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"Fast jeder Ficker da draußen denkt, wir wären weg, wir wären tot / Wir bringen die alte Lady back auf die Map - checkt wie sie flowt." Es zwingt einem schon ein Lächeln auf, wie sich die Stuttgarter Rap-Szene immer wieder gegen das große Vergessen stemmt - sei es Afrob, Max Herre oder auch die Massiven Töne. Für frischen Wind im großen Rahmen sorgte in den vergangenen Jahren zwischen Killesberg und Cannstatt jedoch nur einer: Franky Kubrick.
Seine Verbundenheit zu einer der ersten und ehemals wichtigsten Hochburgen des Sprechgesangs thematisiert der Wahlschwabe gleich in mehreren Tracks, die jeweils hervorragenden "Stuggy Bullshit" und "Stuttgart Story" bilden nur die Spitze. Die aristokratisch anmutenden Verhältnisse im Zentrum Benztowns muss man nicht länger angeprangern - in der Zeit des Bling Bling werden sie zum rapaffinen Selbstläufer. "Komm, wenn du mit deinem Schlitten posen willst, besser nie nach Stuttgart!". Recht hat er.
Kritisch beäugt Kubrick eher die traditionell starke Polizeipräsenz in der Landeshauptstadt, in "Should Be Free" drück er Grün-Weiß ein heftig repressives Stigma auf. "Die sicherste Stadt Deutschlands? Fuck It! Ich fühle mich nicht sicher, ich fühle mich eingesperrt!" Da kann nur noch "Click Click", der legitime Nachfolger von "Staatsfeind Nr.1" auf der Debüt-EP einen draufsetzen. Bushido mag Österreicher zusammenschlagen - Frankies Tracks hingegen sind bereits schon im Internet zu haben, bevor er überhaupt im Studio war. Wer wird hier überwacht?
Thematisch äußerst vielseitig flowt der Optik-Soldier durch alle 19 Tracks und versprüht dabei einen unvergleichlichen Charme. Er und Kool Savas, diese Symbiose verspricht Großes, das verdeutlicht nicht nur der Gastpart beim Titeltrack ("Meine ersten Worte waren Mami und - Money"). Die Competition um die meisten Anglizismen pro Zeile gewinnt der Berliner zwar deutlich, aber in punkto Inhalt bereichert Kubrick Optik Records schon maßgeblich. Denn auch die bunten Scheine verherrlicht der Stuttgarter nicht einfach, betont mehrfach seine Verpflichtungen dem eigenen Sohn gegenüber. Für ihn gilt es zu struggeln, notfalls auch zu dealen, und die Legitimation kommt mit wüsten Beschimpfungen in Richtung Gesellschaft gleich hinterher.
Kubrick ist kein typischer Angehöriger der heutigen Rapszene, dazu sind seine Gedankengänge zu kontrovers. Vielleicht gibt aber auch dieser Spagat zwischen sich selbst abfeiern und Sozialkritik den großen Ausschlag zu seinen Gunsten - bei Azad klappt es schließlich auch seit Jahren. Texte, Style, Beats - Stuggys Finest versprüht Innovation wo es nur geht. Scheiß auf Normen, Klischees, notfalls auch mal auf den Rhythmus. "Der Frank Sinatra in dem Rapding, Baby - Das hier is My Way" erklärt er auf einem der besten Tracks der Scheibe. Bleibt zu hoffen, dass der noch lange nicht zu Ende ist, denn ihn dabei zu beobachten macht von Mal zu Mal mehr Spaß.
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