- Top 100
- Redaktionsempfehlungen
- Zuletzt gehört
Format
Playlist
Aktuelle Sendung
SeitHomepage:
Nach den früh versandeten Debbie Rockt! suchen die Plattenfirmen weiter nach einem weiblichen Pendant zu den Kaulitz-Glimmer Twins. Am besten: Noch frecher, noch rotziger, noch Teen-befindlicher.
Die vermeintlichen Anarcho-Girlies von Fräulein Wunder entpuppen sich jedoch umgehend als stilloses, fast ärgerliches Lieblosprodukt. Die Zielgruppe des Mädel-Vierers rekrutiert sich fraglos aus ahnungslosem Jungvolk, möglichst unbeleckt von etwaigen pop-historischen Vorkenntnissen, um ihnen uralten Grabbeltisch für brandneuestes Orsay zu verkaufen.
Los geht's mit Rita Pavone. Who the fuck ist Rita? Nun, eine in Deutschland erfolgreiche italienische Schlagersängerin, die 1963 ihren größten Hit landete: "Wenn Ich Ein Junge Wär", von Nina Hagen einmal in den Achtzigern gecovert. Das History-Fleddern mangels eigener Ideen geht also schon bei der ersten Single-Auskopplung los. Freilich handelt es sich beim Fräulein-Werk kompositorisch und im Haupttext um ein komplett anderes Werk - doch welch ein Zufall, was den Song-Titel betrifft!
Textlich wühlt der Song in allen nur greifbaren, platten Klischees: "Ich hab die Hand in meiner Hose / Ich kauf mir Playboy / Saufe Bier / Und wenn wir Grössenvergleich machen / Haben die anderen nichts zu lachen". Gut, mag vielleicht nicht bierernst gemeint sein. Doch lässt es stark vermuten, dass da wenig Ahnung von tatsächlichen Jungs vorherrscht. Am Ende taucht mit dem Textstück "Weil ich's viel geiler find, dass ich ein Mädchen bin" erneut Bekanntes auf. Genau: "Weil Ich Ein Mädchen Bin" war der einzige Hit der heute als Üebermutter gestrandeten Luci van Org.
Kräftig von gestern also diese vermeintlich neue Verpackung - ebenso wie der Bandname. Das berühmte originale "Fräuleinwunder" aus deutschen Landen fand ebenfalls in weit zurückliegenden Republik-Jahrzehnten statt. Ebenso wie musikalisch die Nummern "Jeden Tag" und "Beiss Mich": Hier grüßen altbekannte Ideal-Stakkatos der Marken "Erschießen" und "Berlin". Hat die sonst geschmackssichere Annette Humpe deshalb bei der Alben-Produktion mit Hand angelegt? Zu Punk-imitierenden, schlichten Gitarren-Akkorden kreischt Chanty, mit Ohr-schmerzenden Kieksern ausstaffiert: "Beiss mich / Beiss mich / Schmeiss mich an die Wand" bis hin zur Erkenntnis: "Ich bin ein wildes Tier", samt unterstützendem "Katze! Katze! Katze!"-Restband-Chor.
In "Hey Hey" gibt's weiter kräftig aufmüpfiges Jugendzimmer: Zu "Wir zertrümmern die Welt / Die uns gefangenhält" stehen auch bereits die Hilfsmittel zur Hand: "Wir spielen mit dem Feuer / Wo ist das Benzin?" Streichholz nicht vergessen, Chanty. Noch mehr überflüssiges Gestern klingelt ohnehin ständig durch Hinterhof-Schlagzeug und E-Gitarren-Abnudeligkeiten, auf jedem Alben-Meter genügend Stolperstellen.
Nena-Stil-Zitate lauern ständig - dargeboten mit der nuscheligen Kerner-Nichtsing-Technik, die Chanty trefflichst fortführt, getoppt von augenfälligen Schludrigkeiten in Sachen Aussprache. Ein "Bier" mutiert schon mal zum "Biea", und "hernieda" steigt so mancher Band-Song. Passt doch: Uwe Fahrenkrog-Petersen, einst Mitstreiter bei der NDW-Heulboje, ist als Produzent ebenfalls mit von der Krawall-Partie.
Im karaoke-lyrics.net kursiert ein eingereichter Text von "Wenn Ich Ein Junge Wär": Die dortige Einsenderin lässt den Lyrics-Happen "Ich würd (...) mir den Verstand amputieren, tätowieren" prachtvoll als "... bin Verstandappotiert tetowiern" erstrahlen. Na also: Zielgruppe eindeutig erreicht!
| Shop | Titel | Info | Preis | Porto | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|
![]() |
Fräulein Wunder - Fräulein Wunder | Infos (Lieferzeit/Service) | €32,07 | €0,00 | €32,07 |
Das ist für mich das einzig wirklich Ärgerliche am Tokio Hotel'schen Erfolg: Dass die Plattenfirmen meinen, krampfhaft nach einem weiblichen Pendant suchen zu müssen. Dabei sollte irgendwann vielleicht mal irgendwem auffallen, dass der Erfolg von Tokio Hotel zu einem großen Teil damit zu tun hat, dass sie eben nicht weiblich sind.
Oder versucht man, nun die Jungswelt als Zielgruppe für Fräulein Wunder und Konsorten zu gewinnen? Allerdings fürchte ich, dass die gewisse Identifikationsprobleme mit den Texten haben könnten...

Alles ist freiwillig!
Und ich habe stets ein Herz für ordentliche, neue deutschsprachige Acts.
Wenn die Welt gewarnt werden muß, tut laut.de das doch gern! 
ha, der heilige artur peitscht in fast alttestamentarischem zorn die musikzöllner aus dem punkteskalatempel.



Da hatte einer aber wirklich Spaß.
Aber wo bleibt die Rita Pavone-Bio? 
"Wenn ich eine Junge wär" *sing*
grade zwecks weiterbildung auf youtube angesehen. habs selbstverständlich nicht über die zwei minuten grenze hinausgeschafft
wer braucht sowas? weeeeeer?
Die werden nichts. Genauso wenig wie "Debbie rockt!"
Dass Plattenfirmen immer noch glauben, dass man mit solchen Bands Geld verdienen kann. Also das sollten die eigentlich schon gemerkt haben.
ich finde die rezension fällt unter zivilcourage! um gegen scheiße anzugehen muß man sich auch mal mit den richtigen argumenten aufregen können verdammt! nicht immer nur lethargisch frustrieren, resignieren. schau nicht weg!
für mich ist der rezension also keinesfalls die existenzberechtigung abzusprechen. wär nur der fall, wenn solche überhand über die besprechung besserer alben nehmen würden.
im übrigen trägt solcher mist wahrscheinlich auch mal zum enger zusammenrücken der noch überwiegend geschmackssicheren laut.de gemeinschaft bei, indem mitglieder mit sonst evtl. mal divergierenden ansichten sich hinter einen kleinsten gemeinsamen nenner, also grundkonsens gegen absolute scheiße vereinigt stellen können. ;-)




nein, diese kewlen und qailen leutzz muss man schon selbst gesehen haben, damit man sowas qlaubt.
!!! 
Meine Nichte wird nächsten Mittwoch 12 Jahre alt und wünscht sich ebendieses Album von ganzem Herzen. Das bringt mich in ein Dilemma, denn es widerstrebt mir gleichermaßen, dieses Machwerk zu kaufen und an eine Minderjährige weiterzugeben wie ihr den Wunsch abzuschlagen.
Ich habe schon überlegt, einfach noch eine vernünftige Scheibe Musik dazu zu legen.
Aber was?
Melodischer Indie-Rock/Pop a la "The Shins"? Wird ihr zu langweilig sein.
Ordentliches Geknüppel a la "Amon Amarth"? Hält sie für Krach.
Eingängiger deutscher Hip Hop der besseren Sorte a la K.I.Z? Schlag an den Hals für mich von der lieben Mutti.
Ich werde die musikalische Früherziehung wohl doch anderen überlassen müssen.
ein weiteres Konsumopfer - aber so ging es uns doch allen. Irgendwann wird man auch musikalisch erwachsen. Den Gewissenskonflikt hat mein Vater damals auch, als ich unbedingt Blue System haben wollte (mit 11 Jahren :schähm
ich verstehe wirklich nicht, wie man sich über eine band, die musik von teenies für teenies macht, so aufregen kann. 
es ist doch niemand gezwungen, sich das anzuhören.
die pubertierenden kiddies werden es gut finden, kaufen und mit zunehmendem alter vergessen.
lasst denen ihren spass.
viel bedenklicher finde ich die leute, die morgens im supermarkt eine bild-zeitung aufs band legen!

Format
Homepage: