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Nach dem überraschenden Rücktritt Benedikts sind viele Christen von Fragen hin- und hergeworfen. Da mag die Kunst Trost spenden!
Vatikan (laut) - Zugegeben: Wir hatten so unsere Probleme mit dem ersten deutschen Papst seit 500 Jahren. Seine rückständige Haltung in Verhütungsfragen, missverständliche Äußerungen zum Islam, seine Annäherung an die verrückten Pius-Brüder oder die Begnadigung des Holocaust-Leugners Richard Williamson machten ihn über die Jahre zum "geschätzten Kollegen", ja sogar zum "besten Mitarbeiter" des Titanic Magazins, schadeten aber seinem Pop-Appeal.
Mit seiner Abdankung aber hat Benedikt alle überrascht; ein gewagter Schritt des Heiligen Vaters, der Fragen aufwirft. Ist der zurückgetretene Papst nicht mehr unfehlbar? Wenn er es plötzlich nicht mehr ist, kann er es dann jemals gewesen sein?
Es ist dies jedenfalls eine schwere Zeit für unsere lieben Christen. Die nun Not tuende Besinnlichkeit und Selbstbefragung möchten wir begleiten mit einigen Liedern, die anregen zum ...
Tom Araya als bekennender Christ wird wohl auch vom nächsten Papst nicht in den Vatikan eingeladen werden. Jeff Hanneman würde sich an einem Helm der Schweizer Garde höchstens die nächte Kanne Bier aufmachen und Kerry King vermutlich ins Weihwasser schiffen. Dave Lombardo schließlich wurde gerade gefeuert bei Slayer und weiß damit besser als alle anderen: God Hates Us All!
Johnny Cashs tiefer Glaube durchdrang nicht nur seinen schillernden Lebensweg, sondern auch zahllose, mit biblischen Geschichten und Metaphern durchzogene Songs ("I Talk To Jesus Every Day", "I've Got Jesus in My Soul"). Das Traditional "God's Gonna Cut You Down" nahm er kurz vor seinem Tod auf. Es repräsentiert einen Grundsatz seines Glaubens: Wer reuelos sündigt, muss sich am Ende vor Gott für seine Taten verantworten. Das sehen offenbar auch die ganzen Promis so, die sich im Videoclip tummeln.
Neben Urin Farlaub freut sich wohl nur Fler so sehr über die Kritiken von laut.de. Aber fromm wie wir sind, vergeben wir dem wasserstoffblonden Punk. Schließlich muntert er uns auch immer wieder mit so sinnbefreitem Nonsens wie "Der Papst" auf. Musikalisch beschwingt wie The Cure in ihrer Hit-Phase reiht er einen Schenkelklopfer an den anderen.
"Wenn der Papst katholisch wär / dann gäb' es keinen Sex für ihn / Vieleicht ein Küsschen hier und da / mehr wär' absolut nicht drin." Jahrelang singt Benedikt XVI. fröhlich mit, bis ihm ein Vertrauter zur Seite nimmt und ihn aufklärt, dass Herr Urlaub meist nur Schabernack von sich gibt und er als Papst katholisch IST. Gleich am nächsten Tag schmeißt er den Laden einfach hin. Zurück bleibt die Frage aller Fragen: "Was reimt sich bloß auf Rosenkranz?"
Fast ganz am Ende des "Aenima"-Hammers "Euolgy" fordert Maynard J. Keenan: "Come down / Get off your fuckin cross / We need the fuckin space to nail the next fool martyr." Spätestens hier war dem gemeinen Tool-Fan klar: Die Progrocker habens nicht so mit der Kirchengeschichte. In diesem speziellen Fall war jedoch gar nicht Jesus gemeint, sondern Scientology-Gründer L. Ron Hubbard.
Wäre Wolfgang Ambros vor Hunderten von Jahren vor der päpstlichen Inquisition gelandet, wäre es dem Austropop-Veteranen wohl ergangen wie einst Galileo Galilei - bei solchen Songtexten: "Mir geht es wie dem Jesus / Nur hab' ich nicht die Klasse / Denn ich verwandle nur den Wein / In Wasser, das ich lasse." Prost!
In den 70er Jahren hätte der Songtext allein wohl keinen Gläubigen auf die Barrikaden getrieben, im MTV-Jahrzehnt der 80er sah das schon anders aus. Im Videoclip zeigte sich Madonna mit Wundmalen, wie sie leicht bekleidet einen schwarzen Heiligen küsst, vor brennenden Kreuzen tanzt und auch noch zum Liebesspiel auf die Kirchenbank bittet. 1989 war dies der Anfang einer provokationsreichen Abrechnung mit dem Katholizismus, der Madonnas väterliche Erziehung in Michigan prägte.
Auch wenn kaum ein Popstar stärker mit dem Zölibat liebäugelte, ist Morrissey wohl nicht als frommer Christ zu bezeichnen. Sein Titel "I Have Forgiven Jesus" ist ein Schlag ins Gesicht eines Strenggläubigen. Im Video erscheint er im Priestergewand und fragt seinen Schöpfer, warum dieser ihm so viel Liebe mitgegeben habe, die er doch nie weitergeben könne. Gottes Widersacher kann mit Morrissey auch nicht viel anfangen, wie ein anderer Songtitel offenbart: "Satan Has Rejected My Soul".
"Gott ist eine Maßeinheit für unsere Schmerzen", sang John Lennon 1970. Und wer es bis dahin noch nicht verstanden hatte, wusste kurz darauf Bescheid: "Ich glaube nicht an die Bibel / ich glaube nicht an Tarot / ich glaube nicht an Hitler / ich glaube nicht an Jesus." Auch wenn Lennon später noch ironisch die Beatles, Zimmermann und Elvis anfügte, seine Position zur Kirche war damit geklärt. Johnny Cash hätte den Song sicher nie gecovert.
Als Martin Gore Ende der 80er Jahre auf US-Tournee in seinem Hotelzimmer den Fernseher anstellte, sah er sie ständig: TV-Prediger, die dem Zuschauer die vermeintliche Absolution versprachen, wenn man nur eine teure Hotline anruft. Ein ganz persönlicher Jesus für jedermann, also. Als speziellen Promo-Gimmick richtete Depeche Mode 1989 zur Singleveröffentlichung eine eigene Hotline ein, die den Song abspielte, der einer ihrer größten Hits wurde.
Die Seuche der "Televangelisten" nehmen auch Genesis aufs Korn. Im Video zu "Jesus He Knows Me", der zweiten Singleauskopplung aus "We Can't Dance", gibt Phil Collins einen überaus vertrauenswürdigen Fernsehprediger, dessen aufwändigen Lebensstil man doch gerne mit ein paar Milliönchen bezuschussen möchte - so er einem denn den Weg ins Paradies weist. Oder nicht? "Put your hands on the screen!"
Was wäre diese Liste ohne "God Only Knows", dem ersten Popsong, der je das Wort 'Gott' im Titel enthielt. Eingespielt mit damals undenkbaren Instrumenten wie Waldhorn und Cembalo, war er die bis dahin aufwändigste Produktion der Beach Boys. "God Only Knows" verbeugt sich vor dem Barock, seine Einflüsse gehen zurück bis zu Johann Sebastian Bach.
Paul McCartney war von "God Only Knows" zu Tränen gerührt und schickte seine Pilzköpfe zurück ins Studio, um "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" nochmals zu überarbeiten. Wie sagte Bono von U2 im Jahr 2006 bei Wilsons Aufnahme in die UK Music Hall of Fame so treffend: "Die Streicher-Arrangements auf 'God Only Knows' sind in der Tat der Nachweis, dass es Engel gibt." Der Mann nimmt häufig den Mund zu voll und nervt nicht selten, aber in diesem Fall trifft er den Nagel auf den Kopf.
Selten wurde die Bibel so schmissig vertont wie in "Noah" von Bruce Low. Die gesungene Kinderbibel bringt in knackigen zweieinhalb Minuten das Buch Genesis 6-9 unter das Volk. "Nimm von jedem Tier ein Paar, ohne Makel und gesund, und Frau Noah und die Kinder und die Katze und den Hund." Kein Wunder, dass Noah bei der Hektik Dinosaurier und Einhörner vergessen hat.
Zur gerissenen Kritik an Gesellschaft und Religion spielen die Ex-NDH-Rocker Oomph! auf. Mit Gott verhalte es sich wie mit Dieter Bohlen, legen uns Song und Video nahe. Beide seien sie große Stars, "doch nur zum Schein / Denn die Leute wollen betrogen sein". Wenigstens müssen wir Gott nicht jeden Tag auf RTL, sondern maximal bei K-TV auf Kanal 66 ertragen.
Schon früh erkannte Russ Ballard: "God Gave Rock And Roll To You". Argent eröffneten mit diesem Gottesgeschenk 1972 ihr Album "In Deep". Knapp 20 Jahre später nahm sich Interscope-Boss James Iovine der Nummer an, weil er sie unbedingt auf dem Soundtrack zu "Bill & Teds verrückte Reise in die Zukunft" haben wollte - allerdings nicht von Argent interpretiert, sondern als überarbeitete Version "God gave Rock And Roll To You II" - von Kiss. Und? Rockt die? "Volle Kanne, Hoschi!"
Dass Pop-Songs nicht zwangsweise belanglos sein müssen, zeigte Joan Osborne mit der Hilfe von Eric Bazillian (The Hooters) 1995. "One Of Us" wirft Fragen auf, ohne sie zu beantworten. Was wäre, wenn Gott einer von uns wäre? Ein Chaot oder ein Fremder in der Bahn auf seinem Weg nach Hause? Wie würden wir mit ihm umgehen? Würden wir ihm beim Namen nennen?
Auch Erdmöbel erliegen 2007 auf ihrem "No. 1 Hits"-Album dem Charme des Tracks. "Und zu Hause irgendwann / ruft ihn wieder keiner an / und wenn dann ist der Papst dran."
Das Lied hatte für Bazillian einen schönen weltlichen Nebeneffekt: "Ich schrieb den Song in einer einzigen Nacht, um einem Mädchen zu imponieren. Offensichtlich hat es gewirkt. Wir sind jetzt verheiratet und haben zwei Kinder."
Möglichst viele Themen abzuarbeiten, hat sich Stevie Wonder für sein Album "Songs In The Key Of Life" zum Ziel gesetzt, musikalisch wie inhaltlich. Klar, dass er dabei auch seinen Glauben, der ohnehin durch nahezu jeden seiner Songs hindurchschimmert, zum Thema macht. Wenn das Leben dir Stein um Stein in den Weg legt - was machst du dann? Stevie sagt: "Have A Talk With God", denn: "Well, he's the only free psychiatrist that's known throughout the world / For solving problems of all men, women, little boys and girls." Das große himmlische Räumkommando, sozusagen.
Wahre Geschichten, die das Leben schrieb: Kunde betritt Plattenladen und sagt: "Da gibts doch so einen Neger, der Musik macht." Plattenhändlerin antwortet, ohne eine Sekunde nachzudenken (sonst hätte sie wohl auch erst einmal die despektierliche Wortwahl missbilligt), nicht etwa: "Marvin Gaye, Louis Armstrong, B.B. King oder ... [fügen Sie hier den respektablen Künstler schwarzer Hautfarbe Ihrer Wahl ein, die Möglichkeiten erscheinen endlos]" Nein, die antwortet: "Faithless." Kunde darauf: "Genau! Den meinte ich." Ja, Gott ist ein DJ - und er legt zuweilen ganz schön krude Tracks auf ...
"Lieder, Die Die Welt Nicht Braucht" tauften die Doofen einst einen Sangeszyklus. Der umfasst paradoxerweise Lieder, die die Welt schrecklich dringend braucht. Oder wie hätte sich der Globus weiterdrehen sollen, ohne eine Abhandlung über den Erlöser in hessischer Mundart? "Jesus war ein Wandersmann, am liebsten aufm Ozean." Offenbach muss er wohl über den Main erreicht haben.
1988 veröffentlichten die schottischen Indie-Rocker The Vaselines eine Parodie des christlichen Kinderliedes "I'll Be A Sunbeam" namens "Jesus Wants Me For A Sunbeam". Vier Jahre später nahmen sie den Song mit verneinendem Songtitel noch mal neu auf. Kurt Cobain war ein großer Fan der Vaselines und so coverten Nirvana das Stück für ihren "MTV Unplugged"-Auftritt in New York.
Nuclear Assault waren schon immer Freunde von klaren Worten: "Let's go to the Vatican, get him out of bed / Put the noose around his neck and hang him till he's dead" ist lyrisch keine Meisterleistung, aber in 46 Sekunden ist man nun mal etwas eingeschränkt. Für langwierige Erklärungen bleibt da keine Zeit, aber die Herren um John Connelly werden schon ihre Gründe haben für ihren frommen Wunsch.
Jesus kämpft mit einer Schreibblockade. So oder so ähnlich, nur nicht ganz so einsam, dürft ihr euch übrigens den Redaktionsalltag vorstellen ...
Nette Songs dabei, aber als überzeugter Atheist empfehle ich Favorite - Gegen den Herrn. 
wobei Jesus von Olli Banjo auch ganz chillig ist...mann, klang der früher noch hungrig mit den ganzen Alliterationen etc.
http://www.youtube.com/watch?v=W5SiKOfG-EI
Warum ist eigentlich nix von Oberguru Xavier dabei? 
Da fehlt "Forgiven" von Alanis Morissette, wohl einer der ehrlichsten Songs über eine Mädchenvergangenheit in der katholischen Kirche.

Das mag ja alles schön und gut sein, aber ich möchte doch noch etwas klarstellen: Nicht "die Christen" sondern "die römisch-katholischen Christen"! Den Protestanten, mich eingeschlossen, geht der Papst gelinde gesagt sehr am Arsch vorbei.
Ansonsten, gute Songauswahl.
@aleister,
besser oder schlechter stand doch gar nicht zur Debatte. Der Papst ist nur das geistliche Oberhaupt der Katholiken, also sind Protestanten schlichtweg nicht betroffen; das war der Punkt.
Im Text wird allgemein von Christen gesprochen.
sind ein paar gute Songs dabei, sogar Wolferl Ambros. Muss mir die in Ruhe nochmals anhören.....; morgen wird ja ne Menge los sein, am Petersplatz und Umgebung, 200.000 Leute schätz man, eine klasse Verabschiedung......wird er sich freuen.
sind ein paar gute Songs dabei, sogar Wolferl Ambros. Muss mir die in Ruhe nochmals anhören.....; morgen wird ja ne Menge los sein, am Petersplatz und Umgebung, 200.000 Leute schätz man, eine klasse Verabschiedung......wird er sich freuen.
Einen meiner Lieblingssongs zu dem Thema habt ihr vergessen: http://www.youtube.com/watch?v=8u6PEPwniD0
Der Vatikan ist ein Huso, die gläubigen Lemminge die hinterherlaufen nur verlorene Seelen. Religion ist Opium für das Volk, eine Krücke für die geistig kleinen. Pfui!
Aber ganz nette Songauswahl. 
...weil die Atheisten nun mal die einzigen sind, die alles durchschaut haben. Die armen Kleingeister sind einfach nur nicht einsichtig genug und lehnen aktiv Wissenschaft und Fortschritt ab. Und ach ja, Sex vor der Ehe ist auch ganz böse.

Nine Inch Nails - heresy
Hang the Bastard - lesser gods
Smashing Pumpkins - bullet with butterfly wings
Marylin Manson - fight song
diese und viele andere Songs hätten auch noch gepasst.
in diesem Sinne ein Zitat aus dem NIN-Song:
"god is dead an no one cares - if there is a hell i´ll see you there"
Der hätte auch noch gepasst: http://www.youtube.com/watch?v=Dlj1OtOG-AU
Morphi Allah, Du hast so Recht, Allah - Allah fehlt, Allah. Yo, Allah.
sollen gestern an die 200.000 leute dort gewesen sein, eigentlich ein Wahnsinn, gerade mal für 15 min. bin ja eigentlich auch skeptisch (wie Dero) dem allen gegenüber, aber schon Respekt für den Schritt des Papstes (muss mal herausfinden, was Dero so dazumeint...)
Worauf ich eigentlich hinaus wollte, ist das verzerrte Bild des modernen Gläubigen. Das sieht nämlich ziemlich nach Westboro Baptisten aus. Alle meine gläubigen Freunde/Bekannte sind ganz sicher keine kleingeistigen Lemminge, sondern weltoffene, intelligente Menschen, die nicht jede Sure/Psalm/Zeile für bare Münze nehmen. Und vor allem auch sehr diskussionsfreudig sind zum Thema Gott, Religion und Glaube.

die wenigsten können doch mit Begriffen wie "Gott, Glauben, Atheismus" usw. überhaupt nichts anfangen.
Man ist entweder Gläubig, "weils alle anderen auch tun", oder man ist Atheist "weils cool ist die Oma damit zu erschrecken".
Beides ist Bullshit und beides trifft auf gefühlt 90% der Menschen zu.
Dann gibts natürlich noch ein paar, die sich wirklcih gedanken drüber machen. So wie (hoffentlich) ich.
Ob die richtig sind ist natürlich wieder was anderes 
Glauben ist gut, aber nicht an das was die herkömmlichen Religionen so blubbern. Der Mensch soll an sich selbst glauben.
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