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Die finsteren Wiedergänger mit Eckzähnen haben immer Konjunktur. Immer wenn man meint, das Dunkel-Genre wäre längst erschöpft, taucht wieder frisches Blut auf. Auf der anderen Seite stehen stets präsente Figuren wie Graf Dracula, sein weibliches Spiegelbild Karmilla Karnstein, Lestat de Lioncourt und eben Ville Valo.
Außergewöhnliche Wiedergänger-Qualitäten haben HIM schon längst bewiesen. Über zehn Jahre tummeln sie sich bereits im hart umkämpften Dunkelzirkus. Dabei entwickelten sie einen ganz eigenen prägnanten Stil, der natürlich auch das neueste Album prägt. Wiedererkennungswert ist angesagt, doch nicht auf Kosten von Frische und Qualität.
Das untermauern die eröffnenden Tracks "In Venere Veritas" und "Scared To Death": Bratzgitarren rocken, elegante Harmonie-Parts umarmen, und mittendrin röhrt Ville und vergräbt sich mit nimmermüder Leidenschaft in seine Liebes- und Todesthemen. Das "Scream" des Albumtitels nimmt Ville ohnehin öfters wörtlich, fehlt nur noch Kong-Gespielin Fay Wray als Partnerin.
"Heartkiller" machte bereits als Vorab-Auskopplung Appetit auf mehr. Mit geglückten Who-Zitaten in Sachen Riff-Zertrümmerung erfreut der "Dying Song". Viel Drive und Energie also in den ersten Nummern, bevor Valo in "Disarm Me (With Your Loneliness)" zum ersten Mal den mitfühlenden Gruftliebchen-Tröster auspackt, mitsamt nicht enden wollendem Schrei der Verzweiflung zum Ende hin. Mehr Tempo nimmt der Geisterzug dank "Love, The Hardest Way" auf. Kräftiges Drum-Geknüppel findet sich in Songs wie "Like St. Valentine".
Dunkelpop der feinen Sorte bietet "In The Arms Of Rain". Es finden sich auf dem Album viele runde, stimmige, in sich geschlossene Abenteuer, die Villes Songs mit einer ausladenden und filigran gestalteten Architektur erzählen. Das alles nicht ganz so rockig wie auf "Venus Doom", 2010 kehren HIM zum gepflegten Gothic-Poprock zurück. Doch nicht ohne Ausnahmen: "Shatter Me With Hope" lässt mit durchdringender Vokalarbeit und in tiefster Verdammnis jaulenden Gitarren-Kuschelrock erst gar nicht aufkommen.
Gern zitieren HIM die gefürchteten 80er, doch die sind bei ihnen in guten Händen: niemand muss befürchten, mit nervtötenden Snare-Drums oder klebrigen Synthies überfüttert zu werden. Ein gutes Beispiel dafür ist "Acoustic Funeral (For Love In Limbo)" mit seinem kathedralenartigen Keyboard-Einstieg.
Die Finnen beweisen einmal mehr ein feines Händchen für Ohrwurm-Melodien und einen packenden Song-Aufbau. Mit "Screamworks: Love In Theory And Practice" bieten sie ihren Fans einen reichhaltig gedeckten Tisch zum stilgerechten Mitternachtsimbiss bei Kerzenschein.
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