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Ein Memento Mori ziert das Cover des dritten Get Well Soon-Albums. Als Stillleben vor einer hellen Holzwand versammelt finden sich Vanitas-Motive vom Totenkopf bis zum Buch, auf der Rückseite eine Sanduhr und ein Kerzenständer. So ganz ernst gemeint ist das jedoch nicht: Denn die Objekte sind nicht nur lieblos nebeneinander aufgereiht, ihnen ist auch jeweils ein Ausstellungskärtchen dazugestellt.
Genau zwischen diesen beiden Polen pendelt auch das Album. "The Scarlet Beast O'Seven Heads" - wieder einmal ein Konzeptalbum - dreht sich um Sterblichkeit und Weltuntergang. Bibelfeste Zeitgenossen können das schon am überpathetischen Titel ablesen, denn das "scharlachrote Tier mit sieben Köpfen und zehn Hörnern" (Offenbarung 17,3) symbolisiert die kommende Apokalypse. Konstantin Gropper, der einst als Indie-Wunderkind hochgejubelte Multiinstrumentalist hinter Get Well Soon, hat also wieder ausreichend Gelegenheit, die ganz großen Gesten auszupacken. Und doch flackert hier und da etwas Leichtigkeit und Witz auf.
Das Album beginnt mit einem "Prologue", der sich auch als Epilog gut machen würde. Hier stimmt alles, der Pomp ist richtig dosiert, der Gesang getragen, aber nicht überstrapaziert, dezente Banjos künden von der Spaghetti-Western-Atmosphäre, die das Album durchziehen wird. "I run and search this cold, cold world / Turns out, I got it all wrong" und "We sit and curse the government / They can't do anything right" singt Gropper, und vor dem inneren Auge sitzt er dabei im Schaukelstuhl auf einer Veranda. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass der 29-Jährige erstaunlich altersweise daherkommt.
Das darauffolgende "Let Me Check My Mayan Calender" lässt die soeben angeklungene Leichtigkeit allerdings wieder vermissen. Die Referenzen an die Filmmusik eines Ennio Morricone kann man zwar deutlich heraushören. Ob mit Chören, Bläsern, Flöten oder Glockenspiel: Gropper gelingt es auf einzigartige Weise, den Sound italienischer Filmmusik der 60er und 70er Jahre heraufzubeschwören. Das Beste an diesem kurzen Instrumental bleibt trotzdem der augenzwinkernde Titel.
In "The Last Days Of Rome" kommen dann das erste Mal die Achtziger-Synthies und Drums zum Tragen. Und das sind ohne Frage die stärksten Momente des Albums. "The Kids Today" und das großartige "Roland, I Feel You" leben ebenso von diesem 80s-Sound, und von einem Gropper, der immer mehr wie David Bowie klingt. Nachdem Get Well Soon auf dem letzten Album schon Werner Herzog besungen hatten, nun also Roland Emmerich. Gemeinsam mit dem Verfilmer der Apokalypse fühlt das lyrische Ich, wie es beim Geschichtenerzähler Gropper heißen muss, den Weluntergang nahen: "Roland, I feel you / It is mayhem these days / I specialize in end-times, too". Auch dieser Songtitel und Text mit leicht ironischer Note.
Leider kommt Gropper während der nächsten Lieder wieder von diesem Pfad ab. Statt 80er gibt es mehr Filmmusik. Und die wirkt oft etwas zu ernst und bemüht. Entsprechend schnell stellt sich Langeweile ein. "Oh My! Good Heart" plätschert genauso vor sich hin wie "Courage, Tiger". Die Idee hinter "Just Like Henry Darger", das von den Vivian Girls handelt, einer literarischen Erfindung des Outsider Art-Helden Darger, mag schön sein. Musikalisch macht es aber nichts her. Den Songs fehlt eine Mitte, fehlt das Zwingende, da sind wir von Gropper schon besseres Songwriting gewohnt. Erst das vorletzte "The World's Worst Shrink" vermag mit seiner Reduzierung auf (fast nur) Gesang und Gitarre noch einmal zu berühren.
Genau wie der Popakademie-Absolvent Gropper halb zwischen den Pop-Auffassungen des Dozenten Xavier Naidoo und denen einer Subkultur steht, wechselt auch seine Musik zwischen kräftigen, großen Indie-Pop-Songs und arg pathetischen, mit zu vielen Ideen überfrachteten Filmmusik-Stücken. "Mal schön fluffig aus der Hüfte" wollte Gropper sein drittes Album angehen, und das ist ihm teilweise auch gelungen. Aber Konzeptalben müssen oft ein paar Songs für das Konzept opfern und klingen nicht selten von vorne bis hinten schrecklich. So geht der Platte recht schnell die Puste aus. Gropper hätte sich ruhig noch mehr auf den vorsichtigen Witz des Cover-Artworks besinnen sollen.
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Es ist wirklich zu schade, daß er nach dem ersten Album in Sachen Songwriting so dermaßen nachgelassen hat. Die Tracks auf jenem hatten unheimlich viel Potenzial nach oben und ich war gespannt, ob Herr Gropper die internationale Musiklandschaft ein wenig aufmischen würde. Mit dem zweiten und diesem Werk bin ich aber auf Kriegsfuß. Es ist, als wolle er einfach keine neue Akkorde und Harmoniefolgen lernen - und aus den alten hat er schon so ziemlich alles rausgeholt. Nach ein paar Takten ist bei jeder Nummer klar: Ach, einer von vielen Songs von Get Well Soon. Dann muss man ja beim Rest nicht mehr so genau hinhören.
Ich denke, dass gerade die Songs "Oh My! Good Heart" und "Courage, Tiger" sich erst nach mehrmaligen Hören entfalten und dann sogar den bisherigen Speerspitzen des Albums "Roland, I Feel You" und "You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)" den Rang ablaufen können.
Für mich ein Highlight des Jahres!
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