Porträt

laut.de-Biographie

Gentle Giant

Zu Beginn der 70er sind die einzigen Einschränkungen, denen ein junger Musiker unterworfen ist, die seiner eigenen Vorstellungskraft. Der Vorläufer von Gentle Giant, die Band Simon Dupree And The Big Sound um die drei Shulman-Brüder Derek, Phil und Ray, muss sich erstmal aus dem Gedankengefängnis befreien und spielt lupenreine Chartmucke. 1967 landet die Gruppe einen Top Ten-Hit in ihrer Heimat England, der sich mehr als Fluch denn als Segen entpuppt. Der Druck bewirkt, dass die Simon Dupree-Band auseinander bricht.

Das Musikverständnis der Shulman-Brüder verläuft diametral zum gängigen Mainstream-Geschmack. Dem Trio schwebt ein Sound vor, der grenzenlos angelegt ist und die unterschiedlichsten Genres vereint. Musik soll Futter für die Seele sein und kein liebloses Accessoire. Mit dem Gitarristen Gary Green und dem klassisch ausgebildeten Multiinstrumentalisten Kerry Minnear finden Derek, Phil und Ray weitere Brüder im Geiste, um den artifiziellen Weg zu beschreiten.

Das Sextett schließt sich im Proberaum ein, schichtet Part um Part und nähert sich so dem selbstgesteckten Soundideal an. Von 1970 an erscheinen die Alben im Jahrestakt. Erst die 1977 erscheinende Live-Platte "Playing The Fool" markiert eine Zäsur. Forciert durch die Punk- und New Wave-Bewegung wendet sich die Band vom Progressive Rock ab und schippert durch seichtere musikalische Gewässer.

Eine interessante Randnotiz betrifft einen Pianisten namens Reg Dwight, ein ehemaliges Mitglied der Simon Dupree-Band, der an den Auditions zur neuen Band teilnimmt und eigenes Songmaterial wie "Your Song" oder "Skyline Pigeon" vorweisen kann. Die Shulmans und Co. finden die Musik zu poppig, woraufhin Dwight seinen Namen in Elton John ändert und eine beispiellose Weltkarriere startet.

Francois Rabelais Novelle von den Riesen Gargantua und Pantagruel aus dem 16. Jahrhundert, die mit einem grotesken Erscheinungsbild, derbem Verhalten und schwarzen Humor charakterisiert sind, dient als Inspiration für das Songwriting. Der Name Gentle Giant spiegelt schließlich die orchestrale und folkige Seite der Band mit Violine, Cello und Akustikgitarre wie auch die kraftstrotzende Proto Metal- und Classic Rock-Kante mit weit aufgerissenen Verstärkern wider.

Als Sextett mit wechselnden Drummern fungieren Gentle Giant als Vorreiter der neuen Progressiv Rock-Bewegung für nahezu ein Jahrzehnt. Auch wenn Bands wie Yes, ELP oder King Crimson die Meriten abgreifen, tragen Gentle Giant den Geist der progressiven Bewegung mit und erweisen sich mit ihrem grenzsprengenden Denken als zukunftsweisend für viele nachfolgende Bands, ähnlich wie Van Der Graaf Generator.

Antriebsfeder neben dem Anspruch nach Tiefgang ist die Angst davor, wie das ehemalige One Hit Wonder zu klingen. Man bedient sich als Basis eines Rock-Kontexts, verwendet dabei klassische Kompositionstechniken wie Kontrapunkt und Polyphonie sowie klassische Instrumentationstechniken. Produzent Tony Visconti (David Bowie, Thin Lizzy, Morrissey) betreut die Band zu Beginn ihrer Laufbahn und zieht alle Register seines Könnens, um der anspruchsvollen Klangkunst ein entsprechendes Soundgewand zu schneidern.

Mit Steven Wilson findet die Band 35 Jahre nach dem Split einen anerkannten Sound-Restaurator von Prog-Meisterwerken, der den verbliebenen Mastertapes der ersten drei Alben einen klanglichen Feinschliff verpasst. Die "Three Piece Suite" erscheint 2017 und zeigt eindrucksvoll die musikhistorische Stellung von Gentle Giant.

Alben

Surftipps

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    Liebevoll gestaltet Homepage im Old School-Style.

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