laut.de-Kritik

Reifer Indie-Folk, poppig im Klang.

Review von

"Get the new Frightened Rabbit-Album!" Zu diesem nachdrücklichen Hinweis sah sich Editors-Frontmann Tom Smith pünktlich zum Erscheinungstermin des neuesten Werks der Schotten veranlasst.

Vielleicht hatte Smith auch schon sehnsüchtig auf den Nachfolger des 2010er Untergrund-Hypes "The Winter Of Mixed Drinks" gewartet. Immerhin drei Jahre haben sich Sänger Scott Hutchinson und seine Mannen schließlich Zeit gelassen, um den Viertling zu schleifen.

Dabei klingen Frightened Rabbit vor allem größer, weiter und ergreifender als noch zuvor. Stellenweise erinnert die Platte an die Fleet Foxes. Denn in fast jedem Song gibt es diesen Renaissance-Moment, in dem die Stimmen der Bandmitglieder im Einklang mit ihren Instrumenten eine schwer durchdringbare Mehrstimmigkeit beschwören. Eine Schall-Flut biblischen Ausmaßes. Fragil, verschwommen und verschachtelt, aber doch irgendwie kontrolliert und homöopathisch – beispielsweise bei der ersten Single "The Woodpile".

Zu Beginn noch behutsam, mausern sich die vom emsigen Prediger Hutchinson gesungenen Textzeilen bald zum mitsingbaren, hymnenhaften Refrain. "Come find me now, where I hide and / We'll speak in our secret tongues". Erstaunlich viele lyrische Fragmente bohren sich auf diese Weise gebetsartig im Ohr fest.

Wenn die Worte "Late March, Death March" im gleichnamigen Stück immerzu wiederholt werden, eine Orgel und (erneut) kirchenartige Chöre den langsamen Song ergänzen, dann mischen sich bald große Gefühle der Geborgenheit mit Gänsehaut: "There isn't a god / So I'll save my breath". Okay, im zweiten Teil dieses Verses flunkern Frightened Rabbit ein bisschen.

Das zunächst melancholisch gehaltene "December's Traditions" poltert kurz darauf ganz ordentlich los, Hutchinsons Stimme erzittert und signalisiert den Gitarren: Zeit zum Aufbäumen. Das Lautsein allerdings, womöglich auch noch Uptempo, gehört nicht zur Lieblingsbeschäftigung der fünf Männer. Im Gegenteil.

Ihr Klang ist stets vielschichtig, hier und da traut sich eine Gitarre mal, ein paar Noten einzustreuen, bevor sie im Handumdrehen wieder verstummt und nicht mehr auftaucht. Das hält dann auch die gezielten Ausflüge von der Folk-Kathedrale in die bunte Indie-Pop-Hüpfburg stets interessant. Wenn der dort verankerte Schlusstrack "The Oil Slick" loslegt, tut er das nicht eben einfach so. Die Drums springen los, der Bass tollt fröhlich hinterher. Aber ohne die verzerrte Gitarren-Line geben sich die Schotten nicht zufrieden. Richtig so.

Eine anschauliche Masse barttragender Interpreten ist gerade dabei, das Metier Indie-Folk schwer in Verruf zu bringen. "Pedestrian Verse" macht da nicht mit. Denn nachdem die letzten Töne des Albums in Vogelgezwitscher münden ist klar: Mit einer Mischung aus durchdacht und melodiös fabrizieren die Rabbits weitaus sublimere Folk-Klänge, als die, die gerade den Markt überschwemmen. Es gibt ihn also doch noch, den Indie mit Charakter.

Trackliste

  1. 1. Acts Of Man
  2. 2. Backyard Skulls
  3. 3. Holy
  4. 4. The Woodpile
  5. 5. Late March, Death March
  6. 6. December's Traditions
  7. 7. Housing (In)
  8. 8. Dead Now
  9. 9. State Hospital
  10. 10. Nitrous Gas
  11. 11. Housing (Out)
  12. 12. The Oil Slick

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