Der Verein Laut gegen Nazis wirft Frei.Wild-Sänger Philipp Burger rechtes Gedankengut vor.
Hamburg (jos) - Die Südtiroler Band Frei.Wild steht mit ihrem Album "Gegengift" auf Platz zwei der deutschen Albumcharts. Der große Erfolg der Deutschrocker alarmierte nun den Verein "Laut gegen Nazis" und ihren Chef Jörn Menge.
In einem Posting vom 26. Oktober wirft Menge Sänger Philipp Burger seine Parteimitgliedschaft bei den Freiheitlichen Südtirols vor. Burger war vor drei Jahren Mitglied auf Bezirksebene, verließ die Partei jedoch 2008, nachdem Fans und Management die politischen Aktivitäten von Frei.Wild scharf kritisiert hatten.
Parteiaustritt, aber kein Gesinnungswandel?
Um die rechte Gesinnung Burgers zu belegen, führt Laut gegen Nazis Forumpostings des Sängers aus dem Jahr 2007 an. Er "habe auch das Amt niedergelegt, aber nicht etwa deswegen, weil ich Schuldgefühle habe oder mit dem Parteiprogramm nicht einverstanden wäre, soviel ist sicher ...", schreibt Burger dort.
Der Parteiaustritt sei also nicht von einem echten Gesinnungswandel begleitet gewesen, behauptet Menge: "Mit dem Parteiprogramm der rechtsextremen Freiheitlichen identifizierte sich der Frontmann der Band 2007/2008 immer noch! Burger hat sich bis heute nicht öffentlich von der genannten Partei distanziert."
Südtirol ist nicht gleich Deutschland
Da hat Jörn Menge bei seinen Recherchen wohl das aktuelle laut.de-Interview übersehen, indem Burger sich eigentlich recht differenziert über seine politischen Aktivitäten äußert. Darin nennt Philipp Burger seine Polit-Zeit "ziemlichen Schwachsinn, den ich da recht blauäugig angegangen bin". Vor Frei.Wild war der Sänger, wie er selber zugesteht, in einer Nazi-Band aktiv, jede rechte Gesinnung seinerseits weist er aber zurück.
"Wenn ich mental tatsächlich so drauf wäre, wie man mir das gerne nachsagt, dann hätten die anderen drei Jungs hier überhaupt keine Band mit mir gegründet." Auch sei Patriotismus in Südtirol bei weitem nicht so vorbelastet wie in Deutschland, so der Sänger. Und schließlich seien die Freiheitlichen Südtirols mit der Haider-Partei in Österreich ohnehin nicht zu vergleichen.
Fest steht allerdings auch, dass Frei.Wild wie früher schon die Böhse Onkelz von dieser Diskussion, zu der nun auch der Verein Laut gegen Nazis seinen Teil beiträgt, enorm profitieren.