" "Das versaut doch die ganze Kunst!" So schreit der kopfinterne Wutbürger. Eigentlich macht ihre unvermittelte Spontaneität einen Großteil von Haiytis musikalischer Wirkung aus. In der Tat hätte "Montenegro Zero" durchaus mehr Wucht, wenn nicht schon seit Anfang November bekannt wäre, dass es existiert. Wie das eben so ist, mit dem Überraschungseffekt.

Diese Tatsache ändert jedoch nichts daran, dass das jetzt nun tatsächlich wirklich richtig erste Album ziemlich ins Ohr geht. Wie schon die Singles ahnen ließen, gerät der Langspieler deutlich poppiger als Haiytis bisherige Releases. Zwar spielte die Pop-Note schon immer eine gewisse Rolle in ihren Songs, doch so viel Raum wie auf "Montenegro Zero" hatte sie noch nie - und sie steht ihr verdammt gut.

Klassische Dancehall-Vibes wie auf "100 000 Fans" schmiegen sich an eiskalte Trap-Schneestürme, die wiederum mit süffigen Pop- und R'n'B-Nummern den Engtanz üben. Dass dazwischen auch ein Wave-Beat Platz hat, erscheint in diesem irren Chaos vollkommen logisch.

Haiyti mischt frische Inspirationen mit altbekannten. Ihr Alter-Ego Robbery ist mittlerweile ein fester Bestandteil: Das Gangster-Leben zwischen Cash-Money, fetten Karren und Drive-Bys im Kugelhagel bekommt ausreichend Platz. Mit lässiger Abgebrühtheit erzählt sie von ihrem "Mafioso"-Onkel, der scheinbar der Grund dafür ist, dass wegen ihres Namens Blut fließt und der Moneyclip zu breit für ihre Bluejean ist. Du musst wissen: "Die Kleine macht jetzt Kasse."

Auch schmachtendes Zerfließen aufgrund sweeter Boys kommt bereits bekannt vor. Für den, der die Zigaretten raucht wie James Dean, macht Haiyti einen "Sunny Driveby" und schenkt ihm einen der stärksten Songs des Albums: "Gold". Der sanfte, im selben Moment allerdings ziemlich dynamische Beat gibt den perfekten Schlagtakt zum Herzausschütten vor.

Das schafft die Hamburgerin, wie immer, irgendwo zwischen eisiger Härte und der Zerbrechlichkeit einer Porzellanpuppe: "Die Hand voller Stempel ist normal, alles andere als sober / suche dich auch in den dunkelsten Straßen, die Tränen, sie glitzern / bin wieder auf Party." Dazu eine Hook, die sich einmal quer über die Hirnrinde brennt. Soweit alles wie immer, also.

Neu allerdings sind die wirklich eindeutigen Bekenntnisse zum Dancehall. Selten sing-sang-te Haiyti so melodisch über Rhythmen, auf denen Busy Signal locker den "Moneytree" schütteln könnte - wie in "Bahama Mama". Dass KitschKrieg wieder einmal die arrangierende Feder in der Hand halten, muss man eigentlich nur noch der Vollständigkeit halber erwähnen.

Spannend auch: der gemeinsame Ausflug in die Wave-Szene. Auf "Berghain" erscheint Haiytis Flow einerseits den platten, aus dem Rhythmus klatschenden Stil eines Frauenarzts zu imitierten, gleichzeitig aber das Flair von anfänglichen NDW-Songs aufzugreifen. (Für die Freunde des schlechten Geschmacks: Nein, nicht das von Fler. Bildet euch, verdammt!)

Zugleich gibt sich die Trap-Queen aus dem hohen Norden zunehmend gesellschaftskritisch. Während sie in "Berghain" die wilden Storys aus ebenjenem von den Lisas und Jonasen dieser Welt anzweifelt, prangert sie in "Serienmodell" zu einem schnuckeligen Dudel-Beat die Gleichförmigkeit aller an: "Ich bin ganz anders, ganz speziell / ich bin ein Serienmodell / wenn ich komm', komm' ich bestellt / und jeder Mensch kennt meine Welt."

Noch härter an die Schmerzgrenze geht sie in "Haubi", einer nüchternen Betrachtung des farblosen Alltags am Hauptbahnhof. "Früher hattest du noch einen Job / jetzt machst du alles für den Stoff / schwarze Tränen, der Mascara tropft / Überdosis und dein Atem stoppt." So emotionslos wie diese Zeilen erscheinen, sie treffen den Kern der Sache mit einer erschütternden Genauigkeit. "Hier kommst du nicht mehr raus, mein Sohn / wie gepfändet und nicht abgeholt."

"Montenegro Zero" kann sich zwar in der Schlagkraft nicht mit ihren bisherigen Relases messen, steht ihnen jedoch in seiner Bandbreite in nichts nach. Haiyti tobt sich wie immer kräftig aus, ohne dass ihr dabei die Luft auszugehen scheint. In ihrer Wandelbarkeit und mühelosen Flexibilität kann ihr hierzulande kaum einer das Wasser reichen. Während sie mit brechender Stimme eine Hook säuselt, lässt sie im nächsten Moment brachial Trap-Türme einstürzen und reicht dazu kritische Beobachtungen unserer Zeit.

Der Pressetext jedoch tut ihr Unrecht, wenn er behauptet, sie gehöre selbst nicht wirklich zu ihrer besungenen Welt dazu, sondern beobachte lediglich. In Wahrheit steht Haiyti mittendrin und ist aus keiner dieser Realitäten wegzudenken. Das macht sie so einzigartig.

Trackliste

  1. 1. 100 000 Fans
  2. 2. Sunny Driveby
  3. 3. Gold
  4. 4. Mafioso
  5. 5. Berghain
  6. 6. Kate Moss
  7. 7. Bahama Mama
  8. 8. Serienmodell
  9. 9. Bitches
  10. 10. Haubi
  11. 11. Monacco
  12. 12. American Dream

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21 Kommentare mit 26 Antworten

  • Vor 3 Tagen

    Album + EP 5/5. Meinung dazu von Leuten wie "Allergenverordnung" und """"Craze""" = lel.

    'Mafioso' unnormalstes Deutschbrett. Zugegeben, ich habe seit Ende Dezember 1x geduscht, fast nicht geschlafen, quasi clubextern keine Musik gehoert und wenn, dann nur dieses Album, aber es gibt hooks for days. Dass das dann auch so ein schmalbruestiger Monobrauen-Hansel wie dieser Toni, naja, "feiern", bzw. "pumpen" = das kommt bei den aehnlich koerperlich benachteiligten FU-Kollegen, die sich freilich ebenso stets "das Beste aus allen Genres rauspicken", sicher total gut an - kann: geschenkt. Sowas wird ja dann hier zum Glueck auch immer vom mundi ausgeglichen. Schlimm waer's nur, wenn jetzt auch noch die Heulerei vom Anwalt hier stattfaende, weil sich rgendwo Antisemitismus herbeifantasiert wird.

    Kurz: would wife.

    • Vor 3 Tagen

      Dafür, dass du in quasi jedem deiner Postings der letzten Wochen über den Ton hier rumgejammert hast, bist du ziemlich auf Krawall gebürstet. :lol:

      Du hast doch erst vor 1 Woche erzählt, dass Lutschiano für Dich aktuell das Allergrößte ist und plötzlich ist es nurnoch Hayiti und sonst nix...Hört sich an wie lauti zu seinen besten Zeiten. :D

    • Vor 3 Tagen

      Das liegt offensichtlich an seinem Drogenkonsum. Dann noch gestreckte Ware. (...)

    • Vor 3 Tagen

      Craze: Krawall? Iwo. ;) Ich stelle bloss mal wieder fest, dass dein heftiges Deutschrap-Gehate - egal ueber wen, egal wo, egal wann - die lulz bringt. Kitzelt dich das etwa schon, wo du doch sonst hier eigtl. woechentlich weitaus derber, unnoetiger und zielloser rumfetzt? Schwabenbitch, please.
      Dein Leseverstaendnis allerdings scheint sich derweil dem des Toriyamafans anzugleichen. Hier irgendwo das Wort "Lebensretter" gelesen? Oder dass sie meine persoenliche Lebensrealitaet auch nur zu halbwegs wiederspiegelt? Nein, denn genau, das war in meinem Beitrag zu Luciano, Blitzmerker. Dass ich beides unabhaengig voneinander mit 5/5 bewerten kann, solltest du aber schon noch begreifen koennen, oder? Ich meine, trotz aller ungluecklichen und bedauerlichen Umstaende.

      Tori: Du bist Schweizer, okay, ich kann deine Besessenheit von "gestrecktem" ansatzweise verstehen, so oft wie du das erwaehnst. Bei euch gibt's halt nur Dreck, fuer den sich Dummbatzen wie du auch noch brutal abziehen lassen. Pass' mal auf, ich mache dir ein Angebot: poste hier eine provisorische Mailadresse, ich kontaktiere dich, lade dich mal nach Berlin ein mit dem Versprechen, dich auch nicht zu hauen, WIRKLICH nicht, nicht mal mit der Handinnenseite, egal was fuer ein Homo du in echt auch bist, und du darfst mal was von dem "gestreckten" Diesdas (rede hierbei uebrigens nicht von Amphe, fasse ich schon lange nicht mehr an) probieren, das ich hier habe. Und wenn es ein Wochenende ist, nehme ich dich vielleicht auch mal mit ins Berghain, damit du mal halbwegs einen "ultra techno vibe" abkriegst. Ben Klock in Zuerich ist das naemlich nicht. Und danach will ich einfach nur von dir hoeren, dass du keine Ahnung hast, wovon du redest, du Schwanzlutscher. Mehr nicht. Waere das okay fuer dich? :)

    • Vor 3 Tagen

      Kannst du jetzt drehen und wenden wie du willst, ändert Nix daran, dass du seit Wochen am Jammern bist, kann ja Jeder nachlesen, genauso wie mein "Deutschrap-Gehate".

      Wenn du ernsthaft glaubst, dass """"Craze"""= lel (sic!) mich "kitzelt", ist dir wohl nichtmehr zu helfen, aber das war ja eigtl schon nach dem Lobgesang auf Lutschiano klar. :lol:

    • Vor 3 Tagen

      Klingt erstmal spannend, aber das weisse zeug fass ich schon lange nicht mehr an. Bekomm da am nächsten Tag immer son mattes Gefühl im Kopf. Begleitet von einem Monströsen Kater, weil auf Stoff der Alkoholkonsum ausartet. Kein Bock darauf. Aber danke.

    • Vor 3 Tagen

      mich geht es ja nichts an, aber statt drogen zu konsumieren, ist ne therapie vielleicht etwas nachhaltiger :suspect:

    • Vor 3 Tagen

      Dieser Kommentar wurde vor 3 Tagen durch den Autor entfernt.

    • Vor 3 Tagen

      Craze: Wenn du das Gejammer nennen willst, dass mich das hier einfach nur noch nervt, nur zu. Whatever. Schaetze aber mal, ich habe die Beitraege u.a. deshalb verfasst, damit man sie hier irgendwann nachlesen kann. Du koenntest dich ja zur Abwechslung auch einfach mal halbwegs themenbezogen hier eintragen, anstatt jeder Neuanmeldung wie ein notgeiler neckbeard hinterherzusteigen, der gerade den neuesten rape anime im Netz entdeckt hat, und rumzuklaeffen, oder gegen die hiesige Obrigkeit zu schiessen. Hoert sich nicht geil an?

      Irgendwas hat dich zudem wohl genug gekitzelt, um mir zu unterstellen, auf Krawall gebuerstet zu sein, homes. Argumentativ bist du wie gewohnt eher schmalbruestig unterwegs und heisst dabei nicht mal Toni Hennig.

      Tori: Koks und Suff nicht mischen, ist doch auch schon seit Ionen bekannt.

    • Vor 3 Tagen

      Plonk!: :D Alt, aber gut.

    • Vor 3 Tagen

      Du feuerst in einem Post Shots gegen 4 User, wie soll man das denn sonst nennen, außer auf Krawall gebürstet? ;)
      Themenbezug ist doch auch da, habe doch mitgeteilt, dass ich dieses Albung wack finde...Musikalisch Dreck, Stimme nervtötend hoch 10, Inhalte peinlich bis langweilig...Kann natürlich auch den Garret machen und ne 17-seitige Review zu sowas oder Lutschiano schreiben, aber thanks but no thanks.

      Was das Thema "kitzeln" angeht, "kitzelt" es mich viel mehr, dass Du ja anscheinend uA wegen mir hier nicht mehr postest. :ill:

    • Vor 2 Tagen

      Höre nur noch 80er Metal und Hardcore. Und Haiyti. Hamburg regiert halt wieder.

    • Vor 2 Tagen

      Dieser Kommentar wurde vor 2 Tagen durch den Autor entfernt.

    • Vor 2 Tagen

      Hatte mir mehr von Luciano erhofft, keine 17 Seiten nötig

    • Vor 2 Tagen

      Also für so einen Treff mit Baude fange ich gerne wieder an! Aber saufen gehörte für mich irgendwie dazu

    • Vor 2 Tagen

      @Baude (Amphe)
      @Tori (keine Ahnung)

      Was heißt bei euch: Nehme ich schon lange nicht mehr? Ob jetzt Amphe oder Koks

      Ich bin seit ca. 10 Jahren weg vom Heroin. Das ist für mich "lange". Beim letzten Mal Amphe (Paste, vor nem Jahr oder so) dachte ich wirklich, dass mein Herz gleich platzt.

    • Vor 2 Tagen

      "Aber saufen gehörte für mich irgendwie dazu"

      Ich weiß nicht. Hab dann immer das Gefühl, dass ich mir den Suff auch hätte sparen können, weil ich mich schlagartig wieder nüchtern fühle...

    • Vor 2 Tagen

      nach einer geringen menge habe ich dann idr gar keine lust oder verlangen nach alkohol. eher n wasser weil der mund so trocken ist.

    • Vor 2 Tagen

      Dennis Hopper hat mal gesagt, dass er Koks genommen hat um noch mehr Saufen zu können. Mir ging es da ähnlich egal ob k oder a... Bei paste habe ich es damals immer übertrieben und nach zwei nächten wach habe ich sehr seltsame Filme geschoben. Man sollte das ganze nur bei Teilen nicht machen... Oh man, ich habe nie wieder mit einem Kotzstrahl eine so krasse Reichweite erreicht...

    • Vor 7 Stunden

      Das letzte mal amphe vor 2 jahren. Koka lass es 3 gewesen sein. Mich macht das zeug sehr ruhig und klar. Kiffen dagegen eher deppert und euphorisch. In meinem umfeld nimmt das weisse zeug niemand, also hab ich auch wenig möglichkeiten ranzukommen. Ist auch gut so.

  • Vor 3 Tagen

    ..mehrmals reingehört... aber nicht bis zum Ende ! Ihre STIMME nervt und nervt und nervt...............1/5

  • Vor 3 Tagen

    Montenegro Zero. Erstmal schicker Titel.

    Das oben gefeierte "Mafiosi" mag ich mitunter am wenigsten. Den Streettalk gabs schon besser von Ihr. "Bitches" geht auch in die gleiche Kerbe.

    Sonst hat die Dame gehörig aufgetrumpft. Diesmal mit echter Abwechslung. Nicht wie viele Rapper es behaupten (muss ständig an PA's HAZE-Promophase denken, lach). Hier sind verschiedenste Einflüsse da. Auch verdammt viel Pop. Guter Pop:

    monacco CODEIN FIRE
    Sunny Driveby, POP BANGER
    Berghain, ULTRA TECHNO VIBE
    American Dream, FEEL GOOD COUNTRY
    serienmodell, DANCE POP WAHNSINN
    kate moss, 5CM FREIHET
    haubi, HB SOUNDTRACK
    gold, LIEBESWAHNSINN
    100.000 Fans, STAMPF BALLADE

    Finde nur Perlen. Deutliche Weiterentwicklung zu den Mixtapes davor. Im Moment mag ich "Gold" und "Haubi" am Liebsten. Letzteres hat die Überhook "Ich schieße eine Taube tot". Herrlich.