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Marek Lieberberg kritisiert das Machtmonopol der GEMA. Und tatsächlich: Musiker müssen beweisen, dass sie NICHT in der GEMA sind.
Frankfurt (joga) - Das Amtsgericht Frankfurt hat den der Piratenpartei nahestehenden Verein Musikpiraten am Montag zur Zahlung von 68 Euro an die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA verurteilt. Die GEMA hatte geklagt, nachdem der Verein 2011 eine CD mit Musik von Künstlern veröffentlicht hatte, die laut Musikpiraten nicht der GEMA angehören.
Da eines der darauf enthaltenen Stücke unter dem Pseudonym 'texasradiofish' veröffentlicht worden war, hatte die GEMA die Herausgabe des Klarnamens verlangt, um die behauptete Lizenzfreiheit überprüfen zu können. Mit seinem Urteil hat das Frankfurter Gericht nun die sogenannte "GEMA-Vermutung" bekräftigt, derzufolge die GEMA die Rechtmäßigkeit ihrer Ansprüche nicht nachweisen muss. Die Beweispflicht liege vielmehr bei den Musikpiraten.
'GEMA-Vermutung' nicht mehr zeitgemäß?
Die bereits mehrfach von deutschen Gerichten bestätigte "GEMA-Vermutung" basiert auf der Annahme, dass die GEMA in Deutschland ein Monopol bei der Musiklizensierung habe, dass man also grundsätzlich davon ausgehen könne, dass deutsche Musiker auch in der GEMA seien.
Dass diese Annahme in Zeiten lizenzfreier Download-Portale noch aufrecht zu erhalten ist, bezweifeln die Musikpiraten und wollen deshalb in Berufung gehen.
"Harter Schlag für die Creative Commons-Szene"
"Die heutige Niederlage vor dem Amtsgericht Frankfurt ist ein harter Schlag in das Gesicht der Creative Commons-Szene. Es erklärt, dass die Creative Commons-Lizenzen nur gelten, wenn die Urheber auf ihr Recht auf eine anonyme oder pseudonyme Veröffentlichung verzichten", kommentiert Christian Hufgard, Vorsitzender der Musikpiraten, die Klage.
Die vom Frankfurter Gericht erneut bestätigte Monopolstellung der GEMA kritisiert auch der renommierte deutsche Konzertveranstalter Marek Lieberberg scharf. In einem Interview mit dem Hamburger Stadtmagazin Oxmox bezeichnet er die GEMA als "Big Brother, der das Musikgeschäft aussaugt und die Branche nach Gutsherrenart schikaniert".
Lieberberg vergleicht GEMA mit Krebsgeschwür
Die GEMA habe sich "metastasenartig ausgebreitet und vor allem ihr Selbstversorgungssystem perfektioniert", so Lieberberg. Sie erhebe "Horrorgebühren", die dann nach dem "Gießkannenprinzip an unbeteiligte Nutznießer des GEMA-Sumpfes ausgeschüttet" würden. Lieberberg sieht nur eine Lösung: "Das GEMA-Monopol muss auf europäischer Ebene endlich gebrochen werden!"
Dieses Anliegen wollen auch die Musikpiraten weiter verfolgen. Am Tag der (vorläufigen) Niederlage vor Gericht veröffentlichten sie erneut einen weiteren "Free! Music! Sampler", auf dem auch 'texasradiofish' wieder vertreten sind. "Wir werden uns nicht von diesem Fehlurteil verbieten lassen, Musiker zu fördern, die ihre Werke unter einer Creative Commons-Lizenz veröffentlichen", so Hufgard.
Da zeigt die deutsche Bürokratur wieder ihre häßlichste Fratze.
"Metastasenartig ausgebreitet[es] (...) Selbstversorgungssystem" trifft es ja schon ziemlich genau, wenn man jemandem erklären wollte, was die GEMA ist.
Perfrekte Beschreibung, Menschenfeind. Gerne stellen wir uns nach 1600 Jahren christlicher Kulturfinsternis und einem gerade so noch überstandenen Faschismus als die großen Lehrmeister freiheitlicher und gerechter Werte dar. Dabei gibt es hier so dermaßen viel Zwielichtigkeit, Doppelmoral und schlicht ungerechte Hanldungsparadigmen in unseren Gerichten, daß ich nur regelmäßig mit dem Kopf schütteln kann. Die GEMA ist ja mitnichten die einzige Institution, bei der ohne mit der Wimper zu zucken die Beweispflicht umgedreht wird. In der Schule lernte ich einmal, daß die Umkehr der Beweispflicht nur im wilden Westen üblich war und wir uns freuen könnten, in einem modernen Land zu leben.
Tja, warum verfahren Gerichte denn nicht immer mit dieser bequemen Umkehrung? So wäre es auch kein Problem, Gottes Existenz zu beweisen, nicht wahr? Dann sind sämtliche Kriege auf der Welt zurückführbar auf eine Gruppe Lebkuchenmänner. Und wenn ich jemanden umbringe, so hat der Geist von Elvis von mir Besitz ergriffen.
Oh man, so schlimm wie ein Krebsgeschwür echt? Ist sie nicht vielleicht sogar so schlimm wie Nazis und Völkermord?
Ich glaube viele Künstler, und nicht nur die Dieter Bohlens, leben lieber mit der gema als mit einem Krebsgeschwür.
Sicherlich, vieles läuft schief in diesem Verein aber gleich Vergleiche mit krebsgeschwüren zu ziehen...na ja
Ich habe außerdem das Gefühl, dass sich vorwiegend leute über die gema beschweren, die nicht ihre Musikvideos auf Youtube ansehen können.
Mal neutral gefragt: Wie in aller Welt will man das Problem anders lösen?
Die GEMA hat den Auftrag ihrer Mitglieder, ihre Rechte wahrzunehmen. Dazu muß sie wissen, was von wem veröffentlicht wird, also ist es notwendig, die Urheber zu kennen. In dem Augenblick, da die Urheber nicht Mitglied der GEMA sind, ist doch alles in Ordnung. In dem Augenblick, da sich Menschen hinter irgendwelchen Pseudonymen verstecken oder anonym veröffentlichen wollen, ist diese Arbeit nicht mehr möglich. Darüber hinaus weiß ich nicht, wie die ganze Scheiße laufen soll, wenn jemand Mißbrauch betreibt, sei es in die eine Richtung (Anonymer verwendet Material von GEMA-Mitgliedern für seine Veröffentlichung) oder in die andere (jemand meldet sich selbst unter einem Pseudonym, das eigentlich unter CC läuft, bei der GEMA an, um von der Arbeit dieses Menschen zu profitieren). Wenn der Real-Name nicht irgendwo registriert ist, halte ich persönlich das für eine ziemlich heikle Angelegenheit, egal, wer auch immer den Beweis letzten Endes zu erbringen hat.
Gruß
Skywise
Ich fürchte, da schätzt Du die Situation gewaltig falsch ein. Solange es keine vernünftige Alternative gibt und das Urheberrecht im Bereich der Legislativen und Iudikativen den aktuellen Stellenwert genießt (was auch vermutlich so bleiben wird, wenn man sich die Signale aus Europa anschaut), dürfte die GEMA kein größeres Existenzproblem haben. Darüber, daß es ein Sauhaufen ist, brauchen wir nicht zu diskutieren, aber dieses Argument hat ja noch nicht mal gereicht, um Bundesregierungen den Garaus zu machen, warum also der GEMA?
Gruß
Skywise
Sky: Ne, die GEZ finde ich (mittlerweile) völlig ok, zahle seit nem Jahr oder so erstmals und freiwillig, schon ok was sie mit den Gebühren machen. Mit der Sprengung der Gema würde man keine Probleme auslösen, man hätte die Gelegenheit für einen gerechten Neuanfang.
Ich glaube aber, das ist wieder zu einfach gedacht. Sprengen wir die Gema für einen Neuanfang. Wenn es so einfach wäre, würde sich schon lange keiner mehr wohl oder übel gefallen lassen, was für irrationalen Scheiß die Gema betreibt.
Ich glaube aber, das ist wieder zu einfach gedacht. "Sprengen wir die Gema für einen Neuanfang." Wenn es so einfach wäre, würde sich schon lange keiner mehr wohl oder übel gefallen lassen, was für irrationalen Scheiß die Gema betreibt.
"Sprengen wir die Regierung" - da sollte man zumindest tendentiell auch den Gedanken haben, dass das vielleicht nicht der durchdachteste Masterplan ist, um Probleme anzugehen.
Die GEMA hat es über die Jahre schon schön eingefädelt, daß sie als alternativlos und unentbehrlich erscheint. Interessanterweise erhält im Detail kaum ein Künstler eine auch nur ansatzweise gerechtfertigte Entlohnung für den auf der anderen Seite massiven Aufwand, den diese Organisation betreibt. Erst wenn man ohnehin so erfolgreich und bekannt ist, daß man die GEMA im Grunde nicht mehr bräuchte, wirft die Organisation ordentliche Summen ab.
Für 90-95% der Künstler würde sich ohne GEMA also im Grunde nichts ändern. Nur wer gerne auf Prinzipien herumreitet und jeden kleinen Veranstalter dafür belangen will, daß er mal einem kleinen Künstler Gehör, Bekanntheit und somit Zielgruppenerweiterung verschafft, der kann die GEMA noch verteidigen oder gar - *Würgreiz* - unterstützen.
Wieso "so erfolgreich und bekannt ist, daß man die GEMA im Grunde nicht mehr bräuchte"? Ich will nicht wissen, wieviel Geld die "Klassiker" den jeweiligen Komponisten auch noch nach Jahr und Tag ins Portemonnaie spülen, insbesondere durch Airplay-/Konzertpräsenz.
Gruß
Skywise
Du meinst, der Komponist, der das Notenmaterial zu einer Heimatfilmschmonzette aus den 60er Jahren geliefert hat, darf sich auf gar keinen Fall darüber freuen dürfen, daß der Streifen mal wieder im Fernsehen gezeigt wird?
Gruß
Skywise
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