Porträt

laut.de-Biographie

Global.Kryner

Aus Spaß wurde Ernst, und plötzlich stehen Global.Kryner mit einem ganz speziellen Sound auf den Bühnen Europas. Die Presse erfindet für sie Schubladen wie "Cosmopolitan Karawanken-Beat". Wie das klingt?

Die Österreicher buchstabieren Pop-Hits und Jazz-Klassiker im berühmten Oberkrainer-Format des Slavko Avensik. Das allerdings so versiert, dass sie im Musikantenstadl genauso beliebt sind wie auf Jazzfestivals oder beim seriösen Feuilleton, auf FM4 oder bei arte.

Die Neue Zürcher Zeitung schreibt einst über sie: "In der Welt der Musik kann das Unmögliche sehr schnell möglich werden. Und wenn es dann umgesetzt wurde, wirkt es so selbstverständlich, als ob es immer schon existiert hätte." Das wundert kaum.

Schließlich besteht die spritzige Combo aus Vollprofis: Bandgründer Christof Spörk (Klarinette und Gesang) ist Musikkabarettist und Politikwissenschaftler. Der bekannte Jazzer Edi Köhldorfer spielt Gitarre, während Musikschuldirektor Anton Sauprügl das Akkordeon flitzen lässt. Hinzu kommen die erfahrenen Musiker Karl Rossmann (Trompete) und Sebastian Fuchsberger (Bassposaune) sowie Sängerin Sabine Stiegler.

Die ersten Gigs spielt das Wiener Sextett 2001 und avanciert in kürzester Zeit zum Geheimtipp. Im April 2004 erscheint das gleichnamige Debüt, mit dem die Band im Herbst auch in Deutschland tourt. Ob es an "Like A Virgin" (Madonna), "Sex Bomb" (Tom Jones) oder "Hey Jude" (Beatles) liegt - in den österreichischen Charts hält sich die CD monatelang.

Die Coverversionen werden technisch versiert, musikalisch anspruchsvoll und mit sicherem Instinkt fürs Original arrangiert. Die Kryners sezieren sozusagen mikroskopisch genau die Song-Vorlagen und setzen die Grundbausteine Akkordeon-lastig oder besser auf oberkrainerisch buchstabiert wieder zusammen.

Bis dato gehören statt Stiegler und Rossmann noch die Salzburger Soul- und Popsängerin Anne Marie Höller und der Trompeter Thomas Gansch zum Line-Up. Beide steigen aber aus, und seit Anfang 2005 bildet Sabine Stiegler das stimmgewaltige Sahnehäubchen. Die Niederösterreicherin bringt ordentlich Soul in der Stimme unter und absolviert am Bruckner-Konservatorium eine Ausbildung in Jazz- und Populargesang. Die fünf Herren treffen Sabine zufällig in einem Studio und engagieren sie sofort.

Mit ihr setzt sich das Sextett in der österreichischen Vorausscheidung zum Eurovision Song Contest 2005 ("Song.null.fünf") durch. Dem schärfsten Mitkonkurrenten Alf Poier schmeckt das gar nicht. Der Musikkabarettist sieht sich als Opfer der kurzfristig vom ORF geänderten Wahlregeln.

Das Halbfinale im ukrainischen Kiew übersteht die Eigenkomposition "Y Así" allerdings nicht. Der austro-karibische Track findet sich dafür auf dem Zweitling "Krynology", der im Mai 2005 erscheint.

Und wieder beweisen die Österreicher musikalischen Tiefgang. So umschiffen sie beispielweise die Gefahr, an Falcos prägnanten Strophenvocals von "Rock Me Amadeus" zu scheitern, mit dem Blues-typischen Frage/Antwort-Schema. Dazwischen schwappen die stilprägenden Oberkrainer-Muster an die Oberfläche, oder eine E-Gitarre (bei Tina Turners "I Can't Stand The Rain").

Hinzu kommen noch Stücke wie "Shut Up" (Black Eyed Peas) oder Britney Spears ("Toxic" und "Oops, I Did It Again"). Außerdem finden sich diesmal inklusive besagtem Grand Prix-Beitrag vier Eigenkompositionen.

Grand Prix und "Krynology" bringen der Band den heimischen Amadeus Award in der Kategorie Pop/Rock National ein. Im Anschluss geht es dann auf Mammuttour mit rund 100 Gigs, diesmal durch Österreich, Deutschland, die Schweiz, Kroatien, die Niederlande und Slowenien. Und wie viele Rundfunk-Auftritte die Kryners daneben absolvieren müssen, wissen sie wahrscheinlich selbst nicht. Es sind 30.

Im Januar 2008 steht der dritte Longplayer der schrägen Wiener in den Regalen. "Weg" setzt nun überwiegend auf Eigenkompositionen (sieben von 13 Songs) mit feiner Ironie. Dabei werden die swingenden deutschen 30er-Jahre ("Kratzen") oder Jazzfunkiges ("Alt") wie üblich auf Oberkrainer getrimmt.

Zwei kubanische Klassiker ("Oye Como Ya" und "Bésame Mucho") sowie bekannt eigenständige Interpretationen von Discohymnen wie "I Will Survive" und "Dschinghis Khan" oder John Fogertys "Proud Mary" (zusätzlich in der Maxi-Version zu hören) runden ein niveauvolles Album ab.

Dass 2009 dann mal ein Livealbum ansteht, ist nun wirklich Pflicht für Livemusiker ihres Kalibers. Mit den in Österreich ansässigen The Rounder Girls erscheint im selben Jahr ein weiteres Album: Die drei Soul-Damen traten mit den Globals beim Euovisiosn Song Contest auf.

2012 zeigen Stieger, Spörk, Sauprügel und Köhldorfer, dass sie einen langen Atem (und noch immer genügend Fans) haben. Mit Markus Pechmann an der Trompete und Martin Temmel an der Bassposaune (beide seit 2009 an Bord) kehrt man zum bewährten Konzept zurück, ausschließlich Coverversionen aufzunehmen.

"Coverstories" erscheint im Januar via Koch/Universal und bietet wieder Uptempo-Volskmusik zwischen Rammstein, Peter Fox, Herbert Grönemeyer oder den Prinzen. Die Globals wissen zweifellos, wen man durch den Oberktainerwolf drehen muss. Und die finden das nachweislich auch noch toll.

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