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Selten leitet jemand sein eigenes Album mit dem brachial gebrüllten Titel ein. Selten hat es so viel Sinn ergeben wie hier.
Als Live-Album deklariert und im serbischen Guca aufgenommen, hat die Namensgebung der 13 Songs umfassenden Kollektion etwas Zwangsläufiges. Schließlich saufen sie beim Wahnsinn auf 600.000 Beinen, dem Blasmusik-Festival in Guca, gefühlt den Jahresvorrat an Alk in ganz Europa weg. Mindestens.
Allerdings will sich ein Live-Feeling nicht so richtig einstellen. Vielmehr reihen sich die Songs etwas lieblos aneinander, das Publikum ist selten zu hören, so dass eher der Eindruck eines normalen Studioalbums entsteht. Studio oder live vor Publikum macht bei Bregovic und seinen Verrückten eigentlich nicht den Riesenunterschied. Schließlich betont Goran immer wieder, dass seine Bläsersektion keinen Bock drauf hat, eine Stelle immer und immer wieder zu wiederholen.
Wie auch immer, "Alkohol", laut Presseinfo eine Reminiszenz an seine Eltern, hält - wieder einmal - neben einigen guten und ein paar sehr guten Titeln auch wieder drei absolute Brecher parat. Erstens: Das Traditional "Yeremia", das mit dem oben erwähnten Schlachtruf in die Vollen (sic!) geht und das auf der letzten Konzertreise des Orchesters stets den Opener gab. Idealer kann man einen Gig nicht eröffnen.
Daneben pumpt der vom "Schwarze Katze Weißer Kater"-Soundtrack leidlich bekannte Truckers' Song" (dort: "Duj Sandale") mit einem Peter Gunn-Gitarrenlauf im Hintergrund unwiderstehlich vorwärts vorwärts vorwärts ... Als Höhepunkt der allgemeinen balkanesischen Kopfnickerei geht aber die Kollabo "Gas Gas Gas" mit Shantel über die Ziellinie. Leider krankt der Song an der viel zu kurzen Spielzeit, die die Dreimuntengrenze nicht überschreitet. Dennoch: wie geil ist das denn?
Neben diesem explosiven Dreierpack, das wirklich gnadenlos Druck aufbaut, drohen die Song-Kollegen fast zu Statisten zu verkommen? Mitnichten. Als Hidden-Track feiert das allgegenwärtige "Kalasnjikov" fröhliche Wiederauferstehung, auch wenn man der Art und Weise, wie die Jungs das Teil zum Besten geben anhört, dass sie den Polka wohl zu oft runter genudelt haben.
Das balladeske Moment kommt kaum zum Zuge. Lediglich "Ruzica" lässt dem Hörer Zeit zum Luftholen. Selten hat Bregovic in seiner Karriere derart aufs Gaspedal getreten. So rumpelt sich der Musiker durch seinen Soundtrack, dem förmlich das Motto "Hoch die Tassen" anhaftet.
Cheers, skol, jivjeli, prost! Alkohol!!!!
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