Porträt

laut.de-Biographie

Gary Lucas

Gary Lucas ist einer jener Musiker, die ein bisschen überall ihre Finger im Spiel haben. Die Liste an Zusammenarbeiten des New Yorkers ist schier unendlich, in seinem Lebenslauf erscheinen mehrere hochkarätige Namen, er gilt als Virtuose der Dobro-Gitarre. Dennoch ist er außerhalb eines begrenzten Kreises an Festivalkuratoren, Journalisten und Kollegen kaum bekannt.

1952 in Syracuse, Bundesstaat New York in eine jüdische Familie geboren, greift er mit neun zum ersten Mal zur Gitarre. Während der High School spielt er französisches Horn im Schulorchester. Doch das prägende musikalische Ereignis erfährt er während des Studiums, als er ein Konzert von Captain Beefheart und seiner Magic Band besucht. Die verworrene, psychedelische Musik des durchgeknallten wie genialen Kaliforniers zieht ihn sofort in ihren Bann. Er nimmt sich vor, in seine Band einzutreten.

Zunächst zieht es ihn jedoch nach Wien, wo er die E-Gitarre in Leonard Bernsteins Messe spielt, dann für zwei Jahre nach Taiwan. Dort gründet er die internationale Combo O-Bay-Gone Band (was auf Taiwanesisch "The Bullshit Band" bedeuten soll) und erreicht in der Hauptstadt Taipeh einen lokalen Erfolg.

Zurück in den USA, ruft Lucas 1976 Captain Beefheart an und bewirbt sich als Gitarrist. Er erhält den Job und wirkt an den Alben "Doc At The Radar Station" (1980) und "Ice Cream For Crow" (1982) mit. Auf letzterem spielt er das Solo zu "Evening Bell". Technisch ist es so schwer, dass er es vor der Aufzeichnung sechs Wochen lang einüben muss. "Gary Lucas hat sich scheinbar zusätzliche Finger wachsen lassen, um das zu bewältigen", schreibt die Zeitschrift Esquire.

Zu Beginn der 80er Jahre übernimmt Lucas auch den Job des Managers der Band, doch Beefhearts goldene Zeiten sind längst vorbei. 1982 zieht er sich in den Norden Kaliforniens zurück und beginnt ein zweites Leben als Maler. Lucas legt seine aktive Musikerkarriere vorübergehend auf Eis und verdingt sich eine Zeit lang als Produzent, bevor er 1988 mit seiner Gitarre in New York wieder die Bühne betritt.

1989 gründet Lucas Gods & Monsters, eine Rockband mit wechselnder Besetzung, der Anfang der 90er Jahre der noch unbekannte Jeff Buckley angehört. Gemeinsam schreiben sie die Stücke "Mojo Pin" und "Grace", die 1994 auf Buckleys Debütalbum landen und den Mythos mitbegründen, der nach dem Tod des Sängers entsteht. 2002 erscheint mit "Songs To No One" ein posthumes Album mit weiteren Stücken der beiden.

Doch Lucas beteiligt sich auch an vielen anderen Projekten. 1989 entwirft er eine Gitarrenbegleitung für den Stummfilm "Golem" (1920), die er nach wie vor live aufführt. In den 90er Jahren schreibt er mit Joan Osbourne den Hit "Spider Web", der ihr eine Grammy-Nomination einbringt.

Ständig mit Band oder solo auf Tour, veröffentlicht Lucas immer wieder Alben unterschiedlichsten Stils. "The Edge Of Heaven" (2003) etwa beschäftigt mit chinesischer Popmusik der 1930er, 40er und 50er Jahre, während "Diplopia" (2003) und "The University Of Absence" (2004) mit dem niederländischen Lautenspieler Jozef Van Wissem entstehen. Im selben Jahr erscheint auch das Album "Beyond The Pale" mit dem britischen Elektronikduo The Dark Poets, das mit dem Soundtrack zum Splatterstreifen "Cradle Of Fear" (2002) auf sich aufmerksam gemacht hatte.

2003 führt er zudem ehemalige Mitglieder von Captain Beefhearts Combo zusammen, allerdings ohne die Beteiligung des nur noch malenden Rinderherzens. Sie geben sich den alten Namen Magic Band und bestreiten in den folgenden Jahren zahlreiche Auftritte, unter anderem beim Glastonbury Festival. Nach der Auflösung 2006 gründet Lucas die Beefheart-Tributeband Fast'n'Bulbous, die sich mit dem sperrigen Material instrumental und in eher jazzigem Stil auseinander setzt.

2007 trommelt Lucas eine neue Version von Gods & Monsters zusammen. Produzent des neuen Albums ist Talking Heads-Keyboarder Jerry Harrison, Gastrollen übernehmen David Johansen von den New York Dolls und die Französin Elli Medeiros. "Coming Clean" erscheint in Deutschland im Januar 2008.

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