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GEMA, DKV und DEFKOM reagieren auf eine satirische Klickstrecke von stern.de mit Protestbriefen an die Redaktion des Magazins.
München (huz) - Ende letzter Woche hat die GEMA beim Landgericht München Klage gegen die Videoplattform Youtube eingereicht. Grund sind die von Youtube automatisch generierten Sperrbilder, in denen es heißt: "Dieses Video ist in Deutschland nicht verfügbar, weil es möglicherweise Musik enthält, für die die erforderlichen Musikrechte von der GEMA nicht eingeräumt wurden."
Dieser Text trägt nach Meinung der GEMA dazu bei, dass ihr bei der Sperrung allein der schwarze Peter zugeschoben wird. Die Google-Tochter hingegen habe ja auch ihren Anteil daran. "Der Verweis auf die GEMA wird zur reinen Stimmungsmache willkürlich eingeblendet", äußerte sich unlängst GEMA-Chef Harald Heker dazu. Die wenigsten Werke seien unmittelbar auf Wunsch der GEMA gesperrt.
Das Magazin "Stern" hat sich dieser Posse jetzt angenommen und in einer Klickstrecke auf satirische Art und Weise "ein paar nicht ernstgemeinte Alternativen" zu den Sperrtexten gebastelt. In gewohntem Youtube-Layout sind darin Sätze wie "Lieber User, aktuelle Musikvideos findest du dank der GEMA nicht mehr auf Youtube. Schau doch mal bei Kim Dotcom vorbei!" oder "Dieses Video ist in Deutschland wegen der maßlosen GEMA-Forderungen gesperrt. Sorry liebe Rockmusiker, wir wollen nicht für eure Rolls-Royce-Wagen, Kunstsammlungen und die Unterhaltsansprüche eurer Ex-Frauen aufkommen." zu lesen.
Die GEMA reagiert gereizt
Die Reaktion der GEMA ließ nicht lange auf sich warten. In einem offenen Brief an die Verantwortlichen des "Stern" zeigt man sich verärgert: "Wir sind fassungslos, dass Sie als renommiertes Medium derart ehrverletzend und einseitig parteiisch gegen uns berichten. Wir Musikurheber sind es leid, dass wir durch derartige Meinungsmache als Feindbild aufgebaut werden."
Die Tätigkeit als Urheber bilde deren materielle Lebensgrundlage. Mit dieser Kreativleistung trage man auch zum Erfolg des "hoch profitgierigen" Google-Konzerns bei, der vergangenes Jahr 50 Mrd. US-Dollar umgesetzt habe. An den Gewinnen würde man aber nicht beteiligt. Deshalb verstehe die GEMA nicht, warum sich der "Stern" mit den Fotomontagen auf die Seite des Multinationalen Unternehmens schlage.
"Instrument einer internationalen Kampagne"
"Statt den Kern des Problems zwischen GEMA und Youtube – und sei es satirisch – dazustellen, nehmen Sie eine hämische Verkürzung vor und machen sich damit zum Instrument einer internationalen Kampagne", heißt es in dem Schreiben weiter. "Durch Ihre angeblich mit einem 'Augenzwinkern' erstellten Sperrtafeln unterstützen Sie die Google-Tochter YouTube in ihrer Kampagne gegen die GEMA. Als Redaktion beeinflussen Sie damit die Öffentlichkeit und Meinungsbildung in für uns nicht nachvollziehbarer Weise."
Unterdessen ist die GEMA-Seite wohl wieder einer Attacke zum Opfer gefallen und derzeit nicht erreichbar. Deshalb wird der Brief derzeit über Facebook verbreitet. Der Deutsche Komponistenverband (DKV) und die Deutsche Filmkomponistenunion (DEFKOM) werfen dem "Stern" in ihrem offenen Brief hingegen mangelnde Recherche vor.
"Das Videosperren besorgt Youtube selbst"
"Hätten Sie recherchiert, hätten Sie raus gefunden: Das Videosperren besorgt YouTube selbst. Dabei handelt es sich um eine der bösartigsten, zynischsten Aktionen, die je in diesem Land gesehen wurden", formulieren die Verbände. "Damit soll jetzt auch von unserer Seite Schluss mit lustig sein. Wir verlangen eine journalistisch ordentlich recherchierte Darstellung der Fakten, die Rücknahme dieser keinesfalls lustigen 'Bilderstrecke' und einen Artikel, der wirklich 'ernst und ausgewogen' die Situation von Kreativen in Deutschland darstellt."
Ob der "Stern" mit seiner Darstellung tatsächlich den richtigen Ton getroffen hat, ist fraglich. Doch wenn die GEMA weiter versucht, auf slapstickartige Weise ihr realitätsfernes Verhalten zu rechtfertigen, wird eines zwangsläufig auf der Strecke bleiben: Der überfällige Kompromiss zwischen Konsument und Künstler.
*schnarch* warum genau muss die GEMA noch mal ein Vielfaches von dem von youtube verlange, was youtube mit Verwertungsgesellschaften in anderen Ländern ausgehandelt hat?
Wenn die alten grauen Herren von der GEMA irgendetwas von Web2.0 Kampagnen verstehen würden, dann wüssten sie auch, dass man auf solche Stern-Beiträge nicht mit tief beleidigten Presse-Mitteilungen reagiert, sondern so etwas wie eine Gegenkampagne startet... nur halt lustiger und kreativer...
Vielleicht sollte die GEMA lieber mal ihre Forderungen ein wenig zurückschrauben und mit vernünftigen Vorschlägen eine anständige Diskussionsgrundlage liefern, anstatt so rumzuheulen und sich über semi-lustige Bilder zu echauffieren. Komischer Laden.
@dudek2k10:
Ich weiß nicht, wie die aktuellen Positionen aussehen, aber vielleicht ist es schlicht sinnvoll, mehr zu verlangen als das, was youtube in anderen Ländern latzt oder liefert?
In ca. 160 Ländern zahlt youtube gar nix, weil dort anscheinend kein Urheberrecht/Copyright existiert oder keine Instanz, die vernünftig durchgreifen kann oder möchte, oder was-weiß-ich, ist jedenfalls kein Maßstab. In Amiland war z. B. meines Wissens nicht mehr zu holen, weil dort die Verhandlungsbasis ein Gesetz zum Thema Streamingdienste war, da wurde also nicht viel verhandelt. In anderen Ländern wie etwa Großbritannien sind z. B. die Rechteinhaber Sturm gelaufen, weil die PRS sich nach dortiger Auffassung über den Tisch hat ziehen lassen, die Franzosen sehen das meinen Informationen nach ähnlich, wobei - Franzosen halt ... stehen schon allein ihrer Historie wegen gern auf den Barrikaden. Eine ganze Reihe von Verwertungsgesellschaften aus anderen Ländern - teilweise auch diejenigen, die mit youtube laufende Verträge haben oder hatten - haben wahrscheinlich unter anderem deshalb die GEMA in ihren Forderungen gegen youtube unterstützt und Verständnis für die juristischen Schritte gegen youtube geäußert.
Sehr GEMA-lastig, diese Sicht, gebe ich zu. Aber youtube hat sich auch keine Mühe gegeben, diese in irgendeiner Form zu widerlegen, von daher muß ich annehmen, daß da was dran ist.
Gruß
Skywise
Gebe der GEMA da vollkommen Eecht. Gerade in einer Zeit in der Verleumdung dank Internet Hochkonjunktur hat, braucht die Öffentlichkeit eine sachliche Aufbereitung. Aber die Nachwuchsredakteure bei Stern gehören scheinbar auch zur Facebook Generation, also brechen dort wohl auch andere Zeiten an.
Die Vorwürfe stimmen, Google verdient Milliarden mit fremden Eigentum und ist nicht bereit zu teilen, und es kann nicht das Problem der GEMA sein, wenn andere Länder ihre Künstler schlecht vertreten. Maßgeblich ist ja, wieviel verdient Google. Das ist die Frage, die bestimmt wieviel Kunst wert ist!
Mit RTL wollte ich ein Bild über die alternativen zum öffentlichen Rundfunk geben.
Ich schaue auch mehr private Sender und hole mir die Infos im Netz. Das können / wollen aber nicht alle. Es gibt ja auch Menschen die aus Gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sind sich die Infos zu beschaffen. Oder zu Alt. Das du das nicht brauchst, und nur das bezahlen willst was Du gebrauchen kannst, ist Dein Recht. Dann bist Du aber vielleicht besser in einem Land aufgehoben in welchem keine solidarischen Grundprinzipien vorherrschen.
@der.grob:
Stimmt schon, aber umgekehrt finanzierst Du damit eben auch nicht nur so einen Käse wie das "Traumschiff" oder Schlagersendungen, sondern auch Kultur, Dokumentationen und Berichterstattung.
Ich lasse mir ungern von der Familie Mohn oder von Leo Kirch Nachfolger erzählen, was er für wissenswert hält, deren Einflußmöglichkeiten auf diverse Internetseiten kann ich nicht einschätzen, insofern halte ich mich lieber an den öffentlich-rechtlichen Bereich, wenn es um unabhängige Informationen geht. Nicht nur im Fernsehen, sondern auch im Radio. Daß man den öffentlich-rechtlichen klar und deutlich sagen muß, daß sie nicht mit den privaten Sendern konkurrieren müssen, schon mal gar nicht mit irgendwelchem romantischen Schlonz, wäre eventuell mal angebracht - schon klar, daß sich in dieser Hinsicht einiges tun muß (und es gibt auch schon diverse Versuche, das fängt bei ARTE an, reicht über DRadio Wissen und hört mit ZDFkultur auf). Es gibt schon eine ordentliche Vielfalt und auch diverse (Bohlen-)unabhängige Plattformen für Kunst, Kultur und Informationen aller Art ... macht sie nicht kaputt; die kriegt man so schnell nicht installiert, wenn man sie wirklich mal braucht.
Gruß
Skywise
@der.grob - seh ich ein. Ist sicher auch eine Frage der Höhe und auch "wie" man es verkauft. Ich habe mich jedenfalls mit der Gebühr abgefunden. Möchte einfach nur dass die Leute, die dagegen sind, auch wirklich noch mal darüber nachdenken wogegen sie sind. Es ist doch wirklich beunruhigend wenn die Masse sich so einfach von Riesenkonzernen zu Lobbyisten degradieren lässt. Die GEMA ist verhasst, aber oft auch wirklich aufgrund falscher Faktenlage und gezielter Fehlinformation. Ich wünsche mir einfach eine Welt in der die Leute mal mehr Fakten checken. Schreib einfach mal auf Facebook sowas wie "Merkel fordert Begnadigung für Kinderschänder!!!" und schreibe sowas wie "ein Focus Redaktuer hat enthüllt....etc. Du hast innerhalb kurzer Zeit Shares und Likes ohne Ende und alle hauen mitdrauf, weil es geht ja gegen "die da oben". Derlei Verleumdungen sind nicht strafrechtlich verfolgbar, weil das Internet anonym ist und bleibt, zur Freude der Verleumder und Pädophilen.
Kant forderte den aufgeklärten Menschen, der sein Handeln verantworten muss, weil seine Taten an seine Person geknüpft sind. Im Internet ist das ein Schritt Rückwärts.
@Sancho - naja dahinter stecken natürlich schon auch Menschen die auch sicher stellen wollen das es weitergeht. Damit verbunden sind ja Arbeitsplätze etc.
Ich persönlich fühle mich schon wohler mit dem Gedanken dass es noch sowas gibt, wenn man es braucht. Sendungen wie "monitor" oder die Wissenschaftssendungen mit Harald Lesch....oder überhaupt die etwas sachlichere Berichterstattung der öffentlichen....sollte es schon geben.
Und auch die dort angestellten etc. wollen Planungssicherheit und nicht immer bangen, wieviel die GEZ Eintreiber im Jahr schaffen. Klar, es geht um Geld, dann denkt man immer am anderen Ende sitzen lachende Banker. So ist es aber nicht immer.
da lob ich mir die AKM! die ist weitaus nachsichtiger, und hier kann man noch alles sehen. (also das allermeiste halt); aber seht doch auch was positives (wenn ihr schon die Videos nicht seht...), Dero und Oomph! bekommen wenigstens einen Teil davon ab......also, da lob ich mir eure wie heißt die? GEMA? damit Dero einen Teil der Beute abbekommt und anschauen kann ich mir das Video eh bei uns da wo die AKM noch viel freigiebiger ist.....man muß auch überall die Vorteile erkennen können.
"Wir verlangen eine journalistisch ordentlich recherchierte Darstellung der Fakten, die Rücknahme dieser keinesfalls lustigen 'Bilderstrecke' und einen Artikel, der wirklich 'ernst und ausgewogen' die Situation von Kreativen in Deutschland darstellt." Echt jetzt?
Vom Stern? :'D Alter, die brauchen dringend bessere PR-Berater...
@oomphie:
Da hab' ich 'ne böse, böse Neuigkeit für Dich. Zwischen der AKM und youtube besteht ebenfalls kein Vertrag. Kann ich behaupten, weil die GEMA und die AKM gemeinsam mit youtube verhandeln. Insofern fließt kein einziger Cent vonseiten youtubes an die AKM und demzufolge auch nix von der AKM an Dero und Oomph!. Mag sein, daß die Partner von youtube Ösiland sind, aber ganz ehrlich - ich glaub's nicht. Und inwiefern der Umstand, daß die Lieder in Österreich verfügbar sind, sich auf die Umsätze mit Downloads oder Tonträgern niederschlagen, ist wohl auch nicht belegbar ...
Gruß
Skywise
Sky - natürlich soll Dero was verdienen (und Crap und Flux auch...); aber - bei uns kann man sich das wenigsten anschauen noch, vielleicht sollten die sich alle einigen, damit Dero was verdient,irgendwie werden die sich schon einigen,- bin malgespannt, wie die AKM das da ausverhandelt.
Arbeitet bei diesem Verein eigentlich auch irgendjemand mit einem Funken Verstand? Daß sie nicht einmal Satire versteht, gibt einem sehr zu denken, wenn der GEMA eine wichtige Verantwortung für den kulturellen Zugang zur Musik zuteil wird.
@Ragism:
Dreh die Frage rum: glaubst Du allen Ernstes, daß alle Leute, die den Stern-Artikel lesen, kapieren, daß das eine Satire ist?
Nach dem, was ich in den letzten drei Tagen so auf youtube gesehen habe - definitiv nein, das Ganze wird sogar teilweise als Aufforderung zum offenen Widerstand gedeutet. Wenn mittlerweile sogar die GEMA-Seite wieder mal durch Ddos-Angriffe in die Knie gezwungen wird, muß man sich doch ehrlich fragen, ob dieses Ergebnis so gewollt war. Wenn ja, dann ist es keine Satire, wenn nein, ist es schlecht gemachte Satire.
Gruß
Skywise
Unsinn, Skywise. Daß die GEMA-Seite angegriffen wird, ist nur die absehbare Konsequenz ihres eigenen Verhaltens, das auf den Artikel folgte. Jemand, der in der Lage ist solche Attacken durchzuführen, ist in der Regel kein unterbelichteter Lifestylemensch wie ein durchschnittlicher Stern-Leser.
@Ragism:
Die GEMA-Seite ist nun aber kein Werbeflyer, sondern das virtuelle Aushängeschild einer international agierenden Vereinigung, die ebenfalls nützliche Informationen beinhaltet. Will nicht wissen, welche Temperatur heute bei denen die Telefonhörer haben ...
Gruß
Skywise
@Ragism:
Und das sagt ausgerechnet derjenige, dessen "Brainpower" noch nicht mal ausreicht, um auch nur im Ansatz vernünftige Argumente in einer sachlichen Diskussion zu liefern oder zu entkräften und der die Welt in Gut und Böse einteilt. *augenroll*
Gruß
Skywise
Gut gebrüllt, Löwe. Du windest Dich allerdings auch gerne an jedem Argument vorbei. Und weil wir das voneinander denken, argumentieren wir nach all den Versuchen auch nicht mehr, gell? Aber gut, für heute lasse ich Deinen Arbeitgeber mal in Ruhe, weil Dus bist.
Ach ja: Zu einer guten Diskussion gehört es auch, Positionen zu beziehen. Wer andere sofort als Extremisten bezeichnet, hat vermutlich selbst keine.
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