Porträt

laut.de-Biographie

Get Cape. Wear Cape. Fly

Hinter Get Cape.Wear Cape.Fly verbirgt sich der Brite und Halb-Birmese Sam Duckworth. Der eigenwillige Name entstammt angeblich einer Überschrift in einer Computerspiele-Zeitschrift. Bei Get Cape.Wear Cape. Fly handelt es sich um ein Soloprojekt des jungen Singer/Songwriters, der in Southend in Essex aufwächst, woher auch sein persönlicher Held Billy Bragg stammt.

In seinen Jugendjahren spielt er in diversen Hardcore-Bands, um irgendwann festzustellen, dass seine Songs mehr Aussagekraft haben, wenn er sie alleine vorträgt. Gesagt, getan: Er tourt über die Insel, um seine Lieder mit Akustikgitarre und Laptop dem Publikum vorzustellen. Als musikalische Einflüsse nennt er Billy Bragg, The Clash, Dartz!, Lemon Jelly und Blur.

Nach der Veröffentlichung des Songs "Smile" als Splitsingle im Januar 2004 erscheint im April 2005 seine erste eigene EP "Get Cape. Wear Cape. Fly" auf dem Label Big Scary Monsters. Der Auftritt bei der "In The City"-Music Conference in Manchester im Herbst 2005 markiert den eigentlichen Durchbruch des damals 18-jährigen Newcomers. Huw Stephens vom englischen Sender Radio One sieht und hört Sam Duckworth und lädt ihn zu einer Session ein.

Anfang 2006 ist Duckworth mit seinem Agit-Folk, unterlegt mit dezenter Laptop-Elektronik, ein heißer Tipp in der britischen Musikszene. Atlantik Records wird auf den talentierten Songwriter aufmerksam und bietet ihm schließlich einen Vertrag an.

2006 erscheinen drei Singles ("I-Spy"/"Call Me Ishmael", "Chronicles Of A Bohemain Teenager (Part One) und "War Of The Worlds") mit beachtlichem Erfolgen im UK. Das Debütfolgt im Februar 2007 mit dem Titel "The Chronicles Of A Bohemian Teenager".

Die Platte beinhaltet vorsichtig arrangierte Songs, die Duckworth in seinem Zimmer im Haus seiner Eltern und in einem Fabrikgebäude eingespielt hat. Er singt von den Erfahrungen und der Gefühlswelt eines jungen Mannes und beklagt wütend soziale und politische Missstände. "Wir haben alle irgendwas, mit dem wir die negative Energie unserer Jobs kompensieren", sagt Sam Duckwort, "Gitarre spielen, Skateboarden, Freitags trinken gehen. Eskapismus ist wichtig!"

Nach Auftritten im Sommer 2006 auf dem Martyrs Of Tolpuddle-Festival und dem Love Music Hate Racism-Konzert auf dem Trafalgar Square in London ist es naheliegend, Sam Duckworth die Identität eines Protest-Songwriters überstülpen zu wollen.

"Ich bin ein paar Mal so betitelt worden, aber ich fühle mich darin nicht wohl. Ich nutze jede Plattform, um auszudrücken, wie ich mich fühle. Aber musikalisch behindert dich dieser Stempel. Jeder Künstler ist theoretisch ein Protest-Songwriter, wenn er es ernst meint und etwas zu sagen hat."

"The Chronicles Of A Bohemian Teenager" ist ein beeindruckendes Debüt eines Songwriters, der schon im Vorprogramm der Magic Numbers, Funeral For A Friend und Feeder gespielt hat und doch erst am Anfang seiner Karriere steht. Im Januar 2007 wird er bei den jährlichen NME-Awards als bester Solo-Künstler nominiert und tritt gegen Jamie T, Thom Yorke, Jarvis Cocker, Lily Allen und Kate Nash n - Letztere erntet schließlich die Lorbeeren.

Im März 2008 erscheint das zweites Album "Searching For The Hows And The Whys", das er weitaus ambitionierter umsetzt als sein Debüt. "Während der Tour habe ich angefangen, es auf meinen Computer einzuspielen, aber je mehr ich mich damit auseinander setzte, desto weniger wollte ich eine Platte machen, die nach Schlafzimmeraufnahmen klingt. Ich wollte einen hörbaren Schritt nach vorne machen."

Zur Umsetzung dieser Vision holt er sich als Co-Produzenten Nitin Sawhny ins Boot. Die anfänglich Skepsis weicht schließlich der Überzeugung, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Das typische Akustik-Fingerpicking wird nun von scharfen Elektrobeats geführt, zudem ergänzen Bläser und Streicher die Arrangements.

Lyrisch setzt er sich erneut vehement mit den Widrigkeiten der kapitalistischen Gesellschaft auseinander. Mit "Better Days" findet sich auch ein Song mit Kate Nash, seiner guten Freundin, die er auch auf Tour begleitet.

Der dritte Streich "Get Cape. Wear Cape. Fly." geht den Weg weiter. Noch eklektischer ist der Sound, der die politischen Thesen des Singer/Songwriters untermalt. Einflüsse aus allen möglichen Teilen der Musikwelt ergeben ein breit gefächertes Album.

Duckworths gesellschaftliches Engagement lässt mit steigendem Bekanntschaftsgrad nicht nach. Trotz wichtiger Albumaufnahmen spielt er eine große Rolle in der Londoner Occupy-Bewegung oder dem Abschlusskonzert des mittlerweile abgerissenen London Astoria.

Mit seinem Jugendhelden Damon Albarn und vielen weiteren Musikern reist er für dessen Hilfsprojekt "Damon Albarn's Africa Express" durch Nigeria und den Kongo, um dort Benefizkonzerte zu spielen und Workshops zu geben.

Das 2012 erscheinende "Maps" ist das vierte Get Cape. Wear Cape. Fly.-Album. Ohne viele Experimente und Tüfteleien, zeugt es von einer gewissen Etabliertheit des Engländers. Britpop-Gefühle und geradlinige Songs bändigen hier die zuvor sehr offen geratenen Strukturen. Den Sinn für vielschichtige Lieder mit angenehmen Überraschungen verliert Duckworth allerdings nicht.

Alben

Get Cape. Wear Cape. Fly. - Maps: Album-Cover
  • Leserwertung: 3 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2012 Maps

Kritik von Hannes Wesselkämper

Viel Britpop-Feeling und ein paar Kompromisse. (0 Kommentare)

Videos

Video Video wird geladen ...

Noch keine Kommentare